Atheisten – Gefahr oder Bereicherung für den christlichen Glauben?

Der Atheismus ist ein hausgemachtes Produkt des Christentums. In dem Zusammenhang muss ich auf ein Posting verweisen, dass ich wirklich sehr prägnant finde: Von Pelzmänteln und Atheisten. Sehr schön Manfred, da kann man viel hinein- und herausinterpretieren. Ob das nun, wie manche Kommentatoren meinen, gleich den Zustand der Politik oder den gesamtgesellschaftlichen Zustand in unserem Land widerspiegelt, möchte ich bezweifeln.

Der Atheismus taucht nur in Ländern mit christlichem Hintergrund auf. Ja, ich möchte sogar die These wagen: Er ist dort am stärksten, wo das Christentum am tiefsten zerrissen ist. Wo der Atheismus „Staatsreligion“ wurde

– Nebenbemerkung: Habe doch wieder so ein Posting gelesen über die Gräueltaten der Christen, nachdem ihre Religion Staatsreligion wurde. Da kann man locker den Atheisten den Spiegel vorhalten. Und Stalin war nur der grausame Anfang dieser Geschichte, deren absterbendes Ende ich miterleben durfte, in der DDR

also: Neben dem Kommunismus/ Sozialismus der sowjetischen Art gab es keine Kirchen oder andere „bourgeoise Niederträchtigkeiten“, die den Sieg des Kommunismus über den „faulenden, absterbenden Kapitalismus“ hätte aufhalten können – so jedenfalls die Sicht des DDR-Geschichtsunterrichtes. Wo ist der Atheismus am meisten resistent? Im Osten Deutschlands und in Tschechien. Breitet der Atheismus sich aus? Nein, wohl aber der von der freiheitsliebenden, kapitalistischen und wertescheuen Gesellschaft provozierte Agnostizismus. Der Anhänger dieser „Glaubensrichtung“ steht meist auf der Schwelle zu einer anderen Religion, wobei er aber in der agnostischen Phase massiv dem Christentum „abschwört“.

Futter und Nahrung finden Atheisten und Agnostiker allein aus der Konfrontation mit dem Christentum. Viel Eigenes steuern sie nicht bei. Das erkennt man gut, wenn man ihre Websites liest. Das sollte man allerdings nicht tun, denn das Niveau derselben, die Netiquette usw. lassen sehr zu wünschen übrig. Und ich möchte es zum wiederholten Male betonen: Wäre Europa im Mittelalter muslimisch geworden, hätte es sich mit dem Atheismus erledigt.

Dennoch sollten wir als Christen uns öfter mal den Spiegel vorhalten (lassen). Ob wir dazu aber unbedingt Atheisten brauchen, möchte ich dennoch bezweifeln.

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10 Kommentare zu „Atheisten – Gefahr oder Bereicherung für den christlichen Glauben?“

  1. „Gräueltaten der Christen, *nachdem ihre Religion Staatsreligion wurde*“

    Das ist der entscheidende Punkt: Christentum *als Staatsreligion*. Hier ging es nämlich um „Staat“, nicht um „Religion“!

    Erst in der weltlichen Rolle, die der Kirche im sich auflösenden Römischen Reich zugedacht wurde (außer dem Papst gab es ja im frühen Mittelalter über Jahrhunderte keine konstante Größe mit Einfluss in Europa), kommt es zu „christlicher“ Gewalt, die eben keine ist, die etwas mit dem Christentum zu tun hätte. Es waren Kaiser und Könige, es waren ihre politischen Überlegungen, es waren staatliche Gesetze und Gerichte, die gegen „Ketzer“, „Ungläubige“ und „Andersdenkende“ in Stellung gebracht wurden, um das Reich zu stabilisieren. Und es waren weltliche Herrscher beziehungsweise Päpste *in ihrer Funktion als weltliche Herrscher*, die „Zwangsmissionen“ anordneten. Theologen haben dem stets widersprochen, weil die Gnade (also: das Geschenk) des Glaubens nur freiwillig angenommen werden kann. Als Karl der Große die Sachsen vor die Alternative Taufe oder Tod stellte, war sein Hoftheologe Alkuin entschieden dagegen. Als die „Katholischen Könige“ mit päpstlichem Mandat Amerika eroberten und die autochthone Bevölkerung von den Conquistadores gewaltsam christianisiert wurde (Mission war die Bedingung für die päpstliche Schenkung von 1493), stieß dies bei den Missionaren auf massiven Widerspruch. Ich erinnere nur an Las Casas.

    Im Kern ist das Christentum also nicht durch Gräueltaten belastet (im Gegenteil: Die ersten Christen waren nicht Verfolger, sondern Verfolgte. Sie sind es übrigens auch heute noch. Über 100.000 Christen sterben jährlich für ihren Glauben. 80 Prozent aller Menschen, die aus religiösen Gründen verfolgt werden, sind Christen. Ihr Anteil an den Menschen, die wegen ihrer Religionszugehörigkeit ermordet werden, liegt bei weit über 90 Prozent.). Wäre das Christentum so schlecht, wie einige es machen, hätte es die wirklich religiös motivierten Gegenbewegungen zum staatlich vereinnahmten Christentum ja gar nicht geben können.

    Und: Atheismus als Widerspruch, als Negation kann deswegen nur in christlichen Gesellschaften entstehen und sich etablieren, weil Freiheit ein Grundprinzip des christlichen Glaubens ist. Das schließt auch die Freiheit ein, sich vom Glauben abzuwenden, „Nein!“ zu sagen. In anderen Gesellschaft ist eine solche Negation nicht so ohne weiteres möglich, weil sie zugleich eine Ablehnung von Kultur und Politik bedeutet. In Indonesien (dem größten islamischen Land) ist Atheismus „verboten“: Zwar ist „Religionsfreiheit“ in der Verfassung garantiert, jedoch nur als Freiheit zu einer Religion, nicht jedoch als Freiheit von Religion. Das ist – bei allem, was man über Atheismus denken mag – keine gute Lösung. Und eben erst Recht keine christliche!

    LG, Josef

    1. Danke, das trifft genau meine Intension. Und was den letzten Gedanken angeht, ob man Atheismus tolerieren sollte: Geht man von der Trennung von Staat und Religion aus, muss der Staat auch die Freiheit von der Religion garantieren, wie es in Staaten mit christlichem Hintergrund der Fall ist.
      Vom christlichen Standpunkt jedoch ist keine Akzeptanz der Atheisten vorgesehen. Man hat schon viel mit dem Spruch „Extra ecclesia nulla salus est“ experimentiert. Eines ist aber klar: Wer sich von Gott wirklich abwendet, ist des Heils verlustig. Deshalb bleibt auch die Hölle immer eine Option, wie immer sie auch aussehen mag. Da wir aber nun nie ganz und gar in einen Menschen hineinschauen können, müssen wir es Gott überlassen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Dennoch bleibt es unsere Aufgabe, die Verbreitung atheistischen Gedankengutes durch unser eigenes Lebensbeispiel zu verhindern. Da sehe ich noch akuten Handlungsbedarf. Viele Christen heute machen sich mehr Gedanken um Marginalien des Glaubens, als dass sie ihren Glauben konsequent leben. Das fördert den Atheismus.

  2. Zustimmung!

    Ich bin mir aber, was den Zustand des Christentums hierzulande (wo der Anteil der Nicht-Glaubenden ja immer größer und die Kritik an der Kirche immer lauter wird), nicht so sicher, ob wir da als Christen nicht in eine Falle tappen, insofern, als wir die negative Sicht der Gesellschaft auf das Christentum bereits so sehr verinnerlicht haben, dass wir uns schlechter machen, als wir sind (Stichwort: Glauben leben). Wir sollten uns nicht besser machen, klar, wir sind und bleiben Sünder, die der Erlösung bedürfen, für die wir nichts tun, sondern nur danken können, doch wird vieles, was die Kirche betrifft, einseitig negativ gesehen.

    Ich will nicht behaupten, dass ich die Gnade habe, konsequent nach dem Evangelium zu leben, aber ich kenne Menschen, die das sehr ernsthaft versuchen. Die sind nicht prominent, nicht außergewöhnlich reich oder überdurchschnittlich klug, sondern schlicht und einfach um Nachfolge Christi im Alltag bemüht. Von denen hört und liest man nichts, und wenn man nicht persönlich einbezogen ist in ihr Werk, lernt man diese Seite des Christentums (die es hier und jetzt gibt) nie kennen. Schade!

    LG, JoBo

    1. Nein, ich denke nicht, dass wir als Christen schon die negative Sicht der Gesellschaft auf uns spiegeln. Was ich hier in der tiefsten Diaspora (nicht nur der Katholiken, auch der Protestanten und anderen Religiösen) beobachte, ist, dass die Indoktrination eines DDR-Regimes hinsichtlich der Religion so tief gegriffen hat. „Glaube ist Privatsache“ – ist er eben nicht.
      Wir müssen als Christen auskunftsfähig sein, woran wir glauben, wenn in einer Schulklasse mit 25 Schülern 1-3 Christen sind, davon max. 1 Katholik. Es soll in unserer Stadt Schulklassen geben, die ohne Christen auskommen – keine Muslime oder andere Glaubensrichtungen. Dagegen wachsen die Pfarreien in die Fläche. Wege zu einer christlichen Jugendgruppe, zu einem Familienkreis oder einem Glaubenskurs werden länger und damit zeitaufwendiger. Das leisten sich wirklich nur die „üblichen Verdächtigen“. Und die treffe ich in der Ministrantengruppe, bei den Pfadfindern und in der Jugendgruppe (wohlgemerkt bei allen dreien dieselben). Zugegeben in der Jugendgruppe haben wir zur Zeit einige „Outsider“. Und das ist auch gut so. Während ich den massiven Schwund nach der Firmung in katholischen Gebieten „verschmerzen“ kann, kann ich das in der tiefsten Diaspora eben nicht mehr. Das wirkt sich auf alle Gruppen und Kreise in einer Kirchgemeinde. Christsein kann man nie alleine und schon deshalb ist Glaube nie nur Privatsache.

  3. „Christsein“ kann man wohl alleine ausüben,denn alle Christen die in der Diaspora lebten,waren alleine und setzten ihre Hoffnung täglich,auf die Gnade Gottes!
    So gibt es „Christen“, die von anmaßenden Menschen zu Christen gemacht wurden für das,sie zehlne und opfern müssen mit ihren Kirchensteuer;
    Und,
    So gibt es wahre,lebendige Christen und Kinder Gottes, die vo nGott gezeugt und geboren sind (Ihre Wiedergeburt erfahren haben).

    Welch ein gewaltiger Unterschied, der da gleicht dem geistigen Licht Gottes und der geistigen Dunkelheit und Unwissenheit des natürlichen Menschen.

    1. Es gibt nie nur EINEN Christen. Christ sein kann man außerhalb der Kirche und christlichen Gemeinschaft nicht. Wer so etwas behauptet ist ein Sektierer. „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen.
      Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte.“ (Apg 4,32-35) Christliche Gemeinde wurde also schon frühzeitig als Gemeinschaft der Glaubenden verstanden. Der Heilige Geist ist eine Gnadengabe, die die Kirche konstituiert, auch und gerade in der Diaspora.

      1. Denke ich grundsätzlich auch: Christsein braucht communio. Aber was ist dann mit den Wüstenvätern, die sich bewusst zurückzogen?

        LG, Josef

        1. Wenn man die Berichte der Wüstenväter liest, merkt man recht bald, dass sie nie so ganz zurückgezogen lebten. Es entwickelte sich um diese Sonderlinge ein regelrechter Tourismus. Und es zeugt schon von Gemeinschaft der besonderen Art, dass sich um Antonius dem Großen (251-356) eine lose Gemeinschaft von Einsiedlern bildete (Anachoretengemeinschaften). Durchgesetzt hat sich mit Pachomios aber das Koinobitentum als monastische Lebensform.

  4. Ach du meine Güte! Was ist denn das?
    Etwas derartig Unsinniges ist ja fern des 21. Jahrhunderts! Aber sehr gut in der christlichen Tradition der Geschichtsumschreibung. Leute, als ob es im Islam keine Atheisten gäbe. Schon mal was vom Zentralrat der Exmuslime gehört? Außerdem steht Atheismus für Nichtglauben, nicht für Nichtanjesusglauben.
    By the way: Atheismus tritt dort am stärksten auf, wo die Bevölkerung den höchsten Bildungsstandards „ausgesetzt“ ist. Deshalb fallen auch die USA so aus der Reihe.

    „Futter und Nahrung finden Atheisten und Agnostiker allein aus der Konfrontation mit dem Christentum. Viel Eigenes steuern sie nicht bei. Das erkennt man gut, wenn man ihre Websites liest. Das sollte man allerdings nicht tun, denn das Niveau derselben, die Netiquette usw. lassen sehr zu wünschen übrig. Und ich möchte es zum wiederholten Male betonen: Wäre Europa im Mittelalter muslimisch geworden, hätte es sich mit dem Atheismus erledigt.“

    Das ist bitter- und falsch. Dazu brauche ich nicht mal Quellen, kurzes, logisches Denken weißt auf die offensichtliche, intellektuelle Unausgereiftheit deines Artikels hin. Vielleicht solltest du dir mal Schmidt-Salomon anhören, der schlägt viel vor. Oder, was Homepages betrifft: http://www.gbsdd.de/?page_id=26 Such mal dort nach den bösen und dummen „Atheisten“. Leichter zu finden sind Hass und Intoleranz auf der „anderen“ Seite.

    Au au au. Es ist traurig, dass sich in diesen modernen Zeiten noch Weltbilder finden, die aus Zeiten stammen, wo die Menschen noch nicht einmal Metallverarbeitung gemeistert hatten. Und daraus seine Philosophie und Heilslehre zu beziehen.

    Post Skriptum: Atheisten und Agnostiker sind nur ein kleiner Teil der Bewegung und, da hast du mal Recht, der am wenigsten konstruktive. Wenn ich von Christen rede, ziehe ich auch nicht nur evangelikale Menschenrechtsverachter ran. Es sind wesenbtlich mehr und man wird sich immer als dumm entlarven, wenn man nur zwei Formen der Ungläubigen kennt. Bin auch nur wegen Zufall hier, deine Antwort werde ich wohl nicht mehr lesen.

    1. Q.e.d. Behauptungen ohne Beweise aufstellen. Eine beliebte Taktik der Atheistenwebsites. Dein Verweis auf die entsprechende Seite ist ja ganz nett, handelt aber auch nur mit Halbwahrheiten. Dass der Atheismus vor allem durch die antike und neuzeitliche Philosophie, die Reformation und die Ausdifferenzierung der modernen Wissenschaften aus der Philosophie entstanden ist, ist Grundwissen der Geisteswissenschaften. Alles andere wäre Geschichtskrittelei, wie sie schon so oft von den verschiedensten Leuten vorgenommen wurde, nicht nur von kirchlichen Geschichtsschreibern.
      „Der Kirchentag ist ein Massen- und Medienspektakel, es zeugt im Grunde von großer Angst: dass die Mitglieder weiter in Scharen davonlaufen, Kirchen sonntags kaum noch besucht werden, sich immer wieder Gruppen und Glaubensrichtungen von der evangelischen Kirche abspalten, christlicher Glaube und Kirche in der Gesellschaft kritisch hinterfragt werden und der Machteinfluss, den die Kirchen nach wie vor haben, schwinden könnte“ schreibt ein „Freidenker“.
      Kirchentage gibt es schon seit 1848 als Reaktion auf die 1848-er Revolution. Auf katholischer Seite sind es die Katholikentage. Das kann man alles bei Wikipedia oder anderswo nachlesen.
      Es mag sein, dass Nicht-Gläubige sich geängstigt fühlen. Aber Kirchentage sind schon immer für die Gläubigen, für die Innere Mission da und haben keine Kontra-ausrichtung, jedenfalls nicht in der Hauptintension. Dass es Gruppen und Kreise gibt, die ihre Meinung miteinbringen, das gibt es auf jeder Demo.

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