Ein heißes Eisen: Geschiedene und die Römisch Katholische Kirche

Lange schon gärt die Problematik nicht nur unter dem gläubigen Volk sondern auch unter dem „Bodenpersonal Gottes“. Wer das Ganze mit dem traditionalistischen Verweis auf Mt 19,6: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen “ abtut, wird Gott und den Menschen nicht gerecht. Ebenso handeln diejenigen, die meinen, die zur Zeit herrschende Scheidungspraxis sei ein Vorbild für alle Katholiken und damit machten es sich Geschiedene eben recht leicht in ihren wechselnden Partnerschaften. Die „Kirche“ müsse da rigoros und unmissverständlich in ihren rechtlichen Bestimmungen sein. (Was sie schon lange nicht mehr ist!!!)

Ich erlebe jedoch in der Praxis Menschen, die es sich durchaus nicht so einfach machen, die trotz aller Bemühungen aus den unterschiedlichsten Gründen in der Ehe scheitern. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Leiden: Ehepartner, die nach dem x-ten missglückten Versöhnungsversuch wegen der Kinder, der Verwandten, der Arbeitgeber, der Kirche o.ä. dennoch zusammen bleiben und sich verkrümmen und leiden auf die unterschiedlichste Art und Weise, meistens nicht auf den ersten Blick nach außen erkennbar. Dann kenne ich Menschen, die diese Verdrehungen und unnötigen Leiden nicht durchstehen können und wollen, die sich trennen. Wenn es nicht gut sein soll, dass der Mensch allein bleibt (nach Gen 2,18), dann kann es möglich sein, dass der Mensch auch nach einer Scheidung sich in Liebe an einen neuen Partner bindet.

Wie geht die Römisch Katholische Kirche mit dem möglichen und realen Scheitern um? Ist Scheitern im Leben generell ein Versagen? Muss ich unter der Schuld meines Partners mitleiden, wenn er z.B. Ehebruch begangen hat? Wenn sich mein Partner ohne meine Schuld von mir trennt, muss ich dann zeit meines Lebens alleine leben? Und und und … das ist nur ein kleiner Fragenkatalog, um die große Dimension dieses Problems aufzuzeigen. Von Kindern und anderen Dritten ganz zu schweigen. Die Traditionalisten kennen nur eine Antwort: Bei Versagen in diesen Dingen auf alle Fälle keinen neuen Partner. Wenn, dann gilt das ja  als Wiederheirat und führt den automatischen Ausschluss – zumindest von der Eucharistie – nach sich.

Und da kenne ich wiederum Menschen, denen ist das egal, die gehen dann nicht zur Kommunion, und leiden auch nicht darunter – was ich schon als bedenklich ansehe. Andere leiden sehr unter dem Ausschluss. Einige suchen sich Priester, die ihnen die Kommunion nicht verweigern (können). [Priester dürfen den Gläubigen die Kommunion nicht vorenthalten, es sei denn sie haben Kenntnis von kirchenrechlichen Ausschlüssen – und das weiss schon in manchen Fällen nicht einmal mehr der Kommunionhelfer.] Das Gewissen jedes einzelnen ist auf alle Fälle der entscheidende Motor in allen Belangen des christlichen Lebens.

Die östlichen Kirchen sind uns da schon um einiges voraus: Auch die Orthodoxe Kirche bekennt sich zu der einen sakramentalen Ehe. Sie ist von Gott gesegnet und hat somit dauerhaften Charakter. Eine zweite Ehe widerspricht dem christlichen Verständnis. Trotz der Bevorzugung der Nichtheirat toleriert sie nach einer Ehescheidung eine Zweit- bzw. Drittehe, wenn diese für bestimmte Menschen als die beste Lösung erscheint, um unnötige Leiden zu vermeiden. Es geht nicht darum, um für eine Zweitehe Werbung zu machen, sondern darum, Geschiedene und wiederverheiratete Geschiedene nicht auszuschließen. Die Scheidung wird verurteilt, nicht aber die Geschiedenen und Wiederverheirateten selbst.  Die „zweite Ehe“ unterscheidet sich wesentlich von der ersten Eheschließung. Wenn ein Partner wieder heiratet, wird er auf maximal 2 Jahre von der Eucharistie ausgeschlossen (bei Drittehe bis zu 5 Jahren). Dabei zeigt sich in der Praxis meist eine mildere Form. Es kommt ein besonderer Trauritus zur Anwendung, der den Buss-Charakter zum Ausdruck bringt im Bewusstsein von Sündhaftigkeit und Barmherzigkeit.

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