Das Jubiläum des Jahres: Zweites Vatikanisches Konzil

Am 11. Oktober 1962 eröffnete Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil. Es ist das bedeutendste Ereignis in der Römisch-Katholischen Kirche des 20. Jahrhunderts. Bis heute streiten sich Befürworter und Gegner über die Auslegung und Rezeption der 16 Dokumente, die die Konzilsväter veröffentlicht haben. Je nach dem, wie man zum Konzil steht, betrachtet man es als Bruch oder Weiterführung der katholischen und apostolischen Lehre.

Es ist allemal ein Meilenstein in der Kirchengeschichte wie auch der Weltgeschichte. Denn es hatte sowohl spürbare und manchmal auch schmerzliche Auswirkungen auf alle Bereiche innerkirchlichen Lebens, bis heute. Und es ordnete das Verhältnis der Kirche zur „Welt“ neu. Als Stichworte seien an dieser Stelle „aggiornamento“ und das weniger rezipierte „approfondissement“ genannt.

Das Ergebnis des Konzils war eine umfassende Liturgiereform, die sich schon ankündigte durch die Liturgische Bewegung, eine Veränderung der Sichtweise hinsichtlich der Stellung der Kirche zu anderen Religionen, Konfessionen und in der Welt allgemein, eine Aufwertung der Tätigkeit der Laien in der Gemeinde sowie eine radikale Neuorientierung, was Gemeinde Jesu Christi,Volk Gottes, Familie Gottes eigentlich bedeutet. „Ad fontes“ heißt in diesem Fall, nicht zurückschauen, sondern aus der Besinnung auf die Quellen ins Heute und in die Zukunft gehen.

Zu den Folgen des Zweiten Vatikanischen Konzils muss man die Öffnung der römisch katholischen Kirche zu Christen aller Konfessionen rechnen. Sicherlich auch die Anerkennung der Juden als unsere älteren Brüder und Schwestern und die damit einhergehende Erkenntnis, dass das Volk der Juden nicht Schuld trägt am Tod Jesu. Dann nicht zuletzt die Einsicht, dass Kirche nicht von oben aufgebaut wird, wie auch Christus nicht ein König und Herrscher ist von dieser Welt, sondern ein Diener aller. Das Volk Gottes, wir sind Kirche. In besonderer Weise sind die Priester, Bischöfe und hervorgehoben der Papst als Diener dieses Volkes anzusehen und folgerichtig in dieser Weise als Diener Gottes. Die Reform der Liturgie ist und bleibt die größte und bedeutendste Errungenschaft des Konzils. Diese fußt auf der Liturgischen Bewegung und setzt konsequent das o.g. Kirchenverständnis in einen neuen Ordo der Messe um, der geprägt ist von einer dem Volk Gottes zugänglichen lebendigen Sprache. Latein wird nicht abgeschafft, wohl aber ist die neue lateinische Messe ihres halbmagischen Nimbus beraubt, der immer noch an der Missa Tridentina zu kleben scheint.

Und nicht nur in diesem Punkt irren die Traditionalisten (speziell auch die schismatischen Piusbrüder, die sich selbst auf dem Boden des Katholizismus wähnen): Gott ist es, der sich sein Volk erwählt hat – in erster Linie – und dann seine Priester. Genau genommen: In Jesus Christus ist Gott zur Welt (und damit meine ich nicht das böse johannäische Pendant zum Himmelreich) gekommen, deshalb sollen auch seine Priester in der Welt (nämlich der Schöpfung Gottes) leben und sich nicht aufgrund eines verschrobenen Würde- und falsch interpretierten Kirchen- resp. Gehorsamsverständnisses von der modernen Welt abschotten – wie es selbst Klöster (ausgenommen kontemplative) heute nicht mehr machen. Demnächst werde ich wohl auch noch einige Gedanken zur abtrünnigen Priesterbruderschaft St. Pius und ihren schismatischen Constitutiones sagen müssen. Die Piusbrüder und so manch andere würden all das Gesagte sicherlich ganz anders auslegen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s