Martin Luther King in Ost-Berlin

Leider habe ich den 50-en Jahrestag verpasst. Aber ich möchte gern noch ein paar Zeilen zu diesem historischen Ereignis schreiben.

Martin-Luther-King DDR GrenzeAm 13. September 1964 reiste Martin Luther King, der auf Einladung des damaligen Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt (SPD) West-Berlin besuchte, spontan und für die DDR-Grenzer und -Behörden völlig überraschend nach Ost-Berlin, um in der Marienkirche am Alexanderplatz und in der Sophienkirche zu predigen. Eigentlich hätte es die STASI ja wissen müssen. Er überquerte dabei den Checkpoint Charlie. Als Amerikaner war das zu der Zeit wohl noch unter Vorlage des Passes möglich. Doch Martin Luther King hatte seinen Pass schon an die US-Behörden abgeben müssen, denen sein von Brandt arrangierter Besuch im Osten gar nicht recht war.  Nach einer halben Stunde, in der die Grenzer sich mit den DDR-Behörden rückversicherten, konnte er den Checkpoint passieren. Sie akzeptierten dabei eine American-Express-Kreditkarte als Ausweisdokument.

In seiner Predigt ging King nicht direkt auf die politische Situation ein, wie er es auch der Presse am Vortag gesagt hat. Aber wir waren in der DDR in den christlichen Gemeinden sehr gut geschult zwischen den Zeilen zu hören, oder wie man es heute sagen würde: kontextbezogen. Es sei „eine Ehre, in dieser Stadt zu sein, die ein Symbol der Trennung von Menschen auf der Erde ist“, sagte King. „Auf beiden Seiten der Mauer sind Gottes Kinder, und keine von Menschen gemachte Absperrung kann diese Tatsache auslöschen.“ Einen Rat hatte er nicht zu bieten: „Ich bin nicht lange genug hier, um Gottes Plan für euch und seinen Ruf an euch zu erkennen. Aber ich würde gerne mit euch den Geist teilen, der uns in unserem Freiheitskampf im Süden der Vereinigten Staaten bewegt.“ (Zitat nach dem Berliner Tagesspiegel)

Ca. 3000 Menschen hörten in den überfüllten Kirchen seinen Worten zu. Unter ihnen war auch der heutige Bundespräsident Gauck. Die Volkspolizei soll nicht sichtbar gewesen sein. Die STASI wird aber sicher mit mehreren Leuten in Zivil die ganze Geschichte dokumentiert haben, wie sie es ja bei kirchlichen Veranstaltungen immer getan haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s