Satire

Darf man alles durch den Kakao ziehen? Wo liegen die Grenzen der Satire? Und wenn Satire Kunst sein sollte, darf sie alles? Was ist mit der Meinungsfreiheit? Fragen über Fragen, die sich jeder ehrliche Journalist (sollte es ihn denn geben) fragen muss, der sich auf das staubige Feld der Satire begibt.

Im September letzten Jahres wurde die Satiresendung „extra3“ 40 Jahre alt. Im Norden Deutschlands mehr oder weniger bekannt, hat sie sich der Politsatire gewidmet, einer Sparte, die heute einen sehr rüden und rauhen Ton angenommen hat. Aber gegenüber der „Anstalt“ und „Neo Royal“ sind „extra3“ und die bekanntere „Heute Show“ fast schon ziemlich zahme Formate, wenn man mal von einigen Treffern (Erdogan-Lied) absieht.

Ich muss aber erinnern, dass die „Nacht des Herrn“ ursprünglich ein Satireblättchen gewesen ist. Jetzt taucht hier und da noch ein wenig Satire auf. Schließlich bin ich erwachsen geworden und meine Interessen haben sich geweitet: Gott und die Welt, Politik als auch Religion, Wirtschaft und der alltägliche Wahnsinn, oder wie „extra3“ titelt: „Irrsinn der Woche“. Und um es genau zu nehmen, gehöre ich noch nicht einmal zu den Herausgebern der originalen Schrift, nur zum näheren Umkreis.

Und die Kollegen, die sich mit der extra-3 Redaktion den Flur teilen, machen sich aauch so einige Gedanken zur Satire. Diese Gedankensplitter gehen durchaus konform mit oben genannten Punkten.

Advertisements

Sia und Autokaraoke

Schon vor einiger Zeit hatte ich ja Michelle Obama im Auto von Latenight Talker James Corden entdeckt. Richtig cool!!!

Jetzt zappe ich mal wieder auf youtube und finde meine zur Zeit absolute Lieblingssängerin Sia bei ihm im Karaoke-Interview. Die Stimme ist einfach genial.

Was ich auch gut finde, ist, dass sie sich mit dieser komischen Perücke selbst auf die Schippe nehmen kann. Trotzdem finde ich dieselbige – gelinde gesagt – mistig. Aber wenn es für sie so besser ist und sie damit sich ein kleines bisschen mehr Privatsphäre schaffen kann, muss man es eben so verstehen.

Not my President

Wütende Proteste entladen sich nach der wohl aggressivsten und vernunft-freiesten Präsidentenwahl der jüngsten Vergangenheit in den USA. Auf der anderen Seite hört man immer wieder von Übergriffen seitens der Trump-Anhänger, die sich seine rassistischen und frauenfeindlichen Äußerungen im Wahlkampf auf ihre persönlichen USA-Fahnen geschrieben haben.

Trump ist nun wirklich nicht mein Präsident, zumal er Amerikaner und kein Deutscher ist. Aber sein Aufstieg trägt bei weitem faschistoide Züge. 1932 kam ein Hitler mit ähnlichen Parolen und Wahlversprechen an die Macht. Das dürfen wir nicht vergessen. Aber was nutzt das schon: Wir müssen solche Tendenzen auch verhindern:

Wehret des Anfängen!!!

Denn wie konnte Hitler seine Wahlversprechen wahr machen? Er zettelte einen Krieg an, der Millionen Menschen unterschiedlichster Herkunft, Rasse und Religion das Leben kostete, Millionen Familien zerstörte und Millionen Menschen, auch die, die nichts mit diesem Zweiten Weltkrieg je zu tun hatten und haben werden, traumatisiert. Den Deutschen hat er das Nationalbewusstsein gegeben und durch die Folgen des Krieges auf unabsehbare Zeit genommen, das sie aber eh nicht hatten in ihrem bis dahin kleinstaatlichen Denken. (Btw.: Nicht einmal die Rechtschreibkontrolle kennt den Begriff: kleinstaatlich)

Aber schon wird abgewiegelt. Wie ich heute aus dem Fernsehen erfahren muss, hat man die markantesten Wahlversprechen Trumps von seiner Homepage gelöscht. Und ich habe etwas auf seiner Seite gestöbert: Da ist keine Rede mehr von einer Mauer gegen Mexiko. Auch andere Wahlversprecher sind verschwunden (oder sicher versteckt).

The Show must go on. Aber wohin? Das ist die Frage? Trump entpuppt sich als Lügner. Das Märchen „Pinocchio“ muss ganz neu geschrieben werden. Und: „wer einmal lügt …“, der wird es immer wieder tun. Welche Leichen hat Trump noch so im Keller, die – im Gegensatz zu seiner so beschimpften und verleumdeten Kontrahentin – im Wahlkampf nicht ans Licht der Öffentlichkeit geschwemmt oder gezielt gezerrt wurden?

Manch einer mag ja begeistert sein, über das Gespräch mit Präsident Obama. Das Gruselkabinett, das sich als mögliche Regierungsriege forciert, lässt Schlimmes erahnen. Die Simpsons haben es ja schon immer gewusst:

Das war vor knapp 16 Jahren!!! Wie kann man die Rolltreppenscene so voraussagen, wie sie im Wahlkampf tatsächlich stattgefunden hat. Mysteriös (Vorsicht Ironie)! Und hier noch ein jüngeres Voting der Simpsons (nicht das letzte: In Staffel 28 taucht sogar Putin als verkappter Trump-Wähler auf):

Einen schönen Beitrag findet man hier: Darum sagte der Simpsons-Autor Donald Trump als Präsidenten voraus.

Idiocracy ist ein Sciencefictionfilm aus dem Jahre 2006. Sollte sich die stupide Zukunftsprognose Mike Judges als Prophetie einer nicht allzu fernen Zukunft erweisen? Wie der Verfasser des folgenden Beitrags hoffe auch ich, dass die Menschheit sich stets ihrer Dummheit bewusst bleibt. Also letztendlich die Grundannahme des Films erhalten bleibt: Trotz einer dramatischen Entwicklung – ausgelöst durch eine eklatant steigende Geburtenzahl in den weniger gebildeten Bevölkerungsschichten im Vergleich zu den sinkenden Raten in den gebildeten Wohlstandsschichten – bleibt sich selbst der dümmste Präsident seiner Dummheit bewusst.

 

Heiss

Es ist Sommer. Für einen Tag und dann wird’s wieder April. Kein Scherz. Mein Kreislauf stellt sich aber nicht so schnell auf diesen JoJo-Sommer ein. Ich lechze nach Urlaub. Aber der ist noch nicht in Sicht, während andere Leute jetzt nach den RKW-Tagen in den Urlaub düsen, warten auf mich die nächsten Events: Schützen, Hochzeiten, Taufen und haste nicht gesehen sonste wer … Und eigentlich müsstest du mit der Priesterweihe auch noch die Gabe der Bilokation (an zwei Orten gleichzeitig zu sein) bekommen haben. Aber dem ist nicht so. Und wehe, es sagt mir noch einmal jemand den Spruch: „Nach Peter und Paul werden die Pfarrer faul“. 🙂

Der goldene Käfig

Helge Schneider, ein begnadeter (Jazz-)Musiker und oftmals unterschätzter, schrulliger Kabarettist (heute sagt man wohl: Comedian) hat ein kleines Lied zu einem Thema geschrieben, welches mir in der letzten Zeit durch den Kopf geht. Im Artikel „De-Eskalation“ habe ich ihn schon einmal erwähnt, den Goldenen Käfig. Auch den Artikel habe ich eigentlich mit vielen Hinterkopfgedanken geschrieben.

Der Goldene Käfig … was ist das eigentlich für ein Bild? In einem goldenen Käfig sitzen. Ein Käfig steht immer für Enge, Unfreiheit und Gefangenschaft. Derjenige, der sich in einem Käfig befindet, ist festgesetzt und unfrei gemacht, durch wen auch immer, vielleicht auch durch eigene Schuld. Gold ist hier Sinnbild für Luxus, Reichtum. Somit meint diese Redewendung ursprünglich: sich trotz Reichtums in Unfreiheit befinden, als Mitglied der wohlhabenden Gesellschaftsschicht eine eingeschränkte persönliche Freiheit besitzen.

Ich möchte das Bild etwas ausweiten. Den goldenen Käfig sehe ich hier als eine Art Realitätbeschönigung. Alles ist Gold, was nur irgendwie glänzt und alles, was nicht glänzt und zum Himmel stinkt, wird vergoldet. Den goldenen Käfig habe ich mir geschaffen oder von anderen Menschen für mich (allein) anfertigen lassen, um der „bösen“ Welt zu entfliehen in eine gewollte oder zwangsläufige Abhängigkeit, die ich mir einbilde, kontrollieren zu können. Ein Ausbruch aus diesem Käfig? Ist er denn überhaupt gewollt? Hieße das nicht, sich dem harten Wind der realen Welt zu stellen, meinen Schatz aufzugeben? Meinen goldenen Schatz, den mir die Neider rauben wollen. Mein Schatz, der mir gehört, mir allein …

„Der goldene Käfig, er ist sehr schön. Doch innen drin ist kaum Platz um spazieren zu gehen. Doch draußen in der Welt sind die Menschen. Ohne mich, ich bin im goldnenen Käfig versteckt. Der goldene Käfig, ich hab ihn noch niemals gewollt. Er umgiebt mich seit über 40 Jahren. Niemals werd ich die Hoffnung aufgeben, einmal frei gelassen zu werden! Bamboleo, Bambolea, lalalala. Bamboleo, Bambolea, lalalala … Der goldene Käfig, er ist aber auch gut. Das Essen ist lecker und im Ofen ist Glut. Der goldene Käfig, ich hab ihn nicht gewollt. Doch er ist da, so lang der Rubel rollt! Bamboleo, Bamboleo, Bamboleo, Bamboleo, Bamboleo.“

Der Mann, der ein ISIS-Massaker überlebte

IrakischerSoldatAls ich am Sonntag die Tagesschau anschalten wollte, war ich ein paar Minuten zu früh auf dem Sender und erwischte noch den letzten Beitrag des Magazins „Weltspiegel“. Diese Reportage, welche die ARD von der New York Times übernommen hat, hat mich sehr schockiert. Wie die Redaktion des Weltspiegels frage ich mich, ob ich diesen Bericht einfach so zeigen soll, weil er wirklich sehr grausame, aber reale Szenen zeigt, wie sie sicherlich so zur Zeit im Irak /resp. in Syrien sich ereignen.

Aber ich habe mich entschieden diesen Bericht aufzunehmen und auf die Filme zu verweisen, die bereits vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt wurden. Außerdem ist Gewalt im Internet, in Filmen und (Schulhof)-Videos heute manchmal genauso oder noch viel brutaler und wird aber als solche schon gar nicht mehr wahrgenommen. Deshalb betone ich noch einmal, dass in diesem Beitrag Menschen zu sehen sind, wie sie andere Menschen zusammentreiben und auf verschiedenste Weisen töten.

Derjenige, der diesen Bericht heute auf Youtube veröffentlicht hat, schreibt in einem anderen Interesse, das ich aber auch aufs höchste unterstützen möchte:

„Das ist ein arabischer Buchstabe: „ن“
(N für Nazarener und bedeutet Christ im negativen Sinne),
welcher an christlichen Häusern in Mossul/Irak gemalt wurde, um sie als Christen zu identifizieren.

Nicht nur die Christen erhielten das Ultimatum sondern auch die Jesiden und andere religiöse Minderheiten:
• hohe Kopfsteuer zu zahlen,
• zum Islam zu konvertieren oder
• getötet zu werden.

Die Juden markierte man damals mit dem Stern. Die Christen nun mit diesem Buchstaben. Die Geschichte wiederholt sich! Schaut nicht weg! Setzt euch ein und handelt JETZT“

SaveOurSouls: https://1915.de/

Und bitte nicht die Fürbitte für die verfolgten Jesiden und Christen vergessen. Es wäre auch sinnvoll, eine Gebetsnacht zu gestalten und andere Aktionen ins Leben zu rufen!

 

Du kommst hier nit rein

Wo gehste … in Kino … Ne, nix mit „Quo vadis“, „Noah“ hab‘ ich mir gestern mit einem guten Freund angetan. Und das ist noch das Positivste daran, ich meine den guten Freund, der auch ein wenig konsterniert den Kinosaal nach über 2 Stunden verlassen hat. Wikipedia schreibt: „Der Film basiert auf der biblischen Geschichte von Noah, seiner Arche …“ Das „Basieren“ ist hier mehr als ein „Sich anlehnen“ zu verstehen. Nach dem Schema: Kaffekochen für Schwachmatiker: Man nehme eine Bohne und lasse den Schatten bei Sonnenschein in kochendes Wasser fallen. Aber Vorsicht nicht im prallen Sonnenschein sondern doch lieber im Halbschatten.

Der Regisseur und Drehbuchschmierfink Darren Aronofsky (schuf auch den pseudo-wissenschaftlichen Sci-fi-Thriller „π“) tischt den Fantasy-verwöhnten und wenig bibelfesten Zuschauern einen gewaltschwangeren, allzu wunderträchtigen und vegie-esoterischen Mix auf, der aus Bibel, Apokryphen (z.B. das Jubiläenbuch, das Henochbuch, die Apokalypse des Adam u.a.), mystischer jüdischer Literatur, z.B. der Tanach des Schlomo ben Jizchak, einem bedeutenden Rabbiner des 11. und frühen 12. Jahrhunderts, und Sintfluterzählungen anderer Religionen seine Quellen speist.

Das Gesamtbild ist aber so verzeichnet, dass die Kritik von Rüdiger Suchsland noch sehr milde ausfällt: Es sei ein christlich-fundamentalistisches Fantasy-Stück, das an ein Werbefilmchen für Intelligent Design erinnere, ein „esoterischer Erweckungsschmarrn“. Die ganze Kritik findet sich im Artikel: „Wer sündigt, hat den Tod verdient!“ Letztendlich hat’s dann doch jemand von den Sündern und Fleischfressern (das ist ein unmittelbarer Zusammenhang in dem Film), den Nachfahren Kains, in die Arche geschafft und den Ham verführt – kein fundamentum in der Bibel und auch nicht anderswo …

Evangelikale Kreise beklagen nicht zu Unrecht den mangelnden biblischen Bezug. Islamische Zensoren verbieten die Ausstrahlung in manchen islamisch geprägten Ländern, weil der Film nicht dem Koran entspricht. Fazit: Die Einzigen, die es wohl freuen wird, sind die Vegetarier. Das sind nämlich die Guten: „Wir sammeln nur, was wir brauchen“ und die Pseudo-Endzeitmystiker und Zivilisations- und Kulturpessimisten (also die wahren „Grünen“ und Greenpeace-Aktivisten): „Vor uns liegen Städte. Davon halten wir uns fern“. Das ist auch mein Ratschlag: Macht lieber einen schönen Osterspaziergang und spart euch das Geld für einen anderen Kinofilm.

Let it snow auf der Enterprise

Draußen vom Walde komm ich her und muss euch sagen … äh wie war das noch mal … ach ja: Make it so, … äh nein: Let it snow. Jetzt hab ich’s. Nochmal von vorn: „Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir befinden uns in einer fernen Zukunft. Dies sind die Abenteuer des neuen Raumschiffs Enterprise, das viele Lichtjahre von der Erde entfernt unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen. Die Enterprise dringt dabei in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“ (Intro der Serie Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert. USA 1987-1994) Es weihnachtet sehr 😉

Rückzug bei Verkündigung

Wie ich soeben erfahren muss, sind in der deutschen Übersetzung des Apostolischen Schreibens des Papstes Franziskus „Evangelii Gaudium“ wohl einige Unstimmigkeiten  bei der Übersetzung aufgetreten, so dass dieses Schreiben „in die Druckerei“ zurückgerufen werden muss. Diesmal aber nicht wegen des allzu dünnen Papiers und hoffentlich auch nicht wegen der Übersetzungs- oder Deutungsproblematik des „pro multis“. Wahrscheinlich hatte es zu wenig Seiten. Die jetzt als pdf-Datei vorliegende Version hat jedenfalls 256 Seiten!!! Wobei mir noch nicht klar ist, welches Seitenformat? Das wird wohl die nächste Rückrufaktion klären.

Geben und nehmen

Auf der Suche nach Veröffentlichungen über unseren St. Martinsumzug stieß ich auf verschiedene Artikel im Internet. Auch meine Tageszeitung hat neulich eine Forderung der NRW-Linken veröffentlicht, die ja nicht einmal die Linken hier im Osten stellen: Schafft die Martinsumzügen ab, und zwar aus Rücksicht auf die Muslime! Nennt es doch eher: „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“.

Die Reaktion des Türkischen Bundes: Sankt Martin ist eine schöne Tradition, mit der Muslime keine Probleme haben. Schließlich geht es um Werte, die auch jedem Muslimen heilig sind. Und auch Weihnachtsmärkte seien etwas Schönes und Ausdruck einer Tradition. Schließlich feiern auch nichtreligiöse Deutsche Weihnachten. Nebenbei: Selbst der Kommunismus konnte das Weihnachtsfest nicht abschaffen.

Und ganz nebenbei ist das auch nicht möglich, weil Weihnachten schon so kommerzialisiert und entchristlicht ist, dass die Gewerkschaften und ganze Erwerbszweige gegen einen solch großen Profitverlust aufbegehren würden, nicht in erster Linie die Kirchen, ausgenommen die Waffenlobby, die mit dem Fest des Friedens schon immer nichts anfangen konnte.

Aber ich schweife ab. Die Botschaft des Hl. Martin fand ich in einem Commercial aus Thailand, das die schlichte Botschaft: „Give“ transportieren soll. Besser müsste es jedoch heißen: Gib, dann wird auch dir gegeben. Der Spot ist schon über 14 Mio. mal angeklickt worden und erzählt eine wirklich rührende Geschichte. Wunder geschehn, wenn auch nur allzu selten. Die Botschaft christlich übersetzt: Gutes Karma braucht jeder, wenn auch nicht für das Eingehen in ein Nirvana, wohl aber für die Ewigkeit. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ (vgl. Lk 6,36)

Das Herz geht mir über …

… wenn ich daran denke: wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge (Ps 42,5). Nein, ich meine nicht jene, die sich als große Schar darstellen und die Frommen sein wollen. Es sind die Vielen, die nach der Firmung einen anderen Weg gehen, die – wenn sie in der Kirche bleiben – eher nur noch zu den Hochfesten in die Kirche kommen und dann stumm bleiben, weil sie gar keine Lieder mehr kennen. Aber wer weiß schon, was in deren Herzen passiert, wer ist dieser Pharisäer, der sich erdreistet auf die Leute hinten in der Kirche zu schauen. Ich habe soeben einen der Artikel gelesen, von einem jener welchen geschrieben, zu dem Jesus sagen würde: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Frommer (resp. Reicher) in den Himmel kommt.

Frischer Wind, der den Artikel: „Bitte eines Jugendlichen an alle in der christlichen Jugendarbeit Engagierten…“ veröffentlicht hat, enthält sich jeglichen Kommentars, und der von Gertie ist auch nur ein kurzsichtiges Jammern und Verdammen all jener, die versuchen wirklich frischen Wind in die Kirche zu bekommen. Einen zaghaften Kommentar wagt die freche, fromme Frau auch mit der wichtigen Würdigung der Arbeit von Jugendverbänden (über den BdKJ kann man sich streiten). Nun ja, über die westdeutsche katholische Kirche und den Hang zum Buddhismus sollte man ein andermal nachdenken. Ich für meinen Teil kann mich an meine Jugendzeit erinnern, die geprägt war von Jugendgottesdienst, Jugendband und -chor, Jugendhaus, eigene Jugendlieder aus den Dreifaltigkeitsheften und Taizé, mit Ökumensichen Jugendkreuzweg etc. Die ewige Diskussion: Neues Geistliches Liedgut oder Gotteslob war bei uns ein Sowohl – Als-auch. Auf Deutsch – na klar, was sonst. Latein war in den Taizé-Gesängen etabliert und in den Chorgesängen zu den Hochfesten.

Doch jetzt mal Butter bei die Fische: Der Jugendliche von Jagwitz meint:

1. „Singt mit uns bitte keine Lieder mit inhaltsleeren Texten … „

Ja wie denn? Welche Lieder sollen wir singen? Herz Jesu, Gottes Opferbrand? Der Text ist so verdreht, dass man in den ersten beiden Strophen als normaler Mensch nur Bahnhof versteht: „O Herz, in Nacht zu uns gesandt, als Schuld den Tod uns brachte …“ Hä, wie jetzt … welchen Tod und warum? Am schlimmsten sind im Gotteslob die Lieder, die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg hinzugekommen sind: u.a. auch GL 568. Reinste Schwarz-Weiß-Malerei. Düster bis schwarz das Erdenleben – Glorreich das Leben im Jenseits, das eine negieren, die Herrschaft Gottes im Himmel lobpreisen – die ewige Taktik der Traditionalisten. Möglichst mit Choralamt.

„Unser Herz wird geöffnet, wenn wir gemeinsam Gott mit Liedern preisen, die unsere Sehnsucht nach Wahrheit, nach wahrer Liebe und Freude, nach innerem Frieden und Heilung zum Ausdruck bringen.“ q.e.d.

2. „Erzählt uns doch nicht, dass unser Leben völlig in Ordnung sei, denn das kann die Welt besser! Betet mit uns stattdessen das Schuldbekenntnis, denn wir sehnen uns nach Vergebung.“

Genau auf derselben Schiene fährt der Verfasser weiter. Vergebung ist notwendig, aber nicht das Alleinige und Vordergründige im Glauben. „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke“ (1 Kor 13,1). Das Sakrament der Versöhnung möchte ich allen Jugendlichen und Erwachsenen ans Herz legen. Das Schuldbekenntnis reicht dafür aber nicht aus. Sog. Bußgottesdienste (ohne Beichte) sind auch kein hinreichendes Kriterium, um von schwerer Sündenschuld befreit zu werden.

In diesem Abschnitt gewinne ich aber auch den Eindruck, dass ich für kollektive Schuld unserer heutigen Zeit büßen müsste. Das ist nicht christlich, obgleich es unseren jüdischen Wurzeln entspricht: … unserer Väter-Väter-Väter …

3. „Ersetzt nicht das Wort Gottes durch Theaterstücke oder irgendwelche Weisheitsgeschichten …“

Tja, was soll ich sagen. Das geht mir auch immer auf die Nerven. Nach dem II. Vatikanum kam das bei vielen Priestern in Mode. Hoffsümmer hat nicht umsonst so viele Bücher geschrieben. Aber die Postmoderne ist da viel nüchterner. Wenn ich mir Jesus so anschaue, dann hat er viel Weisheit in einfache Lebensgeschichten gepackt und den Leuten veranschaulicht in Gleichnissen: vom barmherzigen Samariter, vom Sämann, vom verlorenen Schaf, von der wiedergefundenen Drachme, vom Licht auf dem Leuchter usw. usf.

Dann blende ich mal ins Mittelalter. Die Leute wollten Brot und Spiele, wie man es in anderer Form im Römischen Reich kannte. Und die Spiele wurden wichtiger als die Messe, die die Leute eh nicht mehr verstanden, denn Latein war schon lange nicht mehr ihre Muttersprache (Hokuspokus): Osterspiele, Weihnachtsspiele, St. Martin, Nikolaus, Passionsspiele und vielerlei Heiligenlegenden, die im Volk durch Theaterstücke oder Geschichtenerzählen verbreitet wurden. Ist ja auch logisch, denn die meisten Leute waren Bauern, Sklaven und Leibeigene und konnten nicht lesen und schreiben. Und auch das aufstrebende Bürgertum liebte diese Spiele. Heute ist St. Martin nur noch für Kinder. Damals war es eines der wichtigen Daten im Leben der Menschen: Ende des Wirtschaftsjahres, Beginn der „staden Tied“. Einzig und allein die Passionspiele sind uns heute noch erhalten als etwas für Erwachsene und mancherorts vielleicht noch die Krippenspiele (aber bäh … das ist ja nur Kinderkram … wir gehen in die Christmette). Dabei habe ich die Beobachtung gemacht, dass in der Krippenandacht auch Erwachsene ohne Kinderanhang, auch im Seniorenalter, mit dabei sind.

4. „Lasst die Eucharistiefeier nicht zu einem gemeinsamen Tischmahl verkommen, denn das ist in jedem Restaurant besser.“

Der Verfasser hat recht. Keiner denkt mehr daran, ob er würdig ist, den Herrn zu empfangen. Alle rammeln sie zur Kommunion, weil es alle machen – Herdentrieb. Wenn der Nachbar sieht, dass ich nicht zur Kommunion gehe, könnte er ja denken, ich hätte etwas ausgefressen. Und dann kommt einer und sagt, ich solle seine Frau trösten, die nicht katholisch ist, und keinerlei Empfangsbereitschaft gezeigt hat, so dass ich ihr die Kommunion verweigerte … Verrückt. Es besteht zwar ein Anspruch auf den Empfang des Herrn, aber nur bei denjenigen,  die nach unserem Verständnis dazu bereit sind, also zumindest in der katholischen Kirche sind. Und diese Empfangsbereitschaft muss erkennbar sein: Mund- oder Handkommunion. Ob jemand würdig ist, muss jeder für sich selbst prüfen. Die orthodoxen Christen sind da wesentlich strenger, was allerdings dazu führt, dass viele Orthoxe nur selten in ihrem Leben die Kommunion empfangen. Das ist auch fragwürdig und gab es auch schon in der römisch-katholischen Kirche …

Das Bild mit dem Restaurant ist jedoch schlecht: Plätze im Restaurant sind begrenzt, Reservierung(spflicht), Exklusivität …

5. „Tut nicht so, als wäre der Weg des Glaubens wie ein heiterer Spaziergang, sondern helft uns, die Anfeindungen der Welt und des Teufels mit dem Kreuz Christi zu vereinen!“

Huh, da ist sie wieder die „Gnostische Versuchung“. Schwarz-weiß. Die böse Welt (a la Johannes) und das Siegeskreuz Christe, dass die (johannäische [gnostische]) Welt besiegt. Diese Vorstellung der Welt als Reich der Finsternis ist nicht christlich, auch wenn sie der Evangelist Johannes und der Apokalyptiker Johannes so verbreiten. Das Christentum hat die Vorstellungen der Gnosis zwar verworfen, aber viele Bilder (u.a. den Teufel als Fürst der Finsternis) übernommen und bis in die heutige Zeit transportiert und in vielerlei Weise transformiert oder unverändert belassen.

Wenn die Christen wirklich daran glauben würden, dass a) Gott diese Welt gut geschaffen hat und b) Jesus die Sünde der Welt hinweggenommen hat durch sein Heilsopfer am Kreuz und damit c) durch die Auferstehung Christi und die Sendung der Apostel mit Missionsauftrag das Reich Gottes wirklich in dieser Welt angebrochen ist, dann wird auch Christus wiederkommen, erst dann.

6. „Lockt uns nicht, indem ihr uns immer lobt und uns das Gefühl gebt, etwas Besonderes zu sein …“

Blanker Hohn, Pharisäertum. Ich habe die Schüler im Auge, die hier im Osten Deutschlands als vereinzelte Christen, ja als einziger Christ in der Klasse, als einzige christliche Familie in der gesamten Nachbarschaft ihren Glauben versuchen zu leben. Manche ziehen weg, weil der Atheismus hier so resistent und aggressiv ist. Da braucht man nicht unbedingt in die arabischen Länder zu schauen. Dort ist allerdings die Verfolgung der Christen am existenzbedrohendsten, ja sogar lebensbedrohlich, wie es nicht einmal zur Zeit der Christenverfolgung im alten Rom war. Und hört auf über Stolz und Demut nachzudenken. Diese Artefakte der pädagogischen Zeit, als in den Kirche die Bänke installiert wurden, um das Volk zu erziehen.

… Und das Resümee unseres jugendlichen Christen: „Eine ehrliche Kirche dagegen werden wir zwar für ihren Wahrheitsanspruch anklagen, für stur und zurückgeblieben halten, uns sträuben, die Wahrheit von ihr anzunehmen, mit ihr ringen, wie Jakob mit Gott. Aber am Ende werden wir nur durch die Kirche sagen können: ‚Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen‘ (Gen 32,31).“

Da hört man geradezu die geschwellte Brust, das wehende Haar, den Kopf in den Nacken geworfen und die Nase so hoch, dass es reinregnet, voll Wahrheit und Klarheit. Welche „Ehrlichkeit“ meint er aber wirklich? Jene, die Jean d’Arc auf den Scheiterhaufen der Inquisition gebracht und dann heiliggesprochen hat oder jene, die mit dieser Sturheit und dem zurückgebliebenen Weltbild Schluss macht, wie Franziskus, nackt umhergehend mit der Vision einer verfallenden Kirche, die Christus nicht mehr im Blick hat. Es geht nicht vordergründig um die Kirche! Es geht um Jesus Christus allein, in der Einheit mit dem Vater im Heiligen Geist. Und Jesus sagt auf die Frage der Pharisäer: „Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ – „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ (Mt 9,11.12)

Die gnostische Versuchung, diese Welt schwarz-weiß zu malen, steckt in uns allen. Sie ist das eigentliche Übel unserer Zeit, zusammen mit einem Synkretismus vor allem hinsichtlich buddhistischen Gedankenguts. Wird ein ostdeutscher Priester von einem österreichischen Kollegen gefragt: „Du glaubst doch nicht etwa an die Auferstehung? Ich glaube schon seit langem an die Wiedergeburt.“ Priester in Indien braucht man erst gar nicht zu fragen, das häuft nur schlechtes Karma auf. Also, wenn ich in diese Welt immer und immer wieder geboren werde sollte, na dann Gute Nacht …

Die Sache Jesu braucht Begeisterte. Sein Geist sucht sie auch unter uns. Er macht uns frei, damit wir einander befrei’n.

Wüste Spekulationen und Mea Culpa

BlitzeinschlagBlitz schlägt im Vatikan ein. Zeichen oder Fälschung? Benedikt entzaubert Papstamt. Papst macht den Weg frei für Neues. Ist das die Stunde für Afrika? Die Welt: wie ein Blitz aus heiterem Himmel fällt Trauer über die „ewige Stadt“. Dennoch war es ein geplantes Unternehmen. Und weiter titeln die Gazetten: Papst kannte keinen Karriereplan. Das macht diesen Schritt, so wohlüberlegt, auch so einzigartig.

Und noch etwas zum Aschermittwoch. Im letzten Satz seiner Rücktrittserklärung macht er etwas – nein, nicht Neues – aber Unerwartetes:

„Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“ (Hervorhebung Red.)

Das kann man leicht überlesen, wenn man den Artikel nicht bis zu Ende liest. Er tut es PP. Johannes Paul II. gleich und steigt damit nicht nur in meiner Hochachtung einige Stufen empor. Der „Unfehlbare“ bittet um Verzeihung!!! Auch für uns ein gutes Signal für die Fastenzeit, die Österliche Bußzeit, während dessen die Katholiken v.a. aber auch alle Christen aufgefordert sind, umzukehren und das Leben neu auszurichten auf das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Er ist der Heiland und Retter der Welt.