Parallele Realitäten

Gibt es denn so etwas? Da lebst du Jahre lang mit einem Menschen in einem Haus und musst plötzlich erkennen, dass dieser in einer anderen Welt lebt. Und es ist nicht nur ein goldener Käfig, es ist ein ganzes Universum, das er sich zurechtzimmern hat lassen.
Aber es ist müßig, sich in sein krankes Hirn einzugewöhnen. Nachher wird man noch genau so wie er. Sicher: Was die Zukunft bringt, kann man nie so eindeutig steuern oder voraussehen, aber man kann sich vor den Versuchungen fernhalten.

1. Versuchung: Alles dreht sich um mich. Ich bin der Mittelpunkt der Welt. Aus diesem Blickwinkel betrachte ich die Anderen und Alles, was geschieht. „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ (Mt 4,5) Das hat auch Jesus abgelehnt, obwohl er Gottes Sohn ist.

2. Versuchung: Was ich sage, ist Gesetz. Ich bin hier der Chef und lasse das die Anderen auch spüren. Worte sind nur dazu da, dass ich sie mir zurechtbiege, ob sie nun falsch sind oder nicht. „Jesus aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,4) Damit macht er eindeutig klar, wer das Gesetz ist.

3. Versuchung: Erniedrigungen und Beleidigungen darf nur ich ausstoßen, denn ich bin zutiefst verletzt und gehe über Leichen. Ich bin ein moderner Mensch. In der kapitalistischen Welt von heute zählt nur, was man zählen kann und mein Ellenbogen. Und Satan sprach: “ Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“ (Mt 4,9.10)

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Sonntag der Weltmission

Mission – sicher auch ein Wort, das heute nicht mehr so politisch korrekt ist. Es ist behaftet mit Begriffen wie: Zwangstaufen, Kolonisierung und dem „finsteren Mittelalter“. Es weckt Assoziationen von Überlegenheit, Stärke und Macht (meist auch politisch), Gewalt und Tod (den Ungläubigen). Wenn wir als Christen heute auf die islamischen Terroristen schauen, dürfen wir nicht vergessen, dass es Jahrhunderte gab, in denen die Christen in den Heiligen Krieg gezogen sind, weil sie sich als Mehrheit verpflichtet sahen – auch mit Gewalt – den Glauben an Jesus Christus in die Welt zu verbreiten. Dass damit auch handfeste politische Interessen verbunden waren und die Motivation dominierten, lässt sich nicht verleugnen. Mancher politische Schachzug wurde in dieser Weise göttlich legitimiert.

Mission stammt vom lateinischen Begriff missio und bedeutet Sendung. Als Christen haben wir von unserem Religionsgründer den Auftrag, die Frohe Botschaft (das Evangelium vom Reich Gottes) und somit den christlichen Glauben zu verbreiten. Biblisch geht das auf eine Textstelle im Matthäusevangelium zurück:

„Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,16-20)

Obgleich es ein allgemeiner Auftrag aller Getauften ist, wird die konkrete Missionstätigkeit an Organisationen übergeben. Diese Missionstätigkeit unterscheidet sich jedoch wesentlich von der landläufigen und zumal von Atheisten verbreiteten „Finsteren-Mittelalter-Theorie“. Organisationen wie das katholische Hilfswerk Missio versuchen den Christen Unterstützung für ihr Leben zukommen zu lassen und wiederum andere Organisationen (auch Ordensgemeinschaften) zu fördern, die ein christliches Miteinander fördern, das auch ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen ermöglichen soll. In diesem Jahr stellt Missio Pakistan exemplarisch in den Fokus.

Nikodemus kam in der Nacht – ein Kreuz mit dem Kreuz

Die Nacht, die Zeit der Finsternis, die Zeit des Bösen, des Sinistren, die Zeit in der Jesus mit dem Pharisäer Nikodemus über Kernfragen des Glaubens spricht. Hierzu habe ich im Artikel „Nikodemusgespräche“ und im Beitrag „Licht und Leben“ schon einige Gedanken verbreitet. Heute ist mir Joh 3,13-17 erneut in die Hände gefallen, ein Ausschnitt des Gespräches mit Nikodemus. Es ist die Perikope, die uns zum Fest Kreuzerhöhung (14. September) zugemutet wird.

“ Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“

Das Kreuz – das Zeichen, mit dem sich die Christen seit Jahrhunderten identifizieren. Ein Zeichen der Schande – ein Zeichen der Erlösung und des Heils. Ein Zeichen, das verehrt wird, weil Jesus aus Liebe zu den Menschen daran den menschlichen Tod erlitten hat und deshalb zum Heiland/ Messias/ Erlöser und Retter der ganzen Schöpfung geworden ist. Ein Zeichen das verboten und verworfen wird, auch und besonders in unserer a(nti)-religiösen Gesellschaft.

KreuzHülfensberg2Radikale Atheisten (und darunter sind mehr und mehr ehemalige Christen) fordern ja schon lange die Abschaffung dieses Zeichens, nicht ganz zu Unrecht. Im Namen des Kreuzes wurden schon viele Kriege geführt, wurde statt Erlösung Schwert und Tod gebracht.

Das man etwas missbrauchen kann, was eigentlich Gutes bewirken soll, ist aber keine christliche „Erfindung“. Auch im Namen der Freiheit und Wissenschaft wurden schon Erfindungen dazu missbraucht, ganze Städte in Sekunden dem Erdboden gleich zu machen und Tausende einem sicheren, schleichenden Tod zu überliefern. Römer, Griechen und Perser kann man in unseren Tagen wieder im Kino sehen, wie sie alles niedermetzeln, was ihnen in den Weg läuft. Dazu werden noch die alten Götter der damaligen Welt mit ins Spiel gebracht.

Aber sollte man ernsthaft die Abschaffung des Kreuzes – wenn auch nur in der politischen Welt – erwägen, so müsste man im Zuge der Gleichbehandlung alle Symbole verbieten. Unsere Welt ist voller Symbole. Alles und jedes kann zum Symbol werden. Die Frage ist, was wir damit verbinden und was ein Menschen, der bewusst ein Symbol setzt, damit zum Ausdruck bringen will.

Es bleibt also immer ein Kreuz mit dem Kreuz. Lange haben die Christen sich gescheut das Kreuz als Symbol ihres Glaubens zu nehmen. Die früheste Kreuzesdarstellung ist ein Graffito aus dem zweiten Jahrhundert. Es zeigt einen Mann, der einen anderen Mann mit Eselskopf am Kreuz anbetet. Darunter steht „Alexamenos betet seinen Gott an“.

Durch viele Jahrhunderte wurde das Kreuz ohne den Körper Christi dargestellt, oft mit Edelsteinen besetzt. Das älteste erhaltene monumentale Kruzifix, so nennt man Kreuzesdarstellungen mit dem Körper Jesu, stammt aus dem 10. Jahrhundert.

Für mich ist das Kreuz ein Symbol für die Bedrohungen, denen ich gegenüberstehe, die ich oftmals nicht persönlich abwenden kann; ein Symbol für alle Grausamkeit, die Menschen einander antun können und gegenwärtig antun in der Ukraine, im Irak, in Syrien, in Afrika – oft unter Missbrauch des Namens und der Botschaft Gottes.

Immer wenn ich auf das Kreuz in unserer Kirche schaue, bete ich, dass ich trotz allem Leid, dem ich ohnmächtig gegenüberstehe, mein Vertrauen in einen guten und barmherzigen Schöpfergott nicht verliere. Von ihm erbitte ich die Kraft, auf Hass eben nicht mit Hass zu antworten, die Spirale des Bösen zu durchbrechen. Und eben – bildhaft gesprochen – Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden. Ihm überlasse ich das Gericht über alle Gewalttäter, die menschliche Gerichte nicht erreichen. Von ihm erhoffe ich mir neues Leben, wo das Leben in der uns bekannten Form am Ende ist.

In diesem Sinne ist es heilsam und gut, wenn ich dem Zeichen des Kreuzes begegne: im religiösen Leben, in der Kunst, im öffentlichen Raum. Allen, die daran Anstoß nehmen, wünsche ich, dass sie Menschen treffen, die ihnen erzählen können, was es ihnen bedeutet und welche Hoffnung sie damit verbinden.

Was machen wir mit Sündern?

Kopf ab und als Ungläubige diffamieren und ins Internet stellen. So würden das einige radikale Muslime machen. Dann einen Gottesstaat gründen und alle Christen, Juden, Jesiden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ausrotten, während alle anderen Muslime stillschweigend zusehen und dann jubelnd durch die Straßen ziehen und die Scharia ausrufen und wie bekloppt: „Tod den Amerikanern“ skandieren und USA-Flaggen verbrennen.

Jesus aber sagt:

 „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“  (Mt 18,15-20)
Da ist von einem sündigen Bruder die Rede … Ach so, also eine interne, eine Gemeindegeschichte. Was ist mit Schestern oder mit ganzen Kotzbrockenfamilien, die den Frieden in der Gemeinde stören? In einem Kommentar zum Evangelium des 23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) heißt es:
„Die Zurechtweisung eines Bruders hatte im Judentum eine lange Tradition. Ziel der vom Gesetz geforderten Zurechtweisung war nicht die Verurteilung, sondern die Zurückgewinnung des Bruders, und damit auch die Wiederherstellung der gottgewollten Ordnung. Die zeitweilige oder endgültige Aufhebung der (Tisch-)Gemeinschaft soll keinesfalls das letzte Mittel sein, um einen unbußfertigen Sünder nicht doch noch zur Umkehr zu bewegen. Matthäus verweist besonders auf das Gebet zu Gott. Das Machtmittel der Gemeinde ist letztlich das Gebet.“ (Norbert Riebartsch (2011)).
Interessant ist auch: Jesus sagt zu seinen Jüngern das gleiche, was er auch zu Petrus gesagt hat: „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ Fehlt nur die Bemerkung mit den Schlüsseln und dem Fels. Aber ist die nicht zweitrangig? Wichtig ist für Jesus nicht das Wie und Warum und Was, sondern das Gebet. Wo sich Menschen zum Gebet versammeln, da ist Jesus mitten unter uns.
Und was Jeus will, fasst Paulus in Römer 13,8-10 so zusammen:
„Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“
Augustinus bringt es so auf dem Punkt: „Ama et fac quod vis. Liebe und tu, was du willst.“ So und jetzt geh‘ hin und sündige nicht mehr …

Ostereier – was man mit ihnen machen kann

Sorbische Ostereier

Beim Kreuzknappen habe ich einen schönen Artikel entdeckt, der sich mit einem alten (?), zumindest wohl recht weit verbreiteten Spiel beschäftigt: Ostereiertitschen. Die Lösung fand ich sehr interessant, weil unerwartet. Die Maus weiß wie immer bescheid. Guckst du:

Fröhliche Ostern 2014

 

 

Ostern - 2 - 2014

Karfreitag

Jahr für Jahr beobachte ich den Rückgang der Besucher der Karfreitagsliturgie. Unsere Zeit verdrängt den Tod und ärgert sich über die christliche Todesverkündigung. „Deinen Tod verkünden wir“ – beten wir in der Hl. Messe. Ausgerechnet die Zeit, die den Tod uns tagtäglich durch  die Medien frei Haus liefert, möchte nicht daran erinnert werden, dass Christus einen ganz realen und schnöden Tod starb. Und viele Christen auch nicht! Etliche Priester, Seelsorger und spirituelle Gurus werden nicht müde zu betonen, wir sollen doch nur die Hoffnung zur Sprache bringen, wage davon reden, dass Gott die Gräber öffnet, dass Christus die Auferstehung und das Leben ist, dass er Licht in unser Leben bringt.

Wenn schon denn schon in der Weise wie die Sonne und Hoffnung wie der Regenbogen, so wie die Kuscheltiere, die man so gerne den kranken Kindern bringt und auch an Kindergräbern liegen lässt. Die Kuscheltiere und nicht das Kreuz! Selbst bei der Begräbniskultur wird der Tod Christi zurückgedrängt zugunsten von heilenden Erinnerungen an die schönen Stunden mit Verstorbenen, zugunsten der Würdigung der Leistungen der Lebenden und Toten. Erinnerungen und Leistungen decken den Tod in unserem unmittelbaren Lebensraum zu, und nehmen die Stelle der Verkündigung ein, dass Christus gestorben ist.

Gott aber ist kein Kuschelgott. Er macht sich fest an unserer Erde durch Jesus und wird erhöht am Kreuz. Gott stirbt den Tod der Menschen, um uns seine Nähe zu zeigen und uns von dem zu befreien, was unsere Sünde und Schuld ist. Er zeigt uns seine radikale Liebe gerade im Kreuzestod. Wie er uns auch seine Zuversicht und Hoffnung gibt in seiner Auferstehung.

Das Kreuz

KreuzHülfensbergWarum halten die Christen an einem Zeichen des Todes, dem Kreuz, als Zentrum ihres Glaubens fest? Paulus schreibt:

„Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.“ (Röm 6,3)
Und weil wir im Kreuz das Zeichen des Heils und der Befreiung sehen, werden wir nicht den Regenbogen, die Sonne oder irgend ein anderes, gefälligeres Zeichen ins Zentrum unseres Glaubens rücken, um das unbequeme Kreuz zu verdrängen. Und dabei spielt auch keine Rolle, wie oft das Kreuz durch die Jahrhunderte für andere Zwecke missbraucht wurde.
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesuund jeder Mund bekennt:  ‚Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,5-11)

Revisited: O Haupt voll Blut und Wunden

Vor knapp zwei Jahren habe ich eine kleine Rezension über das wohl bekannteste und beliebteste Passionslied der heutigen Zeit geschrieben: O Haupt voll Blut und Wunden. Was soll ich sagen: Irgendwer von den Machern des neuen „Gotteslobes“ muss diesen Artikel gelesen haben. Im neuen GL Nr. 289:

Die zweite Strophe wird jetzt im Original wiedergegeben:

2.
Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht’t?

Als 5. Strophe fügt das neue im Vergleich zum alten „Gotteslob“ ein:

6. (Originalstrophe)
Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

Danach geht es wie im alten „Gotteslob“ mit den Strophen 8 bis 10 im Original weiter. Ja, das neue „Gotteslob“ wartet mit einigen interessanten Überraschungen auf, textlich wie auch melodiös. Da werd‘ ich wohl in nächster Zeit einige meiner Artikel visitieren müssen.

 

Siri – oder der Verfechter des wahren Glaubens

Elsa bloggt unter der Rubrik: Wort des Tages

„Verheißung – „ernsthafte, feierliche Ankündigung von etwas Bedeutsamem“

Von hier.“

Das allein ist ja schon einen Brüller wert. Rättettää usw. …

Doch dann Siri als Kommentator:

„Der Schindluder, welchen der (zumindest kryptohäretische) Kardinal von München mit solche großen Worten treibt, ist unfassbar und spottet jeder Beschreibung. Und der Papst unterstützt dies alles. Mir fehlen die Worte. Wenn das Ehesakrament fällt, ist ALLES zusammengefallen. Dann hat der Antichrist in Rom die Macht übernommen.“

Liebe Traditionalisten, bleibt auf dem Teppich. Diese Äußerung zeugt von einem schwachen und kranken Geist. Und lässt mich stets an Jesu Worte denken: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Lk 23,34 Mich würde wirklich mal interessieren, was die Fundamentalisten zum heutigen Tagesevangelium (Mk 9,38-40) sagen würden. Aber apropos Dämonenaustreibung. Doch halt, dann hätten wir ja keine so lustigen Kommentare mehr von unserem iPhone-Deppen. Rättettä … Rums.

Nachtrag: Das darf man sich nicht entgehen lassen in der Zeit des Karnevals. Noch ein Kommentar von Siri:

„[…] Die EKD ist nicht mal mehr eine evangelikale Sekte, sondern eine pseudo-religiös drapierte Organisation der Linksgrünen. Wobei es natürlich zu diesem Papst als altem Befreiungstheologen passen würde, gerade solche Vereine mit seiner Zärtlichkeitsoffensive zu überziehen.“

Jetzt geht’s los

Mitten in der hohen Zeit des Karnevals schreibt Elsa in ihrem Nacht(b)revier einen Artikel über: „Das Ackermann Syndrom“ und verwirrt mich vollends. Eigentlich hatte ich nie gedacht, dass Traditionalisten gegen den Papst schreiben. Aber ist ja klar: Wenn der Franziskus heißt und den Benedikt vom Thron gestoßen hat, kann er ja nur von allen guten Geistern verlassen sein; und das muss er auch, wenn man dem Posting von Elsa Glauben schenken möchte. Von den blödsinnigen Beifallsbekundungen der Kommentatoren möchte ich erst einmal schweigen.

„Wer sich ein Bild über die katholische Kirche machen wollte und dabei ausschließlich auf Äußerungen des derzeit amtierenden Papstes angewiesen wäre, der könnte zu dem Schluss kommen, dass Jesus Christus Muslimen die Füße gewaschen hat, Priester im Beichstuhl mit glühenden Zangen parat sitzen und die Kinder von ledigen Müttern offenbar der ewigen Verdammnis anheim gefallen sind und deshalb nicht getauft werden dürfen. Es gibt noch mehr solcher befremdlichen Anwürfe ausgerechnet in einem Dokument, das sich „Evangelii Gaudium“ nennt. Hinzu kommt noch, dass sich Katholiken, die gerne in die außerordentliche Form der römischen Liturgie gehen, sich einer Art Dandytums schuldig machen, einem Modetrend folgen, den man brüderlich, barmherzig, taktvoll und mitfühlend begleiten muss (nein, es geht nicht um Homosexualität, es geht um die Alte Messe), der aber hoffentlich bald wieder irgendwie abebbt – oder so ähnlich.

Wer schon immer gewusst hat, dass Katholischsein irgendwie unsexy ist, der ist bei Franziskus goldrichtig, weshalb auch die einstmals abgefallenen Alm-Öhis im Münsteraner Flachland vor lauter Begeisterung schon anfangen, ihre Predigten mit italienischen Redenwendungen zu durchsetzen. Das alles wäre auch gar nicht weiter erwähnenswert, immerhin sind wir Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation mittlerweile durchaus gewohnt.“

Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Jesus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen, die überhaupt keine Kardinäle oder Priester waren sondern israelische Fischer, Zöllner und allesamt Sünder. Das ist „unsexy“. Auch und vor allem ist es „unsexy“, wenn man sich über die „italienischen Redenwendungen“ [Hervorhebung d. Red.] im „Münsteraner Flachland“ lustig macht, die die Fundamentalisten schon lange zuvor ständig im Munde geführt haben, nur eben nicht dieselben, nicht die Zitate von Papst Franziskus. Ich habe lange darauf gewartet, dass es zu einem Bruch mit Rom in der traditionalistischen Front kommt. Das scheint ja nun der Fall zu sein.

„Es ist durchaus okay, sich an die Brust zu schlagen, auch wenn es, entgegen der Drohkulisse des Franziskus, tatsächlich so aussieht, dass überhaupt gar niemand mehr beichten geht und in deutschen Landen alles und jeder die Sakramente empfangen kann, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist.“

„Drohkulisse“ !!! – einfach köstlich … selten so gelacht. Allerdings ist das, was Elsa im zweiten Teil des Satzes schreibt durchaus ein ernstes Thema und sollte in der Fastenzeit ausgiebig nicht nur in den Predigten thematisiert werden.

Doch nun noch einmal zum Thema: „Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation …“ Da fühle ich mich persönlich angepisst, denn ich lebe und arbeite für Christi Weinstock in einem Kernland der Reformation schon länger, als diese Elsa überhaupt katholisch ist.

Und ich kann es nur immer wieder betonen: Auch wenn die Evangelischen Kirchen ihr Reformationsjubiläum langfristig und ausgiebig feiern, ist das hier im Osten der Republik nur eine Marginalie bei 70 % Agnostikern und Atheisten. Hinzu kommen die Kirchenfernen Katholiken und Evangelischen, die bei Erhalt des Kirchenblättchens zu Ostern oder der Zeugen-Jehova-ähnlichen Klingelaktion des Katholikenblättchens „Tag des Hernn“ sofort und vehement ihren Austritt aus der Kirche erklären, auch wenn sich herausstellt, dass sie schon lange ausgetreten sind.

Nun noch einmal zu dem Kommentator „Siri“, der sich also nach einem Ansagedienst von Apple seinen Namen gibt. Dieser schreibt:

„Dieser Papst, der ganz offensichtlich gar keiner sein will, hat ja letztes Jahr in einer seiner sog. „Perlen“ das Gleichnis von den Schafen in besonders schräger Weise ausgelegt, indem er behauptete, heute sei es umgekehrt wie damals zur Zeit Jesu: Es sei nur noch ein Schaf daheim, und 99 seien verloren.“

SIRI mach die Augen auf, komm mal hier in den Osten, am besten für ein paar Monate und steig aus deinem Elfenbeinturm! Und vor allem: Lass dir von deinem iPhone nicht immer alles vorkauen!

„Die überfällige Deutung, dass dann aber auch der Hirte spiegelverkehrt sich verhalten muss, nämlich nicht den „verlorenen“ 99, sonderm dem einen daheimgebliebenen nachgehen (das wären heute die wenigen Konservativen, Romtreuen, die es noch gibt) – die ist diesem Feld-, Wald- und Wiesentheologen auf dem Stuhl Petri natürlich nicht eingefallen.“

Ach du heiliger Einfallspinsel. Es gibt schon viel zu viele, die sich nur um den eigenen Bauchnabel kümmern.

„Und Benedikt muss heute zur Sprachlosigikeit verdammt stundenlang im Petersdom dasitzen. Es ist zum K…“

Ja, das ist doch zum … Heulen (ich schmeiß mich weg, vor Lachen) …. Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug, doch Halt, da war noch was:

„Roma, Roma convertere ad Deum tuum.“

Für die Nichtlateiner unter uns Normalsündern … äh … -christen: „Jerusalem, Jerusalem, bekehre dich zum Herrn deinem Gott“;  den Klageliedern (des Jeremias) bspw. nach dem 1. Kapitel Vers 11 in den Karmetten zugeordnet. Findet sich aber nicht dort, zumindest nicht in der Vulgata. Geht aber wahrscheinlich auf Hos 14,2 aus: „Convertere, Israel, ad Dominum Deum tuum, quoniam corruisti in iniquitate tua.“ – „Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld.“ Das hat der Apple-Jünger sehr verschandelt auf Rom angewendet.

Und jetzt alle schunkeln … am Aschermittwoch da bin ich verloren … und dann noch einmal: Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug.

Die andere Wange hinhalten

Eh, bist du bescheuert, wer macht denn so was. Wenn ich einen drauf kriege, dann fliegen aber die Fetzen. Dann kann der Sportsfreund, der mich angegriffen hat, aber was erleben, wo der Hammer hängt oder …? Nebenbei bemerkt ist es eine besondere Beleidigung und Erniedrigung, wenn mich ein Rechtshänder, welches die meisten Leute ja sind, auf die  r e c h t e  Wange schlägt, also mit dem Handrücken der rechten Hand. Das ist kein einfaches Watschen, wie die Bayern sagen würden. Da zieht jemand in die andere Richtung durch, um ganz konkret seine Machtposition zu demonstrieren.

Und da soll ich mich nicht wehren; da soll ich nur wie ein Depp stehenbleiben und vielleicht noch als solcher mein Gegenüber anlächeln. Ist Jesus da nicht sehr weltfremd mit seiner Forderung: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ Auch wenn damit eher private, scheinbar illusorische Verhaltensmaßnahmen gemeint sind und keine politischen Regeln für Staaten und Regierungen, haben sie dennoch politische Auswirkungen. Nur da wo wir als Menschen die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrechen, kann wieder etwas Menschliches hervor gebracht werden. Solange Menschen nicht aufeinander zugehen, werden Waffen sicherlich keinen Frieden schaffen, sei es in Afghanistan, im Sudan oder in der Ukraine.

Und ich habe in der vergangenen Woche voll Sorge in die Ukraine geblickt. Die Menschen dort haben den Weg der Gewalt gewählt. Einen Weg, der sie auch in Zukunft noch beschäftigen wird, wenn die Ukraine denn jemals geeint einen Weg (nach Europa, nach Russland??) gehen sollte.

Auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan lieferten sich in der vergangenen Woche Sicherheitskräfte und Regierungsgegner schwere Straßenschlachten. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Blendgranaten ein. Demonstranten schossen mit Feuerwerkskörpern und versuchten, die Sicherheitskräfte mit starken Laserpointern zu blenden. Scharfschützen ermordeten gezielt Demonstranten. Im Zentrum von Kiew brannte es an vielen Stellen. Steine aber auch andere Waffen in den Händen der Demonstranten. Vertreter der Kirche mittendrin.

Das erinnert mich an die Ereignisse hier im Osten Deutschlands vor nicht allzu langer Zeit: Am 9. Oktober 1989 war das Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche Ausgangspunkt der friedlichen Demonstration von 70.000 Menschen. Kein Mensch wusste an diesem Abend, ob geschossen wird oder nicht. Erst wenige Monate zuvor hatte das chinesische Militär auf dem Platz des Himmlischen Friedens einen Volksaufstand und die Demokratiebewegung der Studenten mit Waffengewalt niedergeschlagen.
In Leipzig 1989 richtete der Ruf Zehntausender: „Keine Gewalt“ sich gegen das massive Aufgebot der Sicherheitskräfte aber auch an die Demonstranten.

Die Gewaltlosigkeit, zu der die Christen durch die Botschaft von Jesus aufgefordert sind, soll mit auf die Straßen und Plätze genommen werden, so die Forderung damals. Und Kerzen und Gebete haben letztendlich die Planung der Stasi durcheinander gebracht. Warum vergessen die Menschen, dass sich auch ohne Gewalt etwas bewegt, dass man den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen kann. Das fängt schon in der eigenen Familie an und nicht erst vor der Haustür.

Vergessen wir Mahatma Gandhi nicht, der einmal gesagt hat: „Ich lehne Gewalt ab, weil das Gute, das sie zu bewirken scheint, nicht lange anhält; dagegen ist das Schlechte, das sie bewirkt, von Dauer.“