Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt

Auch dieses Jahr wird sie wieder stattfinden: die größte und deutschlandweit wohl einzige Leidensprozession am Palmsonntag. Tausende Gläubige aus nah und fern kommen zu diesem Ereignis nach Heiligenstadt im Eichsfeld. Nachdem sie am Vormittag schon in den Gottesdiensten des Einzuges Jesu in Jerusalem gedacht haben und im Wortgottesdienst die Leidensgeschichte (Passion) Jesu Christi gehört haben, gehen viele diesen traditionellen Weg mit. Etwa  5000 – 8000 Teilnehmer und ebenso viele Zuschauer am Straßenrand sind es jedes Jahr. Dadurch hat es schon fast einen demonstrativen Charakter.

Ursprünglich war diese Prozession für den Karfreitag gedacht. Seit 1734 wurde sie jedoch auf den Palmsonntag verlegt. Die Karwoche gibt den Ton an, der diese Prozession mit seinen Liedern prägt. Die Darstellung der Passion Christi in einer Bilderfolge war in den Hochstiften Mainz, Würzburg und Bamberg sehr verbreitet. Die Jesuiten, die ja auch für die Rekatholisierung des Eichsfeldes zuständig sind, gelten als Urheber dieses Brauchtums und der besonderen Passionsfrömmigkeit.

Die Bilderprozessionen am Karfreitag waren eine Mischform zwischen dramatischer Darstellung des Leidens Christi auf der Bühne, wie sie das Spätmittelalter kannte und dem prozessionsweisen Nachvollzug des Leidens Christi, während dessen sich einzelne Teilnehmer öffentlich geißelten oder in der Nachfolge ihres Herrn Jesus Christus schwere Kreuze schleppten. Diese Tradition ist ja in Lateinamerika u.a. katholischen Ländern auch noch verbreitet.

Während jedoch die mittelalterlichen Passionsspiele unabhängig vom Ablauf des Kirchenjahres stattfanden und kaum liturgischen Charakter hatten, lässt sich die Prozession direkt zum liturgischen Gedächtnis an den Tod des Herrn zuordnen. Auch zu DDR-Zeiten war die Palmsonntagsprozession genau das, was auch die Jesuiten anstrebten: eine immer noch lebendige Form des Glaubensbekenntnisses, die sich mit Traditionen des Mittelalters verbunden und sich dennoch in der Neuzeit bis heute bewährt hat.

Die älteste Erwähnung des Umzuges ist 1581. Das Besondere sind die überlebensgroßen Figuren, die auf Tragegestellen bzw. mit Stangen (Kreuz) von Trägern mitgeführt werden. Sie stellen Jesus in den einzelnen Stationen seines Leidens dar. Die Figuren stammen mit Ausnahme der „Schmerzhaften Mutter“ aus den mittelalterlichen Anfängen. Der Ablauf der Prozession entspricht ebenso dem traditionellen Ursprung.

Um 14.00 Uhr setzt sich der Prozessionszug von der Lindenallee aus über die obere Altstadt – Heimenstein – Klausgasse – Wilhelmstraße – Göttinger Straße in Bewegung. Er findet in der Lindenallee auf der Höhe des Pfarramtes von St. Marien in einer Andacht seinen Abschluß.

Hier eine kleine Impression, die auch die Schwierigkeit der Synchronisation des Gesangs dieses Zuges ein wenig verdeutlicht. Durch die Länge und die unterschiedlichen Tempi der 2 Blaskapellen und des Gesangs der Leute kommt es zu Verschiebungen bis hin zu einer Strophenlänge.

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