Politik und Religion

Als Jugendlicher habe ich mich eher als unpolitischen Menschen gesehen. Ich war nie in einer Partei; und außer in der FDJ auch keiner anderen gleichartigen Vereinigung. Aber ich war schon immer Pazifist.

Da liegt dann wohl auch der Knackpunkt, weshalb ich über die Jahre zu der allgemein anerkannten Überzeugung gelangt bin, dass es keine unpolitischischen Menschen geben kann. Jeder und jede hat so seine Vorstellungen, wie die Welt ist und wie sie seiner Meinung nach sein sollte. Ich muss keiner Partei angehören, ich muss in keinem Parlament tätig sein. Allein wie ich mein Leben gestalte, macht mich zu einem sozialen Wesen und zu einem Politiker.

Letztendlich ist jeder Mensch, der am Stammtisch oder in der Familie seine Meinung kundtut ein politisches Wesen. Auch jeder, der dem gerade so beliebten Populismus anheim fällt (was ja am Stammtisch besonders gut geht).

Da sind dann auch die Medien, die die politischen Meinungen anheizen. Die klassischen Medien, die gerne von den Populisten als Lügenpresse beschimpft werden: Radio, Zeitung, Zeitschriften und Fernsehen. Und auf der anderen Seite das Internet mit seinen sozialen Medien: Facebook, Instagram, Twitter und WhatsApp (u.ä.), um nur die wichtigsten zu nennen, nicht zu vergessen das Darknet, aus dem die anderen Sozialmedia mit Fakenews und Schlimmeren beliefert werden. Fakenews verbreiten, scheint eh eine neue Sportart geworden zu sein. Dabei hilfreich: das Gewissen nicht zu haben oder ausschalten zu können, was heutzutage schon von Kindesbeinen an, v.a. in der Schule, trainiert wird. Auch bemühte Journalisten springen auf den populistischen Zug auf oder tappen in so manche Falle, weil sie zu oberflächlich recherchieren.

Kann ich als Christ politisch sein? Durchaus, denn Jesus hat sich schon damals zu brisanten gesellschaftlichen und religiösen Fragen geäußert, Stellung bezogen und von den Leuten gefordert. Nicht jeder muss dabei ein parteipolitisches Amt antreten. Es reicht, wenn sich jeder eine klar nachvollziehbare Meinung bildet und diese aus seinem erwachsenen und mündigen christlichen Glauben auch gegenüber der Welt (Arbeitskollegen, Familie, Schulkameraden etc.) vertritt. Dazu ist es immanent notwendig, den Glauben zu stärken und sich auch eine dezidierte religiöse Meinung zu bilden. Die Trennung von Kirche und Staat – an deren Notwendigkeit zum Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft keiner rütteln möchte – hat leider zu irrigen Meinungen geführt, dass z.B. Religion Privatsache sei und Christen keine Politik machen sollten. Leider hat zu der letztgenannten Meinung auch die CDU/CSU aktiv beigetragen, v.a. im areligiösen Osten der Republik.

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Selig sind die Toten

…, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihrer Mühsal; denn ihre Werke folgen ihnen nach. (Offb 14,13)

Der Monat November steht ganz im Zeichen des Gedächtnisses an die Verstorbenen. Als Christen hoffen wir zuversichtlich, dass es Stärkeres als Leid und Tod gibt. „All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat!“ Röm 8,37 Die Liebe ist stärker als der Tod.

Dieser niemals endenden Liebe Gottes dürfen wir trauen; ihr wollen wir alle unsere lieben Verstorbenen anvertrauen, besonders diejenigen, die im vergangenen Jahr von uns gegangen sind. Sie haben durch ihr Leben gezeigt, was es heißt geliebt zu sein und andere zu lieben.

In der Liebe, die sie anderen gegeben haben und die sie empfangen durften, wissen wir die Verstorbenen in Gottes Hand. Seine Liebe trägt uns, auch über die Stunden des Schmerzes und des Abschiedes hinaus. In dieser einen gemeinsamen Liebe Gottes wissen wir uns mit unseren Toten verbunden, wissen uns gemeinsam geborgen am Herzen Gottes, so dass wir seine Liebe auch hier und jetzt anderen weiterverschenken dürfen.

„Ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben … noch irgendetwas können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn!“ (Röm 8,38.39) Von dieser Hoffnung lebe ich und bezeuge dies durch meine Arbeit und mein ganzes Leben. Meine ganze Lebenshoffnung ist darin versammelt, dass ich der Liebe Gottes glauben darf.

Erntedank

erntedankWem fällt es heute noch auf? Das Erntedankfest hat sich hinter Kirchen- und Gemeindetüren zurückgezogen. Die Allgemeinheit – selbst auf dem Land – nimmt von der Ernte geschweige denn vom Dank  kaum Notiz. Anders als Ostern oder gar Weihnachten. Das sind Feiertage, die zwar sinnentleert aber immer noch in der Familie und der Öffentlichkeit in irgendeiner Weise gefeiert werden. Dabei ist der Anlass zu diesem Fest sehr handgreiflich. Nur wird die Tragweite des Themas ‚Ernte‘ in unseren Breiten kaum noch wahrgenommen.

Deshalb ist es umso wichtiger, in den Familien die Kinder immer wieder mit der Bedeutung und Vielfalt des Erntedankfestes vertraut machen. In der Bibel heißt es schon:

„Du sollst auch das Fest der Ernte, des ersten Ertrags deiner Aussaat auf dem Feld, halten, ebenso das Fest der Lese am Ende des Jahres, wenn du den Ertrag deines Feldes eingebracht hast.“ (Ex 23,16)

 

Erntedank-Gebet

Wir danken, Herr, für deine Gaben,
erwachsend aus der Erde Schoß,
denn alles  Leben, was wir haben,
wird nur aus deiner Güte groß.

Du lässt die Sonn ‚ am Himmel scheinen,
den Mond, die Sterne in der Nacht,
schenkst Regen uns, lässt Pflanzen  keimen
und  blühen, was uns glücklich macht.

Du gabst die Schöpfung uns zur Pflege,
nun bitten wir, gib uns die Kraft,
sie auch in deinem Sinn zu hegen,
nur das zu tun, was Frieden schafft!

(Ingrid Herta Drewing)

Endlich da – des Desasters letzter Streich?

Orgelbuch-StammteilEs soll im September ab der zweiten Woche ausgeliefert werden – das lang vermisste und seit über einem Jahr überfällige „Orgelbuch zum Stammteil“, so das Deutsche Liturgische Institut. Eine äußerst schwache Leistung war ja schon die Teileinführung des Gotteslobes zum 1. Advent 2013, wohlgemerkt ohne Orgelbuch. In manchen Bistümern ist das Gotteslob ja erst zum Sommer eingeführt worden, wenn überhaupt … 😉 Manch einer wird sich denken: Wir überspringen die Einführung dieses Gotteslobes und warten gleich auf die Neuauflage.

Der Mann, der ein ISIS-Massaker überlebte

IrakischerSoldatAls ich am Sonntag die Tagesschau anschalten wollte, war ich ein paar Minuten zu früh auf dem Sender und erwischte noch den letzten Beitrag des Magazins „Weltspiegel“. Diese Reportage, welche die ARD von der New York Times übernommen hat, hat mich sehr schockiert. Wie die Redaktion des Weltspiegels frage ich mich, ob ich diesen Bericht einfach so zeigen soll, weil er wirklich sehr grausame, aber reale Szenen zeigt, wie sie sicherlich so zur Zeit im Irak /resp. in Syrien sich ereignen.

Aber ich habe mich entschieden diesen Bericht aufzunehmen und auf die Filme zu verweisen, die bereits vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt wurden. Außerdem ist Gewalt im Internet, in Filmen und (Schulhof)-Videos heute manchmal genauso oder noch viel brutaler und wird aber als solche schon gar nicht mehr wahrgenommen. Deshalb betone ich noch einmal, dass in diesem Beitrag Menschen zu sehen sind, wie sie andere Menschen zusammentreiben und auf verschiedenste Weisen töten.

Derjenige, der diesen Bericht heute auf Youtube veröffentlicht hat, schreibt in einem anderen Interesse, das ich aber auch aufs höchste unterstützen möchte:

„Das ist ein arabischer Buchstabe: „ن“
(N für Nazarener und bedeutet Christ im negativen Sinne),
welcher an christlichen Häusern in Mossul/Irak gemalt wurde, um sie als Christen zu identifizieren.

Nicht nur die Christen erhielten das Ultimatum sondern auch die Jesiden und andere religiöse Minderheiten:
• hohe Kopfsteuer zu zahlen,
• zum Islam zu konvertieren oder
• getötet zu werden.

Die Juden markierte man damals mit dem Stern. Die Christen nun mit diesem Buchstaben. Die Geschichte wiederholt sich! Schaut nicht weg! Setzt euch ein und handelt JETZT“

SaveOurSouls: https://1915.de/

Und bitte nicht die Fürbitte für die verfolgten Jesiden und Christen vergessen. Es wäre auch sinnvoll, eine Gebetsnacht zu gestalten und andere Aktionen ins Leben zu rufen!

 

Was machen wir mit Sündern?

Kopf ab und als Ungläubige diffamieren und ins Internet stellen. So würden das einige radikale Muslime machen. Dann einen Gottesstaat gründen und alle Christen, Juden, Jesiden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ausrotten, während alle anderen Muslime stillschweigend zusehen und dann jubelnd durch die Straßen ziehen und die Scharia ausrufen und wie bekloppt: „Tod den Amerikanern“ skandieren und USA-Flaggen verbrennen.

Jesus aber sagt:

 „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen.
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden.
Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner.
Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.
Weiter sage ich euch: Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“  (Mt 18,15-20)
Da ist von einem sündigen Bruder die Rede … Ach so, also eine interne, eine Gemeindegeschichte. Was ist mit Schestern oder mit ganzen Kotzbrockenfamilien, die den Frieden in der Gemeinde stören? In einem Kommentar zum Evangelium des 23. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A) heißt es:
„Die Zurechtweisung eines Bruders hatte im Judentum eine lange Tradition. Ziel der vom Gesetz geforderten Zurechtweisung war nicht die Verurteilung, sondern die Zurückgewinnung des Bruders, und damit auch die Wiederherstellung der gottgewollten Ordnung. Die zeitweilige oder endgültige Aufhebung der (Tisch-)Gemeinschaft soll keinesfalls das letzte Mittel sein, um einen unbußfertigen Sünder nicht doch noch zur Umkehr zu bewegen. Matthäus verweist besonders auf das Gebet zu Gott. Das Machtmittel der Gemeinde ist letztlich das Gebet.“ (Norbert Riebartsch (2011)).
Interessant ist auch: Jesus sagt zu seinen Jüngern das gleiche, was er auch zu Petrus gesagt hat: „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein.“ Fehlt nur die Bemerkung mit den Schlüsseln und dem Fels. Aber ist die nicht zweitrangig? Wichtig ist für Jesus nicht das Wie und Warum und Was, sondern das Gebet. Wo sich Menschen zum Gebet versammeln, da ist Jesus mitten unter uns.
Und was Jeus will, fasst Paulus in Römer 13,8-10 so zusammen:
„Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt.

Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren!, und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. Also ist die Liebe die Erfüllung des Gesetzes.“
Augustinus bringt es so auf dem Punkt: „Ama et fac quod vis. Liebe und tu, was du willst.“ So und jetzt geh‘ hin und sündige nicht mehr …

Karfreitag

Jahr für Jahr beobachte ich den Rückgang der Besucher der Karfreitagsliturgie. Unsere Zeit verdrängt den Tod und ärgert sich über die christliche Todesverkündigung. „Deinen Tod verkünden wir“ – beten wir in der Hl. Messe. Ausgerechnet die Zeit, die den Tod uns tagtäglich durch  die Medien frei Haus liefert, möchte nicht daran erinnert werden, dass Christus einen ganz realen und schnöden Tod starb. Und viele Christen auch nicht! Etliche Priester, Seelsorger und spirituelle Gurus werden nicht müde zu betonen, wir sollen doch nur die Hoffnung zur Sprache bringen, wage davon reden, dass Gott die Gräber öffnet, dass Christus die Auferstehung und das Leben ist, dass er Licht in unser Leben bringt.

Wenn schon denn schon in der Weise wie die Sonne und Hoffnung wie der Regenbogen, so wie die Kuscheltiere, die man so gerne den kranken Kindern bringt und auch an Kindergräbern liegen lässt. Die Kuscheltiere und nicht das Kreuz! Selbst bei der Begräbniskultur wird der Tod Christi zurückgedrängt zugunsten von heilenden Erinnerungen an die schönen Stunden mit Verstorbenen, zugunsten der Würdigung der Leistungen der Lebenden und Toten. Erinnerungen und Leistungen decken den Tod in unserem unmittelbaren Lebensraum zu, und nehmen die Stelle der Verkündigung ein, dass Christus gestorben ist.

Gott aber ist kein Kuschelgott. Er macht sich fest an unserer Erde durch Jesus und wird erhöht am Kreuz. Gott stirbt den Tod der Menschen, um uns seine Nähe zu zeigen und uns von dem zu befreien, was unsere Sünde und Schuld ist. Er zeigt uns seine radikale Liebe gerade im Kreuzestod. Wie er uns auch seine Zuversicht und Hoffnung gibt in seiner Auferstehung.

Das Kreuz

KreuzHülfensbergWarum halten die Christen an einem Zeichen des Todes, dem Kreuz, als Zentrum ihres Glaubens fest? Paulus schreibt:

„Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.“ (Röm 6,3)
Und weil wir im Kreuz das Zeichen des Heils und der Befreiung sehen, werden wir nicht den Regenbogen, die Sonne oder irgend ein anderes, gefälligeres Zeichen ins Zentrum unseres Glaubens rücken, um das unbequeme Kreuz zu verdrängen. Und dabei spielt auch keine Rolle, wie oft das Kreuz durch die Jahrhunderte für andere Zwecke missbraucht wurde.
Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht:
Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein,sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesuund jeder Mund bekennt:  ‚Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,5-11)

Fastenzeit reloaded

KreuzPassionssonntagMit dem Passionssonntag, der mehr und mehr zum MISEREOR-Sonntag wird, treten wir ein in die Zeit der Betrachtung des Leidens Jesu. Deshalb möchte ich einige Gedanken zur Fastenzeit noch einmal vertiefen. Der Verzicht als die Opferform par exellence scheint ja immer noch groß in Mode zu sein, bei Alt und Jung. Dennoch sollten wir nicht den Grund allen Opferns vergessen: die Liebe.

Jesaja, der große Prophet, schreibt über das Fasten und lässt Gott sprechen:

„Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.

Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.“ (Jes 58,6-8)
Der Theologe und Evangelist Matthäus schreibt über das Fasten und lässt Jesus sprechen:
„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“
(Mt 6,16-18)
Und an einer anderen Stelle schreibt Matthäus über das rechte Opfer:
„Darum lernt, was es heißt: Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer. Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten.“ (Mt 9,13)
Dabei bezieht er sich auf den Propheten Hosea, bei dem es heißt:
„Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.“ (Hos 6,6)
Gott hat mehr Gefallen an der rechten Gesinnung eines Menschen, der aufrecht und barmherzig handelt, als an einem Menschen, der kasuistisch und juridisch, ja spießbürgerlich über die Gesetzesbefolgung bei anderen Menschen wacht, dabei aber selber sein Pharisäertum nicht erkennt.

Das neue Gotteslob ist da

Juh-hu, wie ich mich freue 😦 Nach dem (noch nicht ausgestandenen) scheinbar endlosen Desaster mit der Einführung des neuen Kirchengesangbuches „Gotteslob“ kommt es heute¹ in unsere Gemeinden des Bistums Erfurt. Mehr oder weniger feierlich wird es eingeführt. Ich plädiere ja dafür, dass in diesem Fall weniger mehr ist. Kein großes Brimbamborium. Es ist einfach da und wird ab heute¹ benutzt. Über die Benutzerfreundlichkeit möchte ich vorab dennoch schon einiges loswerden.

neues GotteslobIch habe das Buch ja schon seit einigen Wochen zur Ansicht und jetzt seit einigen Tagen auch die für meine Augen notwendige Seniorenausgabe. Der Schriftsatz ist – um es positiv zu sagen – gewöhnungsbedürtig. Die für die neue Ausgabe extra entwickelte Schrift soll auch in dunklen Kirchen gut lesbar sein. Naja. Einzelne Seiten sind schlichtweg Papierverschwendung. Man hätte sich lieber ein Beispiel am neuen evangelischen Gesangbuch nehmen sollen. Das ist übersichtlicher; es hat mehr Lieder; überhaupt ist es ein Gesangbuch. Das neue Gotteslob verfolgt jedoch ein anderes Konzept: Nicht nur Gesang- und Gebetsbuch will es sein, sondern auch ein Liturgiebuch und ein Hausbuch. Die Bischöfe schreiben zur Einführung:

„Neu hinzugekommen sind gottesdienstliche Formen wie Tagzeitenliturgien, Wort-Gottes-Feiern und häusliche Andachten.“

Naja, die Tagzeiten sind nicht ganz neu: Laudes, Vesper und Komplet waren auch schon im alten Gotteslob. Im übrigen dort so sortiert, dass man sie unter den Zeiten im Jahreskreis finden konnte. Jetzt sind sie alle hintereinander geklatscht, nein, nicht nach den Psalmen sondern erst ab Nr. 613 bis Nr. 667. Hinzugekommen und wirklich neu ist eine Eigenfeier in Form eines Morgenlobs, Abendlobs oder Nachtgebet. Zu diesen Gebetsformen gab es schon einmal eine Buchreihe. Diese werden aber genau so wenig  gepflegt wie die normalen Tagzeitenliturgien (außer an Kathedral- oder Hauptkirchen).

GotteslobengelDanach kommt ein klitzekleiner Beitrag zu den Wort-Gottes-Feiern. Das zeigt auch, wer am neuen Gotteslob mitgestrickt hat … die Lateinfraktion. Unter der kuriosen Rubrik „Woche“ findet sich der „Sonntag“ unter der Nr. 103 und dann geht es gleich mit den „Messgesängen“ weiter, beginnend mit „Lateinische Ordinarien“ 18 Seiten und dann 9 Seiten „Deutsche Ordinarien“.

Ab Nr. 672 findet sich das Puzzlespiel „Andachten“. Erst der Eröffnungsteil Nr. 673 – eine Seite!!!, keine Alternativen; dann zur Aussetzung Nr. 674 – eine Seite!!!, keine Alternativen; dann die Andachten, die sich am Leben Jesu orientieren usw. jeweils zwei Seiten!!! und schlussendlich der „Abschluss“ Nr. 681 ohne und Nr. 682 mit eucharistischem Segen. Daran schließt sich die Kreuzwegandacht an – was soll ich noch sagen, aber ich muss mich wiederholen: Papierverschwendung!!! Dann folgt der Regionalteil, über den ich noch gesondert nachdenken muss. Erst einmal so viel: Man hat unter anderem versucht, aus dem Stammteil verbannten Hits Asyl zu gewähren.

Fazit: Wir werden uns daran gewöhnen müssen. Das Einheitsprinzip ist und bleibt immer die Crux. Vor allem dann, wenn es heißt, der Vielfalt gerecht werden zu wollen.

„In diesem Sinne wünschen wir dem neuen Gotteslob eine gute Aufnahme – uns allen aber viel Freude damit und Gottes Segen!“

Erfurt, den 30. März 2014       Für das Bistum Erfurt:               Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Diözesanadministrator

¹ Sorry, gestern war so ein schöner Tag, dass ich diesen Artikel erst am Montag fertiggestellt habe.

Fasten

Wie jedes Jahr stellt sich mir und vielleicht dem einen oder anderen die Frage: Was soll ich tun in diesen 40 Tagen der Buße und des Fastens? Manch einer stöbert auch im Internet, falls er/ sie nicht darauf verzichtet, Internetfasten nennt sich das wohl. Btw.: Mache ich immer, wenn ich in Urlaub fahre.

Und dabei sind wir beim großen Thema der Fastenzeit: Verzicht. Ursprünglich bedeutete der Verzicht auf Fleischspeisen und tierische Produkte eine Demutsübung der Reichen, sprich des Adels und später des Bürgertums. Für die Armen war die Fastenzeit letztendlich nur die Verschärfung des bestehenden Zustandes. Der Verzicht war theologisch eingebettet in die Wüstenzeiten Jesu (40 Tage) und des Volkes Isreal nach dem Auszug aus dem Sklavenhaus Ägypten (40 Jahre), bevor sie dann geläutert von ihrem Murren und Ungehorsam gegen Gott in das Gelobte Land einziehen durften, wo sie nach all den Entbehrungen Milch und Honig im Überfluss hatten.

Zwei Dimensionen des Verzichts: a) Läuterung von den Sünden und b) Buße und Besinnung. Die Vergebung der Sünden erhalten wir im Empfang des Bußsakramentes, in der Beichte. Dazu sind die Christen besonders in dieser Zeit aufgerufen.

Um in rechter Weise seine Sünden zu erkennen und zu bereuen (die Grundvoraussetzungen zur Beichte) bedarf es der Besinnung. Die Stille, die auch Jesus in der Wüste suchte, ist ein gutes Mittel, um zur Besinnung zu kommen. Einfach mal alles abschalten. Zeit für Exerzitien, vorzüglich im Kloster, aber hier und da werden auch in den Gemeinden Exerzitien im Alltag angeboten. Der Besuch besonderer Gottesdienste kann auch dazu beitragen: Bußandachten, Kreuzwege und Spät- oder Frühschichten.

Über den Verzicht hinaus soll man in der Österlichen Bußzeit auch ein spürbares Geldopfer entrichten. Ja klar, werden jetzt einige sagen, als Kirchenmensch musst du ja darauf verweisen: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt.“ (frei nach Tetzel) Nein!!! Das ist damit nicht gemeint. Es soll eine Hilfe für Menschen sein, die sich nicht selbst helfen können, die auf unsere Nächstenliebe angewiesen sind, die wir in die Organisationen: Caritas, Diakonie, Brot für die Welt, Misereor etc. ausgelagert haben.

Und dabei bin ich bei meinem Lieblingsschwerpunkt der Fastenzeit. Nicht das Opfer, der Verzicht, steht im Fokus der Fastenzeit sondern das Einüben der Werke der Barmherzigkeit, die tätige Nächstenliebe. Was hält mich davon ab? Darüber nachzudenken und dementgegen zu wirken, sehe ich als Hauptaufgabe der Österlichen Bußzeit an. Hierzu auch: Fasten – Österliche Bußzeit.

Nachtrag: Wer noch Ideen für die Fastenzeit sucht, gehe doch bitte auch in Bachmichls Haus: Blogparade Fastenzeit AD 2014. Dort findet sich bestimmt noch das eine oder andere Ziel, um sinnvoll diese Zeit zu begehen. Auch der Artikel: Fastenziele ist sehr lesenswert.

Dritter Weltkrieg?

Ist die Kriegsgefahr mit dem Untergang der Sowjetunion wirklich gebannt? Ein zarengleicher Herrscher lenkt Mütterchen Russland in die internationale Isolation und fordert die Welt heraus. Putin lacht sich eins über irgendwelche Androhungen von Sanktionen. Er ist willens und bereit sich nicht nur die Krim einzuverleiben sondern auch die ganze Ukraine, wenn sein Busenfreund Janukowitsch ihn darum bittet. Was das – wahrscheinlich getürkte – Referendum brachte: Verunsicherungen und Machtgeprotze.

Beten wir für die Menschen in der Ukraine und in Russland und für die Politiker, die den Einsatz von wirtschaftlichen oder militärischen Waffen verhindern können und müssen. Um Frieden und Einsicht, um den Heiligen Geist auch für die Patriarchen in Moskau und Kiew.