Cantique de Jean Racine

Schon vor einiger Zeit fand ich im wwweb ein „Liedchen“. Es steht diesmal ausnahmsweise nicht im „Gotteslob“. Seine Melodie ist schlicht und hat mich dennoch sehr stark verzaubert. Allzu viel kann man nicht über dieses Cantique sagen: Komponiert vom 19-jährigen Gabriel Fauré auf einen Text von Jean Racine, einem französischen Dichter und Schriftsteller des 19. 17. Jahrhunderts, den Fauré sehr verehrte. Racine seinerseits hat einen mittelalterlichen Hymnus, der wohl zu einer Hore des kirchlichen Stundengebets gesungen wurde (am frühen Morgen – Matutin), ins Französische übersetzt. Zu Ehren Racines blieb der Arbeitstitel, den Fauré dem Cantique gab, stehen, sagt aber nichts weiter über den Inhalt.

Französicher Original-Text Deutsche Übersetzung
Verbe égal au Très-Haut, notre unique espérance,
Jour éternel de la terre et des cieux,
De la paisible nuit nous rompons le silence:
Divin Sauveur, jette sur nous les yeux!
Wort, dem Höchsten gleich, unsere einzige Hoffnung,
Ewiges Licht der Erde und des Himmels,
Wir brechen die Stille der friedlichen Nacht:
Göttlicher Erlöser, lass Deine Augen auf uns sehen!
Répands sur nous le feu de ta grâce puissante;
Que tout l’enfer fuie au son de ta voix;
Dissipe le sommeil d’une âme languissante,
Qui la conduit à l’oubli de tes lois!
Gieße über uns aus Deiner mächtigen Gnade Feuer;
Die ganze Hölle fliehe beim Klang Deiner Stimme;
Vertreibe den Schlaf einer matten Seele,
Der sie dazu bringt, Deine Gesetze zu vergessen!
O Christ, sois favorable à ce peuple fidèle
Pour te bénir maintenant rassemblé;
Reçois les chants qu’il offre à ta gloire immortelle;
Et de tes dons qu’il retourne comblé!
O Christus, sei diesem treuen Volk gewogen,
das nun zu Deinem Lobe versammelt ist;
Nimm die Lieder an, die es zu Deinem unsterblichen Ruhm darbringt;
Und möge es zurückkehren erfüllt von Deinen Gaben!

Die deutsche Übertsetzung ist nicht einfach.  CPDL.org bietet folgende dichterische Variante:

Wort aus Gott vor der Zeit, du Anfang ohne Ende,
das alles schuf und durchdringt und belebt,
zum Lobpreis deiner Macht erheben wir die Hände,
vor dessen Größe alles Sein erbebt.

Ergieß auf uns das Feuer der göttlichen Gnade,
dass Nacht und Schuld vor deiner Stimme fliehn,
und lass nicht zu, dass wir, verirrt auf dunklem Pfade,
uns deinem heiligen Willen entziehn.

Du Quelle aller Weisheit, schenk Liebe und Glauben,
wenn wir vereint deine Gaben erflehn,
und was uns eigne Torheit und Herzenshärte rauben,
lass unterm Strahl deiner Wahrheit erstehn. (Peter Gerloff)

Wie dem auch immer. Das Liedchen hat etwas von der Ruhe und Schlichtheit des später entstandenen Requiems. Im wwweb finden sich die unterschiedlichsten Varianten. Mit Längen von 4 bis 6:30 min. Ich bevorzuge eigentlich ein moderates Tempo, aber die vorliegende Aufnahme mit dem Choir of St John’s College ist wirklich recht gut mit schönen Bildern.

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5 Kommentare zu „Cantique de Jean Racine“

  1. Nur daß Racine im 17., nicht im 19. Jh. lebte.
    Dank für diese wundervolle Musik. Ich durfte das Lied vor fast dreißig Jahren in einem französischen Kirchenchor singen und habe es sehr gern.

    1. Merci vielmals für den wichtigen Hinweis. Neben einigen eklatanten Rechtschreibfehlern habe ich das Jahrhundert entsprechend geändert, die wikipedia-Verweise bei Racine und Fauré ergänzt.

  2. Wunderschön, freue mich schon und bin gespannt darauf, wenn wir es in diesem Jahr 2014 im Kirchenchor St. Petrus Baesweiler singen.

  3. Hi. Wahrscheinlich weißt Du das schon, aber da Du von einem „moderneren Tempo“ schreibst, ein Hinweis für Dich: Bei der Deutschen Grammophon ist eine wunderschöne Aufnahme mit Daniel Hope erschienen, Titel des Albums: „SPHERES“. Das Tempo ist hier fast schon wieder zu schnell, die Interpretation bzw. das Arrangement aber wirklich ein Traum! Grüße! Jens

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