Fronleichnam – Herrenleib

Woas is des jetz scho wedder? Latschen die Katholiken durchs Dorf und der Pfarrer trägt so ein merkwürdiges Gerät unterm Sonnenschirm, der von 4 Männern getragen wird. Dabei singen sie komische Lieder und die Musi spielt, aber man kann gar nicht danach tanzen?

Tja, die lieben religiös unmusikalischen Nachbarn würden das so ähnlich ausdrücken, wenn sie an Fronleichnam die Prozession durchs Dorf sich bewegen sehen. Ein richtig katholisches Fest mit einer festen christlichen Basis: das Abendmahl Jesu. Aber das haben wir doch schon an Gründonnerstag gefeiert? Genau, aber nicht so ausgelassen und fröhlich. Muss denn das sein? Denn so fröhlich ist das in Wirklichkeit nicht, wenn ich mir die Menge der Menschen ansehe, den schwitzenden Priester unterm sogenannten Himmel, die wachsbeschmierten Ministranten, die kaugummikauenden Erstkommunionkinder und die Kleinsten, die es nicht begreifen können, ihre schönen Blütenblätter einfach so auf die schmutzige Straße zu werfen.

Fronleichnam ist eines der „jüngsten“ Feste im kirchlichen Jahreskreis. Korrekterweise müsste man auch sagen: „Hochfest des Leibes und Blutes Jesu“. In deutschen Landen hat sich jedoch diese Bezeichnung erhalten, die sich aus dem Mittelhochdeutschen herleitet: vron licham, Leib des Herrn. Man glaubt es kaum, aber es ist vor allem wegen seiner Prozessionen beliebt. In Köln ist die erste davon bezeugt 1277. An Bedeutung nahm das Fest jedoch erst nach dem Trienter Konzil zu in der Reformationszeit und der Zeit der Gegenreformation. Der Priester trägt die „Monstranz“, jenes Zeigegerät, das eine gewandelte Hostie beinhaltet, die Gemeinde folgt ihm. An vier im Freien aufgebauten Altären werden Fürbitten gebetet und der Priester gibt jeweils den eucharistischen Segen in den entsprechenden Intensionen.

Während in katholischen Gebieten, in denen dieser Tag staatlicher Feiertag ist, die Umgänge am Donnerstag selbst abgehalten werden, finden sie in den anderen Teilen Deutschlands, in der Diaspora, meist am darauf folgenden Sonntag statt, begleitet oft mit einem Gemeindefest. Das unterstreicht meiner Meinung den fröhlichen Festcharakter: Jesus ist mitten unter uns, im Alltag und im Feiern. Weil er stets im Leib und Blut bei den Menschen ist, gehen wir mit ihm durch unsere Straßen. Und dann schauen wir noch einmal genauer hin: Da sind die Ministranten, die voller Stolz das Kreuz, die Kerzen und den Weihrauch tragen. Ich sehe die Erstkommunionkinder in ihrer festlichen Kleidung, die es genießen wiederum im „Mittelpunkt“ zu stehen. Die Blumenkinder, die mit vollen Händen die Blütenblätter in die Luft werfen. Die Bläser, die voller Inbrunst „Großer Gott wir loben dich“ intonieren. Und die Jungen und Alten der Gemeinde, die laut mitsingen. Nicht zuletzt sehe ich den Priester, der ganz in Andacht versunken den Leib Christi durch das Dorf trägt, mitten in das Leben der Menschen.

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