Sag immer vier – Seligsprechung der Lübecker Märtyrer

Bei einigen Protestanten soll ja die Seligsprechung am Samstag, den 25. Juni 2011, in Lübeck zu einigen Irritationen geführt haben. Evangelisch.de spricht gar von einer „verpassten Chance„. Wenn man am Samstag bei den Feierlichkeiten dabei gewesen ist, kann man die  Skepsis Bernd Buchners des Verfassers des Artikels nicht nachvollziehen.

Das Wesentliche an diesem Ereignis war nicht der formelle kirchenrechtliche Akt der Seligsprechung. Das ist ja nur die offizielle Genehmigung, die drei Kapläne im Gottesdienst um ihre Fürsprache anzurufen. Dennoch:  für die katholischen Gläubigen hier im Norden spielt das kaum eine Rolle. 8.000 Gläubige, die das interessierte. Wesentlich weniger als erwartet. Kaum eine umfassende Berichterstattung, keine Nachricht in der Tagesschau (im Gegensatz zur Seligsprechung Andritzki), keine vernünftige Liveübertragung (BibelTV – wer kann das schon empfangen?) Meiner Meinung hat das Erzbistum Hamburg Chancen verpasst, die Seligsprechung nicht nur populär sondern generell im Vorfeld der protestantischen und a-religiösen Bevölkerung im Norden erst einmal verständlich zu machen.

Das Wesentliche war der liturgische Höhepunkt des Gottesdienstes auf der Lübecker Parade: das Entzünden einer Kerze. Diese Kerze war bereits zeichenhaft gestaltet: Sie bestand aus vier Einzelkerzen, die zu einer einzigen großen Kerze zusammengeschweißt war. Jeder der vier Dochte wurde von Menschen entzündet, die mit den Wirkungsorten und der Wirkungsgeschichte der Geistlichen besonders verbunden waren. Ein scharfer Wind drohte die Flammen immer wieder zu löschen, nur gemeinsam gelang es, die Lichter zum Brennen zu bringen. Auch das ist ein gleichsam prophetisches Zeichen: Damals wie heute kann das Licht des Glaubens nur leuchten, wenn wir gemeinsam in ökumenischer Verbundenheit uns darum bemühen!

Das Andenken an die vier Lübecker Märtyrer hat eine lange ökumenische Tradition und wurde schon früh gemeinsam begangen. Allerdings war es lange Zeit nur ein kleiner Kreis, ursprünglich aus Weggefährten und Mitinhaftierten, der die Erinnerung an die Widerständler gegen das Naziregime wach hielt. Durch diese Feier, die zwar festlich, aber keineswegs pompös oder gar triumphalistisch gestaltet war, hat das Gedenken eine öffentliche und über die Hansestadt hinausreichende Bedeutung erlangt.

Gedenken – das ist nicht allein das bewundernde Verweilen in dem Lebens- und Glaubenzeugnis besonderer Menschen aus dem vergangenen Jahrhundert, es ist mehr: eine Selbstverpflichtung in der Nachfolge Christi, eine Verpflichtung zum mutigen Eintreten gegen Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit. Das machten auch alle deutlich, die in ihren Reden auf das Martyrium eingegangen sind.

In diesem Sinne wird der Tag einen dauerhaften Impuls für das ökumenische Miteinander der Christen im Norden Deutschlands geben. Das zeigen auch die zahlreichen, größtenteils durchaus positiven Kommentare auf diesen etwas merkwürdigen Artikel.

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