Gedenken

Die Zeit vergeht, manchmal viel zu schnell. Wo war ich doch noch gleich, vor zehn Jahren? Ach, ja, ich war zu Hause. Der Fernseher lief den ganzen Nachmittag. Zuerst hielt ich es für einen Film, bis ich dann erkannte, dass es echt und live war. In New York rauchten die Türme des World Trade Centers. Und dann stürzten sie ein. Erschreckend, auch wenn erst nach der Live-Sendung richtig bewusst wurde, was dort passiert war: wieviele Menschen sterben mussten, ihr Leben lassen mussten auf dem Weg zur Arbeit, im Büro, auf der Straße und nicht zu letzt bei den Hilfsaktionen.

„Wo war Gott am 11. September?“, fragte mich neulich ein Mann. Ich war etwas perplex über die Frage, die mich an die Frage erinnerte: „Wo war Gott in Auschwitz, in Dachau, Buchenwald, Dora …?“ Und die einzige Antwort darauf, ist mir nicht so gleich eingefallen. Und ich weiß auch nicht, wer dieses Wort geprägt hat: „Er war dort, in den Türmen.“ Es gibt keinen gottverlassenen Ort in diesem Universum. Warum hat er dann nicht verhindert? Warum hat er denn zugelassen? Er ist gestorben wegen der Sünden der Menschen. Die Freiheit, die der Mensch ausleben kann, führt nicht nur ins Glück, meistens in die Sünde. Es ist der Mensch, der nicht verhindert hat, der zugelassen hat. Immer wieder ist es die Schuld des Menschen, die den Menschen unermessliches Leid zufügt. Und Gott leidet mit, weil er eben keine willenlosen Sklaven geschaffen hat, sondern Menschen mit einem freien Willen. Nur der Mensch sieht meist seine Freiheit als eine „Freiheit von etwas“ und nicht als eine „Freiheit für etwas oder jemanden“.

Zum Gedenken sei hier meine eigene Übersetzung des „Prayer of His Holiness Benedict XVI, Ground Zero, New York,Sunday, 20 April 2008″ gegeben:

Gott der Liebe, des Mitleids und der Heilung

sieh auf uns, Menschen unterschiedlichen Glaubens und Traditionen,

welche sich heute hier versammelt haben,

an dem Ort der schrecklichen Gewalt und des Leids.

Wir bitten dich in deiner Güte,

dass du allen die hier gestorben sind

ewiges Leben und Frieden schenkst –

den heldenhaften Ersthelfern:

den Feuerwehrleuten, Polizisten,

Sanitätern und Ärzten, den Mitarbeitern des Hafenamtes,

zusammen mit all den unschuldigen Frauen und Männern,

welche Opfer dieser Tragödie geworden sind

aus dem einfachen Grund, weil ihre Arbeit oder Dienst

sie hier zusammen gebracht hat am 11. September 2001.

Wir bitten dich, heile in deinem Mitgefühl

alle, die heute hier sind,

weil sie an Verwundungen und Krankheiten leiden,

die an diesem Tag entstanden.

Heile auch die Leiden der immer noch trauernden Familien

und all jener, die einen Geliebten verloren haben in dieser Tragödie.

Gib ihnen Kraft ihr Leben mutig und hoffnungsvoll weiterzuführen.

Wir denken auch an jene,

welche an Verletzungen leiden und ihr Leben am selben Tag

verloren haben im Pentagon und in Shanksville, Pennsylvania.

Wir wissen unsere Herzen eins mit ihnen in unserem Gebet

und nehmen ihre Schmerzen und Leiden mit hinein.

Gott des Friedens, gib deinen Frieden unserer Welt voller Gewalt:

einen Frieden in den Herzen aller Männer und Frauen,

und Frieden unter den Völkern der Erde.

Führe auf deinen Weg der Liebe

alle, deren Herzen und Gedanken

angefüllt sind mit Hass.

Gott, du verstehst uns, die wir erschüttert sind

vom Ausmaß dieser Tragödie.

Wir suchen dein Licht und deine Begleitung

wenn wir solchen schrecklichen Ereignissen gegenüberstehen.

Gewähre denen ein Leben in Fülle,

deren Leben geschont wurde, so dass

diejenigen, die hier ihr Leben gelassen haben,

nicht umsonst gestorben sind.

Tröste und ermutige uns,

stärke uns in der Hoffnung,

und gib uns die Weisheit und den Mut

an einer Welt zu arbeiten,

in welcher wahrer Friede und Liebe

unter den Völkern und in den Herzen aller Menschen herrscht.

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