Carpe diem

Nutze den Tag.

… um zu gedenken, nicht zu polemisieren, wie es manche Atheistenblogs auch wieder tun. Bietet sich eine Möglichkeit zu zeigen, dass Religion böse ist und eine Welt ohne Religion besser wäre, dann nutzen sie diese, ohne groß nachzudenken. John Lennon scheint da ein super Vorbild zu sein. Man muss nicht zugekifft sein, um in der Welt zu erkennen, dass alle Versuche eine Welt ohne Religion zu schaffen kläglich gescheitert sind. Die Moral der Atheisten ist eben nicht besser als die Moral gläubiger Menschen, wie die Atheisten den Gläubigen immer wieder weiß machen wollen. Korruption, Machtstreben und Gewalt sind keine Erfindung der Religiösen, es sind menschliche Defekte, die mit der Verstrickung in die Macht des Bösen einhergehen. Das prangern die Christen immer wieder an, wenn sie zur Umkehr vom Bösen aufrufen.

Sollte ich mir eine Welt ohne Religion vorstellen, dann ist es eine Welt ohne Liebe. Die Liebe ist die eigentliche Wurzel von Religion. Gott ist die Liebe. Wenn ich zu ihm eine Beziehung herstelle und aus dieser Liebe leben will, bin ich ein religiöser Mensch. Und wenn ich diese Liebe erfahren, erspüren kann, kann ich sie auch weitergeben. Christen nennen das „Nächstenliebe“.

Wenn es keine Religion gibt, gibt es auch weniger Krankenhäuser, weniger Altersheime, weniger Hospize, weniger Hilfsorganisationen, die für eine gerechtere Verteilung lebensnotwendiger Mittel sorgen, weniger Menschen, die sich um Benachteiligte in der Gesellschaft kümmern. Es regiert einzig und allein das Geld. Moralische Prinzipien wären beliebig, weil sie nicht verbindlich sind. Moralisches Handeln wäre also Verhandlungssache. Imagine … schöne Utopien von einem Himmelreich auf Erden. Die Versuche, die in diese Richtung gegangen sind, haben zigtausende von Opfern gekostet und nichts als Konfusion hinterlassen.

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3 Kommentare zu „Carpe diem“

  1. Sollte ich mir eine Welt ohne Religion vorstellen, dann ist es eine Welt ohne Liebe

    Na, bloß gut, dass du deinen Tag mit Gedenken zubringst, deine Polemik will ich nämlich dann lieber nicht lesen.
    Glaubst du im Ernst, dass Atheisten keine Liebe empfinden?

    Wenn es keine Religion gibt, gibt es auch weniger Krankenhäuser, weniger Altersheime, weniger Hospize,…

    Kannst du das irgendwie belegen? Ist es zum Beispiel so, dass statistisch mit der Religiosität der Bevölkerung auch die Verfügbarkeit dieser Einrichtungen zurückgeht? Oder hast du sonst einen vernünftigen Grund, das zu behaupten?

    Es regiert einzig und allein das Geld. Moralische Prinzipien wären beliebig, weil sie nicht verbindlich sind.

    Da bist du aber einen weiten Weg gesprungen, von der Behauptung, atheistische Moral wäre nicht besser als die der Theisten, zu der These, sie wäre beliebig, und Atheisten würden ausschließlich von Geld regiert. (Warum eigentlich gerade von Geld?)
    Lässt sich das irgendwie belegen? Kennst du eine Studie, die zeigt, dass Atheisten völlig beliebige Moralvorstellungen haben und nur dem Geld hinterherlaufen? Oder kennst wenigstens einen einzigen Atheisten, der so ist?

    Moralisches Handeln wäre also Verhandlungssache. Imagine … schöne Utopien von einem Himmelreich auf Erden. Die Versuche, die in diese Richtung gegangen sind, haben zigtausende von Opfern gekostet und nichts als Konfusion hinterlassen.

    Die Leute, an die du bei den zigtausenden Opfern wahrscheinlich denkst, also Mao, Hitler (der Katholik), oder Stalin, hatten meines Wissens kein besonderes Interesse an Geld und waren in ihren Moralvorstellungen auch nicht besonders verhandlungsbereit.
    Darüberhinaus (Da sind wir wieder beim Thema Polemik.) finde ich es ausgesprochen abwegig, diese Opfer „dem Atheismus“ zuzuschreiben. Hitler und Stalin haben nicht Millionen Menschen ermordet, weil sie an keinen Gott geglaubt haben. Mindestens einer von ihnen hat ja sogar. Sie haben Millionen Menschen ermordet, weil sie idiotischen, menschenfeindlichen, völlig realitätsfernen Ideologien anhingen. Der Zusammenhang zwischen Atheismus und Nationalsozialismus (zum Beispiel) ist für mich nicht erkennbar. Hitler und Stalin haben zum Beispiel auch beide nicht an Feen geglaubt, und sie trugen beide Bärte. Das belegt aber noch lange nicht, dass Bartträger und Leute, die nicht an Feen glauben, gefährlich sind.

    1. „Na, bloß gut, dass du deinen Tag mit Gedenken zubringst, deine Polemik will ich nämlich dann lieber nicht lesen.
      Glaubst du im Ernst, dass Atheisten keine Liebe empfinden?“
      Wenn ich mir so manche Atheistenblogs durchlese, explizit, den, der schreibt: ‚Glaubst du noch oder denkst du schon?‘, ist meine – zugegeben etwas überspitzte – Polemik eine geringfügige Anmaßung. Ich spiegele nur die atheistische Meinung wider, Religionen seien von Grund auf böse und schädlich für den Menschen. Und es ist meine persönliche Erfahrung, dass die, die das behaupten, nicht richtig denken können, von der Moral … siehe oben. Alles weitere sind entweder geschichtliche oder logische Schlussfolgerungen.

      „Ist es zum Beispiel so, dass statistisch mit der Religiosität der Bevölkerung auch die Verfügbarkeit dieser Einrichtungen zurückgeht? Oder hast du sonst einen vernünftigen Grund, das zu behaupten?“
      Hospize, Krankenhäuser etc. sind nicht auf einmal da, sie sind aus religiösen Gründen entstanden. Das lässt sich geschichtlich belegen. Staatliche und nicht-kirchlich private Häuser sind erst später entstanden. Das braucht man nicht statistisch belegen, wenn man sich mal mit der Geschichte befasst. Wenn es jetzt diese Entwicklung nicht gegeben hätte, gäbe es heute nicht die CARITAS und die DIAKONIE, die größten Arbeitgeber im sozialen Bereich und zwei der wichtigsten Unternehmen im Gesundheitswesen. Das ist Fakt.

      „Da bist du aber einen weiten Weg gesprungen, von der Behauptung, atheistische Moral wäre nicht besser als die der Theisten, zu der These, sie wäre beliebig, und Atheisten würden ausschließlich von Geld regiert.“ Auch im Sozialismus spielt das Geld die entscheidenste Rolle – trotz anderslautender Utopien von Marx und Co. Die Geschichte hat gezeigt, dass diese Ideen gescheitert sind. Und die Macht des Geldes in dieser Welt infiziert nicht nur Atheisten. Aber da sie anscheinend von den Atheisten unterbewertet wird – wie ich das auch deiner Meinung entnehme – würde, wenn es keine Religion gäbe, ein Korrektiv fehlen, das zumindest auf eine Gefahr hinweist.
      Warum ich im übrigen davon ausgehe, dass die Moral der Atheisten Verhandlungssache sei, ist z.B. folgende Forderung des (atheistischen) Staates Frankreich: Alle Verstorbenen sollen dem Staat gehören, damit Organspende – das Wort müsste dann aber eher: Organentnahme heißen – jederzeit und ohne Widerspruch möglich sei. Zum Glück ist diese Forderung, die auch von einigen atheistischen Philosophen vertreten wird, noch nicht Gesetz. Denk mal drüber nach, inwiefern hier nicht persönliche und auch religiöse Gefühle der Menschen verletzt werden.
      Das ist nur ein Beispiel, was mir immer wieder zu denken gibt. Das andere ist die Doppelmoral, die ich während der sog. Diktatur des Proletariats erlebt habe. Das, was H. Heine von den Pfaffen sagt: ‚Sie predigten öffentlich Wasser und tranken heimlich Wein‘, trifft auf viele DDR-Politiker zu. Da brauche ich keine Studie, was du anmahnst. Das habe ich schon empirisch erfahren. Das ist alles belegt!

      „Hitler und Stalin haben nicht Millionen Menschen ermordet, weil sie an keinen Gott geglaubt haben.“ Ich kann nicht nachweisen, ob sie an einen Gott geglaubt haben, oder an Feen oder die Gefährlichkeit von Bartmenschen. Aber sie haben proklamiert: Es gibt keinen Gott, aber nicht explizit: Es gibt keine Feen. Und: Bartmenschen sind (un)gefährlich. Und sie haben Menschen ermorden lassen, die an Gott glauben, weil sie diese nicht toleriert haben. Sie haben generell auch keine Menschen toleriert, die anderer Meinung waren als sie. Wieviele Priester Stalin und Nachfolger ermorden oder in die Verbannung ohne Wiederkehr geschickt haben, lässt sich wahrscheinlich nicht mehr statistisch erfassen. Es war aber so.

      Was mein Gedenken angeht: Das habe ich am 11. September gemacht. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil, siehe unteren Artikel. Auch religiöse Menschen können denken und sind mit Vernunft begabt trotz gegenteiliger Meinungen. Dieser Artikel soll vor allem mein Befremden über die Art des Gedenkens so mancher nichtgläubiger Menschen äußern, das sie in ihren Blogs kundtun. Darüberhinaus kann ich nur sagen: Falls das wirklich die vorherrschende atheistische Meinung ist, die Welt wäre besser dran ohne Religion. Und man müsse mit allen Mitteln dafür eintreten. Dann kann die atheistische Moral nicht auf Liebe aufgebaut sein. Das wäre ein logischer Schluss, wie das mit den Feen und den Bartmenschen. Denk mal drüber nach.

      1. Ich glaube, ein Großteil unserer Differenz entsteht dadurch, dass wir unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was wir unter Atheismus verstehen.
        Für mich ist Atheismus ausschließlich das Fehlen eines Glaubens an einen oder mehrere Götter. Du scheinst damit noch viele andere Dinge zu verknüpfen, die aber nur sehr vage bis gar nicht mit dem Fehlen eines solchen Glaubens zusammenhängen. Zum Beispiel:

        . Ich spiegele nur die atheistische Meinung wider, Religionen seien von Grund auf böse und schädlich für den Menschen.

        Manche Atheisten denken das. Aber es ist nicht die atheistische Meinung. Ich zum Beispiel halte Religionen für schädlich, aber nicht für „von grund auf böse“, und manche Atheisten halten Religionen sogar für eine gute Sache.

        Hospize, Krankenhäuser etc. sind nicht auf einmal da, sie sind aus religiösen Gründen entstanden. Das lässt sich geschichtlich belegen. Staatliche und nicht-kirchlich private Häuser sind erst später entstanden.

        Hier wirfst du meiner Wahrnehmung nach auch wieder verschiedene Aspekte durcheinander, ohne die feinen Unterschiede zu berücksichtigen.
        Ich halte es für gut möglich, dass Krankenhäuser ursprünglich religiöse Einrichtungen waren. Ich weiß zwar nicht, ob es wirklich so ist, aber es klingt plausibel, denn bevor Menschen verstanden, dass Krankheiten nichts Übernatürliches sind, lag es ja auch nahe, das Austreiben der Dämonen den Priestern und Schamanen zu überlassen. Zum Beispiel.
        Daraus folgt aber nicht, dass sie aus religiösen Gründen entstanden sind. Spätestens heute verstehen wir, dass Krankheiten wissenschaftlich erforscht und behandelt werden müssen, und du wirst wahrscheinlich auch nicht bestreiten wollen, dass es gute weltliche Gründe für den Bau von Krankenhäusern gibt. Atheisten müssten ja bescheuert sein, um auf den Bau von Krankenhäusern zu verzichten. Wir sehen das ja auch in weitgehend säkularen Gesellschaften wir Norwegen zum beispiel den nordischen Länden. Die haben meines Wissens keinen Mangel an solchen Einrichtungen. Gleichzeitig gelten eher religiöse Länder wie der Iran, Afghanistan oder die USA meines Wissens nicht als Paradiese der Gesundheitsvorsorge.

        Auch im Sozialismus spielt das Geld die entscheidenste Rolle – trotz anderslautender Utopien von Marx und Co. Die Geschichte hat gezeigt, dass diese Ideen gescheitert sind.

        Vielleicht. und? Atheisten können Sozialisten sein. Christen auch. Ich bin definitiv keiner.

        Ich gehe jetzt mal wieder weg von den kopnkreten Einzelbeispielen und kehre zurück zum allgemeinen Aspekt: Die Idee, Andersdenknde (im Extremfall bis zur Ausrottung) verfolgen und unterdrücken zu müssen, ist nichts spezifisch Atheistisches. Ich halte so wie du auch Kommunismus, Nationalsozialismus und eben auch die Verfolgung religiöser Menschen für furchtbare Irrwege. Daraus folgt aber nicht, dass Atheismus abzulehnen ist. Atheismus führt nicht zu Kommunismus. Ich würde ja auch nicht behaupten, dass aus Katholizismus Nationalsozialismus folgt, bloß weil Hitler Katholik war und „Gott mit uns“ auf den Wehrmacht-Gürtelschnallen stand.
        Menschen handeln nicht, weil sie etwas nicht glauben. Sie handeln aufgrund ihrer positiven Überzeugungen. Atheismus ist aber keine solche, deshalb folgt aus dem Atheismus auch keine Moral. Atheismus schützt weder vor Dummheit noch vor Gräueltaten. Aber man kann als Atheist eine sehr gut fundierte Moral entwickeln.
        Und falls dich Studien doch interessieren, kannst du ja mal googlen. Du wirst feststellen, dass Atheisten sich nicht weniger moralisch verhalten als Gläubige. Sie begehen zum Beispiel nicht öfter Straftaten. Wundert mich eigentlich, scheint aber trotzdem so zu sein.

        Falls das wirklich die vorherrschende atheistische Meinung ist, die Welt wäre besser dran ohne Religion.

        Ich weiß nicht, ob sie das ist. Ich würde es hoffen.

        Und man müsse mit allen Mitteln dafür eintreten

        Je nachdem, was du unter „mit allen Mitteln“ und „dafür eintreten“ verstehst, ist das gewiss nicht die vorhersschende Meinung der Atheisten, und das ist auch gut so.

        Dann kann die atheistische Moral nicht auf Liebe aufgebaut sein.

        Ich habe jetzt eine Weile drüber nachgedacht, und ich komme nicht dahinter, wie das zusammenhängt. Zwar halte ich Liebe für eine völlig ungeeignete Grundlage für Moral und kann mir nicht mal vorstellen, wie sie als solche dienen könnte, aber ich sehe nicht, was einen Atheisten davon abhalten sollte, zu entscheiden, dass er seine Moral gerne auf Liebe aufbauen will. Es ist ja nicht so, dass man einen Gott für Liebe bräuchte, wie ich dir aus eigener Erfahrung berichten kann.

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