Richtiges Hören ist die Grundvoraussetzung für den notwendigen Dialog – der Hirtenbrief zur Fastenzeit

Erzbischof R. Zollitsch schreibt an die Katholiken des Bistums Freiburg: „Die Zeichen der Zeit erkennen und sie im Licht des Evangeliums deuten„. Na bitte, geht doch, möchte man meinen. Es ist immerhin ein Anfang. Der Erzbischof ruft auf zur Besinnung und Umkehr.

„Wie gestalten wir unser Leben und Zusammenleben im Geist Jesu Christi?“

„Deshalb geht es bei unserem Dialog zuallererst
um die Kunst des rechten Hörens! Ein Ruf, den
keiner hört, verhallt im Raum. Das Wort Gottes,
das im Herzen keinen Resonanzraum findet,
kann sich nur schwer entfalten und kaum
zu Taten der Nächstenliebe führen.“

Und die andere Seite? D-I-A-log. Die andere Seite kommt auch hier scheinbar zu kurz.

„Daher muss es uns zuerst darum gehen, neu hören zu lernen – auf das Wort Gottes und aufeinander.“

Doch noch so ein die Kurve gekriegt: „aufeinander„. Und wenn ich den Brief dann weiterlese, kommen viele Andeutungen, die zwar nicht konkret benannt werden, aber erstmal ein guter Ausgangspunkt für einen Dialog darstellen, wenn sie dann aber wirklich Butter bei die Fische machen, Herr Erzbischof.

„Dabei weiß ich sehr gut um die drängenden Fragen, die in den vergangenen Wochen auch öffentlich vorgelegt und diskutiert wurden und ich kann die oft mit den verschiedenen Positionen verbundene Ungeduld verstehen. Doch gilt es, noch tiefer zu schauen und weiter zu blicken.“

Blicken wir weiter im Text, dann entdecke ich den Satz: „Auch die Meinung derer, die der Kirche fernstehen oder ihr gar den Rücken gekehrt haben, ist uns wichtig.“ Ist doch mal ein klares Wort. Die Zukunft wird zeigen, ob und wie das wirklich stimmt, was sie da behaupten, Herr Erzbischof.

Die drei Fragehorizonte, die angesprochen werden, sind unbestritten:

1. Wie kann Kirche heute noch wirksam den Glauben leben und bezeugen in einer alltäglichen säkularen Umwelt?

2. Wie kann ich als Christ meinen Glauben meinen Kindern weitergeben? Wie können Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit ihren Glauben leben?

3. Wie sieht die Kirche der Zukunft aus? Ohne die Gestalung eines konstruktiven Miteinanders von Laien und Priestern geht es nicht.

„Wo Gott ist, da ist Zukunft.“

Resümee: Als Christ kann ich das nur unterstreichen. Bisher der beste Hirtenbrief, den ich gelesen und gehört habe. Gestalten wir den überfälligen Dialog in diesem Sinne: aus dem Hören auf Gottes Wort und aus dem Hören auf die Nöte der Menschen, auch und insbesondere auf die Sorgen und Probleme, die Katholiken mit ihrer Kirche haben. Kritik darf weder verteufelt noch unter den Tisch gekehrt werden. Inwieweit der Papstbesuch wirklich ein Impuls sein kann, wird sich zeigen.

Nebenbemerkung: Der Hirtenbrief ist sehr gut abgefasst, auch vom Design her, und in einem PDF-Dokument mit Fürbitten und Impulsen und Gebeten versehen. Dass es dem Erzbischof ernst ist mit dem Dialog, zeigt die Möglichkeit ihm via Internet oder per Brief auf diesen Hirtenbrief zu antworten.

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