Die Nacht ist vorgedrungen

Und heute wieder ein besinnliches Adventslied. Es steht im Gottelob unter der Nummer 111. Der Vertonung von Johannes Petzold liegt der Text von Jochen Klepper zugrunde, den er im Gedichtsband „Kyrie“ 1938 unter der Überschrift „Weihnachtslied“ veröffentlicht hat. Als Leitwort stellt Klepper Röm 13,11-12 über sein Gedicht: „Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.“

1. Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern.
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Die „Erfurter Turmbläser“ auf dem Bartholomäusturm in Erfurt. Ein großes Glockenspiel, von dem auch Kirchenlieder des öfteren zu hören sind.

2. Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

Der Inhalt des Liedes ist adventlich: Breit und eindringlich spricht es von der allgegenwärtigen und vielfältigen Not, die auch in dieser Welt kein Ende nehmen wird. Aber immer wieder will Gott helfen, Gott retten, Gott heilen. Das bricht in fast allen Strophen an verschiedenen Stellen durch.

3. Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

4. Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

Ich denke, Jochen Klepper wollte sich selbst und anderen Mut machen. In einer Zeit, in der die Hoffnung auf eine bessere Zukunft im schwinden war, wollte er darstellen, wer es ist, der aufgegangen ist in dieser Zeit der Dunkelheit. Klepper heiratete die jüdische Rechtsanwaltswitwe Johanna Stein, die später zum Christentum konvertierte. Sie brachte zwei Kinder mit in die Ehe. Wegen der „nichtarischen Ehe“ geriet die Familie immer mehr unter Druck. 1942 scheiterte die Ausreise seiner jüngsten Tochter ins rettende Ausland und die Deportation ins KZ stand unmittelbar bevor. Die Familie nahm sich in der Nacht vom 10. zum 11. Dezember 1942 durch Schlaftabletten und Gas gemeinsam das Leben.

5. Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt.
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt.
Der sich den Erdkreis baute,
der läßt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht.

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