Kardinal Meisner und der Sex

Und noch ein Hirtenbrief: „Verherrlicht Gott in eurem Leib„. Kurzes Fazit schon vorneweg: Leben und Liebe und Sex gibt es nur in der Ehe.

Alles weitere ist ebenso korrekt wie langweilig. Es entspricht – nach meiner unwesentlichen Meinung – den Lehren der Kirche. Sollte ein Hirtenbrief aber nicht eher den Menschen eine Orientierung für ihr Leben geben? Wie lautet denn die Botschaft an 26% aller Frauen und 17% aller Männer in Deutschland die aus dem einen oder anderen Grunde als Single leben, alleinstehend oder alleinerziehend …

„Den Menschen gibt es nur als Frau oder als Mann. Frau-sein und Mann-sein prägt unser Mensch-sein von Anfang an. Das Geschlecht ist keine äußerliche Zugabe oder gar Festlegung der Gesellschaft, sondern durchdringt und prägt unser gesamtes Menschsein mit Leib und Seele.“

… „Eltern haben Anspruch, von der Kirche, von der Gesellschaft und von jeglicher menschlichen Gemeinschaft geschützt und getragen zu werden. Denn die zur Familie gewordene Ehe ist der kleinste und wichtigste Baustein von Kirche und Gesellschaft. Ja, es gibt eine Diskrepanz zwischen der Lebenswirklichkeit vieler Menschen und den Überzeugungen der Kirche zur Sexualität. Doch es geht um keine „Spielverderbermoral“, sondern um ein einziges großes JA zu Leib, Liebe und Leben.“

Sehr schön formuliert Herr Bischof, aber weit an der Lebenswirklichkeit von Singles und Patchworkfamilien vorbei. Ich kenne in meinem Umkreis so viele katholische Familien, die auch mehrere Kinder haben, in denen aber die Kinder, wenn sie Vater oder Mutter besuchen wollen, in eine andere Wohnung gehen. Das hat schlichtweg nichts mit „Spielverderbermoral“ zu tun, was das Lehramt der Römisch-Katholischen Kirche den Katholiken antut, sondern mit Blindheit. Das Scheitern von Ehen wird immer „verteufelt“.

Scheitern allgemein ist etwas negatives, aber dass es etwas Böses ist – und mit diesen Stigmata müssen ja solche Familien leben – entspricht in keinster Weise der Predigt von einem Gott, der der Liebhaber des Lebens ist. Es ist höchste Zeit, sich nicht in ein Lieblingsthema zu verbeissen, Herr Bischof, sondern den Menschen Halt und Orientierung in ihrem Leben zu geben, auch und gerade denen, die mit den Brüchen in ihrem Leben zurecht kommen müssen. Und da sehe ich akuten Handlungsbedarf, der noch nicht einmal in Ansätzen von der Leitungsebene der Römisch-Katholischen Kirche erkannt, geschweige denn als Problem erfasst worden ist.

Und schauen sie desöfteren auf ihren Meister – nein, nicht den Papst – Jesus Christus meine ich. Der hat sich mit Sündern an einen Tisch gesetzt, mit ihnen gegessen und getrunken. Und wenn ich ihn recht verstehe, dann meint er: „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ (Mt 9,12)

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6 Kommentare zu „Kardinal Meisner und der Sex“

  1. Worauf will dieser Artikel eigentlich hinaus ?

    Soweit ich verstehe, wird kritisiert, dass die Moral der Kirche nichts mit Lebenswirklichkeit zu tun habe. Was soll ein solches Argument bedeuten ?

    Eine Moral ist doch dazu da, einen Maßstab für die Lebenswirklichkeit zu bilden, Moral ist Vorbild, nicht Abbild. Und die Morallehre der Kirche ist zwar schwierig zu leben, aber in sich vernünftig. Die Position zu Wiederverheiratung ergibt sich sachlogisch zwingend aus der Unauflöslichkeit der Ehe. Soll die Kirche diesen Anspruch aufgeben ? Wo sollte ein solcher Prozess enden ?

    Die Kirche setzt sich durchaus mit Sündern an einen Tisch, niemand hindert einen nicht gültig verheirateten Katholiken (wie mich) am Meßbesuch – natürlich ohne Kommunion.

  2. Der Artikel bedauert, dass Kardinal Meisner es nicht versteht, den Menschen ein Wort zu sagen in eine Zeit hinein, die geprägt ist von Brüchen und Umbrüchen in der Kirche wie auch in der Gesellschaft und im Leben eines jedes einzelnen Menschen. Statt auf den Glauben an Jesus Christus zu verweisen, rührt er an einer Problematik, die Moraltheologen und Dogmatiker schon seit vielen Jahren beschäftigt.

    Das kann bzw. sollte nicht Gegenstand eines Hirtenbriefes zur Fastenzeit sein. Ein gutes Wort zur Fastenzeit ist der Hirtenbrief von Erzbischof Zollitsch.

    Im übrigen setzt sich die Leitungsebene der Kirche (und damit natürlich in gewisser Weise die Kirche selbst) eben nicht an einen Tisch mit Wiederverheirateten-Geschiedenen. Streng genommen sagt das Lehramt zu jenen: Weil du in einem Zustand dauerhafter Sünde lebst, kannst du nicht zu den Sakramenten zugelassen werden. Wem als Katholik da nicht irgendwas fehlt, wenn er dauerhaft nicht zu den Sakramenten zugelassen wird, der sollte sich selbst mal prüfen, ob er noch den katholischen Glauben hat. Und es gibt etliche, die eben darunter leiden. Eigentlich ist es mit Leuten, die in wilder Ehe zusammenleben und nach einer Trennung einen anderen Partner kirchlich heiraten, genau so wie bei Wiederverheirateten, das wird aber anders gehandhabt.

  3. Der Hirtenbrief ist durchaus ein Wort ‚in die Zeit hinein‘ (wohin denn auch sonst ?, Phrasenalarm) , er ist eben ein unbequemes Wort . Das passt doch sehr gut zur Fastenzeit.

    Ich fand den Hirtenbrief sehr konkret, klar und überzeugend, er wurde allerdings auch gut verlesen: Von einem Priester mit leichtem Akzent, der die Wort sehr klar und ruhig sprach, aber sie sich sichtbar zu eigen machte. Das ganze im Rahmen eines Choralamtes im außerordentlichen Ritus : da haben die Worte gleich eine andere Durchschlagskraft.

    Mich betrifft dieses Thema auch und ich leide durchaus darunter, dass ich nicht die Kommunion bekommen kann. Das ändert aber nichts daran, dass die Regel der Unauflöslichkeit der Ehe gelten muss und dass ich eben dagegen verstoße.

    Was wäre denn die Alternative : Die Frage habe ich oben aufgeworfen, und ich würde mich wirklich über eine Antwort freuen.

  4. Ich bin weder Dogmatiker noch Moraltheologe. Also kann ich eine verbindliche Antwort auch nicht geben. In der Praxis erlebe ich folgendes: Er, Katholik, mit einer Katholikin standesamtlich verheiratet, geschieden, will eine andere Katholikin heiraten, die mit einem Ungetauften standesamtlich verheiratet war und ebenfalls geschieden wurde. Nun frage ich sie: Ist es erlaubt, dass diese beiden vor Gott und der Kirche die Ehe schließen dürfen?

      1. Nun ja, ich würde das ja genau so sehen, aber der Bischof kann kirchenrechtlich in beiden Fällen die Ehen für nichtig erklären und somit liegt einer kirchlichen Eheschließung nichts mehr im Wege. In der Ehe des Mannes ist es die mangelnde Formpflicht. Die erste Ehe unterlag der Formpflicht, d.h. die Gatten, wenn sie beide katholisch sind, müssen kirchlich heiraten, ansonsten leben sie in „wilder Ehe“ zusammen, auch bei standesamtlicher Trauung. Die Ehe der Frau mit dem Ungetauften kann auch anulliert werden, denn sie ist kirchenrechtlich ebenfalls nicht gültig gewesen. Gesetzt den Fall, der Gatte der Frau wäre evangelisch gewesen, dann könnte die Ehe nicht anulliert werden. Tja, die beiden haben tatsächlich kirchlich geheiratet. Die entsprechenden Dispenzen einzuholen, hat nicht einmal 3 Wochen gedauert. Was Gott verbindet, soll der Mensch nicht trennen??? Die Frage, wie die Kirche (rechtlich) mit sog. Wiederverheirateten-Geschiedenen umgeht, wird lange schon ad absurdum geführt.

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