Der Messias unter uns?!

In Bachmichels Haus hinter dem 17. Türchen gefunden:

Der Guru, der in seiner Himalayahöhle meditierte, öffnete seine Augen und sah einen unerwarteten Besucher vor sich sitzen – den Abt eines wohlbekannten Klosters.

“Was suchst du?”, fragte der Guru.

Der Abt erzählte eine leidvolle Geschichte. Sein Kloster war einmal im ganzen Westen berühmt. Seine Zellen waren mit jungen Anwärtern gefüllt und seine Kirche hallte wider vom Gesang seiner Mönche. Aber harte Zeiten waren über das Kloster eingebrochen. Die Leute kamen nicht mehr in Scharen, um ihre Seele zu nähren, der Strom junger Aspiranten war abgebrochen, die Kirche war still. Es gab nur noch eine Handvoll Mönche und diese widmeten sich ihrer Arbeit nur mit schwerem Herzen.

Der Abt wollte folgendes wissen: “Liegt es an irgendeiner Sünde von uns, dass das Kloster auf diesen Zustand reduziert wurde?”

“Ja”, sagte der Guru, “eine Sünde der Unwissenheit.”

“Und was soll das für eine Sünde sein?”

“Einer von euch ist der verkleidete Messias und ihr erkennt ihn nicht.” Als er das gesagt hatte, schloss der Guru seine Augen und kehrte in die Meditation zurück.

Während der ganzen kraftzehrenden Wanderung zurück zu seinem Kloster klopfte das Herz des Abtes beim Gedanken daran, dass der Messias – der Messias selbst auf die Erde zurückgekommen war und in seinem Kloster war. Wie kam es nur, dass er ihn nicht erkannt hatte? Und wer könnte es sein? Bruder Koch? Bruder Sakristan? Bruder Schatzmeister? Bruder Prior? Nein, der nicht: Er hatte zu viele Fehler. Aber der Guru hatte gesagt, dass er verkleidet sei. Könnten diese Fehler zu seiner Verkleidung gehören? Wenn man darüber nachdenkt, hatte jeder im Kloster Fehler. Und einer von ihnen muss der Messias sein.

Zurück im Kloster versammelte er die Mönche und erzählte ihnen, was er entdeckt hatte. Sie sahen sich ungläubig an. Der Messias? Hier? Unglaublich!

Aber er hat sich unter uns verkleidet. Also, vielleicht. Was, wenn es soundso ist? Oder der andere dort drüben? Oder . . .

Eine Sache war sicher: Wenn der Messias in Verkleidung hier war, ist es nicht wahrscheinlich, dass sie ihn erkennen würden. Also begannen sie, allen mit Respekt und Bedacht zu begegnen. “Man weiss nie”, sagten sie zu sich selber, wenn sie miteinander umgingen, “vielleicht ist dieser hier derjenige.”

Das Ergebnis davon war, dass die Atmosphäre im Kloster vor Freude pulsierte.

Bald kamen Dutzende Aspiranten, die von dem Orden aufgenommen werden wollten und erneut widerhallte die Kirche von den heiligen und freudvollen Gesängen der Mönche, die vom Geist der Liebe entflammt waren.

Daraufhin schreibt Andrea Gander einen Kommentar:

„Gestern Abend um etwa 7 Uhr klingelt es an meiner Haustüre. Davor ein Mann mittleren Alters […], gut gekleidet, freundlicher Ausdruck. Also mache ich auf. Ein Künstler war’s. Ein Chansonier. Drückt mir gleich seine CD in die Hand (hat sein Verkaufstechnik gut gelernt) und erzählt mir von seinen Liedern. Davon, dass er ein Buch mit Gedichten geschrieben hat (das Buch nehme ich vorsichtshalber nicht in die noch freie andere Hand). Ich höre soviele Namen, dass ich nur freundlich nicken kann und zwischendurch so tun, als würde ich einen davon kennen. Er möchte mir also seine Werke verkaufen. Ach ja…. Mir fällt deine Geschichte ein. Von dem Messias, den wir nicht erkennen. Mir fällt ein, dass vor langer Zeit Menschen von Tür zu Tür zogen und sie wurde ihnen vor der Nase zugemacht. Ich musste so lächeln. Weihnachten. …“
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