Lebe!

Und da sagt Jesus: „Sorgt euch nicht um morgen.“ Ist er denn so weltfremd? Natürlich muss ich Vorsorge treffen, auch für das Seniorenalter. ‚Ich habe es ja immer gewusst‘, denkt sicher der eine oder andere, ‚die Kirche hat mit dem Leben der modernen Menschen nichts am Hut.‘

Wir alle machen in dieser oder jener Hinsicht die Erfahrung, dass wir nicht frei sein können von Sorgen um uns selber und um Menschen, die unserer Sorge anvertraut sind. Es geht auch nicht ohne Vorsorge über den heutigen Tag hinaus. In der Steinzeit haben die Menschen damit begonnen, Vorräte zu sammeln, um über karge Zeiten hinwegzukommen. Wir können nicht von der Hand in den Mund leben.

Wenn Jesus sagt, wir sollten uns nicht um unser Leben sorgen, dann meint er damit eine unnötige oder gar von Angst besetzte Sorge. Die allermeisten von uns haben keine Sorge, was das Lebensnotwendige angeht, was wir essen oder anziehen sollen. Wir leben ziemlich abgesichert und sind meist gut versorgt. Dafür gibt es anderes, was Angst machen könnte. Die Angst um eine ungewisse Zukunft. Angst vor dem, was uns widerfahren könnte. Und was das Ende unseres Lebens angeht, kann der Gedanke uns zu schaffen machen, dass alles, womit wir uns abgesichert haben, uns zwischen den Händen zerrinnt.

Es wäre sicher heilsam, wenn wir uns ab und zu bewusst machten, was konkret unser ängstliches Sorgen ist und weswegen es uns allzu sehr in Beschlag nimmt. Wenn wir auch nicht sorglos in den Tag hineinleben dürfen, so müssten wir uns doch fragen, ob wir nicht besser einiges getrost der Zukunft überlassen dürfen. Oder aus der Sicht des Glaubens gesprochen, ob wir nicht manches vertrauensvoll Gott anheim geben können.

Gott ist geradezu der Liebhaber des Lebens. Er möchte unsere Not wenden, die wir mit dem Leben haben. Den unverstellten Blick auf das Leben sollen wir wiedererlangen. Was brauche ich denn wirklich zum Leben? Wenn ich auf den Anfang menschlichen Lebens schaue, dann ist das: Luft zum Atmen. Seit dem ersten Schrei als Säugling gehört aber auch dazu: das Vertrauen. Es ist jemand da, der sich um mich sorgt. Mangelt es an dieser Erfahrung, so kann ich auch nicht erleben, was es heißt geliebt zu werden.

Ich bin dankbar für diese Erfahrung in meinem Leben. Es sind in erster Linie meine Eltern, die mich behütet haben. Das Vertrauen in Gott, den Liebhaber des Lebens, kommt dazu. Wird auch dieses Vertrauen durch die Ereignisse in der Welt manchmal erschüttert, sagt er mir: „Du bist mir wichtig. Deshalb sorge ich für dich. Du aber: lebe!“

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3 Kommentare zu „Lebe!“

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