Polarisieren

Mein Fremdwörterbuch sagt zu: polarisieren

1. a) spalten, trennen, Gegensätze schaffen

b) sich -: in seiner Gegensätzlichkeit immer deutlicher hervortreten, sich immer mehr zu Gegensätzen entwickeln

2. … (Duden, Das Fremdwörterbuch, 637,3.)

Chrysostomos wie auch der Predigtgärtner polemisieren gegen das Hirtenbarometer, bei dem sog. Schäfchen ihre Hirten bewerten können. Die Macher dieser Seite: Fabian Ringwald und seine Kollegen dürften sich über die unterschiedlichen Meinungen zum Hirtenbarometer freuen. Denn: „Wir brauchten eine Idee, die polarisiert.“ So schreibt der „Spiegel“.

Sicher wäre eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Castingsyndrom unserer Zeit notwendig, aber keine Polemik, wie man sie im Duden-Fremdwörterbuch nur wenige Seiten später unter Nummer 2. findet.

2. unsachlicher Angriff, scharfe Kritik

Aber damit kann man auch polarisieren. Und mir scheint das auch eine übliche Taktik zu sein. „Die meisten Menschen sind nicht in der Lage, zwischen dem Hirten und dem Inhalt seines Verkündigungsauftrages zu unterscheiden.“ Soso. Und zu welchen anderen zählt sich Chrysostomos? Ich erinnere nur allzu gern an die Bevölkerung Roms, die ein Jahrtausend die Päpste mitbestimmt und einen unliebsamen Papst sogar aus dem Grab ausgebuddelt und in den Tiber geworfen hat. Zugegeben von Niveau hat der wütende Plebs keine Ahnung, aber das ist kein Vergleich zu den Leuten, die im Internet oder anderswo voten, für oder gegen was auch immer (z.B. ob der Papst die Tiara wieder öfter tragen sollte oder nicht – was kann ich dafür).

Chrysostomos möchte eine Liturgie „ohne Klimbim und Ringelpietz mit Anfassen. Wenn ein Zelebrant nur Punkte bekommt, wenn er auf dem Altar steppt, werden leider noch mehr lobbedürftige und selbstwertschwache Liturgen fröhlich die Liturgie versauen. Irgendwann, ich spüre es, wird der Tag kommen, wo ich in so einer Messe nicht nur still rausgehe, sondern platzen und laut schreien werde: „ICH WILL JETZT ENDLICH MEINE RUHE HABEN!““

Zugegeben: Manchem Lateiner, von der Muttersprache aus, ist dieses Deutsch ein Greuel. Und wie sich manche Laien in den Gottesdienst einbringen, einfach grauenvoll. Und dann noch diese Messen nach dem Ritus der Postkonzilszeit. Wir sollten zurück zu den Wurzeln des 2. Vatikanums. Außerdem möchte ich persönlich auch einmal eine Lanze für die Qualität der Predigt brechen. Und bitte nicht alle Laien als ungebildet abkanzeln. Das ist billigste Polemik aus der untersten Schublade traditionalistischer Pfarrherrlichkeit.

Im übrigen halte ich nichts von solchen Votings. Sie geben immer nur vor, repräsentativ zu sein, sind aber allesamt – egal aus welcher Ecke sie stammen – tendenziös, nämlich im Sinne des Erfinders. Auch wenn sie vortäuschen einen Dialog „auf Augenhöhe“ zu forcieren, fördern sie nur die Polemik.

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1 Kommentar zu „Polarisieren“

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