6 Jahre „Nacht des Herrn“

Die Zeit flieht wie ein Schatten. Heute erinnert mich wordpress, dass ich mich vor 6 Jahren registriert habe. Genau genommen am 3. März 2011 habe ich meinen allererster Artikel veröffentlicht: „Was gibt’s Neues?

In dem Posting erkläre ich mein Anliegen, in der sog. Blogozese einen Kontrapunkt setzen zu wollen. Das kommt auch in vielen Artikeln zum Ausdruck. Am 11. Juni 2012 Habe ich das auch noch einmal explizit in einem Artikel gepostet: „Katholische Blogs und mehr …“ In der letzten Zeit mehren sich jedoch die Gedanken zur Politik, vor allem der Weltpolitik. Religion schwebt nicht im luftleeren Raum, die Entwicklung in der Welt – zurück zu Kleinstaaterei und Despotentum – macht mir große Sorgen. Auch wenn viele meinen, sie leben (hier in Deutschland/ Europa) ziemlich sicher, rechnen sie nicht damit, dass auch Demokratien Kriege führen können, und sich die Sicherheit schnell verflüchtigen kann.

Die Blogozese an sich hat mit dem Pontifikat Papst Franziskus‘ an Bedeutung verloren. Die Lichtgestalt der Blogozese war Papst Benedikt XVI., der durch sein Pontifikat den Traditionalisten große Hoffnungen gemacht hat. Die Blogozese hat nie große Bedeutung in der kath. Kirche Deutschlands erlangt, weil sie als diffuses Sprachrohr der Fundamentalisten ein Sammelbecken ziemlich eigen- und einzigartiger Gedankenakrobaten war, denen es nicht gelungen ist, eine allgemein interessierende Plattform zu schaffen, die zu einem sinnvollen Diskurs angeregt hätte. Das war auch nie Sinn und Ziel der Blogozese geschweige denn ihrer Bloggertreffen. Statt dessen wurden die Ansichten „modernistischer“ Theologen, Priester und Gläubige in unregelmäßigen Abständen karikiert und verteufelt. Nach althergebrachter (mittelalterlicher) kirchlicher Tradition. Die meisten der bedeutendsten Blogger der Blogozese schreiben auch heute noch, aber faktisch existiert die Blogozese nicht mehr, siehe auch: „Aufbruch und Niedergang der Blogozese“ – ein Schwanengesang auf dieses Phänomen der Bloggerszene.

Der Titel meines ersten Postings stammt übrigens aus der stereotypen Eröffnungssequenz der NDR-Radio-Comedy „Frühstück bei Stefanie„.

Hass und Liebe

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Die größte Schwäche der Gewalt liegt darin, daß sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu ver­ringern, vermehrt sie es.

Durch Gewalt kann man den Lügner ermorden; aber man kann weder die Lüge ermorden noch die Wahrheit aufrichten. Durch Gewalt kann man den Hasser ermorden, aber man tötet den Hass nicht.

Gewalt verstärkt nur den Hass. Das ist der Lauf der Dinge. Gewalt mit Gewalt zu vergelten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht. Hass kann den Hass nicht vertreiben; das kann nur die Liebe.

Martin Luther King

Traditionalistisch – Fundamentalistisch

Lange hatte ich folgenden Artikel im Köcher. Jetzt aber, wo alle Welt von den Leuten schwätzt, die sich funfamentalistischen Strömungen des Islam anschließen und sich radikalisieren – wobei die Frage bleibt, ob der IS überhaupt muslimisch ist – habe ich mir gedacht, kannst du ja auch mal über die Tradis/ Fundis in der Römisch-Katholischen Kirche palabern. Nach all der Zeit (zuletzt revidiert 18.11.2011) findet man sogar noch alle Links, auf die der Post verweist.

Wer hätte das gedacht: Gott versteht nur Latein. Ich wusste es immer. Alles andere ist „Geschwätz mit dem Nachbarn“. Wenn ich also in Deutsch zu Gott bete, dann versteht er mich gar nicht. Jetzt wird mir so manches klar: Wir brauchen die Messe des extraordinären Ritus, weil wir als muttersprachlich deutsche Katholiken gar nicht von Gott verstanden werden und deshalb in Form des Latein vor sich hermurmelnden Priesters einen Fürsprecher brauchen. Er ist ja als einzig wahrer und verständiger geweihter Christ in der Lage oder besser gesagt von Gott dazu auserwählt, meine Gebete zu transformieren.

Wem hält hier der Priester die Hostie entgegen und warum?

Manche Leute schnipseln sich die Videos so zurecht, wie sie es für ihre Propaganda brauchen. Siehe auch: Katholische Konterrevolution. Wirklich furchtbar ist das. Dabei heißt es doch: Du sollst nicht lügen. Ich frage mich, welches Kirchenbild hier vermittelt werden soll? Und die einzig brauchbare Antwort, die mir auch jeder normale Mensch geben wird, ist: Die Kirche steckt doch noch im Mittelalter. Fragen der Neuzeit werden als irrelevant und böse abgestempelt. DIALOG wird mit DIABOLOS gleichgesetzt. Der Weltsicht der Moderne und Postmoderne wird ein Katechismus entgegengehalten, der eine meterdicke Staubschicht aufweist.

Hier noch zwei Artikel, die ich für besonders durch den Wind halte: Kontinuität oder Bruch sowie Was heißt „die neue Messe anerkennen“. Und dabei muss ich der Ausdruckskraft meiner Meinung Einhalt gebieten. Nur soviel: In welcher Welt lebt der Verfasser? Gestern oder vorvorgestern? Ach nein, er meint die Piusbrüder! Das ist ja schon klar, dass die nicht in dieser Welt leben. Der Kosmos dieser Vereinigung dreht sich nur um das Eucharistieverständnis der Missa Tridentina.

Ich versteh‘ die Fundis nicht. Sie geben sich so kämpferisch für ein Kirchenbild, das in einer Zeit entstanden ist, in der die Welt am Abgrund stand: Nepotismus und Simonie waren in der Kirche an der Tagesordnung. Gegen diese und andere Missstände in der Kirche galt es eine klare Linie zu vertreten. Das hat das Tridentinische Konzil auch geschafft. Auch in der Priesterausbildung. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute stehen ganz andere Probleme auf der Tagesordnung, auf die die Traditionalisten keine verständliche und befriedigende Antwort haben.

[Hier doch eine Nebenbemerkung in der Revision: Die Welt steht auch heute an einem Abgrund. Auch der ist hausgemacht; betrifft aber weder den religiösen Diskurs noch innerkirchliche Missstände, sondern einen eher handfest existenziellen: der viel zu wenig beachtete Klimawandel mit all seinen leider nur all zu wahren Katastrophen- und Horrorszenarien.]

Abgrenzend von ihnen möchte ich mich als konservativ im positiven Sinne betrachten. Traditionell eingestellt – nämlich den Traditionen der Kirche insbesondere des II. Vatikanums mich verpflichtet fühlend. Dabei sehe ich das Konzil als kontinuierlich in der Reihe der Konzilien stehend an. Es gibt keinen Bruch in der Kirche, jedenfalls nicht durch das Konzil. Die Brüche in der Kirche sind anderer Natur. Das II. Vatikanum hat versucht Antworten zu finden auf die Erfordernisse der Zeit. Weil aber fundamentalistische Kräfte eine Weiterentwicklung der Ideen des Konzils verhindern, verlieren katholische Christen hier in Europa immer mehr an Ansehen. Atheistische „Bewegungen“ werden zunehmend radikaler und der Glaube scheint nicht nur in der römisch-katholischen Kirche zu verdunsten.

Nebenbei: Ich kann es nur als Satire auffassen, wenn Fundamentalisten in ihren Blogs darauf verweisen, dass sie zu den Aussagen des II. Vatikanums stehen würden. Irgendwie kann ich aber schlecht darüber lachen. Aber wahrscheinlich ist das so ein Fundi-Insider-Witz, haha. Tatsächlich entfernen sich viele Katholiken von den Lehrmeinungen des II. Vatikanischen Konzils. Statt dessen gehen sie einen Schritt zurück. Aus Angst vor den Unsicherheiten der Moderne und Postmoderne skandieren sie die Ausführungsbestimmungen des Tridentinischen Konzils, die in der Folge in entscheidender Weise zu Kirchenspaltungen beigetragen haben. Mangelnde Dialogbereitschaft war schon damals der Knackpunkt gewesen. Wäre es zu einem echten Disput zwischen Papst, Luther und Theologen gekommen, so sähe die katholische Welt heute anders aus. Warum soll die Kirche sich nicht weiterentwickeln? Weil das Tridentinum das Non-Plus-Ultra ist?

Viele Fundamentalisten meinen, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet. Da sind die Leute, die Handzettel verteilen gegen die Handkommunion. Wer jemals einen solchen Wisch gelesen hat, kann verstehen, weshalb die Fundamentalisten sich so oft folgender Wörter bedienen: Hölle, Teufel, Linke Theologen (was immer das sein mag – lach mir einen Ast, die Leute, die so etwas schreiben, wissen gar nichts vom real-existiert-habenden Sozialismus in der DDR, pah, und schimpfen auf alle, die „modernistische“ Äußerungen von sich geben – was immer das jetzt schon wieder sein mag) und häretisch und schismatisch. Seien wir mal ehrlich, wer verwendet diese Wörter heute noch im alltäglichen Sprachgebrauch. Die stereotype Antwort darauf kenn‘ ich schon: Deshalb sind sie nicht weniger wahr. „Quid est veritas?“ – Gott ist Wahrheit! Und ob Gott die Rubriken der Extraordinären Messe so gut kennt, wie manche Priester/ Laien oder ob er das Kirchenrecht so genau studiert hat, wage ich zu bezweifeln.

Naja, so viel dazu …

Aschekreuz – ein Zeichen der Umkehr

Am Aschermittwoch ist bekanntlich „alles vorbei“, wie es in einem Karnevalslied heißt. Im Erfurter Direktorium – das im übrigen dieses Jahr eine glatte 6 in Punkto Übersichtlichkeit und Informativität von mir bekommt und im Gesamteindruck gerade so eine 5 (in Schulnoten) – steht zum Aschermittwoch lapidar: „Fast- und Abstinenztag“ und zur „Segnung und Auflegung der Asche“:

„Zur Auflegung der Asche wird eines der vorgeschriebenen Worte gesprochen: ‚Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst.“ Oder: ‚ Bekehret euch und glaubt an das Evangelium.'“

Dazu einige Anmerkungen: Warum ist die erste Form in der Einzahl und die zweite Form im Plural, wo es doch immer um eine persönliche Ascheauflegung geht? „zum Staube“ ist meiner Meinung eine veralterte Formulierung, ebenso wie „Bekehret“. Das „e“ ist jeweils zu reduzieren. Wenn man schon Wert auf korrekte Neue Deutsche Rechtschreibung legt, dann bitte schön nicht nur: „dass“, sondern auch: „zum Staub“ und „Bekehrt“ oder besser: „Bekehre dich“.

Den Hinweis zum Fast- und Abstinenzgebot in den Bemerkungen zur Fastenzeit – Österlichen Bußzeit halte ich für bemerkenswert, besonders auch der Hinweis auf die Altersangaben. Für alle Hardcore-Faster:

„Das Abstinenzgebot (Verzicht auf Fleischspeisen) am Aschermittwoch und am Karfreitag verpflichtet vom 14. Lebensjahr an, sollte aber auch jenseits der Altersgrenze berücksichtigt werden. Das an beiden Tagen auch geltende Fastengebot (Einschränkung des Essens auf eine Sättigung am Tag) verpflichtet vom vollendeten 18. bis zum Beginn des 60. Lebensjahres alle gesunden Erwachsenen.“

Wenn ich den Blog durchforste, finde ich eigentlich recht viel Artikel zur Fastenzeit. Hier einige Gedanken, die ich reblogge:

„Wir machen Ernst mit Umkehr und Buße, ein Leben nach dem Evangelium. Fastenzeit ist eigentlich der falsche Begriff in der heutigen Zeit. Denken viele Zeitgenossen doch nur an Heilfasten, an das Sich-Enthalten(-Müssen). Was Jesus dazu sagt kann man unter anderem bei Mt 6,16-20 nachlesen.

Mein Schatz (keine Geschichte von Tolkien): “Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.” (Mt 6,21). So sollen und dürfen wir auch am Aschermittwoch lachen und Späße machen, aber wir dürfen uns wieder bewußt machen, was es heißt, an Jesus Christus zu glauben. Die Österliche Bußzeit ist eine Zeit der Einübung der Christusnachfolge. 40 Tage lang kommt es also nicht darauf an, weniger zu essen, zu trinken oder zu rauchen oder sich sonst welcher Genüsse zu enthalten. Zuerst sollen wir unser Leben nach dem Leben des Herrn ausrichten.

Deshalb halte ich es für wichtiger: Kranke und Einsame zu besuchen, Trauernden Trost und Rat zu spenden und und und … miteinander und füreinander zu beten. Also auf, liebe Gemeinde, machen wir uns schick und besuchen wir den einen oder anderen, den wir schon lange nicht mehr besucht haben, versöhnen wir uns mit dem Nachbarn, auch über den Maschendrahtzaun hinweg, und reichen wir einander die Hand, auch im Gottesdienst, wo es ja vielen besonders schwer fällt. Der christlichen Kreativität sind nur die Grenzen gesetzt, die Christus setzt.“

Und noch einige Hinweise:

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Fasten

Fasten – österliche Bußzeit

 

 

 

 

De-Eskalation

Weihnachten ist Krieg. Nein, nicht irgendwo in dieser Welt, weit weg; hier im Wohnzimmer herrscht Krieg. Die ganze liebe Familie ist beisammen und krampfhaft bemüht, den Weihnachtsfrieden zu wahren. Was die meisten jedoch nicht wissen, gerade diese Situation: die Nähe, die im Alltag oftmals tunlichst vermieden wird – aus welchen Gründen auch immer – führt unweigerlich zu Stress, Spannungen und letztendlich Streit. Da kann es auch passieren, dass alte Wunden wieder aufgerissen werden. Manchmal genügt dazu nur ein Wort.

Wie kann ich den Weihnachtsfrieden wiederherstellen? Das Schöne am Weihnachtsfrieden ist: Ich brauche ihn gar nicht zu machen. Er ist ein Geschenk. Vielleicht das einzige Geschenk an Weihnachten, das etwas taugt. Wenn wir auf ihn schauen: Jesus Christus, unseren Herrn, wenn wir ihn hinter all dem Pomp und Kitsch in der Krippe finden. Dennoch kann ich etwas zu diesem Weihnachtsfrieden beitragen. Und das Zauberwort heißt: De-eskalation.

Es ist keine magische Formel, kein Harry-Potter-Spruch. Einmal ausgesprochen und er wirkt wie ein Patronuszauber. Nein, es beginnt mit etwas ganz Einfachem: Ich nehme mir Zeit für dich. Ich höre dir zu. Ich rede gut mit dir. Packe alles beiseite, was mein Ego mir ständig einzureden versucht. Und dieses Einfache ist aber zugleich das Schwierigste auf der Welt. Ich muss, um all das zu wagen, ausbrechen aus dem Gefängnis meines Selbst. Ein Gefängnis, ein goldener Käfig, den ich mir geschaffen habe zum Schutz gegen die „böse“ Welt. In dem ich es mir bequem gemacht habe. Und dieser Käfig ist leidenschaftlich geschmückt. Ich habe meine Alltagsmarotten gehegt und gepflegt. Den Schlüssel verwahre ich wohl in meinem Herzen.

Aber wenn ich nicht ausbreche aus dem goldenen Käfig, dann wird Weihnachten zum Kriegsschauplatz im Wohnzimmer und die Bombe tickt.

— Ich übertreibe. Oder?

Wegsehen, nichts sagen, nichts tun

„ISIS-Hinrichtung in Essen“ ist eine Aktion, mit der einige Studenten die menschliche Gesellschaft durch einen Schock aus dem Alltag wachzurütteln versuchten. Das Ergebnis war aber schockierende Intoleranz und Ignoranz der anwesenden Zuschauer! So ergeht es auch vielen anderen Aktionen sei es in der Gesellschaft aber auch in der Kirche. Die drei Affen der buddhistischen Weisheitslehre haben in Japan eigentlich die Bedeutung „über Schlechtes weise hinwegsehen“ In der westlichen Welt werden sie eher als „alles Schlechte nicht wahrhaben wollen“ interpretiert. Aufgrund dieses negativen Bedeutungswandels gelten die drei Affen daher häufig als Beispiel für mangelnde Zivilcourage. Woher kommt dieser Trend, der auch hier im Osten die (auferzwungene oder aus der Not geborene) Solidarität abgelöst hat, 25 Jahre nach der sog. Wende?

Martin Luther King in Ost-Berlin

Leider habe ich den 50-en Jahrestag verpasst. Aber ich möchte gern noch ein paar Zeilen zu diesem historischen Ereignis schreiben.

Martin-Luther-King DDR GrenzeAm 13. September 1964 reiste Martin Luther King, der auf Einladung des damaligen Regierenden Bürgermeisters Willy Brandt (SPD) West-Berlin besuchte, spontan und für die DDR-Grenzer und -Behörden völlig überraschend nach Ost-Berlin, um in der Marienkirche am Alexanderplatz und in der Sophienkirche zu predigen. Eigentlich hätte es die STASI ja wissen müssen. Er überquerte dabei den Checkpoint Charlie. Als Amerikaner war das zu der Zeit wohl noch unter Vorlage des Passes möglich. Doch Martin Luther King hatte seinen Pass schon an die US-Behörden abgeben müssen, denen sein von Brandt arrangierter Besuch im Osten gar nicht recht war.  Nach einer halben Stunde, in der die Grenzer sich mit den DDR-Behörden rückversicherten, konnte er den Checkpoint passieren. Sie akzeptierten dabei eine American-Express-Kreditkarte als Ausweisdokument.

In seiner Predigt ging King nicht direkt auf die politische Situation ein, wie er es auch der Presse am Vortag gesagt hat. Aber wir waren in der DDR in den christlichen Gemeinden sehr gut geschult zwischen den Zeilen zu hören, oder wie man es heute sagen würde: kontextbezogen. Es sei „eine Ehre, in dieser Stadt zu sein, die ein Symbol der Trennung von Menschen auf der Erde ist“, sagte King. „Auf beiden Seiten der Mauer sind Gottes Kinder, und keine von Menschen gemachte Absperrung kann diese Tatsache auslöschen.“ Einen Rat hatte er nicht zu bieten: „Ich bin nicht lange genug hier, um Gottes Plan für euch und seinen Ruf an euch zu erkennen. Aber ich würde gerne mit euch den Geist teilen, der uns in unserem Freiheitskampf im Süden der Vereinigten Staaten bewegt.“ (Zitat nach dem Berliner Tagesspiegel)

Ca. 3000 Menschen hörten in den überfüllten Kirchen seinen Worten zu. Unter ihnen war auch der heutige Bundespräsident Gauck. Die Volkspolizei soll nicht sichtbar gewesen sein. Die STASI wird aber sicher mit mehreren Leuten in Zivil die ganze Geschichte dokumentiert haben, wie sie es ja bei kirchlichen Veranstaltungen immer getan haben.

Was machen wir mit Sündern?

Kopf ab und als Ungläubige diffamieren und ins Internet stellen. So würden das einige radikale Muslime machen. Dann einen Gottesstaat gründen und alle Christen, Juden, Jesiden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ausrotten, während alle anderen Muslime stillschweigend zusehen und dann jubelnd durch die Straßen ziehen und die Scharia ausrufen und wie bekloppt: „Tod den Amerikanern“ skandieren und USA-Flaggen verbrennen.

Jesus aber sagt:

 „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“  (Mt 18,15-20)
Da ist von einem sündigen Bruder die Rede … Ach so, also eine interne, eine Gemeindegeschichte. Was ist mit Schestern oder mit ganzen Kotzbrockenfamilien, die den Frieden in der Gemeinde stören? In einem Kommentar zum Evangelium des 23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) heißt es:
„Die Zurechtweisung eines Bruders hatte im Judentum eine lange Tradition. Ziel der vom Gesetz geforderten Zurechtweisung war nicht die Verurteilung, sondern die Zurückgewinnung des Bruders, und damit auch die Wiederherstellung der gottgewollten Ordnung. Die zeitweilige oder endgültige Aufhebung der (Tisch-)Gemeinschaft soll keinesfalls das letzte Mittel sein, um einen unbußfertigen Sünder nicht doch noch zur Umkehr zu bewegen. Matthäus verweist besonders auf das Gebet zu Gott. Das Machtmittel der Gemeinde ist letztlich das Gebet.“ (Norbert Riebartsch (2011)).
Interessant ist auch: Jesus sagt zu seinen Jüngern das gleiche, was er auch zu Petrus gesagt hat: „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ Fehlt nur die Bemerkung mit den Schlüsseln und dem Fels. Aber ist die nicht zweitrangig? Wichtig ist für Jesus nicht das Wie und Warum und Was, sondern das Gebet. Wo sich Menschen zum Gebet versammeln, da ist Jesus mitten unter uns.
Und was Jeus will, fasst Paulus in Römer 13,8-10 so zusammen:
„Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“
Augustinus bringt es so auf dem Punkt: „Ama et fac quod vis. Liebe und tu, was du willst.“ So und jetzt geh‘ hin und sündige nicht mehr …

Fröhliche Ostern 2014

 

 

Ostern - 2 - 2014

Karfreitag

Jahr für Jahr beobachte ich den Rückgang der Besucher der Karfreitagsliturgie. Unsere Zeit verdrängt den Tod und ärgert sich über die christliche Todesverkündigung. „Deinen Tod verkünden wir“ – beten wir in der Hl. Messe. Ausgerechnet die Zeit, die den Tod uns tagtäglich durch  die Medien frei Haus liefert, möchte nicht daran erinnert werden, dass Christus einen ganz realen und schnöden Tod starb. Und viele Christen auch nicht! Etliche Priester, Seelsorger und spirituelle Gurus werden nicht müde zu betonen, wir sollen doch nur die Hoffnung zur Sprache bringen, wage davon reden, dass Gott die Gräber öffnet, dass Christus die Auferstehung und das Leben ist, dass er Licht in unser Leben bringt.

Wenn schon denn schon in der Weise wie die Sonne und Hoffnung wie der Regenbogen, so wie die Kuscheltiere, die man so gerne den kranken Kindern bringt und auch an Kindergräbern liegen lässt. Die Kuscheltiere und nicht das Kreuz! Selbst bei der Begräbniskultur wird der Tod Christi zurückgedrängt zugunsten von heilenden Erinnerungen an die schönen Stunden mit Verstorbenen, zugunsten der Würdigung der Leistungen der Lebenden und Toten. Erinnerungen und Leistungen decken den Tod in unserem unmittelbaren Lebensraum zu, und nehmen die Stelle der Verkündigung ein, dass Christus gestorben ist.

Gott aber ist kein Kuschelgott. Er macht sich fest an unserer Erde durch Jesus und wird erhöht am Kreuz. Gott stirbt den Tod der Menschen, um uns seine Nähe zu zeigen und uns von dem zu befreien, was unsere Sünde und Schuld ist. Er zeigt uns seine radikale Liebe gerade im Kreuzestod. Wie er uns auch seine Zuversicht und Hoffnung gibt in seiner Auferstehung.

Fastenzeit reloaded

KreuzPassionssonntagMit dem Passionssonntag, der mehr und mehr zum MISEREOR-Sonntag wird, treten wir ein in die Zeit der Betrachtung des Leidens Jesu. Deshalb möchte ich einige Gedanken zur Fastenzeit noch einmal vertiefen. Der Verzicht als die Opferform par exellence scheint ja immer noch groß in Mode zu sein, bei Alt und Jung. Dennoch sollten wir nicht den Grund allen Opferns vergessen: die Liebe.

Jesaja, der große Prophet, schreibt über das Fasten und lässt Gott sprechen:

„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.“ (Jes 58,6-8)
Der Theologe und Evangelist Matthäus schreibt über das Fasten und lässt Jesus sprechen:
„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
(Mt 6,16-18)
Und an einer anderen Stelle schreibt Matthäus über das rechte Opfer:
„Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ (Mt 9,13)
Dabei bezieht er sich auf den Propheten Hosea, bei dem es heißt:
„Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.“ (Hos 6,6)
Gott hat mehr Gefallen an der rechten Gesinnung eines Menschen, der aufrecht und barmherzig handelt, als an einem Menschen, der kasuistisch und juridisch, ja spießbürgerlich über die Gesetzesbefolgung bei anderen Menschen wacht, dabei aber selber sein Pharisäertum nicht erkennt.

Ein Bischof und sein Luxuswahn

Nun ist es amtlich: Der Papst hat den Rücktritt des umstrittenen Bischofs Tebartz van Elst angenommen. Lange hat es gedauert, aber letztendlich wollte der Papst nicht nach den Medienberichten oder dem Hörensagen handeln, sondern erst nach Veröffentlichung des offiziellen Prüfberichtes der Bischofskonferenz Deutschlands. Und der fällt ziemlich vernichtend aus. Man kann ihn im Internet sich anschauen oder downloaden. Der Artikel: Zum Rücktritt von Bischof Tebartz van Elst sammelt alle offiziellen und inoffiziellen Veröffentlichungen. Aber eines möchte ich noch betonen: Meine vielgeliebte Kritik an den Machtspielchen der Medien muss ich auch in dieser Affäre anbringen. Diesmal ist der „Focus“ wohl einer Ente aufgesessen: „Vorwürfe gegen Tebartz van Elst  ausgeräumt.“