Beten

Die Sommerpause spült nicht nur Treibgut und Seeräuberbeute an den Strand sondern auch Fragmente:

An mich wird manchmal die Anfrage herangetragen, ob ich nicht einmal einen Vortrag über das Beten halten könnte. In meinen Predigten habe ich es ja schon angedeutet. Auch in meiner noch nicht fertigen Predigtreihe, die ich eigentlich schon im Advent halten wollte, sollen einige Gedanken dazu kundgetan werden – .

Ehrlich gesagt tue ich mich etwas schwer damit, einen Vortrag zu dem Thema anzufertigen. Ich befürchte er wird zu theoretisch. Dabei ist Beten doch etwas wenig objektiv fassbares. Es gibt so viele Gebetsformen, wie es Spiritualitätsformen in der Kirche gibt. Vielleicht ist es gut, beim „Urschleim“ anzufangen. Nein, nicht bei Adam und Eva, sondern bei den Gebeten der Kindheit. Und schon taucht das nächste Problem auf: In welcher Familie wird heute noch gebetet?

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4 Kommentare zu „Beten“

    1. Naja, auf dem Dorf ist das wohl möglich, wenn man zur rechten Zeit am Pfarrgarten vorbei oder in die Kirche hinein schaut. Vielleicht aber auch nur im tiefsten Bayern. Als Stadtmensch, in der Diaspora aufgewachsen, habe ich eigentlich nie irgendwelche Priester bewusst wahrgenommen, die das sog. Brevier gebetet haben. Ich halte es für besser das Stundengebet der Kirche zusammen mit der Gemeinde zu beten, wie es zum Beispiel mit der 1. Sonntagsvesper im Dom zu Erfurt gemacht wird.

      Ich persönlich habe Beten über die Mutter gelernt. Knieend vorm Bett mit Blick auf das große Kreuz mit silbernem Korpus, morgerns und abends. Mittags das gemeinsame Tischgebet. Dazu aber gesondert demnächst einmal mehr.

      Zur Soutane: Wenn’s schee macht! 🙂 Ich bin kein Textiltheologe. Für Jesus wäre das mit Sicherheit ziemlich marginal. „Seht die Lilien …“ Nicht wahr …

  1. Schön, daß Sie sich über das Beten Gedanken machen! Wirklich! Aber klingt da ein bißchen Resignation und Kapitulation vor der heutigen Beliebigkeit durch? Das muß nicht, denn Sie als Priester können ja eine Schneise in diese Beliebigkeit schlagen – „üben“, wie Silvia so richtig sagt – oder: ausüben. Zum Beispiel mit den Erstkommunionkindern, die Ihnen demnächst wieder für ein gutes halbes Jahr anvertraut werden. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß freies Beten in der Regel keine Erleichterung, sondern eine Überforderung darstellt – für alt und jung. Gerade in Situationen, wo man nicht weiß, wo ein und wo aus, ist in puncto Beten nichts hilfreicher als ein lange bekanntes, fertiges Gebet (das auch sprachlich besser durchgearbeitet ist, als man das aus dem Stehgreif improvisieren kann – und im Gebet spricht man ja schließlich, das sollte man im Auge behalten, nicht mit irgendwem!), das man im Laufe des Lebens immer tiefer durchdringt und versteht (und frei beten kann man ja dann trotzdem noch – andersrum, also die alten Gebete selber wiedererfinden, wird schwieriger). Schenken Sie Ihren Kommunionkindern einige solcher „althergebrachten“ Gebete – und zwar wirklich mit auswendiglernen und abfragen! Kinder machen das gerne, weil kleine bewältigbare Aufgaben ein unerschöpflicher Quell möglichen Lobes seitens der Erwachsenen sind – und Sie haben einen großen Schritt getan, den Ihnen hier wie dort viele danken werden! Denn in der Tat haben Sie es mit Kindern zu tun, deren Eltern in ihrer Kindheit schon nicht mehr mit diesen Gebeten beschenkt wurden. Wie also sollen die Familien beten? Und wo könnte die Erneuerung her kommen, wenn nicht von den Priestern, denen wir unsere Kinder anvertrauen?

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