Traditionalistisch – Fundamentalistisch

Lange hatte ich folgenden Artikel im Köcher. Jetzt aber, wo alle Welt von den Leuten schwätzt, die sich funfamentalistischen Strömungen des Islam anschließen und sich radikalisieren – wobei die Frage bleibt, ob der IS überhaupt muslimisch ist – habe ich mir gedacht, kannst du ja auch mal über die Tradis/ Fundis in der Römisch-Katholischen Kirche palabern. Nach all der Zeit (zuletzt revidiert 18.11.2011) findet man sogar noch alle Links, auf die der Post verweist.

Wer hätte das gedacht: Gott versteht nur Latein. Ich wusste es immer. Alles andere ist „Geschwätz mit dem Nachbarn“. Wenn ich also in Deutsch zu Gott bete, dann versteht er mich gar nicht. Jetzt wird mir so manches klar: Wir brauchen die Messe des extraordinären Ritus, weil wir als muttersprachlich deutsche Katholiken gar nicht von Gott verstanden werden und deshalb in Form des Latein vor sich hermurmelnden Priesters einen Fürsprecher brauchen. Er ist ja als einzig wahrer und verständiger geweihter Christ in der Lage oder besser gesagt von Gott dazu auserwählt, meine Gebete zu transformieren.

Wem hält hier der Priester die Hostie entgegen und warum?

Manche Leute schnipseln sich die Videos so zurecht, wie sie es für ihre Propaganda brauchen. Siehe auch: Katholische Konterrevolution. Wirklich furchtbar ist das. Dabei heißt es doch: Du sollst nicht lügen. Ich frage mich, welches Kirchenbild hier vermittelt werden soll? Und die einzig brauchbare Antwort, die mir auch jeder normale Mensch geben wird, ist: Die Kirche steckt doch noch im Mittelalter. Fragen der Neuzeit werden als irrelevant und böse abgestempelt. DIALOG wird mit DIABOLOS gleichgesetzt. Der Weltsicht der Moderne und Postmoderne wird ein Katechismus entgegengehalten, der eine meterdicke Staubschicht aufweist.

Hier noch zwei Artikel, die ich für besonders durch den Wind halte: Kontinuität oder Bruch sowie Was heißt „die neue Messe anerkennen“. Und dabei muss ich der Ausdruckskraft meiner Meinung Einhalt gebieten. Nur soviel: In welcher Welt lebt der Verfasser? Gestern oder vorvorgestern? Ach nein, er meint die Piusbrüder! Das ist ja schon klar, dass die nicht in dieser Welt leben. Der Kosmos dieser Vereinigung dreht sich nur um das Eucharistieverständnis der Missa Tridentina.

Ich versteh‘ die Fundis nicht. Sie geben sich so kämpferisch für ein Kirchenbild, das in einer Zeit entstanden ist, in der die Welt am Abgrund stand: Nepotismus und Simonie waren in der Kirche an der Tagesordnung. Gegen diese und andere Missstände in der Kirche galt es eine klare Linie zu vertreten. Das hat das Tridentinische Konzil auch geschafft. Auch in der Priesterausbildung. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute stehen ganz andere Probleme auf der Tagesordnung, auf die die Traditionalisten keine verständliche und befriedigende Antwort haben.

[Hier doch eine Nebenbemerkung in der Revision: Die Welt steht auch heute an einem Abgrund. Auch der ist hausgemacht; betrifft aber weder den religiösen Diskurs noch innerkirchliche Missstände, sondern einen eher handfest existenziellen: der viel zu wenig beachtete Klimawandel mit all seinen leider nur all zu wahren Katastrophen- und Horrorszenarien.]

Abgrenzend von ihnen möchte ich mich als konservativ im positiven Sinne betrachten. Traditionell eingestellt – nämlich den Traditionen der Kirche insbesondere des II. Vatikanums mich verpflichtet fühlend. Dabei sehe ich das Konzil als kontinuierlich in der Reihe der Konzilien stehend an. Es gibt keinen Bruch in der Kirche, jedenfalls nicht durch das Konzil. Die Brüche in der Kirche sind anderer Natur. Das II. Vatikanum hat versucht Antworten zu finden auf die Erfordernisse der Zeit. Weil aber fundamentalistische Kräfte eine Weiterentwicklung der Ideen des Konzils verhindern, verlieren katholische Christen hier in Europa immer mehr an Ansehen. Atheistische „Bewegungen“ werden zunehmend radikaler und der Glaube scheint nicht nur in der römisch-katholischen Kirche zu verdunsten.

Nebenbei: Ich kann es nur als Satire auffassen, wenn Fundamentalisten in ihren Blogs darauf verweisen, dass sie zu den Aussagen des II. Vatikanums stehen würden. Irgendwie kann ich aber schlecht darüber lachen. Aber wahrscheinlich ist das so ein Fundi-Insider-Witz, haha. Tatsächlich entfernen sich viele Katholiken von den Lehrmeinungen des II. Vatikanischen Konzils. Statt dessen gehen sie einen Schritt zurück. Aus Angst vor den Unsicherheiten der Moderne und Postmoderne skandieren sie die Ausführungsbestimmungen des Tridentinischen Konzils, die in der Folge in entscheidender Weise zu Kirchenspaltungen beigetragen haben. Mangelnde Dialogbereitschaft war schon damals der Knackpunkt gewesen. Wäre es zu einem echten Disput zwischen Papst, Luther und Theologen gekommen, so sähe die katholische Welt heute anders aus. Warum soll die Kirche sich nicht weiterentwickeln? Weil das Tridentinum das Non-Plus-Ultra ist?

Viele Fundamentalisten meinen, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet. Da sind die Leute, die Handzettel verteilen gegen die Handkommunion. Wer jemals einen solchen Wisch gelesen hat, kann verstehen, weshalb die Fundamentalisten sich so oft folgender Wörter bedienen: Hölle, Teufel, Linke Theologen (was immer das sein mag – lach mir einen Ast, die Leute, die so etwas schreiben, wissen gar nichts vom real-existiert-habenden Sozialismus in der DDR, pah, und schimpfen auf alle, die „modernistische“ Äußerungen von sich geben – was immer das jetzt schon wieder sein mag) und häretisch und schismatisch. Seien wir mal ehrlich, wer verwendet diese Wörter heute noch im alltäglichen Sprachgebrauch. Die stereotype Antwort darauf kenn‘ ich schon: Deshalb sind sie nicht weniger wahr. „Quid est veritas?“ – Gott ist Wahrheit! Und ob Gott die Rubriken der Extraordinären Messe so gut kennt, wie manche Priester/ Laien oder ob er das Kirchenrecht so genau studiert hat, wage ich zu bezweifeln.

Naja, so viel dazu …

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Albertus Magnus: Religion und Wissenschaft

Am 15. November gedenkt der katholische Heiligenkalender des Hl. Bischofs und Kirchenlehrers Albertus Magnus. Er wird insbesondere von Theologiestudenten gefeiert. Albert der Große ist Patron der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Daher wird sein Tag seit langem schon besonders durch Gottesdienst und Festakademie und studentischen Aktionen besonders begangen. Die neue Homepage der Fakultät verschweigt uns allerdings dieses Fest auf den ersten Blick. Man muss schon sehr genau hinsehen. Erst unter dem Link „Nächste Veranstaltungen“ erlangt man nähere Informationen.

Albertus Magnus war nicht nur ein hervorragender Theologe, sondern auch Naturwissenschaftler. Als „doctor universalis“ steht er dafür, dass Glaube und Wissenschaft durchaus zusammen gehen können. Zeitlebens blieb er ein frommer Mensch und eifriger Beter. Er sollte auch heute ein Vorbild eines jeden Wissenschaftlers sein auf der Suche nach Wahrheit und Klarheit.

Parallele Realitäten

Gibt es denn so etwas? Da lebst du Jahre lang mit einem Menschen in einem Haus und musst plötzlich erkennen, dass dieser in einer anderen Welt lebt. Und es ist nicht nur ein goldener Käfig, es ist ein ganzes Universum, das er sich zurechtzimmern hat lassen.
Aber es ist müßig, sich in sein krankes Hirn einzugewöhnen. Nachher wird man noch genau so wie er. Sicher: Was die Zukunft bringt, kann man nie so eindeutig steuern oder voraussehen, aber man kann sich vor den Versuchungen fernhalten.

1. Versuchung: Alles dreht sich um mich. Ich bin der Mittelpunkt der Welt. Aus diesem Blickwinkel betrachte ich die Anderen und Alles, was geschieht. „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ (Mt 4,5) Das hat auch Jesus abgelehnt, obwohl er Gottes Sohn ist.

2. Versuchung: Was ich sage, ist Gesetz. Ich bin hier der Chef und lasse das die Anderen auch spüren. Worte sind nur dazu da, dass ich sie mir zurechtbiege, ob sie nun falsch sind oder nicht. „Jesus aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,4) Damit macht er eindeutig klar, wer das Gesetz ist.

3. Versuchung: Erniedrigungen und Beleidigungen darf nur ich ausstoßen, denn ich bin zutiefst verletzt und gehe über Leichen. Ich bin ein moderner Mensch. In der kapitalistischen Welt von heute zählt nur, was man zählen kann und mein Ellenbogen. Und Satan sprach: “ Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.“ (Mt 4,9.10)

Sieben Wochen ohne

Anfänglich war diese Aktion mal richtig gut. Aber dieses Jahr haben die Macher sich mit dem Zentrum für evangelische Predigtkultur zusammengetan. Ein Kommentator zu dem Artikel: „Fastenzeit: Pfarrer sollen nicht über Gott predigen“ auf evangelisch.de beschreibt das ziemlich passend: Der Feind in den eigenen Reihen!!!

Und darum geht es: Sieben Wochen ohne große Worte. Die Idee, die dahinter steckt, ist auf den ersten Blick interessant und verlockend. Wenn man aber einen Funken Verstand hat, merkt man, dass dieses Ansinnen unchristlich, synkretistisch und spalterisch ist. Nicht nur die ersten Märtyrer drehen sich im Grabe um, auch Martin Luther würde gegen solchen Unsinn auf’s schärfste sein Wort von der Kanzel schallen lassen.

Und dem Geschäftsführer der Aktion Arnd Brummer würde er sicher eins auf’s Maul hauen. Und ihn achtkantig aus seiner Kirche werfen – eigenhändig! Der entblödet sich und schreibt in seinem Leitartikel zur diesjährigen Aktion: „Wir wünschen Ihnen dafür Entdeckergeist, Ketzermut und viel Freude an eigenen Denk-Abenteuern!“ [Hervorhebung d. Red.]

Die Formulierung: „Der Feind in den eigenen Reihen“ trifft irgendwie ins Schwarze. Ein anderer Kommentator schreibt: „Toll, was für eine großartige, hippe Idee mal wieder… -.- Wie nennt sich die Kirche denn wohl in diesen sieben „glorreichen“ Wochen? Evangelisch geht ja nicht mehr, denn „Evangelium“ ist ja sicher auch so ein viel zu kompliziertes Wort 😉 Vielleicht würde es „leer, aber trendy“ ganz gut treffen…?“

Wollen die Macher von „Sieben Wochen ohne große Worte“ die Leute für Christus gewinnen und seine Botschaft unter die Leute bringen? Oder die verbliebenen Christen aus der Kirche treiben? Es wäre sinnvoller in den Wochen der Fastenzeit über den Sinn derselben nachzudenken und den Leuten Inhalte in den altbekannten Gefäßen zu geben, denn es ist kein anderer Gott!!!

Der Vater, der den Sohn Jesus als Christus (Messias) und Heiland der Welt zu uns gesandt hat, um alle Menschen von der (Erb-)sünde zu befreien durch seinen Tod am Kreuz. Jesus, der auferstanden ist und den Menschen guten Willens mit und durch und im Vater den heiligen Geist geschickt hat, der im Menschen Wohnung genommen hat durch die Taufe und somit alle Heiligung Gottes vollendet. Die Kirche …. na ja …. zum Glück kann man nicht an die Kirche glauben.

Sehr schön passen auch die Worte von Paulus, die am 7. Sonntag im Jahreskreis (A) verlesen wurden:

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.
Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden.
Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig.
Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.“ 1Kor 3,16-23

Und zum Schluss noch die Worte, die Ihr bösen, bösen Pfarrer/ -innen und/oder Pastoren/ -innen in den kommenden Wochen keinesfalls in euren Predigten in den Mund nehmen dürft, die ihr aber mit neuen Inhalten zu füllen habt, aber zackig und trendy:

7wochen_ohne_gw

Und einpacken. Wenn wir diese Worte nicht mehr verwenden sollen in der Predigt (das ist doch das Zentrum des evangelischen Gottesdienstes), weil sie leere Worthülsen geworden zu sein scheinen und wir diese kostbaren Gefäße nicht füllen können, bleibt nur eines: Machen wir den Laden dicht und verkaufen die ohnehin leer gefegten Kirchen an die nächste islamische Gemeinde. Die freuen sich und machen dann das, was die Christen nicht mehr verstehen, weil sie zu verkopft sind: aktive Religionsausübung durch regelmäßiges Gebet (v.a. Lobpreis des Namens Gottes) und Auslegung der Heiligen Schrift (in diesem Fall: der Koran) durch Predigt und Tat.

Jetzt geht’s los

Mitten in der hohen Zeit des Karnevals schreibt Elsa in ihrem Nacht(b)revier einen Artikel über: „Das Ackermann Syndrom“ und verwirrt mich vollends. Eigentlich hatte ich nie gedacht, dass Traditionalisten gegen den Papst schreiben. Aber ist ja klar: Wenn der Franziskus heißt und den Benedikt vom Thron gestoßen hat, kann er ja nur von allen guten Geistern verlassen sein; und das muss er auch, wenn man dem Posting von Elsa Glauben schenken möchte. Von den blödsinnigen Beifallsbekundungen der Kommentatoren möchte ich erst einmal schweigen.

„Wer sich ein Bild über die katholische Kirche machen wollte und dabei ausschließlich auf Äußerungen des derzeit amtierenden Papstes angewiesen wäre, der könnte zu dem Schluss kommen, dass Jesus Christus Muslimen die Füße gewaschen hat, Priester im Beichstuhl mit glühenden Zangen parat sitzen und die Kinder von ledigen Müttern offenbar der ewigen Verdammnis anheim gefallen sind und deshalb nicht getauft werden dürfen. Es gibt noch mehr solcher befremdlichen Anwürfe ausgerechnet in einem Dokument, das sich „Evangelii Gaudium“ nennt. Hinzu kommt noch, dass sich Katholiken, die gerne in die außerordentliche Form der römischen Liturgie gehen, sich einer Art Dandytums schuldig machen, einem Modetrend folgen, den man brüderlich, barmherzig, taktvoll und mitfühlend begleiten muss (nein, es geht nicht um Homosexualität, es geht um die Alte Messe), der aber hoffentlich bald wieder irgendwie abebbt – oder so ähnlich.

Wer schon immer gewusst hat, dass Katholischsein irgendwie unsexy ist, der ist bei Franziskus goldrichtig, weshalb auch die einstmals abgefallenen Alm-Öhis im Münsteraner Flachland vor lauter Begeisterung schon anfangen, ihre Predigten mit italienischen Redenwendungen zu durchsetzen. Das alles wäre auch gar nicht weiter erwähnenswert, immerhin sind wir Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation mittlerweile durchaus gewohnt.“

Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Jesus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen, die überhaupt keine Kardinäle oder Priester waren sondern israelische Fischer, Zöllner und allesamt Sünder. Das ist „unsexy“. Auch und vor allem ist es „unsexy“, wenn man sich über die „italienischen Redenwendungen“ [Hervorhebung d. Red.] im „Münsteraner Flachland“ lustig macht, die die Fundamentalisten schon lange zuvor ständig im Munde geführt haben, nur eben nicht dieselben, nicht die Zitate von Papst Franziskus. Ich habe lange darauf gewartet, dass es zu einem Bruch mit Rom in der traditionalistischen Front kommt. Das scheint ja nun der Fall zu sein.

„Es ist durchaus okay, sich an die Brust zu schlagen, auch wenn es, entgegen der Drohkulisse des Franziskus, tatsächlich so aussieht, dass überhaupt gar niemand mehr beichten geht und in deutschen Landen alles und jeder die Sakramente empfangen kann, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist.“

„Drohkulisse“ !!! – einfach köstlich … selten so gelacht. Allerdings ist das, was Elsa im zweiten Teil des Satzes schreibt durchaus ein ernstes Thema und sollte in der Fastenzeit ausgiebig nicht nur in den Predigten thematisiert werden.

Doch nun noch einmal zum Thema: „Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation …“ Da fühle ich mich persönlich angepisst, denn ich lebe und arbeite für Christi Weinstock in einem Kernland der Reformation schon länger, als diese Elsa überhaupt katholisch ist.

Und ich kann es nur immer wieder betonen: Auch wenn die Evangelischen Kirchen ihr Reformationsjubiläum langfristig und ausgiebig feiern, ist das hier im Osten der Republik nur eine Marginalie bei 70 % Agnostikern und Atheisten. Hinzu kommen die Kirchenfernen Katholiken und Evangelischen, die bei Erhalt des Kirchenblättchens zu Ostern oder der Zeugen-Jehova-ähnlichen Klingelaktion des Katholikenblättchens „Tag des Hernn“ sofort und vehement ihren Austritt aus der Kirche erklären, auch wenn sich herausstellt, dass sie schon lange ausgetreten sind.

Nun noch einmal zu dem Kommentator „Siri“, der sich also nach einem Ansagedienst von Apple seinen Namen gibt. Dieser schreibt:

„Dieser Papst, der ganz offensichtlich gar keiner sein will, hat ja letztes Jahr in einer seiner sog. „Perlen“ das Gleichnis von den Schafen in besonders schräger Weise ausgelegt, indem er behauptete, heute sei es umgekehrt wie damals zur Zeit Jesu: Es sei nur noch ein Schaf daheim, und 99 seien verloren.“

SIRI mach die Augen auf, komm mal hier in den Osten, am besten für ein paar Monate und steig aus deinem Elfenbeinturm! Und vor allem: Lass dir von deinem iPhone nicht immer alles vorkauen!

„Die überfällige Deutung, dass dann aber auch der Hirte spiegelverkehrt sich verhalten muss, nämlich nicht den „verlorenen“ 99, sonderm dem einen daheimgebliebenen nachgehen (das wären heute die wenigen Konservativen, Romtreuen, die es noch gibt) – die ist diesem Feld-, Wald- und Wiesentheologen auf dem Stuhl Petri natürlich nicht eingefallen.“

Ach du heiliger Einfallspinsel. Es gibt schon viel zu viele, die sich nur um den eigenen Bauchnabel kümmern.

„Und Benedikt muss heute zur Sprachlosigikeit verdammt stundenlang im Petersdom dasitzen. Es ist zum K…“

Ja, das ist doch zum … Heulen (ich schmeiß mich weg, vor Lachen) …. Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug, doch Halt, da war noch was:

„Roma, Roma convertere ad Deum tuum.“

Für die Nichtlateiner unter uns Normalsündern … äh … -christen: „Jerusalem, Jerusalem, bekehre dich zum Herrn deinem Gott“;  den Klageliedern (des Jeremias) bspw. nach dem 1. Kapitel Vers 11 in den Karmetten zugeordnet. Findet sich aber nicht dort, zumindest nicht in der Vulgata. Geht aber wahrscheinlich auf Hos 14,2 aus: „Convertere, Israel, ad Dominum Deum tuum, quoniam corruisti in iniquitate tua.“ – „Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld.“ Das hat der Apple-Jünger sehr verschandelt auf Rom angewendet.

Und jetzt alle schunkeln … am Aschermittwoch da bin ich verloren … und dann noch einmal: Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug.

Das Herz geht mir über …

… wenn ich daran denke: wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge (Ps 42,5). Nein, ich meine nicht jene, die sich als große Schar darstellen und die Frommen sein wollen. Es sind die Vielen, die nach der Firmung einen anderen Weg gehen, die – wenn sie in der Kirche bleiben – eher nur noch zu den Hochfesten in die Kirche kommen und dann stumm bleiben, weil sie gar keine Lieder mehr kennen. Aber wer weiß schon, was in deren Herzen passiert, wer ist dieser Pharisäer, der sich erdreistet auf die Leute hinten in der Kirche zu schauen. Ich habe soeben einen der Artikel gelesen, von einem jener welchen geschrieben, zu dem Jesus sagen würde: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Frommer (resp. Reicher) in den Himmel kommt.

Frischer Wind, der den Artikel: „Bitte eines Jugendlichen an alle in der christlichen Jugendarbeit Engagierten…“ veröffentlicht hat, enthält sich jeglichen Kommentars, und der von Gertie ist auch nur ein kurzsichtiges Jammern und Verdammen all jener, die versuchen wirklich frischen Wind in die Kirche zu bekommen. Einen zaghaften Kommentar wagt die freche, fromme Frau auch mit der wichtigen Würdigung der Arbeit von Jugendverbänden (über den BdKJ kann man sich streiten). Nun ja, über die westdeutsche katholische Kirche und den Hang zum Buddhismus sollte man ein andermal nachdenken. Ich für meinen Teil kann mich an meine Jugendzeit erinnern, die geprägt war von Jugendgottesdienst, Jugendband und -chor, Jugendhaus, eigene Jugendlieder aus den Dreifaltigkeitsheften und Taizé, mit Ökumensichen Jugendkreuzweg etc. Die ewige Diskussion: Neues Geistliches Liedgut oder Gotteslob war bei uns ein Sowohl – Als-auch. Auf Deutsch – na klar, was sonst. Latein war in den Taizé-Gesängen etabliert und in den Chorgesängen zu den Hochfesten.

Doch jetzt mal Butter bei die Fische: Der Jugendliche von Jagwitz meint:

1. „Singt mit uns bitte keine Lieder mit inhaltsleeren Texten … „

Ja wie denn? Welche Lieder sollen wir singen? Herz Jesu, Gottes Opferbrand? Der Text ist so verdreht, dass man in den ersten beiden Strophen als normaler Mensch nur Bahnhof versteht: „O Herz, in Nacht zu uns gesandt, als Schuld den Tod uns brachte …“ Hä, wie jetzt … welchen Tod und warum? Am schlimmsten sind im Gotteslob die Lieder, die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg hinzugekommen sind: u.a. auch GL 568. Reinste Schwarz-Weiß-Malerei. Düster bis schwarz das Erdenleben – Glorreich das Leben im Jenseits, das eine negieren, die Herrschaft Gottes im Himmel lobpreisen – die ewige Taktik der Traditionalisten. Möglichst mit Choralamt.

„Unser Herz wird geöffnet, wenn wir gemeinsam Gott mit Liedern preisen, die unsere Sehnsucht nach Wahrheit, nach wahrer Liebe und Freude, nach innerem Frieden und Heilung zum Ausdruck bringen.“ q.e.d.

2. „Erzählt uns doch nicht, dass unser Leben völlig in Ordnung sei, denn das kann die Welt besser! Betet mit uns stattdessen das Schuldbekenntnis, denn wir sehnen uns nach Vergebung.“

Genau auf derselben Schiene fährt der Verfasser weiter. Vergebung ist notwendig, aber nicht das Alleinige und Vordergründige im Glauben. „Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke“ (1 Kor 13,1). Das Sakrament der Versöhnung möchte ich allen Jugendlichen und Erwachsenen ans Herz legen. Das Schuldbekenntnis reicht dafür aber nicht aus. Sog. Bußgottesdienste (ohne Beichte) sind auch kein hinreichendes Kriterium, um von schwerer Sündenschuld befreit zu werden.

In diesem Abschnitt gewinne ich aber auch den Eindruck, dass ich für kollektive Schuld unserer heutigen Zeit büßen müsste. Das ist nicht christlich, obgleich es unseren jüdischen Wurzeln entspricht: … unserer Väter-Väter-Väter …

3. „Ersetzt nicht das Wort Gottes durch Theaterstücke oder irgendwelche Weisheitsgeschichten …“

Tja, was soll ich sagen. Das geht mir auch immer auf die Nerven. Nach dem II. Vatikanum kam das bei vielen Priestern in Mode. Hoffsümmer hat nicht umsonst so viele Bücher geschrieben. Aber die Postmoderne ist da viel nüchterner. Wenn ich mir Jesus so anschaue, dann hat er viel Weisheit in einfache Lebensgeschichten gepackt und den Leuten veranschaulicht in Gleichnissen: vom barmherzigen Samariter, vom Sämann, vom verlorenen Schaf, von der wiedergefundenen Drachme, vom Licht auf dem Leuchter usw. usf.

Dann blende ich mal ins Mittelalter. Die Leute wollten Brot und Spiele, wie man es in anderer Form im Römischen Reich kannte. Und die Spiele wurden wichtiger als die Messe, die die Leute eh nicht mehr verstanden, denn Latein war schon lange nicht mehr ihre Muttersprache (Hokuspokus): Osterspiele, Weihnachtsspiele, St. Martin, Nikolaus, Passionsspiele und vielerlei Heiligenlegenden, die im Volk durch Theaterstücke oder Geschichtenerzählen verbreitet wurden. Ist ja auch logisch, denn die meisten Leute waren Bauern, Sklaven und Leibeigene und konnten nicht lesen und schreiben. Und auch das aufstrebende Bürgertum liebte diese Spiele. Heute ist St. Martin nur noch für Kinder. Damals war es eines der wichtigen Daten im Leben der Menschen: Ende des Wirtschaftsjahres, Beginn der „staden Tied“. Einzig und allein die Passionspiele sind uns heute noch erhalten als etwas für Erwachsene und mancherorts vielleicht noch die Krippenspiele (aber bäh … das ist ja nur Kinderkram … wir gehen in die Christmette). Dabei habe ich die Beobachtung gemacht, dass in der Krippenandacht auch Erwachsene ohne Kinderanhang, auch im Seniorenalter, mit dabei sind.

4. „Lasst die Eucharistiefeier nicht zu einem gemeinsamen Tischmahl verkommen, denn das ist in jedem Restaurant besser.“

Der Verfasser hat recht. Keiner denkt mehr daran, ob er würdig ist, den Herrn zu empfangen. Alle rammeln sie zur Kommunion, weil es alle machen – Herdentrieb. Wenn der Nachbar sieht, dass ich nicht zur Kommunion gehe, könnte er ja denken, ich hätte etwas ausgefressen. Und dann kommt einer und sagt, ich solle seine Frau trösten, die nicht katholisch ist, und keinerlei Empfangsbereitschaft gezeigt hat, so dass ich ihr die Kommunion verweigerte … Verrückt. Es besteht zwar ein Anspruch auf den Empfang des Herrn, aber nur bei denjenigen,  die nach unserem Verständnis dazu bereit sind, also zumindest in der katholischen Kirche sind. Und diese Empfangsbereitschaft muss erkennbar sein: Mund- oder Handkommunion. Ob jemand würdig ist, muss jeder für sich selbst prüfen. Die orthodoxen Christen sind da wesentlich strenger, was allerdings dazu führt, dass viele Orthoxe nur selten in ihrem Leben die Kommunion empfangen. Das ist auch fragwürdig und gab es auch schon in der römisch-katholischen Kirche …

Das Bild mit dem Restaurant ist jedoch schlecht: Plätze im Restaurant sind begrenzt, Reservierung(spflicht), Exklusivität …

5. „Tut nicht so, als wäre der Weg des Glaubens wie ein heiterer Spaziergang, sondern helft uns, die Anfeindungen der Welt und des Teufels mit dem Kreuz Christi zu vereinen!“

Huh, da ist sie wieder die „Gnostische Versuchung“. Schwarz-weiß. Die böse Welt (a la Johannes) und das Siegeskreuz Christe, dass die (johannäische [gnostische]) Welt besiegt. Diese Vorstellung der Welt als Reich der Finsternis ist nicht christlich, auch wenn sie der Evangelist Johannes und der Apokalyptiker Johannes so verbreiten. Das Christentum hat die Vorstellungen der Gnosis zwar verworfen, aber viele Bilder (u.a. den Teufel als Fürst der Finsternis) übernommen und bis in die heutige Zeit transportiert und in vielerlei Weise transformiert oder unverändert belassen.

Wenn die Christen wirklich daran glauben würden, dass a) Gott diese Welt gut geschaffen hat und b) Jesus die Sünde der Welt hinweggenommen hat durch sein Heilsopfer am Kreuz und damit c) durch die Auferstehung Christi und die Sendung der Apostel mit Missionsauftrag das Reich Gottes wirklich in dieser Welt angebrochen ist, dann wird auch Christus wiederkommen, erst dann.

6. „Lockt uns nicht, indem ihr uns immer lobt und uns das Gefühl gebt, etwas Besonderes zu sein …“

Blanker Hohn, Pharisäertum. Ich habe die Schüler im Auge, die hier im Osten Deutschlands als vereinzelte Christen, ja als einziger Christ in der Klasse, als einzige christliche Familie in der gesamten Nachbarschaft ihren Glauben versuchen zu leben. Manche ziehen weg, weil der Atheismus hier so resistent und aggressiv ist. Da braucht man nicht unbedingt in die arabischen Länder zu schauen. Dort ist allerdings die Verfolgung der Christen am existenzbedrohendsten, ja sogar lebensbedrohlich, wie es nicht einmal zur Zeit der Christenverfolgung im alten Rom war. Und hört auf über Stolz und Demut nachzudenken. Diese Artefakte der pädagogischen Zeit, als in den Kirche die Bänke installiert wurden, um das Volk zu erziehen.

… Und das Resümee unseres jugendlichen Christen: „Eine ehrliche Kirche dagegen werden wir zwar für ihren Wahrheitsanspruch anklagen, für stur und zurückgeblieben halten, uns sträuben, die Wahrheit von ihr anzunehmen, mit ihr ringen, wie Jakob mit Gott. Aber am Ende werden wir nur durch die Kirche sagen können: ‚Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen‘ (Gen 32,31).“

Da hört man geradezu die geschwellte Brust, das wehende Haar, den Kopf in den Nacken geworfen und die Nase so hoch, dass es reinregnet, voll Wahrheit und Klarheit. Welche „Ehrlichkeit“ meint er aber wirklich? Jene, die Jean d’Arc auf den Scheiterhaufen der Inquisition gebracht und dann heiliggesprochen hat oder jene, die mit dieser Sturheit und dem zurückgebliebenen Weltbild Schluss macht, wie Franziskus, nackt umhergehend mit der Vision einer verfallenden Kirche, die Christus nicht mehr im Blick hat. Es geht nicht vordergründig um die Kirche! Es geht um Jesus Christus allein, in der Einheit mit dem Vater im Heiligen Geist. Und Jesus sagt auf die Frage der Pharisäer: „Wie kann euer Meister zusammen mit Zöllnern und Sündern essen?“ – „Nicht die Gesunden brauchen den Arzt, sondern die Kranken.“ (Mt 9,11.12)

Die gnostische Versuchung, diese Welt schwarz-weiß zu malen, steckt in uns allen. Sie ist das eigentliche Übel unserer Zeit, zusammen mit einem Synkretismus vor allem hinsichtlich buddhistischen Gedankenguts. Wird ein ostdeutscher Priester von einem österreichischen Kollegen gefragt: „Du glaubst doch nicht etwa an die Auferstehung? Ich glaube schon seit langem an die Wiedergeburt.“ Priester in Indien braucht man erst gar nicht zu fragen, das häuft nur schlechtes Karma auf. Also, wenn ich in diese Welt immer und immer wieder geboren werde sollte, na dann Gute Nacht …

Die Sache Jesu braucht Begeisterte. Sein Geist sucht sie auch unter uns. Er macht uns frei, damit wir einander befrei’n.

Franziskus

papst-franziskus„Habemus papam“; so stotterte der Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran nach der Papstwahl vom Balkon. Vielen, die eine Fortsetzung des Traditionalistenzwischenspiels der Berater von Papst Benedikt erwarteten, erteilt der neue Mann im Vatikan eine gehörige Abfuhr. In seiner jetzt von Kardinal Jaime Ortega (Havanna) mit Zustimmung des Papstes veröffentlichten Rede vor den Kardinälen der Generalkongregation (vor dem Konklave) beschreibt er eine schon jetzt als „Programm“ seiner Amtszeit angesehene Vision von Kirche. Ich bin auf alle Fälle noch gespannt, wohin der Papst mit dem Schifflein der Kirche Jesu Christi steuert.

„Ich habe Bezug genommen auf die Evangelisierung. Sie ist der Daseinsgrund der Kirche. Es ist die „süße, tröstende Freude, das Evangelium zu verkünden“ (Paul VI.). Es ist Jesus Christus selbst, der uns von innen her dazu antreibt.

1. Evangelisierung setzt apostolischen Eifer voraus. Sie setzt in der Kirche kühne Redefreiheit voraus, damit sie aus sich selbst herausgeht. Sie ist aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen und an die Ränder zu gehen. Nicht nur an die geografischen Ränder, sondern an die Grenzen der menschlichen Existenz: die des Mysteriums der Sünde, die des Schmerzes, die der Ungerechtigkeit, die der Ignoranz, die der fehlenden religiösen Praxis, die des Denkens, die jeglichen Elends.

2. Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus.

In der Offenbarung sagt Jesus, dass er an der Tür steht und anklopft. In dem Bibeltext geht es offensichtlich darum, dass er von außen klopft, um hereinzukommen. Aber ich denke an die Male, wenn Jesus von innen klopft, damit wir ihn herauskommen lassen. Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach außen treten.

3. Die um sich selbst kreisende Kirche glaubt – ohne dass es ihr bewusst wäre – dass sie eigenes Licht hat. Sie hört auf, das „Geheimnis des Lichts“ zu sein, und dann gibt sie jenem schrecklichen Übel der „geistlichen Mondänität“ Raum (nach Worten de Lubacs das schlimmste Übel, was der Kirche passieren kann). Diese (Kirche) lebt, damit die einen die anderen beweihräuchern.

Vereinfacht gesagt: Es gibt zwei Kirchenbilder: die verkündende Kirche, die aus sich selbst hinausgeht, die das „Wort Gottes ehrfürchtig vernimmt und getreu verkündet“; und die mondäne Kirche, die in sich, von sich und für sich lebt.

Dies muss ein Licht auf die möglichen Veränderungen und Reformen werfen, die  notwendig sind für die Rettung der Seelen.“

 

Getauft und dann?

Durch die Taufe werde ich mit Christus verbunden und mit seiner Kirche. Und aufgenommen in die Gemeinde vor Ort. Diese drei Dimensionen, nicht mehr und nicht weniger!

Mit Christus, ok. Aber mit dieser Kirche – da fangen bei vielen die Bauchschmerzen schon an. Und wenn ich mir erst mal meine Gemeinde anschaue … Als Christ möchte ich schon leben … Aber ich lehne die Kirche ab, vor allem als Institution. Das was der Papst sagt, geht ja schon gar nicht. Dann schaue ich mir den Rest von Gottes Bodenpersonal an. Alles das Gleiche. Korrupt und intrigant.

Ich kann doch auch als Christ leben ohne eine Gemeinde. Wenn ich mir so die Christen anschaue, die sich zum Gottesdienst versammeln, allesamt Schauspieler. Die wollen doch auch gar keine Gemeinschaft. Wie widerwillig manche einem die Hand reichen zum Friedensgruß. Das sagt doch alles. Und zur Kommunion – dem Gemeinschaftsmahl – geht jeder für sich alleine. Das ist doch Privatsache. Manch einer kommt doch eh nur zur Hl. Messe, weil ihm die Musik gefällt. Zu dem und dem geh‘ ich doch nicht in die Messe. Das was der predigt, gefällt mir nicht. Das Kulturchristentum läßt grüßen. Lug, Trug und Heuchelei.

Muss das so sein? Ja und Nein, denn die Kirche besteht aus Sündern, wie du und ich. Wer diese Spannung nicht aushalten kann, der kann sich einer Freikirche oder Sekte anschließen, die das entweder teilweise oder scheinbar vollständig ausblenden können.

Christ sein geht nicht ohne Gemeinschaft. Auch wenn viele, die in dieser Gemeinschaft stehen, doch lieber ihre eigene Suppe kochen. Dennoch heißt es: „Geh hin und sündige nicht mehr.“ (Joh 8,11) Es ist kein Freibrief, in der Kirche Jesu Christi zu sein, nach dem Motto: Ich zahle doch meine Kirchensteuer, also habe ich doch ein Anrecht, dass ich von der Kirche dies und das fordern kann.

Derjenige oder diejenige hat auch das 2. Vatikanum nicht verstanden. Die Kirche Gottes ist das Volk Gottes. Die Juden verstehen sich seither als eine verschworene Gemeinschaft, weil bei ihnen diese Vorstellung noch ganz konkret lebendig ist. In der Kirche Gottes ist dieser Gedanke mit der falschen Interpretation von der „Freiheit des Christenmenschen“ und der Inhalation des Grunddogmas der Neuzeit und Moderne untergegangen: Der Mensch ist ein Individuum und Freiheit ist sein höchstes Gut.

Und der gute neuzeitliche, moderne Mensch versteht nun einmal seine Freiheit als beschnitten, wenn ihm Kleriker irgendetwas vorschreiben, was ihm nicht passt. Da haben aber auch viele Kleriker noch nicht verstanden, was Dialog bedeutet: Teilhabe aller Getauften am Leib Christi. Nicht: Wir sind Papst! sondern: Wir sind Kirche, der Leib Jesu Christi! Paulus schreibt: „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm.“ (1Kor 12,27) Da ist kein Platz für Kulturchristen und Leute, die von der Kirche etwas einfordern wollen. Da ist auch kein Platz für juridische Kleriker, Haupt- und Ehrenamtler in der Gemeinde und Kirche Jesu Christi.

Gemeinsam die Zukunft gestalten oder vereinzelt untergehen im Kampf der Kulturen (clash of civilizations)! Das MUSS das Motto für die christliche Zukunft sein. Wenn wir nicht in der Ökumene weiter vorankommen und weiterhin uns traditionalistisch-fundamentalistischer Träumereien hingeben, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn auf dem Kirchturm bald ein Halbmond prangt.

Drama, Baby

Faszinierend wie das Drama unser Leben bestimmt.  Drama – laut Lexikon (wikipedia): „ist ein Oberbegriff für Texte mit verteilten Rollen. Die Dramatik ist neben Epik und Lyrik eine der drei grundlegenden literarischen Gattungen.“ Ein Spannungsbogen zieht sich meist durch mehrere Akte. „Das Hauptkennzeichen des Dramas nach Aristoteles ist die Darstellung der Handlung durch Dialoge.“ Davon zu unterscheiden ist die Erzählung. Eine interessante Mischung aus beiden ist die heutige Geschichte im Evangelium des Tages.

„Sie kamen nach Kafarnaum. Am folgenden Sabbat ging er in die Synagoge und lehrte.  Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.

In ihrer Synagoge saß ein Mann, der von einem unreinen Geist besessen war. Der begann zu schreien:
Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret? Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen? Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.
Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!
Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her und verließ ihn mit lautem Geschrei.
Da erschraken alle und einer fragte den andern: Was hat das zu bedeuten? Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.“ (Mk 1,21-28)
Während im Mittelteil der Dialog und die Aktionen Jesu, des besessenen Mannes und des Volkes im Vordergrund stehen, bildet der Anfang und das Ende die Rahmenerzählung. Sehr schön herausgearbeitet auch der Spannungsbogen: bis zur Geistesaustreibung ansteigend und dann mit dem Response der Anwesenden abfallend. Ein für das Drama typischer Spannungsbogen.
Auch wenn in dieser Geschichte scheinbar nicht viel passiert, so ist doch das Ergebnis – für den heutigen Leser vielleicht nicht so prickelnd – für den damaligen Zuhörer und -schauer exorbitant. Daher auch dieser Ausruf: „Was hat das zu bedeuten? …“ (faszinosum et tremendum).
Die alles entscheidende Frage, die sich mir immer wieder beim Lesen solcher dramatischen Texte stellt: Lassen wir uns noch von irgendetwas oder irgendwem faszinieren? Erschrecken wir noch heute, wenn wir an das Unfassbare der Botschaft Gottes durch Jesus Christus denken? Weil Gott auch immer der ganz Andere ist, sollten wir dieses Erschaudern vor seiner Größe und Allmacht in unserem Glauben nie vergessen. Mit einem Wort: Gottesfurcht. Und das meint nicht: sich fürchten vor Gott, ihn aber anerkennen als Richter, Lenker und Schöpfer meines Lebens und dessen aller Lebewesen und allem, was sichtbar oder unsichtbar ist. Gottesfurcht bedeutet auch: Die Gebote Gottes beachten uns danach handeln. In den Psalmen heißt es: „seinen Bund bewahren, an seine Gebote denken und danach handeln“ (Ps 103,18). Letztendlich den Glauben an den dreifaltigen Gott bekennen, ja bis in die letzte Konsequenz der Nachfolge, bis in den Tod. „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn“ (Röm 14,8).

Bischof wird verabschiedet

Knapp einen Monat nach seinem Rücktritt wird Bischof Joachim Wanke in Erfurt verabschiedet. Morgen Vormittag findet in der Brunnenkirche eine Gesamt-Pastoralkonferenz statt, in der der Bischof geehrt werden soll.

Am Nachmittag ist dann der große Festakt im Theater Erfurt, zu dem ca. 400 Gäste aus der katholischen und evangelischen Kirche und der jüdischen Landesgemeinde eingeladen sind. Den Festvortrag hält Professor Josef Pilvousek, Kirchenhistoriker an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Er würdigt die pastoralen Herausforderungen und Weichenstellungen in der Amtszeit von Bischof Wanke.

Die „Gloriosa“ darf natürlich im Reigen der Laudationes nicht schweigen; sie wird vor dem Pontifikalamt um 17.30 Uhr im Erfurter Dom zu hören sein. Die größte, frei schwingende, mittelalterliche Glocke der Welt läutet nur an hohen kirchlichen Feiertagen und zu besonderen Anlässen. Domradio Köln und katholisch.de übertragen den Gottesdienst im Internet via Livestream.

Lob und Anerkennung

Wenn man den Text des heutigen Evangeliums sich hernimmt, bekommt man den Eindruck, Jesus habe etwas gegen die Honorierung menschlicher Tätigkeiten und Werke.

„Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken.Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?

So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.“ (Lk 17,7-10)
Eines steht aber fest: Leute, die Jesus als großen Revolutionär betrachten, müssen einsehen: Jesus hat die bestehenden Gesellschaftsschichten, auch die Sklaven, nicht, wie die sozialistischen  Utopisten, aufheben wollen; er hat sie als gegeben angesehen und verwendet sie in vielen Beispielen und Gleichnissen.

In dieser Textstelle geht es meiner Meinung nach um eine übertriebene Lobhudelei. Jesus wendet sich – wie so oft – gegen eine der Hybris nahekommenden Sucht nach Ehrungen und Titeln. Nicht umsonst haben uns die Perikopenschneider am Sonntag schon eine ähnliche Textstelle zurechtgeschnitten. Fazit: „Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten!“ (Mk 12,38)

Das Jubiläum des Jahres: Zweites Vatikanisches Konzil

Am 11. Oktober 1962 eröffnete Papst Johannes XXIII. das Zweite Vatikanische Konzil. Es ist das bedeutendste Ereignis in der Römisch-Katholischen Kirche des 20. Jahrhunderts. Bis heute streiten sich Befürworter und Gegner über die Auslegung und Rezeption der 16 Dokumente, die die Konzilsväter veröffentlicht haben. Je nach dem, wie man zum Konzil steht, betrachtet man es als Bruch oder Weiterführung der katholischen und apostolischen Lehre.

Es ist allemal ein Meilenstein in der Kirchengeschichte wie auch der Weltgeschichte. Denn es hatte sowohl spürbare und manchmal auch schmerzliche Auswirkungen auf alle Bereiche innerkirchlichen Lebens, bis heute. Und es ordnete das Verhältnis der Kirche zur „Welt“ neu. Als Stichworte seien an dieser Stelle „aggiornamento“ und das weniger rezipierte „approfondissement“ genannt.

Das Ergebnis des Konzils war eine umfassende Liturgiereform, die sich schon ankündigte durch die Liturgische Bewegung, eine Veränderung der Sichtweise hinsichtlich der Stellung der Kirche zu anderen Religionen, Konfessionen und in der Welt allgemein, eine Aufwertung der Tätigkeit der Laien in der Gemeinde sowie eine radikale Neuorientierung, was Gemeinde Jesu Christi,Volk Gottes, Familie Gottes eigentlich bedeutet. „Ad fontes“ heißt in diesem Fall, nicht zurückschauen, sondern aus der Besinnung auf die Quellen ins Heute und in die Zukunft gehen.

Zu den Folgen des Zweiten Vatikanischen Konzils muss man die Öffnung der römisch katholischen Kirche zu Christen aller Konfessionen rechnen. Sicherlich auch die Anerkennung der Juden als unsere älteren Brüder und Schwestern und die damit einhergehende Erkenntnis, dass das Volk der Juden nicht Schuld trägt am Tod Jesu. Dann nicht zuletzt die Einsicht, dass Kirche nicht von oben aufgebaut wird, wie auch Christus nicht ein König und Herrscher ist von dieser Welt, sondern ein Diener aller. Das Volk Gottes, wir sind Kirche. In besonderer Weise sind die Priester, Bischöfe und hervorgehoben der Papst als Diener dieses Volkes anzusehen und folgerichtig in dieser Weise als Diener Gottes. Die Reform der Liturgie ist und bleibt die größte und bedeutendste Errungenschaft des Konzils. Diese fußt auf der Liturgischen Bewegung und setzt konsequent das o.g. Kirchenverständnis in einen neuen Ordo der Messe um, der geprägt ist von einer dem Volk Gottes zugänglichen lebendigen Sprache. Latein wird nicht abgeschafft, wohl aber ist die neue lateinische Messe ihres halbmagischen Nimbus beraubt, der immer noch an der Missa Tridentina zu kleben scheint.

Und nicht nur in diesem Punkt irren die Traditionalisten (speziell auch die schismatischen Piusbrüder, die sich selbst auf dem Boden des Katholizismus wähnen): Gott ist es, der sich sein Volk erwählt hat – in erster Linie – und dann seine Priester. Genau genommen: In Jesus Christus ist Gott zur Welt (und damit meine ich nicht das böse johannäische Pendant zum Himmelreich) gekommen, deshalb sollen auch seine Priester in der Welt (nämlich der Schöpfung Gottes) leben und sich nicht aufgrund eines verschrobenen Würde- und falsch interpretierten Kirchen- resp. Gehorsamsverständnisses von der modernen Welt abschotten – wie es selbst Klöster (ausgenommen kontemplative) heute nicht mehr machen. Demnächst werde ich wohl auch noch einige Gedanken zur abtrünnigen Priesterbruderschaft St. Pius und ihren schismatischen Constitutiones sagen müssen. Die Piusbrüder und so manch andere würden all das Gesagte sicherlich ganz anders auslegen.