Jetzt geht’s los

Mitten in der hohen Zeit des Karnevals schreibt Elsa in ihrem Nacht(b)revier einen Artikel über: „Das Ackermann Syndrom“ und verwirrt mich vollends. Eigentlich hatte ich nie gedacht, dass Traditionalisten gegen den Papst schreiben. Aber ist ja klar: Wenn der Franziskus heißt und den Benedikt vom Thron gestoßen hat, kann er ja nur von allen guten Geistern verlassen sein; und das muss er auch, wenn man dem Posting von Elsa Glauben schenken möchte. Von den blödsinnigen Beifallsbekundungen der Kommentatoren möchte ich erst einmal schweigen.

„Wer sich ein Bild über die katholische Kirche machen wollte und dabei ausschließlich auf Äußerungen des derzeit amtierenden Papstes angewiesen wäre, der könnte zu dem Schluss kommen, dass Jesus Christus Muslimen die Füße gewaschen hat, Priester im Beichstuhl mit glühenden Zangen parat sitzen und die Kinder von ledigen Müttern offenbar der ewigen Verdammnis anheim gefallen sind und deshalb nicht getauft werden dürfen. Es gibt noch mehr solcher befremdlichen Anwürfe ausgerechnet in einem Dokument, das sich „Evangelii Gaudium“ nennt. Hinzu kommt noch, dass sich Katholiken, die gerne in die außerordentliche Form der römischen Liturgie gehen, sich einer Art Dandytums schuldig machen, einem Modetrend folgen, den man brüderlich, barmherzig, taktvoll und mitfühlend begleiten muss (nein, es geht nicht um Homosexualität, es geht um die Alte Messe), der aber hoffentlich bald wieder irgendwie abebbt – oder so ähnlich.

Wer schon immer gewusst hat, dass Katholischsein irgendwie unsexy ist, der ist bei Franziskus goldrichtig, weshalb auch die einstmals abgefallenen Alm-Öhis im Münsteraner Flachland vor lauter Begeisterung schon anfangen, ihre Predigten mit italienischen Redenwendungen zu durchsetzen. Das alles wäre auch gar nicht weiter erwähnenswert, immerhin sind wir Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation mittlerweile durchaus gewohnt.“

Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Jesus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen, die überhaupt keine Kardinäle oder Priester waren sondern israelische Fischer, Zöllner und allesamt Sünder. Das ist „unsexy“. Auch und vor allem ist es „unsexy“, wenn man sich über die „italienischen Redenwendungen“ [Hervorhebung d. Red.] im „Münsteraner Flachland“ lustig macht, die die Fundamentalisten schon lange zuvor ständig im Munde geführt haben, nur eben nicht dieselben, nicht die Zitate von Papst Franziskus. Ich habe lange darauf gewartet, dass es zu einem Bruch mit Rom in der traditionalistischen Front kommt. Das scheint ja nun der Fall zu sein.

„Es ist durchaus okay, sich an die Brust zu schlagen, auch wenn es, entgegen der Drohkulisse des Franziskus, tatsächlich so aussieht, dass überhaupt gar niemand mehr beichten geht und in deutschen Landen alles und jeder die Sakramente empfangen kann, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist.“

„Drohkulisse“ !!! – einfach köstlich … selten so gelacht. Allerdings ist das, was Elsa im zweiten Teil des Satzes schreibt durchaus ein ernstes Thema und sollte in der Fastenzeit ausgiebig nicht nur in den Predigten thematisiert werden.

Doch nun noch einmal zum Thema: „Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation …“ Da fühle ich mich persönlich angepisst, denn ich lebe und arbeite für Christi Weinstock in einem Kernland der Reformation schon länger, als diese Elsa überhaupt katholisch ist.

Und ich kann es nur immer wieder betonen: Auch wenn die Evangelischen Kirchen ihr Reformationsjubiläum langfristig und ausgiebig feiern, ist das hier im Osten der Republik nur eine Marginalie bei 70 % Agnostikern und Atheisten. Hinzu kommen die Kirchenfernen Katholiken und Evangelischen, die bei Erhalt des Kirchenblättchens zu Ostern oder der Zeugen-Jehova-ähnlichen Klingelaktion des Katholikenblättchens „Tag des Hernn“ sofort und vehement ihren Austritt aus der Kirche erklären, auch wenn sich herausstellt, dass sie schon lange ausgetreten sind.

Nun noch einmal zu dem Kommentator „Siri“, der sich also nach einem Ansagedienst von Apple seinen Namen gibt. Dieser schreibt:

„Dieser Papst, der ganz offensichtlich gar keiner sein will, hat ja letztes Jahr in einer seiner sog. „Perlen“ das Gleichnis von den Schafen in besonders schräger Weise ausgelegt, indem er behauptete, heute sei es umgekehrt wie damals zur Zeit Jesu: Es sei nur noch ein Schaf daheim, und 99 seien verloren.“

SIRI mach die Augen auf, komm mal hier in den Osten, am besten für ein paar Monate und steig aus deinem Elfenbeinturm! Und vor allem: Lass dir von deinem iPhone nicht immer alles vorkauen!

„Die überfällige Deutung, dass dann aber auch der Hirte spiegelverkehrt sich verhalten muss, nämlich nicht den „verlorenen“ 99, sonderm dem einen daheimgebliebenen nachgehen (das wären heute die wenigen Konservativen, Romtreuen, die es noch gibt) – die ist diesem Feld-, Wald- und Wiesentheologen auf dem Stuhl Petri natürlich nicht eingefallen.“

Ach du heiliger Einfallspinsel. Es gibt schon viel zu viele, die sich nur um den eigenen Bauchnabel kümmern.

„Und Benedikt muss heute zur Sprachlosigikeit verdammt stundenlang im Petersdom dasitzen. Es ist zum K…“

Ja, das ist doch zum … Heulen (ich schmeiß mich weg, vor Lachen) …. Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug, doch Halt, da war noch was:

„Roma, Roma convertere ad Deum tuum.“

Für die Nichtlateiner unter uns Normalsündern … äh … -christen: „Jerusalem, Jerusalem, bekehre dich zum Herrn deinem Gott“;  den Klageliedern (des Jeremias) bspw. nach dem 1. Kapitel Vers 11 in den Karmetten zugeordnet. Findet sich aber nicht dort, zumindest nicht in der Vulgata. Geht aber wahrscheinlich auf Hos 14,2 aus: „Convertere, Israel, ad Dominum Deum tuum, quoniam corruisti in iniquitate tua.“ – „Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld.“ Das hat der Apple-Jünger sehr verschandelt auf Rom angewendet.

Und jetzt alle schunkeln … am Aschermittwoch da bin ich verloren … und dann noch einmal: Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug.

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