Was machen wir mit Sündern?

Kopf ab und als Ungläubige diffamieren und ins Internet stellen. So würden das einige radikale Muslime machen. Dann einen Gottesstaat gründen und alle Christen, Juden, Jesiden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ausrotten, während alle anderen Muslime stillschweigend zusehen und dann jubelnd durch die Straßen ziehen und die Scharia ausrufen und wie bekloppt: „Tod den Amerikanern“ skandieren und USA-Flaggen verbrennen.

Jesus aber sagt:

 „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“  (Mt 18,15-20)
Da ist von einem sündigen Bruder die Rede … Ach so, also eine interne, eine Gemeindegeschichte. Was ist mit Schestern oder mit ganzen Kotzbrockenfamilien, die den Frieden in der Gemeinde stören? In einem Kommentar zum Evangelium des 23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) heißt es:
„Die Zurechtweisung eines Bruders hatte im Judentum eine lange Tradition. Ziel der vom Gesetz geforderten Zurechtweisung war nicht die Verurteilung, sondern die Zurückgewinnung des Bruders, und damit auch die Wiederherstellung der gottgewollten Ordnung. Die zeitweilige oder endgültige Aufhebung der (Tisch-)Gemeinschaft soll keinesfalls das letzte Mittel sein, um einen unbußfertigen Sünder nicht doch noch zur Umkehr zu bewegen. Matthäus verweist besonders auf das Gebet zu Gott. Das Machtmittel der Gemeinde ist letztlich das Gebet.“ (Norbert Riebartsch (2011)).
Interessant ist auch: Jesus sagt zu seinen Jüngern das gleiche, was er auch zu Petrus gesagt hat: „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ Fehlt nur die Bemerkung mit den Schlüsseln und dem Fels. Aber ist die nicht zweitrangig? Wichtig ist für Jesus nicht das Wie und Warum und Was, sondern das Gebet. Wo sich Menschen zum Gebet versammeln, da ist Jesus mitten unter uns.
Und was Jeus will, fasst Paulus in Römer 13,8-10 so zusammen:
„Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“
Augustinus bringt es so auf dem Punkt: „Ama et fac quod vis. Liebe und tu, was du willst.“ So und jetzt geh‘ hin und sündige nicht mehr …
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5 Kommentare zu „Was machen wir mit Sündern?“

  1. Ein jeder kehre die Sünden vor seiner eigenen Türe. Sündenzuweisungen waren noch niemals zielführend.

    Aber wem erzähle ich das? Inzwischen ist allgemein bekannt, dass die Menschen viel genauer wissen was Sünde ist und was nicht, als alle Sündenspezialisten seit Christi Geburt zusammen.
    Man schaue sich nur einmal an, was die Kirche aus den zehn Geboten gemacht hat. Ein Buch mit fast dreitausend Paragrafen auf über achthundert Seiten, dessen häufigstes Stichwort im Register nicht etwa Liebe ist, DAS Leitmotiv von Jesus Christus, sondern, wie könnte es anders sein, Kirche. Thema verfehlt. Im Katechismus, wie bei den Sünden.

    1. Ja, das ist wohl wahr: Schuldzuweisungen sind immer etwas, was Jesus mit dem Vergleich: Splitter und Balken uns versucht klar zu machen. Aber mal ehrlich: Was machen wir mit einem Franz-Peter Tebartz-van Elst? Was machen wir mit einem Richard Williamson, der den Holocaust leugnet? Was machen wir mit dem- oder derjenigen, der/ die zu unserer Gemeinde gehört und der Gemeinschaft schweren Schaden durch sein/ ihr Handeln zufügt? Sollte man das ignorieren, den Mantel des Schweigens über die Kinderschänder breiten, wie es so oft schon gemacht wurde? Vor dieser Frage stand auch schon Matthäus, als er diese Sätze schrieb: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht …“ Mt 18,15-20 Und das wird Jesus in den Mund gelegt, der auch sagt: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ Mt 7,3 Keine Schuldzuweisungen, aber auch kein Schweigen, wenn Unrecht geschieht.

  2. Wir sprachen hier von Sünden. Für Sünden sind die Religionen zuständig, für Verbrechen die Judikative und die Legislative. Nicht ohne Grund wehren sich die Religionen, auch die römisch katholische Kirche, bis heute heftig gegen die Gewaltenteilung und die dadurch entstehende Kontrolle der Macht.
    Bei uns musste die Menschenrechte und die Demokratie in blutigen Kriegen gegen die Kirche durchgesetzt werden. Wir sollten das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

    Sie führen oben den Ehebruch an. Der geht den Staatsanwalt nichts an. Dagegen ist die Verfolgung von Straftätern und Straftaten keine Sache der Kirchen, sondern des Amtsanwaltes zur Verfolgung als Offizialdelikt. Notfalls bis zu den europäischen Kassationshöfen.
    Also sollten sich die Kirchen auf ihre Sünden beschränken und die Staatsanwaltschaft die Kindervergewaltiger verfolgen. Wobei der Klerus dieselbe Pflicht hat, als Zeuge zur Verfügung der Gerichte zu stehen, wie jede andere Bürgerin auch.

  3. Verbrechen ist – religiös gesehen – auch immer Sünde. Das ist aber hier nicht die Frage. Auch nicht der Ehebruch, den ich gar nicht erwähnt habe. Meine Frage ist nicht, wie geht die Gesellschaft mit Verbrechern um, sondern, wie geht die Kirche/ Gemeinde mit Leuten um, die offensichtlich das Image der Kirche schädigen, wie z.B. oben erwähnte Personen.
    Dass Menschenrechte und Demokratie gegen die Kirche erkämpft werden mussten, ist bestenfalls Geschichtsverzerrung.

  4. Das ist richtig, Verbrechen ist fast immer Sünde, aber Sünde ist nicht immer gleich Verbrechen. ABER Sünde ist auch nicht immer Sünde.
    Es kommt immer darauf an WER man ist und oft genug auch WO man ist.

    Was in Mekka für einen tief gläubigen Muslim die absolute Selbstverständlichkeit ist, kann für einen römisch-katholischen Gläubigen strenger Observanz eine Sünde sein, die direkt sein ewiges Seelenheil zerstört. Denken Sie nur an die katholische Ehedoktrin und die islamische Mehrfachehe.
    Genau so ist ein knuspriger Schweinebraten mit einem Glas Bier in Passau durchaus der Himmel auf Erden, in Mekka eher weniger.
    Und diesen Vergleich kann man praktisch ins unendliche fortsetzen, bei viertausendzweihundert bekannten Religionen und sicher noch viel mehr Bekenntnissen. Vergleichen Sie einmal nur katholische Sünden mit protestantischen; da fangen die spezifischen Sünden ja schon an, über die ein gläubiger Hindu oder Shintoist nur milde lächeln kann.

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