Revisited: O Haupt voll Blut und Wunden

Vor knapp zwei Jahren habe ich eine kleine Rezension über das wohl bekannteste und beliebteste Passionslied der heutigen Zeit geschrieben: O Haupt voll Blut und Wunden. Was soll ich sagen: Irgendwer von den Machern des neuen „Gotteslobes“ muss diesen Artikel gelesen haben. Im neuen GL Nr. 289:

Die zweite Strophe wird jetzt im Original wiedergegeben:

2.
Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht’t?

Als 5. Strophe fügt das neue im Vergleich zum alten „Gotteslob“ ein:

6. (Originalstrophe)
Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

Danach geht es wie im alten „Gotteslob“ mit den Strophen 8 bis 10 im Original weiter. Ja, das neue „Gotteslob“ wartet mit einigen interessanten Überraschungen auf, textlich wie auch melodiös. Da werd‘ ich wohl in nächster Zeit einige meiner Artikel visitieren müssen.

 

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3 Kommentare zu „Revisited: O Haupt voll Blut und Wunden“

  1. Nacht des Herrn, ich will Ihre persönliche Freude nicht trüben. Sicherlich ist es richtig, statt ideologischem Glätten wieder dem (barocken) Original den Vorzug zu geben. Aber ich frage mich: Sollte es als Lied der heutigen Durchschnittsgemeinde gedacht sein, sind 90% mit dem Herzen nicht dabei oder können den Text erst gar nicht nachvollziehen (schätze ich mal). Wenn es trotzdem beliebt ist, dann vermutlich nur aus Tradition, weil es von Kindheit an mit Passion und Karfreitag etc. gefühlsmäßig verbunden ist. – Das ist nicht falsch, aber wenn es nicht tiefer geht, ist es letzlich ‚Stimmung auf Bestellung‘.

    1. Nun ja, das ist mir auch alles bekannt. Ich habe schon einmal einen Karfreitag erlebt, wo die Mailänder Choralschola in der Liturgie gesungen hat und als das oben rezensierte Lied nach der Passion intoniert wurde, hat nicht einmal ein Viertel der ca. 250 Gottesdienstbesucher mitgesungen. Aber wenn ich „beliebt“ meine, schaue ich nicht nur auf den katholischen Kirchgarten sondern immer auch zur evangelischen Nachbarschaft. Vom wachsenden „Kulturchristentum“ möchte ich gar nicht weiter reden. Das sind die Christen, die meinen, ein Besuch der Matthäuspassion sei ausreichend als „Gottesdienst“ zu Ostern. Allerdings bin ich nicht der Meinung, dass nur 90% der Gottesdienstbesucher den Text von diesem Lied nicht erfassen können, jedenfalls nicht hier im ostdeutschen Raum. Wer hier noch in den Gottesdienst kommt (und prozentual zur Gemeindemitgliederzahl ist das noch weit höher als in den alten Bundesländern), der hat einen religiösen Hintergrund. Von denen die nicht kommen und von denen, die religiös nicht gebunden oder „unmusikalisch“ sind, können wir selbstverständlich nicht reden.

  2. Gut, da geb ich Ihnen recht, daß es immer vom Umfeld abhängt. – Wir haben heute Morgen die ersten drei Strophen in der Messe gesungen, auch die mit dem ‚Weltgewichte‘ – und ich muß sagen – auch jemand, der nicht alles verstehen sollte, wird von der Tiefe des Liedes erfaßt werden.

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