Getauft und dann?

Durch die Taufe werde ich mit Christus verbunden und mit seiner Kirche. Und aufgenommen in die Gemeinde vor Ort. Diese drei Dimensionen, nicht mehr und nicht weniger!

Mit Christus, ok. Aber mit dieser Kirche – da fangen bei vielen die Bauchschmerzen schon an. Und wenn ich mir erst mal meine Gemeinde anschaue … Als Christ möchte ich schon leben … Aber ich lehne die Kirche ab, vor allem als Institution. Das was der Papst sagt, geht ja schon gar nicht. Dann schaue ich mir den Rest von Gottes Bodenpersonal an. Alles das Gleiche. Korrupt und intrigant.

Ich kann doch auch als Christ leben ohne eine Gemeinde. Wenn ich mir so die Christen anschaue, die sich zum Gottesdienst versammeln, allesamt Schauspieler. Die wollen doch auch gar keine Gemeinschaft. Wie widerwillig manche einem die Hand reichen zum Friedensgruß. Das sagt doch alles. Und zur Kommunion – dem Gemeinschaftsmahl – geht jeder für sich alleine. Das ist doch Privatsache. Manch einer kommt doch eh nur zur Hl. Messe, weil ihm die Musik gefällt. Zu dem und dem geh‘ ich doch nicht in die Messe. Das was der predigt, gefällt mir nicht. Das Kulturchristentum läßt grüßen. Lug, Trug und Heuchelei.

Muss das so sein? Ja und Nein, denn die Kirche besteht aus Sündern, wie du und ich. Wer diese Spannung nicht aushalten kann, der kann sich einer Freikirche oder Sekte anschließen, die das entweder teilweise oder scheinbar vollständig ausblenden können.

Christ sein geht nicht ohne Gemeinschaft. Auch wenn viele, die in dieser Gemeinschaft stehen, doch lieber ihre eigene Suppe kochen. Dennoch heißt es: „Geh hin und sündige nicht mehr.“ (Joh 8,11) Es ist kein Freibrief, in der Kirche Jesu Christi zu sein, nach dem Motto: Ich zahle doch meine Kirchensteuer, also habe ich doch ein Anrecht, dass ich von der Kirche dies und das fordern kann.

Derjenige oder diejenige hat auch das 2. Vatikanum nicht verstanden. Die Kirche Gottes ist das Volk Gottes. Die Juden verstehen sich seither als eine verschworene Gemeinschaft, weil bei ihnen diese Vorstellung noch ganz konkret lebendig ist. In der Kirche Gottes ist dieser Gedanke mit der falschen Interpretation von der „Freiheit des Christenmenschen“ und der Inhalation des Grunddogmas der Neuzeit und Moderne untergegangen: Der Mensch ist ein Individuum und Freiheit ist sein höchstes Gut.

Und der gute neuzeitliche, moderne Mensch versteht nun einmal seine Freiheit als beschnitten, wenn ihm Kleriker irgendetwas vorschreiben, was ihm nicht passt. Da haben aber auch viele Kleriker noch nicht verstanden, was Dialog bedeutet: Teilhabe aller Getauften am Leib Christi. Nicht: Wir sind Papst! sondern: Wir sind Kirche, der Leib Jesu Christi! Paulus schreibt: „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“ (1Kor 12,27) Da ist kein Platz für Kulturchristen und Leute, die von der Kirche etwas einfordern wollen. Da ist auch kein Platz für juridische Kleriker, Haupt- und Ehrenamtler in der Gemeinde und Kirche Jesu Christi.

Gemeinsam die Zukunft gestalten oder vereinzelt untergehen im Kampf der Kulturen (clash of civilizations)! Das MUSS das Motto für die christliche Zukunft sein. Wenn wir nicht in der Ökumene weiter vorankommen und weiterhin uns traditionalistisch-fundamentalistischer Träumereien hingeben, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn auf dem Kirchturm bald ein Halbmond prangt.

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