Die Klugen und die Dummen

Das Evangelium des Sonntags (Mt 25,1-13), das man bei Alipius so schön nachlesen kann, gehört wirklich zu einem der interpretationsbedürftigsten Texte, die wir aus dem Sondergut des Evangelisten Matthäus lesen können. Und auch Alipius ist, meiner Meinung nach, in die Falle gegangen, wie viele andere Auslegungen auch: Es geht hier nicht vordergründig um Früchte (Werke), an denen die Christen erkannt werden können und sich so von „falschen Propheten“ unterscheiden. Alipius verdreht hier die Aussage sogar so, dass Jesus (der Bräutigam) die seiner würdig sind an den Früchten erkennt. Das ist nicht die  Intenstion [Red.: aufgrund eines Hinweises geändert] von Mt 7, 15-20. Und man kann deshalb diesen Spruch nicht als Überschrift oder Unterschrift des heutigen Evangeliums nehmen.

In einem Predigtvorschlag habe ich noch den Spruch gefunden: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ Der ist aber noch mehr daneben, denn das Leben bestraft nicht. Wie sollte es auch, denn es ist ja keine Person.

Der Schluss der Erzählung wird allgemein als dessen Schlüssel angesehen: „Seid also wachsam, denn ihr kennt nicht den Tag und nicht die Stunde!“ (Mt 25, 13) Auch andere Texte im Neuen Testament beschäftigen sich mit dieser Forderung, wachsam zu sein angesichts der Naherwartung der Parusie: Mt 24,42-44 noch Mk 13,34-37; Lk 12,37; 1Thess 5,6; Offb 16,15. Da ist von Metaphern die Rede, wie etwa: nicht zulassen, dass der Dieb einbricht; nicht schlafen und die Pflicht vernachlässigen; nüchtern sein; angezogen bleiben, um sich nicht nackt eine Blöße zu geben. Jesus fordert von den Jünger, mit ihm zu wachen und zu beten (Mt 26,38 und 41).

Fragen bleiben offen bei den unterschiedlichsten Interpretationsversuchen: Reicht es nur „gute Werke“ zu tun? Ist nicht der Glaube grundlegender als die Werke? Was sind die Werke ohne die Liebe zu Gott und den Nächsten? Perikopen.de betont, dass man durch die Konzentration auf die Werke, die Intension des Matthäus aus den Augen verlieren kann: Er will den Christen der damaligen Zeit, seiner Gemeinde, aufzeigen, dass die Parusie sich hinzögern kann, dass es aber darauf ankommt, sein Handeln am Glauben und an der Liebe zu Gott und den Nächsten auszurichten. Und zwar so, dass man lange durchhalten und im Gericht bestehen kann. Und das bis heute. Es ist nicht nur Appell und Mahnung sondern Zuspruch: Wenn du dein ganzes Leben auf Gott ausrichtest und auf das, was Jesus getan hat, dann kannst du mit den Klugen in den Hochzeitssaal gelangen.

Über all dies darf aber nicht die Freude vergessen werden, die Freude über das zukünftige Hochzeitsmahl,  wie es Jesaja sagt und auch in Adventsliedern verarbeitet wurde:

„Nicht die Furcht vor dem Ausschluss, sondern der Wunsch, mit Christus in festlicher Freude vereint zu sein, ist die Triebkraft eines Lebens „im Angesicht der Parusie“. Ein Beispiel ist „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Philipp Nicolai (1556-1608) […] (Gotteslob 110; Evangelisches Gesangbuch 147). In eine ähnliche Richtung geht ein Hymnus von Laurentius Laurentii (1660-1722), der in der zweiten Strophe noch stärker das Moment der Freude betont. […]
The watcher on the mountain
Proclaim the bridegroom near;
Go forth as he approaches
With alleluias clear.
The marriage feast is waiting
The gates wide open stand.
Arise, O heirs of glory;
The bridegroom is at hand.

Link zur Auslegung bei perikopen.de

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