Tradition

Bei Josef Bordat habe ich einen Ausspruch Papst Benedikts XVI. gefunden:

„Das von euren Vorfahren überlieferte geistige Erbe muss erhalten werden, um es zu bewahren, ja, um darin Antworten auf die Erfordernisse der gegenwärtigen Zeit zu finden.“

Wen spricht der Papst hier an? Welche Traditionen meint er?

Der Begriff der Tradition wird von vielen Menschen heute als Summe von Bräuchen und Angewohnheiten, die einer regelmäßigen Wiederholung unterliegen, angesehen, z.B. Weihnachts-, Oster- oder Hochzeitsbräuche, auch liturgische Bräuche etc. Auch verschiedene Bräuche, wie z.B. Begrüßungrituale, aber auch Regeln, z.B. Ampelregelungen usw. sind im besten Sinne Traditionen. Leitet sich doch das Wort von lat. tradere ab und meint damit: Überlieferungen. Das was also jemand empfangen und weitergegeben hat.

In der Kirche wurden nicht nur Bräuche, Gebete und Gottesdienstformen tradiert sondern auch der Glaube an den dreifaltigen Gott. Die Tradition der Kirche ist sehr vielfältig. Einen Teil hat jeder in seinem Leben durch Erziehung und Bildung mitbekommen und auch durch Glaubenspraxis.

Aber gerade in der Glaubenspraxis liegt die Notwendigkeit marginale Traditionen, die also nicht unmittelbar den Glauben betreffen, auf Brauchbarkeit in der heutigen Zeit zu prüfen. Das hat das II. Vatikanische Konzil aus der Notwendigkeit „Ecclesia semper reformanda“ heraus getan. Die Verwendung der Muttersprache als Gottesdienstsprache war schon lange eine überfällige Einführung. Schon der Hl. Bischof Patrick – dessen Gedenktag heute ist – hat damit erreicht, dass im 5. Jh. die irischen Clans zum christlichen Glauben kamen.

Was aber unveränderlich bleibt und nicht dem Gutdünken einzelner ausgesetzt werden darf, ist der Grundbestand unseres Glaubens, das „depositum fidei“. Dazu gehören: die Bibel, die lebendige Tradition, das Lehramt, der Heilige Geist. Alles in allem und nicht nur eines für sich.

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Ein Gedanke zu „Tradition“

  1. Naja, ob die Verwendung der Muttersprache schon lange überfällig war, da hab ich so meine Bedenken. Wir haben just in dem Moment wo Politik und Wirtschaft eine gemeinsame Sprache gesucht haben, unsere eigene gemeinsame Sprache in die Tonne gekloppt. Das war nicht gerade zeitgemäß. Hätte man sich da nicht idiologisch verbissen, hätte man Latein vielleicht zur neuen Blüte führen können. Da wir das verpasst haben, bleibt uns jetzt nur noch Englisch, wo man, gerade wenn man theologische Formulierungen sucht, wieder bei romanischen Lehnwörtern landet. Die Umleitung hätten wir uns schenken können.

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