Staunen – Thaumazein

staunen2Kann man Staunen lernen? Manchmal wünschte ich mir, ich würde mehr über dieses und jenes staunen, einfach verwundert sein über etwas Unerwartetes, etwas Nichtalltägliches, welches plötzlich sich ohne Ankündigung in meinem Leben ereignet. Aber diese Momente werden je älter ich werde um so seltener. Gut das es da das Internet gibt. Da gibt es noch vieles, was mich manchmal noch zum Staunen bringt.

Kinder können das. Überraschung ist kein Fremdwort für sie. Neidvoll aber auch freudig beobachten Erwachsene diese Kinder an Weihnachten oder zum Geburtstag, wenn es Geschenke gibt. Manch einer eben nur in diesen Momenten.

Platon bezeichnet Thaumazein als Anfang aller Philosophie: „Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.“ (Platon, Theaitetos) In der Philosophie wird das Thaumazein als eine über die „bloße Meinung“ (doxa) hinausgehende erstaunliche, bisher unberücksichtigt gebliebende und wahrhaft neue Wahrheit (alétheia) angesehen. Das Staunen wird derart gewürdigt, dass es letztendlich das Streben nach Wissen befördert und somit der Anfang und Motor aller Wissenschaft ist.

Deshalb sollte man in der Schule eigentlich mehr das Staunen lernen. Statt dessen wird den Kindern versucht Mathematik, Geographie, Physik, Chemie, Biologie, Religion und mancherlei Sprachengedöns einzutrichtern, so dass schon Seneca entnervt ausrief: „Non vitae sed scholae discimus.“ (Nicht für das Leben sondern für die Schule lernen wir.) Wenn mich nicht alles täuscht, beklagt er den gleichen Mangel.

Worüber kann ich staunen: Über einen Specht, der mitten in der Stadt einen Baum anpickt. Über die unendliche Weite des Sternenhimmels. Über den Duft einer frisch gemähten Wiese in den Alpen. [Zugegeben: Allergiker würden letzeres anders beurteilen.] Über ein Bild, das ein Kind gemalt hat. Über … Ja manchmal staune ich über das Wunder des Lebens, wenn so ein kleiner Erdenbürger über das Taufbecken gehalten wird. Und das wiederum lässt mich staunen über das unverdiente Geschenk des Glaubens.

Worüber können sie noch staunen, liebe Gemeinde? Schreibt doch mal etwas in die Kommentare.

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