Being … Putin

Schon am Dienstag der vergangenen Woche (28. Feb 2012, 21:45) habe ich zufällig eine interessante Satire auf ARTE gesehen, die so fein gestrickt ist, dass man denken könnte, Putin hätte das wirklich alles so gesagt. Eine neue Art von Politsatire, die ich nicht nur sehr sehenswert sondern auch zum Nachdenken anregend finde, wie Mütterchen Russland und Putin die Welt und sich selbst sehen, und warum die Russen einen Zaren brauchen.

Das Video kannst du sehen, wenn du auf das Bild klickst oder hier: Being … Putin.

„Wladimir Putin wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Leningrad auf. Mit 15 Jahren beschloss er, Geheimagent zu werden und ging als 23-Jähriger zum KGB. KGB-Chef Andropow, der später Breschnew an die Spitze von Partei und Staat folgte, war Putins Vorbild und Gönner. Er vertraute dem jungen Offizier die Leitung der prestigereichen Außenaufklärung an. 1985 kam Putin in die DDR. Ohnmächtig erlebte er dort den Zusammenbruch des Regimes – die Generalprobe für das Schicksal der UdSSR ein Jahr später. Zurück in Leningrad wurde er stellvertretender Leiter der Staatsuniversität.
Um sich eine weiße Weste zu verschaffen, kündigte er offiziell beim KGB und betrat an der Seite des Demokraten Anatoli Sobtschak – Bürgermeister von Leningrad – die politische Bühne als dessen erster Stellvertreter. 1996 holte ihn Anatoli Tschubajs, der die stark bröckelnde Jelzin-Administration leitete, in die Kremlverwaltung. Tatsächlich wirkte der nüchterne ehemalige Geheimdienstler Putin im eher alkoholisierten Umfeld des Kreml wahre Wunder. Insbesondere bewahrte er den neuen Zar und seinen Hofstaat vor so manchem Skandal. Zum Dank ernannte ihn Jelzin zum Chef der KGB-Nachfolgeorganisation FSB. Im August 1999 wurde Putin unter Jelzin Ministerpräsident und im März 2000 im ersten Wahlgang zum Präsidenten Russlands gewählt. Er nahm sofort sämtliche Hebel der Macht in die Hand. Demokratie gibt es für den Technokraten nur auf dem Papier. Die von Jelzin mit heißer Nadel gestrickten Reformen hatten das Land zutiefst destabilisiert. Korruption war an der Tagesordnung. Aber das Schlimmste für Putin war die Tatsache, dass die Gelder aus der Rohstoffgewinnung, der Haupteinkommensquelle der Föderation, durch dunkle Kanäle flossen, ohne dass der Staat davon profitierte. Putins Garde im Kreml bestand aus ehemaligen KGB- und FSB-Mitgliedern. Ungehindert ließ er die russischen Fernsehsender überwachen. Er brachte die Opposition zum Schweigen und erklärte den zu schnell reich gewordenen Oligarchen den Kampf. Seine patriotische Rhetorik und das radikale Durchgreifen kamen beim Volk gut an.
Auch der Westen reagierte nur schwach – vor allem als sich Putin nach den Terroranschlägen vom 11. September entschieden zur „Achse des Guten“ bekannte. Da die tschetschenischen Unabhängigkeitskämpfer für George W. Bush den bewaffneten Arm von Al Qaida im Osten verkörperten, ließ sich der amerikanische Präsident zu der begeisterten Aussage verleiten, er habe in Wladimir Putins Seele geschaut … was genau er dort gesehen hat, ist jedoch bis heute unklar.
Und was ist seither passiert? Wie steht es mit der Demokratie? Chodorowski, der ehemalige Jukos-Chef, schmachtet in seiner Gefängniszelle, der Unternehmer Beresowski lebt im Exil, die Journalistin Anna Politkowskaja wurde ermordet, die putintreue Naschi-Jugendbewegung stört Demonstrationen des „Anderen Russlands“, und Medwedew spielte bis zur Neuwahl Putins den Strohmann im Amt des Präsidenten. So sieht Putins „gesteuerte Demokratie“ aus, dieses seltsame, euphemistische Konzept, mit dem er seine neue Regierungsführung beschreibt.“

Soweit auch der Begleittext von ARTE zu dem Video. Das Foto ist übrigens von der homepage des theguardian „Platon’s best shot„.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s