Hass und Liebe

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Die größte Schwäche der Gewalt liegt darin, daß sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu ver­ringern, vermehrt sie es.

Durch Gewalt kann man den Lügner ermorden; aber man kann weder die Lüge ermorden noch die Wahrheit aufrichten. Durch Gewalt kann man den Hasser ermorden, aber man tötet den Hass nicht.

Gewalt verstärkt nur den Hass. Das ist der Lauf der Dinge. Gewalt mit Gewalt zu vergelten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht. Hass kann den Hass nicht vertreiben; das kann nur die Liebe.

Martin Luther King

Drei Dinge

Drei Dinge sind es, auf denen die Welt beruht:
Das Gesetz,
der Gottesdienst,
die Werke der Nächstenliebe.

Aus dem Talmud

Nikodemus kam in der Nacht – ein Kreuz mit dem Kreuz

Die Nacht, die Zeit der Finsternis, die Zeit des Bösen, des Sinistren, die Zeit in der Jesus mit dem Pharisäer Nikodemus über Kernfragen des Glaubens spricht. Hierzu habe ich im Artikel „Nikodemusgespräche“ und im Beitrag „Licht und Leben“ schon einige Gedanken verbreitet. Heute ist mir Joh 3,13-17 erneut in die Hände gefallen, ein Ausschnitt des Gespräches mit Nikodemus. Es ist die Perikope, die uns zum Fest Kreuzerhöhung (14. September) zugemutet wird.

“ Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“

Das Kreuz – das Zeichen, mit dem sich die Christen seit Jahrhunderten identifizieren. Ein Zeichen der Schande – ein Zeichen der Erlösung und des Heils. Ein Zeichen, das verehrt wird, weil Jesus aus Liebe zu den Menschen daran den menschlichen Tod erlitten hat und deshalb zum Heiland/ Messias/ Erlöser und Retter der ganzen Schöpfung geworden ist. Ein Zeichen das verboten und verworfen wird, auch und besonders in unserer a(nti)-religiösen Gesellschaft.

KreuzHülfensberg2Radikale Atheisten (und darunter sind mehr und mehr ehemalige Christen) fordern ja schon lange die Abschaffung dieses Zeichens, nicht ganz zu Unrecht. Im Namen des Kreuzes wurden schon viele Kriege geführt, wurde statt Erlösung Schwert und Tod gebracht.

Das man etwas missbrauchen kann, was eigentlich Gutes bewirken soll, ist aber keine christliche „Erfindung“. Auch im Namen der Freiheit und Wissenschaft wurden schon Erfindungen dazu missbraucht, ganze Städte in Sekunden dem Erdboden gleich zu machen und Tausende einem sicheren, schleichenden Tod zu überliefern. Römer, Griechen und Perser kann man in unseren Tagen wieder im Kino sehen, wie sie alles niedermetzeln, was ihnen in den Weg läuft. Dazu werden noch die alten Götter der damaligen Welt mit ins Spiel gebracht.

Aber sollte man ernsthaft die Abschaffung des Kreuzes – wenn auch nur in der politischen Welt – erwägen, so müsste man im Zuge der Gleichbehandlung alle Symbole verbieten. Unsere Welt ist voller Symbole. Alles und jedes kann zum Symbol werden. Die Frage ist, was wir damit verbinden und was ein Menschen, der bewusst ein Symbol setzt, damit zum Ausdruck bringen will.

Es bleibt also immer ein Kreuz mit dem Kreuz. Lange haben die Christen sich gescheut das Kreuz als Symbol ihres Glaubens zu nehmen. Die früheste Kreuzesdarstellung ist ein Graffito aus dem zweiten Jahrhundert. Es zeigt einen Mann, der einen anderen Mann mit Eselskopf am Kreuz anbetet. Darunter steht „Alexamenos betet seinen Gott an“.

Durch viele Jahrhunderte wurde das Kreuz ohne den Körper Christi dargestellt, oft mit Edelsteinen besetzt. Das älteste erhaltene monumentale Kruzifix, so nennt man Kreuzesdarstellungen mit dem Körper Jesu, stammt aus dem 10. Jahrhundert.

Für mich ist das Kreuz ein Symbol für die Bedrohungen, denen ich gegenüberstehe, die ich oftmals nicht persönlich abwenden kann; ein Symbol für alle Grausamkeit, die Menschen einander antun können und gegenwärtig antun in der Ukraine, im Irak, in Syrien, in Afrika – oft unter Missbrauch des Namens und der Botschaft Gottes.

Immer wenn ich auf das Kreuz in unserer Kirche schaue, bete ich, dass ich trotz allem Leid, dem ich ohnmächtig gegenüberstehe, mein Vertrauen in einen guten und barmherzigen Schöpfergott nicht verliere. Von ihm erbitte ich die Kraft, auf Hass eben nicht mit Hass zu antworten, die Spirale des Bösen zu durchbrechen. Und eben – bildhaft gesprochen – Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden. Ihm überlasse ich das Gericht über alle Gewalttäter, die menschliche Gerichte nicht erreichen. Von ihm erhoffe ich mir neues Leben, wo das Leben in der uns bekannten Form am Ende ist.

In diesem Sinne ist es heilsam und gut, wenn ich dem Zeichen des Kreuzes begegne: im religiösen Leben, in der Kunst, im öffentlichen Raum. Allen, die daran Anstoß nehmen, wünsche ich, dass sie Menschen treffen, die ihnen erzählen können, was es ihnen bedeutet und welche Hoffnung sie damit verbinden.

Die andere Wange hinhalten

Eh, bist du bescheuert, wer macht denn so was. Wenn ich einen drauf kriege, dann fliegen aber die Fetzen. Dann kann der Sportsfreund, der mich angegriffen hat, aber was erleben, wo der Hammer hängt oder …? Nebenbei bemerkt ist es eine besondere Beleidigung und Erniedrigung, wenn mich ein Rechtshänder, welches die meisten Leute ja sind, auf die  r e c h t e  Wange schlägt, also mit dem Handrücken der rechten Hand. Das ist kein einfaches Watschen, wie die Bayern sagen würden. Da zieht jemand in die andere Richtung durch, um ganz konkret seine Machtposition zu demonstrieren.

Und da soll ich mich nicht wehren; da soll ich nur wie ein Depp stehenbleiben und vielleicht noch als solcher mein Gegenüber anlächeln. Ist Jesus da nicht sehr weltfremd mit seiner Forderung: „Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ Auch wenn damit eher private, scheinbar illusorische Verhaltensmaßnahmen gemeint sind und keine politischen Regeln für Staaten und Regierungen, haben sie dennoch politische Auswirkungen. Nur da wo wir als Menschen die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrechen, kann wieder etwas Menschliches hervor gebracht werden. Solange Menschen nicht aufeinander zugehen, werden Waffen sicherlich keinen Frieden schaffen, sei es in Afghanistan, im Sudan oder in der Ukraine.

Und ich habe in der vergangenen Woche voll Sorge in die Ukraine geblickt. Die Menschen dort haben den Weg der Gewalt gewählt. Einen Weg, der sie auch in Zukunft noch beschäftigen wird, wenn die Ukraine denn jemals geeint einen Weg (nach Europa, nach Russland??) gehen sollte.

Auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan lieferten sich in der vergangenen Woche Sicherheitskräfte und Regierungsgegner schwere Straßenschlachten. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Blendgranaten ein. Demonstranten schossen mit Feuerwerkskörpern und versuchten, die Sicherheitskräfte mit starken Laserpointern zu blenden. Scharfschützen ermordeten gezielt Demonstranten. Im Zentrum von Kiew brannte es an vielen Stellen. Steine aber auch andere Waffen in den Händen der Demonstranten. Vertreter der Kirche mittendrin.

Das erinnert mich an die Ereignisse hier im Osten Deutschlands vor nicht allzu langer Zeit: Am 9. Oktober 1989 war das Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche Ausgangspunkt der friedlichen Demonstration von 70.000 Menschen. Kein Mensch wusste an diesem Abend, ob geschossen wird oder nicht. Erst wenige Monate zuvor hatte das chinesische Militär auf dem Platz des Himmlischen Friedens einen Volksaufstand und die Demokratiebewegung der Studenten mit Waffengewalt niedergeschlagen.
In Leipzig 1989 richtete der Ruf Zehntausender: „Keine Gewalt“ sich gegen das massive Aufgebot der Sicherheitskräfte aber auch an die Demonstranten.

Die Gewaltlosigkeit, zu der die Christen durch die Botschaft von Jesus aufgefordert sind, soll mit auf die Straßen und Plätze genommen werden, so die Forderung damals. Und Kerzen und Gebete haben letztendlich die Planung der Stasi durcheinander gebracht. Warum vergessen die Menschen, dass sich auch ohne Gewalt etwas bewegt, dass man den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen kann. Das fängt schon in der eigenen Familie an und nicht erst vor der Haustür.

Vergessen wir Mahatma Gandhi nicht, der einmal gesagt hat: „Ich lehne Gewalt ab, weil das Gute, das sie zu bewirken scheint, nicht lange anhält; dagegen ist das Schlechte, das sie bewirkt, von Dauer.“

Bin ich ein Christ …

…, wenn ich nicht jeden Sonntag in die Kirche gehe? …, wenn ich nicht regelmäßig faste? …, wenn ich nicht in allen Punkten der Sexualmoral der Kirche folge? …

Dies ist eigentlich ein Kommentar zum Artikel: „Meine 5 Cent zu zu den ersten Umfrageergebnissen in Vorbereitung auf die vatikanische Synode zu Ehe und Familie„. Aber ich bin mir nicht sicher, ob diese nervige Identitätsabfrage von Blogger meinen Kommentar nicht evtl. gelöscht hat, grrrrrrrr …. (es ist doch zum Verrücktwerden; wordpress ist da viel einfacher). Weil es aber ein wichtiges Thema ist, verblogge ich es einfach selber 😉 [Ist es denn zuviel verlangt, wenn zumindest die Info erscheint, dass dieser Kommentar sich in Moderation befindet. Mittlerweile ist der Kommentar freigegeben.]

Es gibt sowohl im Islam als auch im Christentum Menschen, die ihren Glauben streng nach dem Koran, der Bibel bzw. dem Katechismus leben. Es gibt aber auch in allen Religionen Menschen, die nicht so genau ihren Glauben beobachten, sich aber trotzdem als gläubige Menschen bezeichnen würden.

Wer will da Richter sein? Das eigene Gewissen und Gott am Jüngsten Tag werden richten. Die Goldene Regel, die zehn Gebote, die Werke der Barmherzigkeit sind den Christen nicht nur zur Betrachtung sondern auch zur Gewissensbildung gegeben. Darüberhinaus sollte das ganze Leben Jesu Richtschnur für das Leben jedes Christen sein. Nachfolge Jesu bedeutet nicht die strikte Einhaltung der kirchlichen Gebote (Sonntags-Freitags-Fastengebote etc.,s. Katechismus). Wichtig ist die innere Einstellung, dass ich das, was ich vom Evangelium verstanden habe, in meinem Leben sichtbar umsetze.
Im übrigen gilt: Seid barmherzig, wie es auch euer Vater im Himmel ist (vgl. Lk 6,36).

Staunen – Thaumazein

staunen2Kann man Staunen lernen? Manchmal wünschte ich mir, ich würde mehr über dieses und jenes staunen, einfach verwundert sein über etwas Unerwartetes, etwas Nichtalltägliches, welches plötzlich sich ohne Ankündigung in meinem Leben ereignet. Aber diese Momente werden je älter ich werde um so seltener. Gut das es da das Internet gibt. Da gibt es noch vieles, was mich manchmal noch zum Staunen bringt.

Kinder können das. Überraschung ist kein Fremdwort für sie. Neidvoll aber auch freudig beobachten Erwachsene diese Kinder an Weihnachten oder zum Geburtstag, wenn es Geschenke gibt. Manch einer eben nur in diesen Momenten.

Platon bezeichnet Thaumazein als Anfang aller Philosophie: „Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.“ (Platon, Theaitetos) In der Philosophie wird das Thaumazein als eine über die „bloße Meinung“ (doxa) hinausgehende erstaunliche, bisher unberücksichtigt gebliebende und wahrhaft neue Wahrheit (alétheia) angesehen. Das Staunen wird derart gewürdigt, dass es letztendlich das Streben nach Wissen befördert und somit der Anfang und Motor aller Wissenschaft ist.

Deshalb sollte man in der Schule eigentlich mehr das Staunen lernen. Statt dessen wird den Kindern versucht Mathematik, Geographie, Physik, Chemie, Biologie, Religion und mancherlei Sprachengedöns einzutrichtern, so dass schon Seneca entnervt ausrief: „Non vitae sed scholae discimus.“ (Nicht für das Leben sondern für die Schule lernen wir.) Wenn mich nicht alles täuscht, beklagt er den gleichen Mangel.

Worüber kann ich staunen: Über einen Specht, der mitten in der Stadt einen Baum anpickt. Über die unendliche Weite des Sternenhimmels. Über den Duft einer frisch gemähten Wiese in den Alpen. [Zugegeben: Allergiker würden letzeres anders beurteilen.] Über ein Bild, das ein Kind gemalt hat. Über … Ja manchmal staune ich über das Wunder des Lebens, wenn so ein kleiner Erdenbürger über das Taufbecken gehalten wird. Und das wiederum lässt mich staunen über das unverdiente Geschenk des Glaubens.

Worüber können sie noch staunen, liebe Gemeinde? Schreibt doch mal etwas in die Kommentare.

Drei und doch eins

Wir glauben an einen dreifaltigen Gott – drei Personen und dennoch eins. Im Laufe der Geschichte hat er sich in unterschiedlicher Weise den Menschen gezeigt, dennoch verehren wir nur einen einzigen und einzigartigen Gott.

Zugleich ist Gott den Menschen als ein persönlicher Gott begegnet, als ein Du, von dem wir glauben, dass er uns persönlich liebt und dass ihm persönlich an einem jeden von uns liegt.

In der Heiligen Messe, so glauben wir, tritt uns dieser Gott gegenüber, redet uns an, teilt sich mit, isst mit uns und gibt sich uns zur Speise. Für mich ist das Fest der Heiligsten Dreifaltigkeit eine tiefe Verneigung vor dem unfassbaren Geheimnis Gott.

Muttertag

Wieder so ein Tag der Floristen, der vor ein paar Minuten zu Ende gegangen ist. Und es ist auch tatsächlich der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber, der 1922/23 diesen Tag in Deutschland ins Leben gerufen hat; dieser veröffentlichte ein Plakat „Ehret die Mutter“. Anfangs war dies eine unpolitische Veranstaltung. Der Nationalsozialismus vereinnahmte diese Feier für seine Rassenpolitik. Er wurde wird die Idee der „germanischen Herrenrasse“ verknüpft.

Die Ursprünge des Muttertags liegen jedoch in der amerikanischen Frauenbewegung. 1865 versuchte Ann Maria Reeves Jarwis eine Mütterbewegung namens Mothers Friendships Day zu gründen. Sie organisierte Meetings, auf denen sich Mütter zu aktuellen Fragen austauschen konnten. Die lange Anfangsgeschichte wurde 1914 offiziell. In diesem Jahr wurde der Muttertag zum ersten Mal als nationaler Feiertag in den USA begangen.

Noch vor der Gründung der Bundesrepublik wurde am 8. Mai 1949 in den drei westdeutschen Besatzungszonen zum ersten Mal der Muttertag gefeiert. Der Muttertag ist kein gesetzlicher Feiertag. er basiert auf Übereinkünften von Wirtschaftsverbänden, insbesondere auf den Vereinbarungen der Floristenverbände. Nach langem hin und her der Diskussion um einen verkaufsoffenen Tag, wurde der Muttertag 2008 ganz regulär am zweiten Maisonntag gefeiert, auch wenn viele Kalender fälschlicherweise den 4. Mai angegeben haben. In den USA sind die Aufwendungen für den Muttertag ähnlich wie zu Weihnachten. Teure Geschenke sind dort keine Seltenheit. In Deutschland beschränkt sich dies jedoch auf Süßigkeiten oder Blumen oder mal lecker essen gehen. Für den Muttertag werden im Blumenhandel die größten Umsätze (nach dem Valentinstag) erzielt. In der DDR wurde der Muttertag offiziell nicht begangen, stattdessen wurde der Internationale Frauentag am 8. März gefeiert.

Allen Müttern an dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch. Gäbe es nicht immer wieder Frauen die bereit sind, Kindern das Leben zu schenken und sich um ihr Aufwachsen unter Aufopferung der Selbstverwirklichung und vieler anderer Opfer bemühen, würde die Menschheit schon ausgestorben sein. Daher verdanken wir unseren Müttern besonders auch die Liebe, mit der wir in dieser Welt leben können. Auch wenn der Muttertag ein Gedenktag ist, der durch eine Frauenbewegung ins Leben gerufen wurde, illustriert er besonders gut das Gebot Gottes: „Du sollst Vater und Mutter ehren“. Du sollst sie auch ehren und respektieren, wenn dieser Tag zu Ende gegangen ist, alle Torten gegessen und die Blumen verwelkt. Und du sollst nicht zu sehr klagen, dass dieser Tag so kommerzialisiert wird. Weihnachten können wir aus diesen Gründen auch nicht abschaffen, selbst wenn viele eher an den Weihnachtsmann glauben und das Christkind für seinen Gehilfen halten.

Bei Bachmichels finden sich zwei schöne Beiträge zu diesem Tag, guckst du hier und auch hier. Und es darf auch gelacht werden:

Epiphanie – Erscheinung des Herrn

Oder wie man dieses Fest traditionell im deutschen Sprachraum nennt: Heilige Drei Könige (Dreikönigstag). Aber gerade das waren die Weisen aus dem Morgenland nicht. Wer diese legendären Geschenkebringer wirklich waren können wir nicht sagen. Dennoch ist es eine gute Tradition, dass an diesem Tag (oder im Dunstkreis) Sternsinger umherziehen und mehr oder weniger singen, vor allem aber Spenden einsammeln. Geld für andere Kinder. Auf der Seite: Sternsinger.org findest du alle Informationen zur diesjährigen Aktion: Projekte aber auch liturgische Bausteine für die Aussendundungs- oder/und Einholungsgottesdienste usw. Im Übrigen: Achtet auf die von der Pfarrei gestempelten und vom Pfarrer unterschriebenen Sammelausweise, wenn ihr die Truppe nicht kennt. Es sind leider auch einige Scharlatane unter den Sternsingegruppen, die sich ihr Taschengeld pimpen wollen.

Zum heutigen Evangelium: Da hören wir diese ganze Geschichte von den Magiern, die hier im deutschen Sprachraum, der lateinischen Tradition folgend, als drei gezählt und die Namen Kaspar, Melchior und Balthasar erhalten haben. Die Einheitsübersetzung nennt sie „Sterndeuter aus dem Osten“. Im griechischen Original steht dort: „Μάγοι ἀπό ἀνατολών (Magier aus dem Osten)“. Da übersetzt Luther: „Weise aus dem Morgenland“. Wen man auch immer hinter dieser Gruppe suchender Menschen vermutet: Sie haben sich auf den Weg gemacht. Einen neuen Stern haben sie beobachtet, der ihnen den Weg nach Jerusalem gewiesen hat. Es wird ausdrücklich gesagt, dass es der persönliche Stern des neugeborenen Königs der Juden sei. Etwas Besonderes, Einzigartiges, weshalb sie sich auf den Weg gemacht haben, um ihn zu ehren.

„Huldigen“ – ein altes Wort, das heute nicht mehr en vouge ist, und das zu recht. Ich huldige doch niemandem, wem sollte ich auch huldigen: der Bundeskanzlerin? Dem König von Deutschland? Wer immer das mal gesungen hat? Eine Huldigung war im Mittelalter ein Lehnsversprechen, ein Treueschwur. Zur Zeit Jesu war das ähnlich; im Urtext lesen wir: „προσκυνησαι“ (Mt 2,2). Proskynese war eine Geste der Anbetung, Unterwerfung und Ehrerbietung, die im ganzen Alten Orient gepflegt wurde. Ich erinnere aber auch an solche Schwüre, die zu DDR-Zeiten recht viele als Huldigung in der Jugendweihe geleistet haben, den Treueschwur auf den sozialistischen Staat DDR, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Atheismus mit allen Mitteln zu verbreiten und Religion in jeder vor allem aber kirchlicher Form zu unterdrücken.

Jemanden die Ehre erweisen, hat etwas mit Respekt zu tun. Und gehört zur Huldigung und Anbetung dazu. Jesus, dem Herrn der Welt, Gottes Sohn, Alpha und Omega, vor aller Zeit seiend, in die Zeit geboren und in Ewigkeit mit dem Vater und dem Heiligen Geist herrschend. Dem sollen wir huldigen. Wir stehen in seiner Nachfolge, sind seine Gefolgschaft. Ihm haben wir uns verschworen, wenn man so will. „Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es …“ (1Joh 3,1) Durch die Magier aus dem Osten wurde der Welt der neue König kundgetan. Deshalb feiern wir „Epiphanie“, Erscheinung des Herrn. „Epiphania“ – auch ein altes griechisches Wort – bedeutet mehr als das bloße Sichtbarwerden, Erkennbarwerden. Gott ist in Jesus dieser Welt erschienen und die ganze damalige Welt (in den drei Magiern verkörpert) kommt zu diesem Gotteskind, um ihn als Gottes Sohn zu bekennen. So sollen auch wir uns ein Beispiel nehmen und unser ganzen Leben auf dieses göttliche Kind ausrichten, ihm uns weihen, allein ihn anbeten und huldigen.

Christkönig Halleluja

In zwei schönen Liedern breitet das „Gotteslob“ aus, was uns dieses Fest am Ende des Kirchenjahres sagen will.

Der König auf der Rast, die Dornenkrone tragend

A) GL 560 „Gelobt seist du, Herr Jesu Christ“

1. Gelobt seist du, Herr Jesu Christ,
ein König aller Ehren;
dein Reich ohn alle Grenzen ist,
ohn Ende muß es währen.
Christkönig, Halleluja, Halleluja.

2. Das All durchtönt ein mächtger Ruf:
„Christ A und O der Welten!“
Das Wort, das sie zu Anfang schuf,
wird bis ans Ende gelten.
Christkönig, Halleluja, Halleluja.

3. Auch jeder Menschenseele Los
fällt, Herr, von deinen Händen,
und was da birgt der Zeiten Schoß,
du lenkst es aller Enden.
Christkönig, Halleluja, Halleluja.

4. O sei uns nah mit deinem Licht,
mit deiner reichen Gnade,
und wenn du kommst zu dem Gericht,
Christ, in dein Reich uns lade.
Christkönig, Halleluja, Halleluja.

Wie das Christkönigsfest selbst ist dieses Lied relativ jung. 1928 entstand es, nur drei Jahre nach Einführung des Festes zur 1600-Jahr-Feier des Konzils von Nicäa 325 von Papst Pius XI. Der heutige Termin am Kirchenjahresende war jedoch nicht der ursprüngliche. Vor der Liturgiereform durch das II. Vatikanische Konzil wurde das Fest am letzten Sonntag im Oktober gefeiert.

Der originäre Charakter der Festes war geprägt durch den Zerfall der Königsherrschaften in Europa. Christus als der wahre Herrscher der Zeiten sollte den Gläubigen vor Augen gestellt werden. Durch die Liturgiereform rückte der wiederkehrende Christus und eschatologische Motive mehr in den Mittelpunkt. Das verbindet uns auch näher mit den protestantischen Kirchen im deutschsprachigen Raum, die nicht wie die die dem englischsprachigen Revised Common Lectionary folgend, den Christkönigssonntag in ihren liturgischen Kalender übernommen haben.

Ich finde dieses Lied sehr schön, weil es im Gegensatz zu anderen Christkönigsliedern keinen triumphalistischen Überschwang in sich trägt, sondern biblische Aussagen. Christus ist Herr über die Zeit und über jedes Menschenleben. Sein ist auch die Ewigkeit. Alpha und Omega. Vieles erinnert sehr stark an die Liturgie der Osternacht insbesondere an das Exultet. Das ganze Lied mündet letztendlich in die Bitte um seine Nähe, um sein Licht, um seine Gnade und um die Aufnahme und Teilhabe an seinem kommenden Reich.

Christus, der Narr - König der Juden (Roland Peter Litzenburger)

B) GL 553 „Du König auf dem Kreuzesthron“

1. Du König auf dem Kreuzesthron,
Herr Jesus Christus, Gottes Sohn:
dein Herz, verwundet und betrübt,
hat uns bis in den Tod geliebt.

2. Die dich verworfen und verhöhnt,
hast du geheiligt und versöhnt;
im Tod hast du, o Schmerzensmann,
dein göttlich Herz uns aufgetan.

3. O Quell, der unser Leben nährt,
o Herz, das sich für uns verzehrt,
schließ uns in deine Liebe ein
und laß uns immer bei dir sein.

Eigentlich ist es ein Herz-Jesu-Lied, aber hier kommt meiner Meinung nach sehr gut zum Ausdruck, was uns das Fest wie auch die Herz-Jesu-Frömmigkeit heute noch sagen können.

Nicht wie die Herrscher dieser Welt, sondern wie der Schöpfer, der sich in unendlicher Liebe für seine Schöpfung opfert. Der qualvolle Tod Jesu ist ein wahrhaft königlicher Liebesbeweis. Und mehr noch: Versöhnung und Verzeihung ist uns im Kreuz gegeben. Da betet Jesus damals wie heute: „Herr, vergib ihnen, den  sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk23,34) Seine Liebe geht über den Tod hinaus und ist offen für alle, die ihn mit aufrichtigen Herzen suchen.

Für den einen ist es Torheit und Narretei, für uns Christen ist es Zuflucht und ein Zuhause für das rastlose Menschenherz: Jesus Christus. Sein geöffnetes Herz ist uns Quelle der Sakramente, eine Quelle der Gnade für Sünder und Gerechte. In dieser Liebe sind wir und bewegen wir uns, das bedeutet: Wir sind dazu aufgefordert, diese Liebe weiterzugeben und so am Königreich Gottes mitzubauen, das hier in unserer zerrissenen Welt schon begonnen hat.

Konsum oder die Götter des Kapitalismus

Was würde Jesus machen, wenn er in einen Supermarkt geht? So oder ähnlich stellt sich Jobo72 die Frage, wenn er das Evangelium: Joh 2,15-16) betrachtet (Tempel und Markt). In Anlehnung an das Buch: „Herbergsuche. Auf dem Weg zu einer christlichen Identität in der modernen Kultur“ von Jozef Niewiadomski habe ich eine kleine Predigtreihe begonnen.

Einige Gedanken vorab. Ansonsten gilt das gesprochene Wort.

Betrachten wir doch einmal, wie ein solcher Gottesdienst im Tempel des Marktes und Konsums aussieht: Da öffnen sich die Türen. Und in vielen Supermärkten geschieht das automatisch, ohne eigenes Zutun. Das ist schon ein großer Unterschied zum Betreten einer Kirche, in der ich selbstständig die Tür öffnen muss. Oder aber jemand anderes, der vor mir die Tür geöffnet hat. Meist bleibt sie dann auch während des ganzen Gottesdienstes geöffnet, denn der letzte war der höflichen Meinung, nach ihm käme noch jemand und es wäre gut, wenn er nicht die schwere Tür öffnen müsste. So kommt es vor, dass diese auch im Winter für eine frostige Atmosphäre unter den Gläubigen sorgt. Aber wieder zurück zur Liturgie des Supermarktes:

Ich nehme meinen Pfand erworbenen Einkaufswagen und betrete die hell erleuchtete Halle und schaue mir die heutige liturgische Ordnung an, die auf Hochglanzpapier näher die Highlights der Liturgie präsentiert: die Sonderangebote der Woche. So hasste ich mehr oder weniger schnell vom Regal zu Regal und mein Wagen füllt sich mit Dingen, die eigentlich gar nicht auf meiner Einkaufsliste stehen, die aber im Gloria und Credo des Marktes aufgelistet sind und mir ihre Befriedigung meiner Bedürfnissen versprechen. Die Liturgie näherte sich ihrem Höhepunkt und gleichzeitig ihrem Ende: mit prall gefülltem Einkaufskorb warte ich an der Kasse und meditiere ein wenig über die Waren der anderen und des noch potenten Portmonees. Und wenn ich denn offengelegt habe, was mein Begehren ist, indem ich alle Waren aus meinem Korb auf das Band gelegt habe, und wenn mich dann die Kassiererin nach meinem „Amen“ fragt: „Waren sie zufrieden mit ihrem Einkauf?“ Dann zücke ich meine ec-Karte und vollende brav die Kommunion mit der Eingabe meiner Geheimnummer. Sind die Waren im Auto verstaut, bringe ich den Einkaufswagen zurück und erhalte den Pfand, dann kann ich zufrieden sein, dem heutigen Markt ausreichend gehuldigt zu haben. Dann fahre ich die schlussendlich nach Hause und hoffe, dass die Familie zufrieden ist und meine Frau den Kasten Bier nicht sogleich entdeckt.

Wie sieht das aber jetzt mit der Liturgie in der Kirche aus? Ich komme in einen großen schwach erleuchteten Raum, denn außer den Kerzen hat der Küster nur wenige Lampen angemacht. Und ich seufze wieder innerlich und denke nur: vielleicht ist es ja nicht nur der Sparzwang des Pfarrers, es kann ja sein, dass es eine neue liturgische Bewegung gibt: zurück zum Schummerlicht der Katakomben. Dann setzte ich mich in eine Bankreihe möglichst weit hinten und meditiere ein wenig über den leeren Bänke vor mir: wo denn die ganzen Leute sind und dass die Kirche ja eh immer leerer wird.

Dann ertönt plötzlich eine Glocke, ohrenbetäubender Lärm setzt ein. Meine Nachbarin trötet mir voller Inbrunst: “Ein Haus voll Glorie schauet” ins Ohr. Dem Küster ist eingefallen, dass es da noch einige Lichtschalter gibt. Und vorne, wo der Priester gerade an den Altar tritt, wird es ein bisschen heller. Dann ist das Lied zu Ende und der Priester erzählt mir den Ablauf der heutigen Liturgie, indem er schon einmal das Evangelium vorerzählt, was wir dann später hören werden. [Im übrigen ein wunderschöner Satz: ‚Im heutigen Evangelium hören wir …‘] Manchmal kann man sich auch wundern, dass eben doch nicht kommt, was angekündigt worden ist …

Nach dem Evangelium dann der erneute Absturz: “Im heutigen Evangelium haben wir gehört …” Hilft nichts, da kann man nur ein Nickerchen machen. Dann steuert die Liturgie unweigerlich ihrem Höhepunkt entgegen. Nur dass ich hier vor der Kommunion zur Kasse gebeten werde. Nach der Kommunion endlich ein wenig Stille. Nur den Organisten hört man polternd zur Orgel hasten. Dann trötet bereits meine Nachbarin mir wieder lautstark ins Ohr: “Rosenkranzkönigin, Mutter du Reine …” Der Pfarrer geht zum Altar und Kuss und Schluss. Alles strömt dem Ausgang entgegen und zerrt am Nachbarn. Wenn der nicht schnell genug ist: “Wollen sie in der Kirche übernachten?” Die Orgel explodiert gleich, wenn nicht vorher der Organist. Draußen: Frischluft!!! Hat man dann endlich heimatliche Gefilde erreicht: Erstmal ein Bier, falls die Frau es nicht entdeckt hat.

Die Klugen und die Dummen

Das Evangelium des Sonntags (Mt 25,1-13), das man bei Alipius so schön nachlesen kann, gehört wirklich zu einem der interpretationsbedürftigsten Texte, die wir aus dem Sondergut des Evangelisten Matthäus lesen können. Und auch Alipius ist, meiner Meinung nach, in die Falle gegangen, wie viele andere Auslegungen auch: Es geht hier nicht vordergründig um Früchte (Werke), an denen die Christen erkannt werden können und sich so von „falschen Propheten“ unterscheiden. Alipius verdreht hier die Aussage sogar so, dass Jesus (der Bräutigam) die seiner würdig sind an den Früchten erkennt. Das ist nicht die  Intenstion [Red.: aufgrund eines Hinweises geändert] von Mt 7, 15-20. Und man kann deshalb diesen Spruch nicht als Überschrift oder Unterschrift des heutigen Evangeliums nehmen.

In einem Predigtvorschlag habe ich noch den Spruch gefunden: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“ Der ist aber noch mehr daneben, denn das Leben bestraft nicht. Wie sollte es auch, denn es ist ja keine Person.

Der Schluss der Erzählung wird allgemein als dessen Schlüssel angesehen: „Seid also wachsam, denn ihr kennt nicht den Tag und nicht die Stunde!“ (Mt 25, 13) Auch andere Texte im Neuen Testament beschäftigen sich mit dieser Forderung, wachsam zu sein angesichts der Naherwartung der Parusie: Mt 24,42-44 noch Mk 13,34-37; Lk 12,37; 1Thess 5,6; Offb 16,15. Da ist von Metaphern die Rede, wie etwa: nicht zulassen, dass der Dieb einbricht; nicht schlafen und die Pflicht vernachlässigen; nüchtern sein; angezogen bleiben, um sich nicht nackt eine Blöße zu geben. Jesus fordert von den Jünger, mit ihm zu wachen und zu beten (Mt 26,38 und 41).

Fragen bleiben offen bei den unterschiedlichsten Interpretationsversuchen: Reicht es nur „gute Werke“ zu tun? Ist nicht der Glaube grundlegender als die Werke? Was sind die Werke ohne die Liebe zu Gott und den Nächsten? Perikopen.de betont, dass man durch die Konzentration auf die Werke, die Intension des Matthäus aus den Augen verlieren kann: Er will den Christen der damaligen Zeit, seiner Gemeinde, aufzeigen, dass die Parusie sich hinzögern kann, dass es aber darauf ankommt, sein Handeln am Glauben und an der Liebe zu Gott und den Nächsten auszurichten. Und zwar so, dass man lange durchhalten und im Gericht bestehen kann. Und das bis heute. Es ist nicht nur Appell und Mahnung sondern Zuspruch: Wenn du dein ganzes Leben auf Gott ausrichtest und auf das, was Jesus getan hat, dann kannst du mit den Klugen in den Hochzeitssaal gelangen.

Über all dies darf aber nicht die Freude vergessen werden, die Freude über das zukünftige Hochzeitsmahl,  wie es Jesaja sagt und auch in Adventsliedern verarbeitet wurde:

„Nicht die Furcht vor dem Ausschluss, sondern der Wunsch, mit Christus in festlicher Freude vereint zu sein, ist die Triebkraft eines Lebens „im Angesicht der Parusie“. Ein Beispiel ist „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ von Philipp Nicolai (1556-1608) […] (Gotteslob 110; Evangelisches Gesangbuch 147). In eine ähnliche Richtung geht ein Hymnus von Laurentius Laurentii (1660-1722), der in der zweiten Strophe noch stärker das Moment der Freude betont. […]
The watcher on the mountain
Proclaim the bridegroom near;
Go forth as he approaches
With alleluias clear.
The marriage feast is waiting
The gates wide open stand.
Arise, O heirs of glory;
The bridegroom is at hand.

Link zur Auslegung bei perikopen.de