Fest der Auferstehung

Zur Osterzeit

Ostergedicht

Die ganze Welt, Herr Jesus Christ,
zur Osterzeit jetzt fröhlich ist.
Jetzt grünet, was nur grünen kann,
die Bäum` zu blühen fangen an.So singen jetzt die Vögel all.
Jetzt singt und klingt die Nachtigall.Der Sonnenschein jetzt kommt herein
und gibt der Welt ein` neuen Schein.

Die ganze Welt, Herr Jesus Christ,
zur Osterzeit jetzt fröhlich ist.

 

Friedrich Spee (1592 – 1635)

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Ostereier – was man mit ihnen machen kann

Sorbische Ostereier

Beim Kreuzknappen habe ich einen schönen Artikel entdeckt, der sich mit einem alten (?), zumindest wohl recht weit verbreiteten Spiel beschäftigt: Ostereiertitschen. Die Lösung fand ich sehr interessant, weil unerwartet. Die Maus weiß wie immer bescheid. Guckst du:

Fröhliche Ostern 2014

 

 

Ostern - 2 - 2014

Das Kreuz

KreuzHülfensbergWarum halten die Christen an einem Zeichen des Todes, dem Kreuz, als Zentrum ihres Glaubens fest? Paulus schreibt:

„Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.“ (Röm 6,3)
Und weil wir im Kreuz das Zeichen des Heils und der Befreiung sehen, werden wir nicht den Regenbogen, die Sonne oder irgend ein anderes, gefälligeres Zeichen ins Zentrum unseres Glaubens rücken, um das unbequeme Kreuz zu verdrängen. Und dabei spielt auch keine Rolle, wie oft das Kreuz durch die Jahrhunderte für andere Zwecke missbraucht wurde.
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesuund jeder Mund bekennt:  ‚Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,5-11)

Österliche Gedanken

Wann geschieht Auferstehung? Ostern ist für mich immer ein Fest, an dem ich darüber nachdenke, wie Auferstehung sein kann. Nicht technisch, nicht wissenschaftlich fundiert, nein, ganz persönlich. Fester Bestandteil meines christlichen Glaubens ist der Glaube an den Auferstandenen. Das möchte ich einmal in unserer so buddhistisch durchtränkten und teilweise verwässerten Vorstellungswelt von dem Leben vor und nach dem Tod einmal sagen. Wer Christ sein will, glaubt nicht an die Wiedergeburt.  – btw.: Ich möchte nicht wiedergeboren werden in die Unvollendung, eine grausige Vorstellung. – Wer sich zum auferstandenen Jesus Christus zählen lässt, der bekennt auch seine eigene Auferstehung, als „neuer Mensch“. In der Epistel der Osternacht (Röm 6,3-11) hören wir:

„Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?
Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.
Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.
Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.
Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
 Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.
So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.“
In der Taufe sind wir neue Menschen geworden. Der alte Mensch ist mit Christus gestorben. Gleichzeitig aber tragen wir weiterhin Verwundungen vom „alten Menschen“ an uns – und das Evangelium vom Thomas, dem „Ungläubigen“, sagt mir: Das darf so sein! Ich bin nach der Umkehr – nach der Taufe, nach der Beichte, nach der Versöhnung – ein neuer Mensch; ich habe das neue Leben – aber es ist ein Leben, das nicht abgekoppelt ist von dem vorhergehenden.
Das ist das Entscheidende, wenn ich an eine leibliche Auferstehung glauben darf. Nicht der Vorgang, wie es möglich sei, dass der alte Leib zu neuem Leben aufersteht. Nein, es ist dieser Gedanke, dass Gott mein Leben ernst nimmt, dass er meine Leiden und Freuden auf dieser Welt verwandelt, aber nicht zerstört, sondern hinüberrettet in sein himmlisches Reich. In dieser Weise glauben wir auch an das Menschsein Jesu Christi, der zur Rechten des Vaters sitzt. In seiner Auferstehung ist Gott und Mensch in besonderer Weise verbunden. Der neue ewige Bund ist bei Gott eine Realität geworden, die nie mehr rückgängig gemacht werden kann. Halleluja.

Alle oder viele

Während der römisch-katholische Ritus und auch der lutherische Ritus der Abendmahlsfeier in den Wandlungs- oder Konsekrationsworten die Realpräsenz Jesus hergestellt sehen, also die Worte konsekrativen Charakter tragen, ist das durchaus nicht im Verständnis aller christlichen Konfessionen so verankert. Selbst innerhalb der römisch-katholischen Kirche gibt es einen Ritus, der von Rom approbiert, gar keine Einsetzungsworte kennt (Anaphora der Apostel Addai und Mari, die in der Assyrischen Kirche des Ostens verwendet wird). Die orthodoxen Kirchen sehen die Wandlung durch die Epiklese vollzogen, einige orthodoxe Richtungen erkennen die Wandlung im gesamten Hochgebet und legen die Bedeutung auf das Amen.

Die Diskussion um die rechte Übersetzung der Worte „pro multis“ ist der Anfang eines neuen „Rubrizismus“, wenn man so will. ES GIBT KEINEN EINHEITSRITUS IN DER KIRCHE JESU CHRISTI. Wann lernen die Fundis und Traditionalisten diese Lektion. NIE – bin ich geneigt zu behaupten. Es gab schon in der frühen Kirche verschiedene Riten, die gleichberechtigt nebeneinander existierten: „Einheit in Vielfalt“ war das Motto. Aber seit der Vergötterung der Missa Tridentina von der lateinischen Kirche herrscht ein Rubrizismus, der seines Gleichen sucht.

Jetzt aber mal zur Bibel. Die Einsetzungsworte, die in der lateinischen Kirche benutzt werden, gehen auf die Synopse der Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas sowie Paulus im 1. Brief an die Korinther zurück. Und da lesen wir folgendes:

Matthäus 26 Markus 14 Lukas 22 Paulus 1Kor 11
26 Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: 22 Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. 16 Denn ich sage euch: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, 24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte:
Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: 18 Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt.
19 Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten:
Nehmt und esst; das ist mein Leib. Nehmt, das ist mein Leib. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis!
27 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: 23 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. 24 Und er sagte zu ihnen: 20 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: 25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach:
Trinkt alle daraus; 28 das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Nehmt den Wein und verteilt ihn untereinander! Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis!

Was fällt auch den Nicht-Theologen auf? Genau: Johannes kennt diese ganze Geschichte nicht. Und ein Zweites: Lukas und Paulus sprechen nur die anwesende Gemeinde an und kennen damit dieses ganze Problem nicht. Das Dritte: Matthäus ist die Vorlage für das Messbuch. Warum? Die Begründung möchte ich gern mal kennenlernen. Und Markus hält sich aus allem raus. Nach ihm haben die Jünger bereits getrunken, als er die Worte über den Kelch spricht. Das finde ich wiederum interessant.

Überdies müsste – wenn es nach Matthäus geht – folgendes im Messbuch gestrichen werden: „neuen und ewigen“. Auch wenn das der Intention des Bundes Gottes mit den Menschen entspricht, wie auch Lukas und Paulus das noch einmal unterstreichen. Nun entspricht es auch der Intention von πολλῶν bei Matthäus und Markus, dass dieses „Viele“ für „Alle“ steht, die  Jesaja meint: “ Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn die Schuld von uns allen.“ (Jes 53,5.6)

Wer’s philosophisch mag, darf am Thema für meinen Geschmack auch ein bisschen vorbeischrammen bei JoBo: „Alle und viele„. Bei den Worten: „Die Vereinnahmung „aller“ in den Wandlungsworten widerspräche schlicht der Sachlage, nach der es Menschen gibt, die – aus für sie guten Gründen – nicht an den Tisch des Herrn treten, ohne dass sie grundsätzlich ausgeschlossen wären.“ und den weiteren Textzitaten aus dem Brief des Papstes, zeigt sich die ganze Verwirrung, die solch eine Diskussion über eine Marginalie auslösen kann. Natürlich bleiben “ ‚alle‘ und ‚viele‘ im Glauben verbunden“, wie JoBo schreibt.

Jesus ist das Heil der Welt. DER WELT. Das hat nichts mit Heilsautomatismus zu tun, wie der Predigtgärtner meint (Einsetzungsworte – Der Papst bittet die deutschen Bischöfe „dringendst“: Kümmert euch endlich um das „für viele“…!), auch wenn – wie er befürchtet – die Gefahr dazu besteht. Weiter schreibt er: „Doch längst herrscht inzwischen weitgehende Einigkeit unter Exegeten darüber, dass die Formulierung „für viele“ den tatsächlichen Worten Jesu entspricht.“ Nun ja, mit vielen Fragezeichen (siehe die Synopse oben).

Liebe Christenmenschen! Da spielt keine Disponierung zum Abendmahl eine Rolle. Da geht es eigentlich nicht einmal um den Empfang. Sondern es geht generell um das Opfer Christi und seine Bedeutung. Jesus ist für die Schöpfung des Vaters gestorben und auferstanden. FÜR ALLE und ALLES. Auch wenn er „pro nobis“ diese Tat vollbracht hat. Es geht hier nicht um irgendwelche Exklusivrechte der Christen. Gottes Sohn kam nicht auf die Welt, um „die Kirche zu erlösen, aus der Macht des Bösen“. Das ist eine Bitte, die GL 634 in der 6. Strophe an die Zukunft richtet.

Noch einmal zum Hochgebet: Wenn ich mir den „Römischen Messkanon“ anschaue, wird mir manches klarer: „Wir bringen sie dar vor allem für deine heilige katholische Kirche, in Gemeinschaft …“ Da wird von „Schar der Erwählten“ gesprochen. Das Heil für die ganze Welt spielt keine Rolle. Ganz anders das dritte Hochgebet: Dort wird es zumindest in eine Fürbitte gekleidet: „Barmherziger Gott, wir bitten dich: Dieses Opfer unserer Versöhnung bringe der ganzen Welt Frieden und Heil. Beschütze deine Kirche …“ Auch wenn hier von „uns“ und „der Welt“ die Rede ist, klingt der weitmachende Charakter der Erlösungstat Christi an. Wie lautet denn der Auftrag der Christenmenschen? „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15) oder: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ (Joh 20,21)

Ergänzung (7.5.2012): Ein interessanter Artikel bei Wikipedia, der sich mit der ganzen Problematik beschäftigt und meiner Meinung sogar auf dem neuesten Stand ist: Konsekration. Er arbeitet noch ein bisschen exakter als ich die Bedeutung der Transsubstantiationslehre heraus.

Und hier noch einmal der Knoten, den ich mit Matthäus als Urheber der Wandlungsworte habe: Wenn er wirklich der Apostel ist und sein Evangelium der Tradition nach ursprünglich hebräisch abgefasst hat, für gläubige Juden, dann ist es sinnlos, nach einer Logienquelle Q zu forschen, dann wäre Matthäus die Quelle. Nun haben wir aber keine hebräischen Originale, sondern nur griechische Übersetzungen und Abschriften, noch nicht einmal hebräische Abschriften. Außerdem hat Matthäus bekanntlich bei Markus abgeschrieben. Das würde die Quelle nicht brauchen.

Deshalb erachte ich es als marginal und „rubrizistisch“, nach dem genauen Wortlaut Jesu zu forschen und sehe die Intention als das Wichtigste an. Und da gehe ich eher mit denen konform, die meinen, es geht auf die Bedeutung aus: Jes 53 (siehe oben), als mich einer allzu konstruierten Auslegung des genauen Wortlautes Jesu hinzugeben. Außerdem verweise ich noch einmal auf den Sendungsauftag Jesu an seine Jünger.

Das berührt nicht die Einsetzung des Abendmahles durch Jesus und auch nicht die Realpräsens oder Transsubstantiation. Das ist unbestritten das, was Jesus meint: Er ist wirklich in Fleisch und Blut als wahre Opfergabe in Brot und Wein anwesend. Markus, Matthäus, Lukas und Paulus sind sich da völlig einig. Das ist das Mysterium des Glaubens. Darauf kann ich nur antworten: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir; deine Auferstehung preisen wir; deine Wiederkunft erwarten wir, bis du kommst in Herrlichkeit.“

Christus, gestern und heute

Anfang und Ende

Alpha und Omega

Sein ist die Zeit

und die Ewigkeit

Sein ist die Macht und die Herrlichkeit

In alle Ewigkeit. Amen.

Durch seine heiligen Wunden,

die leuchten in Herrlichkeit,

behüte uns

und bewahre uns

Christus, der Herr. Amen.

Mit diesen Worten wird die Osterkerze am Osterfeuer bereitet. Der Priester entzündet die Kerze am Feuer und spricht dabei:

Christus ist glorreich auferstanden vom Tod.
Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.

Somit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs aus nah und fern:

Fröhliche Ostern!

Христóсъ воскрéсе! – Воистину воскрéсе!
Christus ist auferstanden; er ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!

Fronleichnam – Herrenleib

Woas is des jetz scho wedder? Latschen die Katholiken durchs Dorf und der Pfarrer trägt so ein merkwürdiges Gerät unterm Sonnenschirm, der von 4 Männern getragen wird. Dabei singen sie komische Lieder und die Musi spielt, aber man kann gar nicht danach tanzen?

Tja, die lieben religiös unmusikalischen Nachbarn würden das so ähnlich ausdrücken, wenn sie an Fronleichnam die Prozession durchs Dorf sich bewegen sehen. Ein richtig katholisches Fest mit einer festen christlichen Basis: das Abendmahl Jesu. Aber das haben wir doch schon an Gründonnerstag gefeiert? Genau, aber nicht so ausgelassen und fröhlich. Muss denn das sein? Denn so fröhlich ist das in Wirklichkeit nicht, wenn ich mir die Menge der Menschen ansehe, den schwitzenden Priester unterm sogenannten Himmel, die wachsbeschmierten Ministranten, die kaugummikauenden Erstkommunionkinder und die Kleinsten, die es nicht begreifen können, ihre schönen Blütenblätter einfach so auf die schmutzige Straße zu werfen.

Fronleichnam ist eines der „jüngsten“ Feste im kirchlichen Jahreskreis. Korrekterweise müsste man auch sagen: „Hochfest des Leibes und Blutes Jesu“. In deutschen Landen hat sich jedoch diese Bezeichnung erhalten, die sich aus dem Mittelhochdeutschen herleitet: vron licham, Leib des Herrn. Man glaubt es kaum, aber es ist vor allem wegen seiner Prozessionen beliebt. In Köln ist die erste davon bezeugt 1277. An Bedeutung nahm das Fest jedoch erst nach dem Trienter Konzil zu in der Reformationszeit und der Zeit der Gegenreformation. Der Priester trägt die „Monstranz“, jenes Zeigegerät, das eine gewandelte Hostie beinhaltet, die Gemeinde folgt ihm. An vier im Freien aufgebauten Altären werden Fürbitten gebetet und der Priester gibt jeweils den eucharistischen Segen in den entsprechenden Intensionen.

Während in katholischen Gebieten, in denen dieser Tag staatlicher Feiertag ist, die Umgänge am Donnerstag selbst abgehalten werden, finden sie in den anderen Teilen Deutschlands, in der Diaspora, meist am darauf folgenden Sonntag statt, begleitet oft mit einem Gemeindefest. Das unterstreicht meiner Meinung den fröhlichen Festcharakter: Jesus ist mitten unter uns, im Alltag und im Feiern. Weil er stets im Leib und Blut bei den Menschen ist, gehen wir mit ihm durch unsere Straßen. Und dann schauen wir noch einmal genauer hin: Da sind die Ministranten, die voller Stolz das Kreuz, die Kerzen und den Weihrauch tragen. Ich sehe die Erstkommunionkinder in ihrer festlichen Kleidung, die es genießen wiederum im „Mittelpunkt“ zu stehen. Die Blumenkinder, die mit vollen Händen die Blütenblätter in die Luft werfen. Die Bläser, die voller Inbrunst „Großer Gott wir loben dich“ intonieren. Und die Jungen und Alten der Gemeinde, die laut mitsingen. Nicht zuletzt sehe ich den Priester, der ganz in Andacht versunken den Leib Christi durch das Dorf trägt, mitten in das Leben der Menschen.

… wo er will

Mit Pfingsten endet die Osterzeit. Sind wir mit dem Jahreskreis wieder im normalen Geschäft angelangt? Hier einige Nachbetrachtungen zum Heiligen Geist.

Ein ungewöhnliches Naturereignis, das sich vorher nicht angekündigt hat: Ein heftiges Brausen war zu hören und manche bemerkten etwas, das wie Zungen aus Feuer aussah. In Jerusalem hielten sich zu der Zeit viele Menschen aus ganz verschiedenen Ländern auf. Sie hörten einer Schar unbedeutender Männer zu und waren beeindruckt vom dem, was sie hörten. Was bewegt derart viele Menschen und was führt sie zusammen?

Das Pfingstereignis gilt als Beginn der Kirche, nicht weil es ein schönes religiöses Ereignis ist, in dem viele mal eine tolle Erfahrung machen. Nein. Das Pfingstereignis gilt als Beginn der Kirche, weil Menschen die Botschaft Jesu als an sich gerichtet erfahren, indem sie spüren, uns gilt die Zusage Gottes und wir sind verantwortlich das Werk Jesu weiterzuführen. Im Heiligen Geist nehmen wir als Menschen Anteil am Wirken Gottes, das sich in der Person Jesu Christi noch einmal verdichtet hat. Als Menschen nehmen wir Anteil am Schöpfungsauftrag Gottes, in dem wir verantwortlich für unsere Welt sind, wir nehmen Anteil an seiner Befreiungsgeschichte, indem wir gegen Unfreiheit und Ungerechtigkeit kämpfen, wir nehmen Anteil an seinem Erlösungsgeschehen, indem wir Menschen ihre Würde zurückgeben und mitbauen am Reich Gottes heute und hier.

Der „ungläubige“ Thomas

Heute zählt nur, was man zählen, was man sehen und anfassen kann. Dass es dennoch vielen Menschen gelingt andere zu täuschen, liegt an unserer Leichtgläubigkeit, wie schnell schenken wir dem Vertrauen, was sich in den Mantel der Seriösität hüllt. Wer kann heute schon noch einen Wahrheitsgehalt prüfen, wenn man sich eine Meinung sehr schnell ver B I L D en lassen kann. Oder schalt doch mal die Glotze an, da kommt es dir in bunten und prachtvollen Bildern entgegen. Träume werden bedient, sich auch mal wie eine Prinzessin zu fühlen oder wenigstens dabei zu sein, wenn eine Prinzessin „gemacht“ wird. Romantik gratis aus der Flimmerkiste.

An diesem Sonntag begegnen wir einem, der sich nicht so schnell abspeisen lässt, von dem, was andere Leute sagen. Auch für ihn zählt nur das, was er prüfen, anfassen und sehen kann. Und Jesus nimmt seine Zweifel ernst. Er lässt ihn gewähren, ja er sagt nicht: „Weil du an mir gezweifelt hast, fahr zur Hölle!“ Nein, das hat er auch nicht mit dem wankelmütigen Fels gemacht, der ihn drei Mal verleugnet hat, ihn zu kennen. Jesus weiß darum, wie schwer es ist, all das zu glauben, was es verkündet hat. Für uns Zweifler hat er einen Beistand gegeben, der uns in die Wahrheit einführen wird, die uns nicht eine verkürzte Sicht auf die  B I L D er  dieser Welt und des Himmelreiches geben möchte sondern die volle Wahrheit. Pur und ohne Geschmacksverstärker, vermischt mit Bitterkräutern, süßem Wein, gebratenem Fisch und Fladenbrot.

„Der Friede sei mit euch!“

Osterlachen

Liebe Gemeinde,

nein, keine Angst, meine Osterpredigt veröffentliche ich hier nicht. Aber dennoch komme ich nicht umher, mein Lieblingsthema an Ostern anzuschneiden: das Lachen. Ha, ha, – werden einige meinen -, das geht weiter: Ha…lleluja. Und da müsste noch irgendwas ernstes folgen, wie: Surrexit dominus vere. Eben in dieser toten Sprache. Das klingt dann auch gleich sakraler. Aber lassen wir das…

Das Mittelalter wird oft in düsteren Farben gemalt. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass es so weit weg ist, wie die Landung von Armstrong auf dem Mond. Und da vermuten ja viele, dass das auch ein Fake war. Dennoch waren die Menschen an Ostern „erlöster“. Zumindest haben sie es damals so empfunden. In unserer heutigen Zeit schauen die Menschen drein, als gäbe es keine Erlösung. Es zählt immer nur das, was man sieht und das sieht manchmal gar nicht so gut aus.

Das Osterlachen ist ein alter Brauch, der erst heute langsam wiederentdeckt wird. Auch wenn er im Mittelalter ausartete: Pfarrer, die gackern wie Hennen, Grimassen schneiden oder Witze erzählen: Das war jedenfalls zu Ostern keine Seltenheit. Die Kanzel wurde zur Bühne. Alles war erlaubt, was die Gläubigen zum Lachen brachte: Christus ist auferstanden, der Teufel hat nichts mehr zu Lachen, die Erlösten umso mehr.

Im 16. und 17. Jahrhundert wurde das Osterlachen verboten: Zu klamaukhaft schien es den Kirchenherren. Lachen töte die Furcht, so sagt es schon der alte Horge in „Der Name der Rose„. Damals dachte man, wenn es keine Furcht mehr gibt, wird es keinen Glauben mehr geben. Wenn über alles gelacht wird, dann am Ende auch über Gott?!

Heute wird das Osterlachen zu recht wiederentdeckt in vielen Gemeinden. Auch in evangelischen Kreisen. Der evangelische Theologe Karl Barth schreibt: „Ein Christ treibt dann gute Theologie, wenn er im Grunde immer fröhlich, ja mit Humor bei seiner Sache ist. Nur keine verdrießlichen Theologen! Nur keine langweiligen Theologen!“ Und so fordern Predigten in Versform und Witze dazu auf, sich selbst, die eigene Kirche und alles, was allzu wichtigtuerisch daherkommt, auch mal mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Das hört sich ein bisschen wie Karneval an Ostern an, hat aber eine ganz andere Intenstion [Red.: aufgrund eines Hinweises geändert].

"Möchte der Herr nicht lieber einen Einzeltisch? Oder wartet er auf jemanden?" Bild: © Gerhard Glück/Lappan Verlag

Und da ich kein Rheinländer bin und ich an Ostern und auch sonst nicht gerne schunkel, gebe ich nur ein paar kleine Anekdoten preis, die ich dieses Jahr den Leuten verzählt habe:

Ein rheinischer Bischof hat seinem Papagei beigebracht, ihn lautstark mit dem Ruf „Guten Morgen, Herr Bischof!“ zu begrüßen. Als er zum Kardinal ernannt wird, scheitern alle Versuche, dem Vogel das neue Wort beizubringen. Schließlich wird es dem Kardinal zu bunt, er legt seine Gewänder an, nimmt Mitra und Hirtenstab, um dem Papagei Ehrfurcht zu lehren. Verdutzt schaut der Vogel ihn an, legt den Kopf schief und ruft: „Kölle Alaaf!“

Die Ehefrau kommt vom Klassentreffen, das schon mittags begonnen hat, sehr, sehr spät nach Hause. Der Ehemann ist sauer und meint: »Willst du mir etwa erzählen, daß euer Treffen von heute Mittag bis jetzt gedauert hat?« – »Aber ja«, meint sie, »weißt du, jedes Mal, wenn eine gegangen ist, wurde so viel Negatives über sie erzählt, daß ich nicht gewagt habe, früher zu gehen!«

Aller guten Dinge sind drei:

Ein Missionar tauft einen sog. Heiden und sagt zu ihm: „Von nun an mein Sohn heißt Du nicht mehr Kevin, sondern Paul. Paul, in Zukunft soll es Dir besser gehen und du sollst freitags von nun ab nur noch Fisch essen.“ Am darauffolgenden Freitag besucht der Missionar den Getauften und sieht ihn bei einem schönen Steak sitzen. „Paul, ich habe Dir doch gesagt, heute ist Freitag. Warum isst Du dann dieses Steak?“ „Vater“, antwortet der frisch Getaufte, „Paul hat Wasser genommen es über das Fleisch gegossen und gesagt: Von nun an sollst du nicht mehr Steak heißen, sondern Fisch.“ (Nicht nur für Köche unter den Bloggern.)

Amen. Halleluja.

„Frohlocket ihr Chöre der Engel“

Die Osternacht hat ihren eigenen Rhythmus. Aus der Versammlung der Leute um ein Feuer herum wird plötzlich etwas Neues. Eine große schwere Kerze wird vorangetragen in die dämmerig-düstere Kirche. Dabei erklingt eine Stimme: „Lumen Christi – Christus das Licht“, erst schwach und leise und dann antwortet die Versammlung: „Deo Gratias – Gott sei Dank“.

Ja, Gott sei dank. Es ist Christus, der sein Licht in die Dunkelheit der Kirche, in die Dunkelheit der Nacht, der Welt scheinen lässt. Rasch verteilt sich das Licht des Auferstandenen in der Runde. Wieder und wieder ertönt es: „Lumen Christi“. Und dann erschallt der Lobgesang dieser Osterkerze: „Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg. … O unfassbare Liebe …“

Es ist und bleibt ein Geheimnis, Mysterium, wann Christus auferstanden ist. Aber dass er auferstanden ist, glauben und bekennen wir, nicht erst in der Tauferneuerung sondern schon mit dem feierlichen Gloriagesang. Die Orgel braust auf und die Glocken ertönen in neuem Klang, so dass auch die, die nicht an Christus glauben, recht früh aus ihrem Schlaf gerissen werden – zumindest in der Umgebung der Kirche.

Mit dem alten Osterruf, der vor allem in der Ostkirche noch verbreitet ist, wünsche ich allen Christgläubigen ein fröhliches Osterfest: „Христóсъ воскрéсе! – Воистину воскрéсе!“ Christus ist auferstanden; er ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!