Die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute

71370320Der Papst schreibt zum Ende des Jahres des Glaubens an die Bischöfe, an die Geweihten und alle Christgläubigen ein Apostolisches Schreiben, keine Enzyklika aber ein Schriftstück, dass sein Programm sein könnte. Papst Franziskus schreibt: „Ich weiß sehr wohl, dass heute die Dokumente nicht dasselbe Interesse wecken wie zu anderen Zeiten und schnell vergessen werden. Trotzdem betone ich, dass das, was ich hier zu sagen beabsichtige, eine programmatische Bedeutung hat und wichtige Konsequenzen beinhaltet. Ich hoffe, dass alle Gemeinschaften dafür sorgen, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um auf dem Weg einer pastoralen und missionarischen Neuausrichtung voranzuschreiten, der die Dinge nicht so belassen darf wie sie sind.“ Meiner Meinung ist es aber ein erster Ausdruck dessen, wovon der Papst träumt, wie er sich die Kirche von heute in einer Welt von heute vorstellt.

Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient.“ Papst Franziskus will deutlich machen, dass die kirchliche Erneuerung unaufschiebbar ist. Er will Traditionen durchleuchten und das Gute bewahren, mahnt aber zugleich Neuerungen an, die auf eine Einheit in Vielfalt hinauslaufen.

Einige Sätze haben Seltenheitswert, wenn sie überhaupt jemals in päpstlichen Dokumenten auftauchen: „Ich glaube auch nicht, dass man vom päpstlichen Lehramt eine endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten muss, welche die Kirche und die Welt betreffen. Es ist nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen. In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen „Dezentralisierung“ voranzuschreiten.“ Und das dürfte den ewig Traditionellen ein weiterer Dorn im Auge und keinesfalls eine „Freude“ sein, wie Herr Alipius in seinem bekannten Blog sarkastisch pastoral schlussfolgert: „JAAAAA! Gewonnen! Der Papst will sich künftig ÜBERALL und IMMER und AUS ALLEM heraushalten!“ Nicht nur die Kommentargeier sondern deren Meinung nach die Medien haben sich schon auf diese Stelle gestürzt.

Meine Nachrichtenqellen (dpa und AFP) beschäftigen sich differenzierter mit dem Schreiben: „Die Lehrschrift «Evangelii Gaudium» (Freude des Evangeliums) zum Abschluss des Jahres des Glaubens gilt als wegweisend und grundlegend für das Pontifikat von Franziskus. Er wendet sich damit an die Bischöfe und Priester, aber auch an alle Gläubigen. Das erste Dokument, das der Papst seit seinem Amtsantritt alleine verfasst hat, verdeutlicht eine Reihe seiner Haltungen zu heiklen Fragen.“ (dpa) Der Papst wagt sich auch an eine Kapitalismuskritik: „«In der Wurzel ungerecht» nennt er das aktuelle ökonomische System. Diese Form der Wirtschaft töte, denn in ihr herrsche das Gesetz des Stärkeren. Der Mensch sei nur noch als Konsument gefragt, und wer das nicht leisten könne, der werde nicht mehr bloß ausgebeutet, sondern ausgeschlossen, weggeworfen. Die Ausgeschlossenen seien nicht Ausgebeutete, sondern «Müll, Abfall». Die Welt lebe in einer neuen Tyrannei des «vergötterten Marktes».“ (dpa)

Euronews decken sich nicht mit der Meinung der Tradtionellen: „Auch Franziskus will keine Priesterinnen“. Und aus dem einfachen Schreiben, wird gleich ein „Apostolisches Lehrschreiben“, das texten auch dpa, AFP u.a. Und Euronews kommentieren: „Der Papst bemüht sich um Kontinuität zu seinem Vorgänger…“

Im Zentrum der Schrift steht die Verkündigung und zwar in Form der Homilie: „Der Prediger muss auch ein Ohr beim Volk haben, um herauszufinden, was für die Gläubigen zu hören notwendig ist.“ Klingt ein bisschen nach Luthers Forderung, dass man dem „Volk aufs Maul“ schauen müsse.

Die Kirche muss sich der Armen annehmen, als arme und demütige Gemeinschaft. „Klein aber stark in der Liebe Gottes wie der heilige Franziskus, sind wir als Christen alle berufen, uns der Schwäche des Volkes und der Welt, in der wir leben, anzunehmen.

Über das, was der Papst als „spirituelle Weltlichkeit“ bezeichnet, müssen wir in der kommenden Zeit gesondert nachdenken: „Die spirituelle Weltlichkeit, die sich hinter dem Anschein der Religiosität und sogar der Liebe zur Kirche verbirgt, besteht darin, anstatt die Ehre des Herrn die menschliche Ehre und das persönliche Wohlergehen zu suchen. Es ist das, was der Herr den Pharisäern vorwarf: »Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt? « (Joh 5,44). Es handelt sich um eine subtile Art, » den eigenen Vorteil, nicht die Sache Jesu Christi « zu suchen (Phil 2,21). Sie nimmt viele Formen an, je nach dem Naturell des Menschen und der Lage, in die sie eindringt. Da sie an die Suche des Anscheins gebunden ist, geht sie nicht immer mit öffentlichen Sünden einher, und äußerlich erscheint alles korrekt. Doch wenn diese Mentalität auf die Kirche übergreifen würde, » wäre das unendlich viel verheerender als jede andere bloß moralische Weltlichkeit «. (Henry De Lubac, Méditation sur l’Église, Paris 1953. Éditions Montaigne, Lyon 1968, S.321.)

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