Fasten – österliche Bußzeit

Die Bibel strotzt nicht gerade von Zitaten über das Fasten. Spärlich sind eher die Aussagen. Aber gar keine Frage: Die meisten Äußerungen gehen in Richtung Verzicht auf Nahrung und Luxus. So hat man es auch unter den Christen verstanden. Die Fastenzeit vor Ostern war eines der strengsten Fasten im Jahr. Viele Christen machen es auch heute noch so und meinen, wenn sie nur möglichst heftig oder viel auf etwas verzichten, sei es ein rechtes Fasten: Josef Bordat meint – wenn man das seiner Zitatenflut entnehmen kann – Verzicht sei beim Fasten eine unverzichtbare Komponente. Ich bin nicht dieser Meinung: Es fällt vielen Leuten sogar recht leicht, auf ETWAS zu verzichten. Nicht nur Diäten stehen heute hoch im Kurs. Viele verzichten auf bestimmte Nahrung in der Annahme, wo Öko oder BIO draufsteht, ist auch das drin, was draufsteht.

Ich bin jedoch anderer Ansicht: Es ist in der Fastenzeit nicht wichtig auf etwas zu verzichten – sei es auch um des Glaubens willen. Vielmehr sollten wir uns um eine Bildung der Herzen kümmern. Dabei sollte ein MEHR im Vordergrund stehen: MEHR Nächstenliebe, MEHR Barmherzigkeit und MEHR Empathie. Die Zeiten haben sich geändert. Es kommt nicht mehr darauf an, auf Nahrung zu verzichten, Nahrung, die früher schon als Luxus angesehen wurde: Fleisch. Auch Schokolade oder andere Dickmacher – seien sie auch Luxusprodukte: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider.“ (Joel 2,13) Und weiter heißt es ebenda: „Und kehrt um zum Herrn, eurem Gott!“ Denn wir sollen wie Gott barmherzig sein und seine Liebe zu den Menschen bringen.

Eine weitere irrige Meinung ist es, es würde nicht genug Nahrung geben auf der Welt und das müsse ich durch meinen Verzicht zum Ausdruck bringen. Nicht nur die Wissenschaftler behaupten aber das Gegenteil: Es gibt genug Nahrung für alle Menschen auf der Erde. Woran es jedoch mangelt, ist deren Verteilung. Also auch hier: Kein Verzicht sondern gerechte Verteilung und deren Möglichmachung. Was bleibt manchen Menschen, die nicht auf diesem Gebiet konkret arbeiten, als dafür Geld zu spenden.

Und so erachte ich es besonders notwendig, in der österlichen Bußzeit sich nicht wie früher in Sack und Asche zu hüllen und auf etwas zu verzichten, sondern ein SurPlus, ein MEHR, zu suchen, ein MEHR an Liebe zu mir selbst, zu meinem Nächsten und nicht zu vergessen zu Gott. Das kann ich erreichen, indem ich mir selbst etwas Gutes tue, wie immer das auch ausssehen mag, indem ich jemanden besuche, den ich schon immer mal besuchen wollte, der vielleicht auch schon lange auf meinen Besuch wartet, indem ich Geld spare – vielleicht auch durch Verzicht – für bestimmte Projekte, die sich um mehr Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung einsetzen …

„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen.“ So lesen wir beim Propheten Jesaja (Jes 58,6).

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3 Kommentare zu „Fasten – österliche Bußzeit“

  1. Muß es denn so ein entweder – oder sein? Ich glaube, Verzicht gehört wesentlich zur Fastenzeit dazu – und genauso gehört dazu, ein Mehr zu suchen, wie Du schreibst. Wir sollen ja auch nicht die ganze Zeit in Sack und Asche herumlaufen, sondern „das Haar salben und ein freundliches Gesicht machen“.
    Verzicht kann durchaus helfen, sich nach dem Mehr auszustrecken.

    1. Desöfteren beobachte ich in meiner atheistisch geprägten Umgebung, dass sich auch viele Christen – wenn sie denn überhaupt die Fastenzeit beachten – auf das Verzichten konzentrieren. Nachgefragt warum sie auf etwas verzichten: „Es ist doch Fastenzeit! Und man soll doch verzichten!“ Hm, da fehlt mir der Sinn eines solchen Fastens.
      Mit dem Sonntag ist es ähnlich. Viele Menschen der älteren Generation denken noch an die Sonntagspflicht. Ich bin da etwas radikaler: Wenn ich nur an die Pflicht denken muss, etwas zu tun, was mir aber im Innersten eigentlich widerstrebt, dann soll ich es lieber sein lassen und den Sonntag im Bett verbringen.
      Für mich ist es sinnvoller, sich auf die 2 anderen Aspekte der Buße nach alt- aber auch neutestamentlichem Verständnis zu konzentrieren: Almosen geben und Beten. So haben wir es auch am Aschermittwoch im Evangelium bei Mt im 6. Kapitel gehört. Erst an dritter Stelle sagt der Evangelist etwas über das Fasten. Auf alle Fälle kommt es bei allen Bußwerken auf die rechte Gesinnung an. Jesus warnt eindringlich die Heuchler „Amen, das sage ich euch …“ Und das ist auf alle Fälle ein ganz deutliches „Entweder – oder“.

      1. Danke, ich kann glaube ich nachvollziehen, warum Du so denkst – aber dennoch – wenn für Menschen der Sonntagsgottesdienst oder eben das Fasten wirklich nur für eine ihnen im Innersten zuwidere Pflicht halten würden, hätten sie diese Praxis wohl längst eingestellt. Ich finde aber auch, daß das eigentlich ein bißchen wenig ist – die Pflicht ist ja eigentlich keine Pflicht sondern sollte eine Antwort auf Gott aus Liebe sein. Da wären wir dann bei der rechten Gesinnung.
        Und auch wenn das Fasten erst an dritter Stelle genannt wird – es unter den Tisch fallen zu lassen, würde ich für falsch halten. Vielleicht müßte man sich dann mal neu damit befassen, welchen Sinn das Fasten eigentlich hat – mir fällt spontan die Hannah im Tempel ein, die Gott mit Fasten und Beten diente oder daß es offensichtlich eine Art Schutz- oder Abwehr funktion hat, wenn Jesus seinen Jüngern sagt, eine bestimmte Art von Dämonen würde nur durch Fasten und Gebet ausgetrieben…

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