Die Privatsphäre eines Bundespräsidenten und die Macht der Medien

Der Morgenländer schreibt in seinem Notizbuch: „Der „Skandal“ um die Schnäppchen des Bundespräsidenten ist ein Lehrstück über die Skrupellosigkeit einer Medienmeute, der jedes Mittel – tendentiöse Berichterstattung, Aufbauschung von Lappalien, üble Nachrede, Lüge und offene Hetze – Recht ist, um unsere Verfassungsinstitutionen zu beschädigen und den demokratischen Rechtsstaat durch eine medial gesteuerte Ochlokratie zu ersetzen.“ (Kleiner Mob, was nun?)

Besser kann man es kaum auf den Punkt bringen, was gerade geschieht. Natürlich hat der Bundespräsident ein Kommunikationsproblem: Er hätte von vornherein nicht so einen Eiertanz um einen – zugegeben supergünstigen – Privatkredit machen sollen. Ein klares Wort an die Journalisten, nicht um die Hintergründe für den Kredit zu klären, sondern um zu sagen: Wenn ich einen Striptease wegen meiner Privatangelegenheiten hinlegen soll, dann nicht ohne ein paar Tintenkleckser, die dazu die Hosen runterlassen.

Sicher ist Wulff kein Unschuldslamm. Aber es handelt sich weder um eine Staatsangelegenheit noch um veruntreute Steuermittel noch um einen Sexskandal noch um irgend etwas, was unmittelbar mit seinem Amt zu tun und irgendeinem Dritten einen Vorteil gebracht hätte. Es ist schlichtweg eine Privatkiste, der maßlos aufgebauscht wird. Keiner außer dem Bundespräsidenten selber zieht einen Vorteil aus diesem Kredit, was immer Neider auch behaupten mögen. Ist Neid nicht eine Todsünde? Invidia – Neid, Missgunst, Eifersucht. Die Diskussion ist doch diese: Wie weit geht die Privatsphäre eines Politikers, eines Popstars, eines Pfarrers oder der Putzfrau, die nebenan wohnt?

Und diese tendenziöse Berichterstattung geht so weit, dass sie ihre eigenen Leute opfert. Andrea Juchem schreibt: „Aber jetzt hat die Social Media Gemeinde noch eine zusätzliche „Sau“, die sie durchs Dorf treiben kann. Die Rede ist von Bettina Schausten. Mit ihrer gestrigen Behauptung, Freunden, bei denen sie privat übernachtet, 150 € zu zahlen,  hat sie natürlich mächtig daneben gegriffen.“ (Berufung: Pharisäer) Dazu kann ich nur sagen: Wer mit dem Feuer spielt … hat nie das eigene Versagen im Blick. Das ist Hybris, aber nicht zu ändern. Auch Journalisten sind vor dieser Hybris nicht gefeit. Je mehr sie im Rampenlicht stehen, um so mehr vergessen sie das. Dennoch ist es nicht gerade christlich in diese Kerbe zu hauen, da kann ich Andrea nur beipflichten.

Es geht weiter: „Neue Attacken, neue Vorwürfe – und eine Demo“ (tagesschau.de) Das ist ein uraltes, archaisches Prinzip: Stürze den König mit allen Mitteln und einem wütenden Mob, eine dadurch die Nation und setze einen neuen König ein, der die Einheit so lange gewährleisten kann (mit Macht), bis er selbst gestürzt wird und das Spiel vom Sündenbock wieder neu beginnt. Demokratien sind halt auch nur auf archaischen Prinzipien aufgebaut, die die Menschheit seit Jahrtausenden praktiziert. Nichts anderes läuft übrigens zur Zeit in arabischen Ländern ab, wo vom „arabischen Frühling“ die Rede ist. „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“, schreibt der Prediger Kohelet (1,9).

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