Nun freut euch doch endlich

christusnarrDer Eröffnungsvers des heutigen Adventssonntages (Gaudete) steht beim Apostel Paulus im Philipperbrief im 4. Kapitel: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4-5)

Wie jetzt, ich soll mich freuen, bei all den negativen Nachrichten, die mich tagtäglich erreichen! Nein, also beim besten Willen, da kann man sich doch nicht freuen bei all dem Leid und Elend, welches in der Welt herrscht: Menschen, die flüchten vor Natur-, Staats- und Milizengewalten, die Hab und Gut verlieren, die mit dem Tod konfrontiert werden, die auf der Straße frieren und von anderen Menschen behandelt werden, als wären sie Luft. Die Aufzählung lässt sich noch beliebig erweitern, aber wird dadurch nicht besser. Mir wird dadurch nicht besser und ich frage mich: Wie soll ich mich da freuen?

Und was höre ich in der Lesung vom Propheten Jesaja: „Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest! Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten.“ (Jes 35,3.4) Das befriedigt mich aber auch nicht: Ich soll also die Menschen auf die Rache Gottes vertrösten. Davon hat sicherlich Jesaja und haben die Israeliten geträumt, von einem starken Retter, der da kommt und alle Feinde hinwegfegt mit Feuer und Schwert.

Aber wer kommt stattdessen: Ein Reis aus Isais Wurzel, kein machtvoller König, wie es sich der Prophet erträumt. Sondern ein ohnmächtiger Gott, der Mensch wird und sich seiner Schöpfung ausliefert und vor seinem nahenden Tode vor Pilatus nur stammelnd bekennen kann: „Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ (Joh 18,37b)

Das macht mir diesen Jesus sympathisch. Im wahrsten Sinne des Wortes (sym-pathisch), weil er sich in unsere Not begibt, in die tiefsten Tiefen seiner Kreation. Auch wenn es mich in vielen Dingen nicht sonderlich tröstet, so kann ich doch darauf vertrauen, dass Gott auch im schwärzesten Dunkel dieser Welt ein Licht sein will. Eine kleine Freude in einer friedlosen und kalten Welt. Jesus hat die Welt erlöst und alles weitere in die Hände seiner Brüder und Schwestern gelegt. An uns liegt es, ob diese Welt so bleibt wie sie ist oder sich im Sinne Gottes verwandelt in einen Ort seiner Freude, die er denen verheißt, die an ihn glauben.

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