Ein Bischof und sein Luxuswahn

Nun ist es amtlich: Der Papst hat den Rücktritt des umstrittenen Bischofs Tebartz van Elst angenommen. Lange hat es gedauert, aber letztendlich wollte der Papst nicht nach den Medienberichten oder dem Hörensagen handeln, sondern erst nach Veröffentlichung des offiziellen Prüfberichtes der Bischofskonferenz Deutschlands. Und der fällt ziemlich vernichtend aus. Man kann ihn im Internet sich anschauen oder downloaden. Der Artikel: Zum Rücktritt von Bischof Tebartz van Elst sammelt alle offiziellen und inoffiziellen Veröffentlichungen. Aber eines möchte ich noch betonen: Meine vielgeliebte Kritik an den Machtspielchen der Medien muss ich auch in dieser Affäre anbringen. Diesmal ist der „Focus“ wohl einer Ente aufgesessen: „Vorwürfe gegen Tebartz van Elst  ausgeräumt.“

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Endlich

Heiner-KochDie Zeit der Vakanz im Bistum Dresden Meißen ist vorbei. Dr. Heiner Koch ist zum Bischof von Dresden-Meißen ernannt worden. Somit tritt er die Nachfolge von Joachim Reinelt an, der am 20. Februar 2012 aus dem Amt geschieden war.

In der Zeit von 2002 bis 2005 leitete Dr. Koch als Generalsekretär die Planung und Durchführung des Weltjugendtags in Köln. Er wurde  von Papst Benedikt XVI. zum Weihbischof im Erzbistum Köln ernannt. In der Deutschen Bischofskonferenz kümmert er sich um „Ehe und Familie“ sowie die Migranten. Als Beauftragter der Bischofskonferenz ist er für die Katholische Deutsche Auslandsseelsorge zuständig. Auch die Deutsche Wallfahrts- und Tourismusseelsorge zählt zu seinen Aufgaben. Seit kurzem übernahm Dr. Koch auch den Vorsitz des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln.

Weihbischof Dr. Koch hat sich einen Vers aus dem Philipperbrief als Wahlspruch ausgesucht: „Gaudete semper. Dominus prope“ – „Freut euch allezeit, der Herr ist nahe“ (Phil 4,4). Bleibt dem Nachbarbistum zu wünschen: Ein guter Hirt, der das menschliche Angesicht Gottes den Menschen heute vermitteln kann. Hoffentlich kommt der Düsseldorfer auch mit der Diasporasituation im Osten Deutschlands zurecht.

Bischof Dr. Joachim Wanke geht in den Ruhestand

 

Mit dieser Eilmeldung überraschte mich eben mein mail-Kasten:

Der Erfurter Bischof Joachim Wanke (71) geht in den Ruhestand.

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2012, 12 Uhr, hat Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch angenommen, das der Bischof aus gesundheitlichen Gründen eingereicht hatte.

Wanke befindet sich aufgrund einer seit langem bekannten Herzkrankheit in einer labilen gesundheitlichen Situation, die ihn hindert, sein bischöfliches Amt wie gewohnt auszuüben. Der Rücktritt erfolgt im 32. Jahr nach seiner Bischofsweihe. 1994 war Joachim Wanke, zuvor Apostolischer Administrator des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen, von Papst Johannes Paul II. zum ersten Bischof des neu gegründeten Bistums Erfurt ernannt worden.

Mit dem Rücktritt von Bischof Wanke ist der Erfurter Bischofsstuhl vakant. Gemäß dem Kirchenrecht wählt das Erfurter Domkapitel am Dienstag, 2. Oktober, einen Diözesan-Administrator, der das Bistum leitet, bis ein neuer Bischof von der Diözese Besitz ergreift. Bis zur Wahl des Diözesan-Administrators liegt die Leitung des Bistums Erfurt, dem Kirchenrecht entsprechend, in der Hand von Weihbischof Reinhard Hauke.

Bischof Joachim Wanke wird offiziell an zwei Tagen verabschiedet. Beim Elisabeth-Empfang am Dienstag, 20. November, nimmt er nach einem Gottesdienst in der Schottenkirche im Erfurter Kaisersaal von der politischen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit Abschied.

Von den seelsorglichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verabschiedet sich der Bischof am Mittwoch, 28. November, vormittags im Rahmen der Pastoralkonferenz. Nachmittags findet ein Festakt im Theater Erfurt statt, zu dem Vertreter der Deutschen Bischofskonferenz, der Nachbarbistümer, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, der Caritas und aus der Ökumene kommen. Außerdem nehmen Delegationen der Kirchengemeinden des Bistums Erfurt sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Seelsorge und des Bischöflichen Ordinariates teil. Der Tag klingt mit einer Pontifikalmesse um 17.30 Uhr im Erfurter Mariendom aus.

(soweit die Mitteilung des Presseamtes des Bistums Erfurt)

 

Eis essen und Eisheilige

Wie gehört das zusammen? Weiß ich auch nicht. Aber innerhalb weniger Tage konnte man sich sowohl einen Sonnenbrand einfangen, als auch an Unterkühlung eingehen. Das Wetter ist aus den Fugen und die raschen Temperaturwechsel spiegeln auch meinen Kreislauf wieder.

Heute gedenkt die Kirche des Heiligen Mamertus, jenes Bischofs aus Vienne, der sich mit dem Papst Hilarius angelegt hat. Dieser wollte die Bistümer 450 n.Chr. in Südfrankreich neu ordnen. Mamertus aber passte das wohl nicht und setze in St-Dié eigenständig einen Bischof ein. Dafür gab’s denn auch eine strenge Rüge vom Papst. Sein eigentlicher Verdienst aber sind die drei Bittgänge (-prozessionen) vor Christi Himmelfahrt. Zahlreiche Feurbrünste und Naturkatastrophen müssen zu seiner Zeit seine Heimat heimgesucht haben. Zur Abwendung derselben ließ er entsprechende Gebete und Litaneien anfertigen, die in sich in ganz Gallien und Spanien verbreiteten. Diese Tradition wird in einigen Eichsfelddörfern mit abnehmender Beteiligung auch heute noch gepflegt. Eine Bauernregel sagt: „Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz.“ Davon ist heute nicht viel zu spüren. Mein Temperaturfühler hat sich bei 27,4 °C festgestellt.

Viel bekannter in unseren Breiten ist der Heilige Pankratius, der gemeinhin als erster Eisheiliger geführt wird. Über ihn ist nicht viel bekannt, nur dass er als Jugendlicher aus einer reichen römischen Familie stammend verwaist ist und sein geerbtes Vermögen für verfolgte Christen eingesetzt hat. Unter Kaiser Diokletian sollte er seinem Glauben abschwören. Er blieb standhaft und wurde 14-jährig enthauptet und den Hunden zum Fraß vorgeworfen. Unter Lebensgefahr wurde sein Leichnam geborgen und in den Katakomben an der Via Aurelia beigesetzt. Pankratius wird als Patron der Erstkommunionkinder geführt. Bauernweisheit: „Pankrazi, Servazi, Bonifazi sind drei frostige Bazi, und am Schluss fehlt nie die kalte Sophie.“

Der Heilige Servatius stammt der Legende nach aus Armenien und wurde der erste Bischof in Tongern (heute in Belgien). Er nahm wohl an verschiedenen (Ökumenischen) Konzilien des 4. Jh. teil und gilt als Hauptgegner des Arianismus. 350 n. Chr. war er in einer Gesandtschaft zum Kaiser Konstantin. Legenden erzählen, er sei mit einem Holzschuh erschlagen worden. Andere Berichte gehen davon aus, dass er zum Sterben nach Maastricht ging, wo er auch beigesetzt werden wollte und auch wurde. Sein Grab entwickelte sich seit dem 5.Jh. durch das ganze Mittelalter hindurch zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. „Nach Servaz findet der Frost keinen Platz“, sagen die Bauern.

Bonifatius von Tarsus ist nicht zu verwecheln mit dem Apostel der Deutschen. Über ihn wissen wir eigentlich nur legendenhafte Erzählungen. Er soll als Nicht-Christ die Christenverfolgung unter Kaiser Galerius um 300 n.Chr. miterlebt haben, änderte sein lotterhaftes Leben und ließ sich taufen. Weil er sich zum Christentum bekannte, musste er in siedendem Pech sterben.

Die gemeinhin bekannte „Kalte“ Sophie wird als Sophia von Rom in den Heiligenlegenden geführt. Eigentlich ist von ihr nur der Tod halbwegs bezeugt. Als junge Frau fiel sie wohl der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian um 300 n.Chr. zum Opfer. Bauern machen sie zur „Kalten“ in zahlreichen Sprüchen: Die kalt‘ Sophie, die bringt zum Schluss, ganz gern noch einen Regenguss.

Beten mit der Heiligen Schrift

Hirtenbrief des Erfurter Bischofs Joachim Wanke zur österlichen Bußzeit 2012

Nach guter alter Tradition schreiben uns die Bischöfe am Ersten Fastensonntag ein Wort der Erbauung und Betrachtung zum Beginn der Österlichen Bußzeit. Auch der Bischof Joachim Wanke aus Erfurt schreibt seinen Schäfchen einen Aufguß seines – immerhin guten – Hirtenwortes 2011. Dieses Jahr empfiehlt er über die allgemeine Gebetsschule noch das Gebet im Alltags mittels Schriftworten.

„Ich persönlich habe mit folgender Gebetspraxis gute Erfahrungen gemacht: dem Beten mit kurzen Schriftworten. Ich suche mir kurze Worte aus der Heiligen Schrift, die ich als Gebetsanrufungen in meinen Tag einbaue. Ich nenne diese Worte Situationsgebete. Sie beleuchten bestimmte Alltagssituationen und tauchen sie in ein neues Licht. Sie sind für mich so etwas wie geistliche  „Tiefenbohrungen“, besonders in Situationen, in denen es sehr profan zugeht und Gott weit weg zu sein scheint.“

So schreibt Bischof Wanke und nennt drei Beispiele:

1. Aus dem Breviergebet einen Vers aus Psalm 139 „Herr, du kennst mich!“ (V1). Dieses Wort begleitet ihn persönlich oft in Alltagssituationen, in denen er ein schwieriges Gespräch hat u.a. Es hilft vor „Verengung des Herzens“ und rückt die eigene Person auch in den Kontext der Schuld und warnt vor einseitiger Betrachtung der Dinge.

2. „Herr, ich möchte sehen können!“(Mk 10,51) Dieses Wort stammt aus dem Mund des Blinden Bartimäus. Der Bischof schreibt weiter dazu:

„Auch Bischöfe werden manchmal kritisiert. Schnell kann man in einer solchen Situation ärgerlich werden. Da kann ein solches Gebetswort helfen. Ich bitte darin um die Einsicht, vielleicht doch eigene Fehler und Schwächen zu erkennen und einzugestehen.“

3. Dieser Punkt ist eigentlich ein Sammelsurium von Schriftworten und zugleich die Schwäche des Briefes. Während der Bischof unter Punkt 1 und 2 ziemlich konkret sein Gebetsleben offenbart, hängt er hier zur eigenen Meditation lose wohl auch eigens verwendete Schriftworte an. Vielleicht wäre es besser gewesen hier noch ein spezielles Beispiel zu nennen. Nicht nur beim Vorlesen fällt einem der Wechsel des Predigtstils auf und macht es einem dadurch nicht leicht, diesen Brief flüssig zu verkünden.

Fazit: Nichts Neues unter der Sonne also.