Katholische Blogs und mehr …

Die sogenannte Blogozese (oder auch Blogoezese) ist ein bunt zusammengewürfelter Haufen, größtententeils traditionalistisch angehauchter Blogs aus dem Umfeld und dem engeren Kreis der katholischen Kirche. Es stellt weder das Zentrum noch den Meanstraem der Kirche dar. Da irrt sich nämlich der Verfasser des kathpedia-Artikels, wenn er schreibt: “ Katholische Weblogs gehören zu den wichtigsten Angeboten der Kirche und ihrer Mitglieder im Rahmen des benutzergenerierten Internets („Web 2.0“)“.

Die Blogozese ist nach eigenen Angaben ein loses Netzwerk katholischer Weblogs, das im Wesentlichen zur Koordination von Online-Projekten sowie zur Kooperation der Weblogs untereinander genutzt wird. Die Beziehungen der Mitglieder erfolgt im Rahmen der Arbeit an den jeweiligen Beiträgen hauptsächlich durch Zitation und Verweis („Links“). Das widerspricht schon ganz selbstverständlich der Angebotstheorie, die Josef Bordat uns da unterbreiten will.

Aber er hat nicht ganz Unrecht, wenn er schreibt:

„Die Weblogs der Blogozese begleiten kritisch und kreativ die Entwicklung der katholischen Kirche sowie deren mediale und gesellschaftliche Rezeption. Vor allem in innerkirchlichen Debatten zur Ekklesiologie und Liturgik beziehen die Weblogs engagiert Stellung. Auch im Zusammenhang mit der zunehmend als „Missbrauch des Missbrauchs“ wahrgenommenen Medien-Kampagne gegen die Katholische Kirche im Frühjahr 2010 hat sich die Blogozese zu Wort gemeldet.

Als Produkte Einzelner sind die Weblogs der Blogozese oft subjektiv, gehen aber i. d. R. weit über das klassische Anliegen eines Weblogs, „öffentliches Tagebuch“ zu sein, hinaus und befördern die einschlägigen Debatten.“

Mein persönliches Interesse gilt jedoch immer dem Kontrapunkt. Auch wenn ich eher ambivalent angelegt bin, schätze ich einige fundamentalistische Akzente der Blogozese eben nicht: die Selbstbeweihräucherung durch Awards, die Ablehnung eines Dialogs in der Kirche und damit verbunden: anti-ökumenische Tendenzen, die Beförderung eines hemmenden traditionalistischen Gedankengutes und die damit einhergehende Negierung anderer Meinungen. Für mich entscheidend ist die Förderung einer Blogozese (Konglomerat katholischer Blogs), welche die Vielfalt katholischen Glaubens zum Ausdruck bringt. Und da gehe ich auch mit Alipius überein, wenn er schreibt:

„Es geht mir auch nicht darum, die Vielfalt in der Blogoezese zu verringern oder alle Blogger unter einen Hut zu bringen. Wiederum ist das Gegenteil richtig: Je vielfältiger, desto besser und desto größer die Chance, daß irgendwer irgendein Thema aus einem Winkel sieht, der anderen bisher verborgen war.“

(Präzisierung…)

Weiterhin denke ich, dass es nicht die Aufgabe der Blogozese ist, Mission im klassischen Sinne zu betreiben (Alipius: „… Leute erreichen …, die nicht zu unserem klassischen Kundenkreis gehören“). Das wirkt schon durch die Sichtung der Blogroll der Klosterneuburger Marginalien ein wenig eigenartig. Ferner sollte man sich auch dem Gedanken der Zählsorge statt Seelsorge entledigen. Ich kann nur sehr begrenzt eruieren, wer meinen Blog liest, und bin froh über jeden konstruktiven Kommentar. Auch kann ich leider nicht immer feststellen, was Veröffentlichungen auslösen, auch wenn ich zunehmend vorsichtiger bin.

Warum ich blogge? Siehe: Über mich. Dazu ist vielleicht nur hinzuzufügen: Der christliche Glaube katholischer Ausrichtung ist mein Leben. Den katholischen Glauben weiterzugeben ist meine Berufung und Amt. Und dies in der Form: Den Menschen Mut machen auch in einer glaubensfeindlichen Umgebung ihren Glauben im Alltag zu leben durch alle Widrigkeiten des Lebens oder trotz dieser. Die reale Gemeinde versammeln und miteinander das Wort Gottes hören, am Brotbrechen festhalten und das Leben feiern, das wir in Jesus Christus haben, um so als Erlöste in das verheißene Reich Gottes zu gelangen. Dazu alle Mittel nutzen, die ich pesönlich für brauchbar halte, eben auch die Bloggerei. Die ökumenischen Kontakte nicht vergessen, sich nicht mit der Spaltung des Christentums abfinden und keine Berührungsängste haben, sich regelmäßig zu begegnen und miteinander zu leben.

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8 Kommentare zu „Katholische Blogs und mehr …“

  1. Ist iMHO schon ein wenig harsch formuliert und wirft auch Fragen auf: inwiefern ist die Auslobung eines Awards (bei dem jeder Internetnutzer nominieren und mitstimmen darf oder es auch lassen kann) „fundamentalistisch“?

    Daß die Blogs ziemlich bunt sind, sehe ich auch so und finde, gerade das macht den Reiz aus. Daß es sich wiederum um größtenteils traditionalistisch angehauchtes handeln soll, kann ich so nicht finden, auch fehlt mir oben der Hinweis darauf, daß es sich dabei um eine eigene Einschätzung handelt. Und was hat Kathpedia eigentlich damit zu tun? (Von der Tatsache, daß in solche Pedien jeder alles mögliche hineinschreiben kann, ohne daß es davon zugleich auch wahr würde, einmal ganz abgesehen. Der fragliche Artikel etwa ist ein Essay, kein Lexikoneintrag).

    1. Das Interessante an dem Kathpedia-Artikel – wie man ihn auch immer einordnen will – ist eben, dass er von Josef Bordat verfasst ist (Jobo 72’s Weblog). Er hat auf seine eigene Art versucht die Blogozese, zu der er ja auch viel beisteuert, zu definieren. Dass das eben kein Lexikonartikel ist, ist mir persönlich ziemlich egal. Ich gehe ja auch nicht davon aus, dass die Gedanken von Alipius das Non-Plus-Ultra oder irgendeine Definition oder Wahrheit darstellen sollen. Wahrheit ist auch nicht ein Kriterium, mit dem man immer an die Artikel der Blogozese herangehen kann. Obgleich ich damit nicht sagen will, dass diese Blogs nicht auch viel Wahres enthalten. Sowohl als auch …
      Der Hinweis in welchem Sinn ich meine Betrachtungen einordne, ist im letzten Absatz gegeben. Ich hebe noch einmal hervor – auch wenn ich mich wiederhole: Meine „Gedanken erheben nicht die alleinige und ewige Gültigkeit.“ Ich vertrete „auch nicht eine Lehrmeinung einer Institution oder Vereinigung“, wohl aber meine eigene Meinung. (https://nachtdesherrn.wordpress.com/about/)
      Und da sehe ich auch den Unterschied zu den traditionalistischen Ansichten vieler Blogger der Blogozese. Ein anderes Mal vielleicht mehr zu meinen ureigensten Beobachtungen und Einschätzungen …

  2. Die Versammlung in Freiburg war sehr real und die Eucharistie haben wir auch gemeinsam gefeiert, wie man auf PuLa nachlesen durfte, aber freilich müßte man dafür ja zugeben dürfen, PuLa zu lesen. „Riiisikoo!“… 🙂

    Tja, schade, wenn man statt in Freiburg zu sein im Enterainer-Stil gesagt bekam, daß einem die traurigen Geschichten, die anstelle einer Predigt am Caritas-Sonntag präsentiert wurden, aber doch bitte „nicht die Feierlaune verderben sollen“. Wirklich schade.

    GL

        1. Hm, bisschen sehr knappe Antwort, die meine Verwirrung nicht mindert. Den ersten Absatz des obigen Kommentars kann ich ja noch mit dem Artikel in Verbindung bringen, obwohl ich ihn ja eigentlich meinem Artikel: „Früchte des Bloggertreffens in Freiburg 2012“ zuordnen würde. Im zweiten Absatz kann ich nicht nachvollziehen, was der mit der Blogozese zu tun haben soll? Von was ist da die Rede? Off-topic!!!

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