Rosenkranzmonat – ohne Fatima

Der Artikel zum „Rosenkranzmonat – kein Rosenkranz ohne Fatima!“ auf der schon im Artikel „Über das Beten“ erwähnten Seite „Zeit zu beten“  ist sehr grenzwertig. Zum Glück relativiert der Verfasser selbst: „Dabei soll kein Missverständnis aufkommen: Dieser Zusatz kann gebetet werden, stellt aber keine Verpflichtung dar. Wer das Rosenkranzgebet schon in anderen Ländern gehört und gebetet hat, weiß: Überall ist die Form etwas abweichend, doch immer gilt: Der Kern des Rosenkranzes ist das wiederholte Beten des “Gegrüßet seist du Maria” in Verbindung mit der Betrachtung der Geheimnisse Christi.

Dieser Fatima-Zusatz, der glücklicherweise nicht in den Gemeinden gebetet wird, zu denen ich gehöre, macht mir erhebliche Bauchschmerzen, denn er tendiert – wie die ganze Fatima-Bewegung – zu einseitig auf die Sündhaftigkeit des Menschen (die außer Frage steht) und stellt dadurch die Heilstat Jesu Christi und deren Betrachtung in ein einseitiges Scheinwerferlicht. Es scheint mir fast, dass hier die einmalige Heilstat Christi, sein Sühneopfer für unsere Sünden durch seinen Tod am Kreuz, auf eine eigenartige Weise relativiert wird. Außerdem wird hier ein Blickwinkel verwendet, der eher dem Mittelalter als der Neuzeit entspricht. Vielleicht ist das aber auch der Punkt: Antimodernismus, wie er (nicht erst, aber besonders) seit dem 1. Vat. Konzil in den Köpfen der Traditionalisten spukt. Das Moderne Zeitalter als Antichrist (wie das einmal auf einer zeitgenössischen Ikone der russischen Orthodoxie zu sehen war). Konservative, die nicht traditionalistisch verhaftet sind, haben sich zeitweise einen anderen Feind erkoren: den Kommunismus/ Bolschewismus, wie es auch z.B. Papst Johannes Paul II getan hat.

Eine Nebenbemerkung noch zu Fatima: Die ewige Sehnsucht nach Frieden, die in den sog. „Geheimnissen von Fatima“ zum Ausdruck kommt und auch in der Aussage, dass nur Maria den Frieden in der Welt und das Ende des Krieges (1.Weltkrieg?) erreichen kann, lässt sich nie stillen, so lange diese Welt existiert und das Böse im Menschen mächtig wird. Die Rolle Marias wird hier extrem überbewertet. In Fragen des Friedens wende ich mich immer persönlich an Jesus Christus, „der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut“. (Kol 1,20) Nach katholischem Verständnis ist es aber auch richtig die Heiligen um ihre Fürsprache zu bitten, resp. Maria, die Mutter Gottes und Chefin der Heiligen.

Im Monat Oktober treffen sich Katholiken zu speziellen Rosenkranzandachten, in denen sie für ganz besondere Anliegen beten. Der Rosenkranz besteht aus frühmittelalterlichen Gebeten, die im 11. Jahrhundert unter Verwendung biblischer Texte, entstanden sind. In seiner heutigen Form erscheint der Rosenkranz erstmals beim Kartäusermönch Heinrich von Kalkar (1328-1408) und wurde im Advent 1409 durch Dominikus von Preußen durch die „Geheimnisse“ aus dem Leben Jesu der heutigen Form nahegebracht. Aus den 50 Geheimnissen wurden 15 und so die bis heute bekannte Anzahl von Gebeten.

Am 7. Oktober 1571 siegte die christliche Seeflotte bei Lepanto über die Türken. Dieser Sieg wurde der Fürsprache der Gottesmutter zugeschrieben. Rosenkranzbruderschaften hatten am Tag der Schlacht um den Sieg gebetet. Deshalb ordnete Papst Pius V. für den Jahrestag am 7.10.1572 ein Marienfest an. Sein Nachfolger, Papst Gregor XIII.,  ernannte den ersten Sonntag im Oktober zum „Fest des hl. Rosenkranzes“ für alle Kirchen, die einen Rosenkranzaltar hatten. 1716 wurde dieses Fest auf alle Kirchen ausgedehnt. Pius X. verlegte es zu Beginn des 20. Jh.s wieder auf den ursprünglichen Termin. Im liturgischen Kirchenjahr wird am 7. Oktober der „Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz“ begangen.

Ausgehend von diesem Fest führte Papst Leo XIII. den „Rosenkranzmonat“ ein, indem er die Gläugigen zum täglichen Rosenkranzgebet aufforderte.

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2 Kommentare zu „Rosenkranzmonat – ohne Fatima“

  1. Ich mag das Fatima-Gebet nicht. Mir kommt das immer so vor, als solle mir die Furcht vor der Hölle wichtiger werden als die Hoffnung auf den Himmel – und das kann ja wohl nicht der Sinn des Christentums sein!
    Übrigens störe ich mich auch an dem Wörtchen „besonders“. Führe ALLE Seelen in den Himmel, BESONDERS jene, die… ist sprachlich völlig unlogisch.
    Dabei ist der Rosenkranz ohne den Fatima-Zusatz eine schöne Meditation, die ich wieder mehr pflegen will.

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