Atheismus oder die Allmacht der Gottlosen

Wie schafft es ein „Blashemieblog“ in die Blogcharts von wordpress.com? Atheismus ist scheinbar en vogue. Obwohl die Macher des Blogs sich nicht einmal sicher sind, was Atheismus eigentlich ist. Die Definition von Atheismus scheint wissenschaftlich fundiert zu sein. Das Resümee: „Beim Atheismus geht es darum, das Universum so zu verstehen und zu schätzen wie es wirklich ist, und nicht so, wie wir es uns gerne vorstellen wollen. Wir benutzen Wissenschaft und Tatsachen aus der realen Welt, um uns zu informieren und leiten zu lassen.“

Vorausgesetzt, der Mensch ist in der Lage, das Universum zu erkennen, wie es wirklich ist, nicht so, wie er es mit seinen begrenzten Sinnen und Fähigkeiten wahrnehmen kann. Auch der bekannte Astrophysiker Stephen Hawking versteigt sich in mathematische Modelle, die sich nicht mehr wissenschaftlich verifizieren lassen. Kann ein einzelner Mensch – gleich wie hoch sein IQ auch sein mag – diese immer komplexer werdende Welt überhaupt ansatzweise noch erkennen? Wer heute noch auf das Non-Plus-Ultra der Wissenschaft setzt, sitzt entweder im Rollstuhl und sinnt eben nach einer nicht beweisbaren Weltformel – akklamierend: ‚Es gibt keinen Schöpfergott!‘ – oder verkündet weiterhin die Unfehlbarkeit des Wissenschaftsdogmas: „Es existiert nur das, was ich wissenschaftlich beweisen kann.“

Atheisten sind jedoch nicht dumm. Das ist hiermit nicht impliziert. Sie sitzen nur, wie so viele andere Zeitgenossen auch, dem Irrtum auf, dass allein mit Wissenschaft und Fortschritt die Welt vernünftiger erklärbar wäre als durch die Brille der Religion, die sie als blind machend erachten und der sie per se jede Erkenntnisfähigkeit absprechen. Ihrer Meinung nach schließt das Eine das Andere aus. Deshalb ist es auch schwer mit „wirklichen“ Atheisten zu reden. Zumal sie immer wieder den Impetus des moralisch Besseren für sich in Anspruch nehmen, mit der Begründung, Religionen haben das ja auch immer schon gemacht. (Sehr intelligente Begründung!!! Versucht sich der Hund in den Schwanz zu beißen.) Natürlich machen das Religionen bis heute. Aber des Gleiche zu behaupten macht einen noch lange nicht zu einem besseren Menschen, egal wie mantramäßig man das wiederholt. Aber das Hauptmantra der Atheisten ist lange schon obsolet: Glaube heißt Nicht-Wissen und kann deshalb mit Wissenschaft nicht zusammengehen.

Im übrigen ist folgender Aspekt an der Entstehung und Entwicklung des Atheismus bemerkenswert: Ohne das Christentum gäbe es diese philosophische Strömung gar nicht. Um es präziser auszudrücken: Hätte die christliche Theologie nicht die philosophischen Strömungen der Antike bis in die Neuzeit transportiert, gäbe es weder Kant, Leibniz, Wittgenstein, Russell u.a., gäbe es auch nicht jene unverdrossene Wissenschaftsgläubigkeit, die die Philosophie noch bis in die Moderne sich auf ihre Fahnen geschrieben hat. In islamischen Ländern gibt es keinen signifikanten Atheismus. Wäre 1683 Wien von den Türken erobert worden, würde Europa heute ganz anders sich darstellen, und nicht nur Europa. Wer skandiert: Wir brauchen das Christentum nicht, der soll zurück in den Wald gehen und seine Eiche anbeten, oder er kaufe sich gleich einen Gebetsteppich und lerne schon mal arabisch. Und ob sie es nun wollen oder nicht, daran lässt sich nicht rütteln: Der Atheismus braucht das Christentum, wie der Fisch das Wasser. Beweis: „Blasphemieblog“, was hätten die sonst zu bloggen?

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15 Kommentare zu „Atheismus oder die Allmacht der Gottlosen“

  1. Oha… Das tut mir ja Leid, dass du so schlechte Erfahrungen mit Atheisten gemacht hast. Deine Herangehensweise hier lässt mich aber vermuten, dass die betroffenen Atheisten sich vielleicht auch von dir ein bisschen angegriffen fühlten und daher nicht so besonders angemessen reagiert haben. Aber natürlich gibt es auch auf unserer Seite monumentale Riesenarmleuchter, gar keine Frage.
    Um zum Punkt zu kommen: Falls du einen Atheisten suchst, mit dem du reden kannst, würde ich mich anbieten.
    Und bei der Gelegenheit gleich die Frage stellen: Wie funktioniert die religiöse Erkenntnis denn deiner Meinung nach? Ich gehöre nämlich auch zu denen, die keinen religiösen Weg zur Wahrheit sehen. Aber ich lasse mich gerne belehren.
    Im Gegenzug würde ich eine kleine Erläuterung zu deinem letzten Absatz anbieten: Ohne Theisten wären zumindest die Atheisten, die ich kenne, hoch zufrieden damit, einfach nur an keine Götter zu glauben. Es ist nicht so, dass uns da irgendwas fehlen würde, wenn wir keine Religionen mehr zu kritisieren hätten. (Ausnahmen gibt es sicher. Ich bestreite nur die Allgemeingültigkeit.)

    1. Es liegt nicht in meiner Absicht jemanden zu belehren. Vielleicht bin ich manchmal etwas polemisch. Aber auch das ist nicht meine Intension. Satire – möglich. Dennoch denke ich, die meisten Menschen, die nicht an einen Gott glauben, meinen – zumal sie auch wenig mit Menschen zu tun haben, die ihr Leben aus diesem Glauben speisen (zumindest im Osten Deutschlands) -, Glaubende seien noch auf dem Stand von vorgestern, würden Darwin und Co. ablehnen und das vermeintliche Grunddogma: Glaube = Nicht-Wissen ließe sich problemlos auf alle v.a. Christgläubige anwenden. Für manche ist es also ganz brauchbar, dass es in Amerika diese evangelikale Bewegung mit ihrem Kreationismus gibt. Denn die beweisen all diese Thesen. In Europa und auch anderswo in der Welt sieht das zwar ganz anders aus, aber das macht vielen nichts aus, denn die Schablone passt doch vermeintlich so gut. Dass es etliche christliche Wissenschaftler gibt, wird gar nicht zur Kenntnis genommen. Denn wer wirklich moderne Wissenschaft betreibt, kann per definitionem eben nicht an ein höheres Wesen glauben. Das schließe sich aus.
      Religiöse Erkenntnis unterscheidet sich im wesentlichen von anderen Erkenntnistheorien dadurch, dass das Universum und auch der Mensch kein Produkt des Zufalls, sondern auf eine Beziehung zu einem höheren Wesen hin geschaffen sind. Es gibt somit für Glaubende einen Sinn des Lebens, den es im Vollzug des Lebens immer mehr zu entdecken gilt. Gott hat sich durch Menschen zwar immer wieder offenbart, aber er bleibt auch letztendlich immer der ganz Andere, den wir nie ganz mit menschlichen Maßstäben ausloten können. Für Glaubende ist Gott die Wahrheit, die hinter allem ist, die wir suchen und in einem Leben nach dem Tod (zumindest glauben das die Christen, die meisten Juden und Muslime) ganz erkennen werden.
      Da sich das aber nicht nach wissenschaftlichen Methoden verifizieren lässt, ist es für Atheisten eine nie beweisbare Hypothese und – ich kann das nachvollziehen – dadurch praktisch irrelevant. Wenn das also das Denken der Atheisten ausmachen sollte, warum benutzen Atheisten religiöses Gedankengut, um ihre Thesen zu proklamieren? Richard Dawkins: Der Gotteswahn. Die Schöpfungslüge. Der blinde Uhrmacher. Christopher Hitchens: Der Herr ist kein Hirte. Wie Religion die Welt vergiftet. Das ist Polemik vom Feinsten, von dem man sich besser jedoch keine Scheibe abschneiden sollte. Es gibt jedoch auch interessante Ansätze: Christian Lührs: Gut sein ohne Gott. Ethik und Weltanschauung für Kinder und andere aufgeklärte Menschen. Aber die muss man schon suchen, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Und das Non-Plus-Ultra ist es auch nicht. Fehlende Verweise erleichtern nicht das Weiterdenken.

      1. Danke für die differenzierte Antwort. Da bin ich doch schon mal sehr angenehm überrascht.
        Was Dawkins und Hitchens angeht, so geht es denen nach meinem Verständnis darum, Religion zu kritisieren. Ich finde, das tut auch bitter Not. Vielen religiösen Menschen fällt es anscheinend sehr schwer, zu verstehen (womit ich noch nicht meine, zuzustimmen), dass aus Sicht vieler Atheisten Religion eine sehr, sehr schädliche Kraft in der Welt ist. Ich bin deshalb der Meinung, dass Dawkins und Hitchens eine nützliche Arbeit tun, wenn auch eher im Negativen.
        Für die Ausführungen zur religiösen Erkenntnis danke ich, aber meine Frage zielte eigentlich auf etwas anderes, nämlich mehr auf die Methode als den Inhalt, den ich relativ gut zu kennen glaube.
        Wie gelangt man zu religiöser Erkenntnis? Es gibt ja nun zahllose Angebote da draußen, von Scientology über Buddhismus und Hinduismus und Wikka bis hin zu den klassischen monotheistischen Weltreligionen. Innerhalb dieser Strömungen gibt es nun wieder Meinungsverschiedenheiten (Manche Christen glauben, dass Homosexualität eine furchtbare Sünde ist, andere glauben, ihr Gott hätte nichts dagegen, um nur ein Beispiel zu nennen.)
        Wenn ich die Antwort auf eine Frage suche, dann wende ich mich dafür im Grunde an die wissenschaftliche Methode, an die Empirie. Ich denke, die muss ich nicht näher beschreiben, die ist ja bekannt.
        Wenn ein religiöser Mensch die Antwort auf seine Fragen sucht (Welcher Gott ist denn nun der richtige, und was muss ich tun, um ihm zu gefallen? zum Beispiel), wie sucht er sie dann?
        Wer meint, dass man nicht an etwas Falsches glauben und gleichzeitig Wissenschaftler sein kann, muss eine absurd naive Weltsicht haben. Es gibt sicher solche Atheisten, aber ich kenne keinen von ihnen. Das sagt aber wiederum nichts über die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft aus. Menschen sind eben nicht nur eine Sache, sie sind immer ein Gemisch aus klug und dumm, eigennützig und altruistisch, sympathisch und unsympathisch…

  2. Die Methoden zum Glauben (oder zu religiöser Erkenntnis) zu gelangen, sind unterschiedlich. Christen gehören einer Buchreligion an, wie auch Juden und Muslime. Ganz anders der Buddhismus und der Hinduismus. Über letztere kann ich nicht viel sagen. Für viele Zeitgenossen mag der Weg der Erleuchtung, das Umgehen mit Karma und Wiedergeburt ja schon fast normal sein, mich als Christen verwirrt das eher, auch wenn ich schon mal mit dem Gedanken gespielt habe, wie es wäre, wenn ich noch mal von vorne anfangen könnte. Dennoch möchte ich in diese Welt kein zweites Mal geboren werden.
    Doch zurück zu den Methoden. Im Grunde sind sie bei allen drei Buchreligionen gleich. Der Suchende kann in den Büchern (Thora, Profeten, Neues Testament, u.a., und im Koran – je nach persönlicher Neigung) die göttliche Offenbarung entdecken. Sie kleidet sich jedoch in Menschenworte und ihre jeweiligen zeitbedingten Vorstellungen von Gott. Deshalb bedarf es zum Verstehen der Botschaft nicht nur menschlicher Hilfe (geistliche Begleitung) sondern auch göttlicher Inspiration vor allen Dingen im Gebet. Christen nennen das auch Heiliger Geist. Christ-sein kann man nicht alleine. Die Gefahr hat man schon früh erkannt, seine eigenen Ideen zu verabsolutieren. Eine Gemeinschaft der Glaubenden ist notwendig die Botschaft nicht zu verwässern oder zu verfälschen. Nun behaupten viele, das hätte die Kirche aber schon gemacht und macht es bis heute. Das ist schlichtweg falsch. Betrachtet man jedoch die Marginalien des Glaubens (Ritus, Inquisition, manche ethische Äußerungen, etc.), da kann man schon viele Verfehlungen erkennen. Aber es sind Marginalien. Ich gehe nicht mit der Meinung konform: Religion sei die Ursache allen Übels in der Welt. Auch bin ich nicht der Meinung, Religion sei für Moral gemacht (Grönemeyer). Das wäre ebenso eine Verkürzung dessen, was Religion meint. Religion ist nicht Opium des Volkes (Marx) auch nicht Opium für das Volk (Lenin), für mich ist es eine Form der Suche dem Leben einen Sinn zu geben, der außerhalb menschlicher Beschränktheit liegt. Religion ist eine Beziehung zwischen ganz unterschiedlichen Wesen.

  3. “Beim Atheismus geht es darum, das Universum so zu verstehen und zu schätzen wie es wirklich ist, und nicht so, wie wir es uns gerne vorstellen wollen.

    Ich kenne keinen Atheisten, der behauptet, genau zu wissen, wie das Universum wirklich ist. Atheisten sind im Allgemeinen viel zu wissenschaftlich veranlagt, um so etwas zu tun.

    Der Anspruch der Atheisten besteht lediglich darin, keine Aussagen über Dinge zu machen, die nicht überprüfbar sind. Oder anders ausgedrückt: Die Wissenschaft (hier auch: der Atheismus) macht keine Aussagen über Dinge, die sich nicht von nicht-existenten Dingen unterscheiden lassen. Und zwar, weil sich darüber keine sinnvollen Aussagen machen lassen. Von niemandem – also auch nicht von Theologen.

    Richtig ist, dass Atheisten sich nichts vorlügen wollen und deshalb oftmals ein wenig allergisch auf Argumentationen reagieren, die lediglich auf Wunschdenken hinaus laufen.

  4. Atheisten … sitzen … dem Irrtum auf, dass allein mit Wissenschaft und Fortschritt die Welt vernünftiger erklärbar wäre als durch die Brille der Religion

    LOL! – Wo soll da, bitte, der Irrtum bestehen? Wissenschaft erklärt vieles, Religion nichts. Überleg‘ mal, weshalb der methodische Atheismus der Naturwissenschaften zu eiem geradezu explosionsartigen Erkenntnisgewinn geführt hat, während sich Theologen noch nicht einmal über grundlegende Eigenschaften Gottes oder seine Forderungen an die Menschen einigen können. (Eben weil ihre Behauptungen sich jeder Überprüfung entziehen. Damit sind sie irrelevant.)

    1. Bist du überhaupt sicher, dass du existierst und nicht in einer Matrix bist, die deine Existenz nur vortäuscht? Was kannst du heute schon mit an Sicherheit grenzender Wahrescheinlichkeit verifizieren. Und jetzt denk noch mal über den Satz nach: „Wissenschaft erklärt vieles, Religion nichts.“ Im übrigen: Etwas erklären (falsifizieren) ist noch lange kein hinreichendes Kriterium für Verifikation. Immer schön wissenschaftlich bleiben 😉

      1. Die Frage, ob wir in einer „Matrix“ leben, ist irrelevant, weil es nichts ändern würde. Abgesehen kannst Du Dir meinetwegen überlegen, ob DIR MEINE Existenz vorgetäuscht wird, aber um MIR irgendeine Existenz vorzutäuschen, muss ich ja erst einmal existieren. Deshalb heißt es ja: „Ich denke, also bin ich.“

  5. @Skydaddy

    Atheisten sind im Allgemeinen viel zu wissenschaftlich veranlagt, um so etwas zu tun.

    Na, wenn du dich da mal nicht ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt hast.

    1. Nenn mir doch einfach ein Gegenbeispiel von einem Atheisten oder einer Atheistin, die behauptet, „genau zu wissen, wie das Universum wirklich ist“. Ich kenne, wie gesagt, keinen, und ich führe das darauf zurück, dass Atheisten mir ganz überwiegend wissenschaftsaffin vorkommen, und es scheint mir auch sowohl für den Atheismus als auch für die Wissenschaft typisch zu sein, dass man zugibt, bestimmte Dinge nicht zu wissen.

      1. Ich kenne kein Gegenbeispiel. Ich zweifle nur deine Behauptung an, dass Atheisten im Allgemeinen besonders wissenschaftlich veranlagt wären.

    2. Ich übrigen meinte ich nicht, dass Atheisten im Allgemeinen besonders „wissenschaftlich“ sind, sondern lediglich, dass sie eine Art „Mindest-Wissenschaftlichkeit“ besitzen, die sie eben anerkennen lässt, dass sie nicht alles wissen, und wie man zu Erkenntnis gelangen kann.

      1. Oh, da hat sich was überschnitten. Das zweifle ich aber immer noch an. Ich kenne keine Statistiken, und will gar nicht ausschließen, dass du sogar Recht haben könntest, aber Scientologen und manche Buddhisten sind auch Atheisten. Ich auch allgemein nicht, dass man eine besondere Mindestwissenschaftlichkeit braucht, um nicht an Götter zu glauben. Man kann das aus vernünftigen und unvernünftigen Gründen tun.

        1. Also, Scientologen und Buddhisten hatte ich nicht mit einbezogen, ich hielt es für ausgemacht, dass es um „Neue Atheisten“ geht bzw. die vermeintlichen Macher und aktiv kommentierenden Leser des Blasphemieblogs. Unter denen vermute ich wenige Scientologen und Buddhisten.

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