Mond und Sonne – Maria und Jesus – Welt und Gott

In den Religionen der Welt haben der Mond und die Sonne schon immer eine besondere Rolle gespielt. Auch das Christentum hat unser Zentralgestirn und den Erdtrabanten in seine Ikonographie aufgenommen.

Jesus Christus als die „Sonne der Gerechtigkeit“. Nicht ohne Sinn feiern wir das Geburtsfest Jesu auf dem Festtag der Unbesiegten Sonne (Sol Invictus), eines römischen Götterfestes. Somit sollte klargestellt werden, wer das Licht in die Welt bringt. Nicht ein Geburtsfest irgendeines Sonnengottes feiern wir, sondern die Geburt unseres Retter und Herrn Jesus Christus, der unsere Sonne ist.

Der Mond ist schon in der Alten Kirche ein Zeichen der vergänglichen Welt. Die Darstellungen des Mondes sind fast immer verbunden mit Maria, der Mutter Gottes. Dabei geht die sog. Mondsichelmadonna – Madonna im Strahlenkranz (oder wie der Typus später genannt wurde „Maria vom Siege“ oder „Unsere liebe Frau vom Sieg“ – zeitlich nach dem Sieg in der Seeschlacht bei Lepanto) auf eine Stelle in der Offenbarung des Johannes zurück: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.“ (Offb 12,1)

Die apokalyptische Frau wird also als Maria gedeutet, die Sonne ist ihr Kind Jesus und Gottes Sohn, daher der Strahlenkranz. Die zwölf Sterne werden als Tierkreiszeichen angesehen. Sie zieren ihr Haupt. Meistens ist jedoch eine Krone zu sehen. Daher auch die Bezeichnung: „Maria Himmelskönigin“. Zuerst war es der Vollmond (ca. 12. Jh.), der zumal auch mit einem Gesicht dargestellt wurde. Nach dem Sieg bei Lepanto (1571) und der Einführung des Rosenkranzfestes wurde die Madonna auf einer nach oben oder unten zeigenden Mondsichel abgebildet, die von ihr symbolträchtig zertreten wird. Gemeint war sicher der Sieg über die Osmanen. Die Mondsichelmadonna war so beliebt, das auch frühere Madonnendarstellungen nachträglich zumindest mit einem Strahlenkranz versehen wurden.

Im 17./18 Jahrhundert wandelt sich das Bild in die Darstellung „Maria Immaculata“. Dabei ist Maria ohne Jesus zu sehen. Strahlenkranz, 12 Sterne und die Mondsichel werden übernommen hinzugefügt die Weltkugel, um die sich eine Schlange windet, deren Kopf von der Jungfrau Maria zertreten wird. Diese Darstellung ist nicht zu Unrecht auch innerhalb der Römisch-Katholischen Kirche umstritten. Sie stellt Maria als Siegerin über die Sünde der Welt dar, aufgrund der Verquickung ihrer Unbefleckten Empfängnis (ohne die allen Menschen anhaftende Erbschuld gezeugt und geboren) mit dem Bild der apokalyptischen Frau. Das ist auch in meinen Augen eine zu arge Verkürzung und Überhebung Marias ohne die Darstellung des eigentlichen Siegers Christus. Allerdings ist dieses Bild bis heute sehr beliebt, auch aufgrund einiger Marienerscheinungen. Im 19./20. Jahrhundert setzten sich auch wieder die Madonnendarstellungen (Maria mit dem Jesuskind) aufgrund des Historismus durch, die jedoch die Weltkugel und die Schlangendarstellung der „Maria Immaculata“ übernahmen oder aber dieses Konzept ganz verwarfen und anderen Madonnenbildern folgten (z.B. Sixtinische Madonna in Dresden).

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