Hass und Liebe

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Die größte Schwäche der Gewalt liegt darin, daß sie gerade das erzeugt, was sie vernichten will. Statt das Böse zu ver­ringern, vermehrt sie es.

Durch Gewalt kann man den Lügner ermorden; aber man kann weder die Lüge ermorden noch die Wahrheit aufrichten. Durch Gewalt kann man den Hasser ermorden, aber man tötet den Hass nicht.

Gewalt verstärkt nur den Hass. Das ist der Lauf der Dinge. Gewalt mit Gewalt zu vergelten, vermehrt die Gewalt und macht eine Nacht, die schon sternenlos ist, noch dunkler. Dunkelheit kann die Dunkelheit nicht vertreiben; das kann nur das Licht. Hass kann den Hass nicht vertreiben; das kann nur die Liebe.

Martin Luther King

Aschekreuz – ein Zeichen der Umkehr

Am Aschermittwoch ist bekanntlich „alles vorbei“, wie es in einem Karnevalslied heißt. Im Erfurter Direktorium – das im übrigen dieses Jahr eine glatte 6 in Punkto Übersichtlichkeit und Informativität von mir bekommt und im Gesamteindruck gerade so eine 5 (in Schulnoten) – steht zum Aschermittwoch lapidar: „Fast- und Abstinenztag“ und zur „Segnung und Auflegung der Asche“:

„Zur Auflegung der Asche wird eines der vorgeschriebenen Worte gesprochen: ‚Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst.“ Oder: ‚ Bekehret euch und glaubt an das Evangelium.'“

Dazu einige Anmerkungen: Warum ist die erste Form in der Einzahl und die zweite Form im Plural, wo es doch immer um eine persönliche Ascheauflegung geht? „zum Staube“ ist meiner Meinung eine veralterte Formulierung, ebenso wie „Bekehret“. Das „e“ ist jeweils zu reduzieren. Wenn man schon Wert auf korrekte Neue Deutsche Rechtschreibung legt, dann bitte schön nicht nur: „dass“, sondern auch: „zum Staub“ und „Bekehrt“ oder besser: „Bekehre dich“.

Den Hinweis zum Fast- und Abstinenzgebot in den Bemerkungen zur Fastenzeit – Österlichen Bußzeit halte ich für bemerkenswert, besonders auch der Hinweis auf die Altersangaben. Für alle Hardcore-Faster:

„Das Abstinenzgebot (Verzicht auf Fleischspeisen) am Aschermittwoch und am Karfreitag verpflichtet vom 14. Lebensjahr an, sollte aber auch jenseits der Altersgrenze berücksichtigt werden. Das an beiden Tagen auch geltende Fastengebot (Einschränkung des Essens auf eine Sättigung am Tag) verpflichtet vom vollendeten 18. bis zum Beginn des 60. Lebensjahres alle gesunden Erwachsenen.“

Wenn ich den Blog durchforste, finde ich eigentlich recht viel Artikel zur Fastenzeit. Hier einige Gedanken, die ich reblogge:

„Wir machen Ernst mit Umkehr und Buße, ein Leben nach dem Evangelium. Fastenzeit ist eigentlich der falsche Begriff in der heutigen Zeit. Denken viele Zeitgenossen doch nur an Heilfasten, an das Sich-Enthalten(-Müssen). Was Jesus dazu sagt kann man unter anderem bei Mt 6,16-20 nachlesen.

Mein Schatz (keine Geschichte von Tolkien): “Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.” (Mt 6,21). So sollen und dürfen wir auch am Aschermittwoch lachen und Späße machen, aber wir dürfen uns wieder bewußt machen, was es heißt, an Jesus Christus zu glauben. Die Österliche Bußzeit ist eine Zeit der Einübung der Christusnachfolge. 40 Tage lang kommt es also nicht darauf an, weniger zu essen, zu trinken oder zu rauchen oder sich sonst welcher Genüsse zu enthalten. Zuerst sollen wir unser Leben nach dem Leben des Herrn ausrichten.

Deshalb halte ich es für wichtiger: Kranke und Einsame zu besuchen, Trauernden Trost und Rat zu spenden und und und … miteinander und füreinander zu beten. Also auf, liebe Gemeinde, machen wir uns schick und besuchen wir den einen oder anderen, den wir schon lange nicht mehr besucht haben, versöhnen wir uns mit dem Nachbarn, auch über den Maschendrahtzaun hinweg, und reichen wir einander die Hand, auch im Gottesdienst, wo es ja vielen besonders schwer fällt. Der christlichen Kreativität sind nur die Grenzen gesetzt, die Christus setzt.“

Und noch einige Hinweise:

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

Fasten

Fasten – österliche Bußzeit

 

 

 

 

Sieben Wochen ohne

Anfänglich war diese Aktion mal richtig gut. Aber dieses Jahr haben die Macher sich mit dem Zentrum für evangelische Predigtkultur zusammengetan. Ein Kommentator zu dem Artikel: „Fastenzeit: Pfarrer sollen nicht über Gott predigen“ auf evangelisch.de beschreibt das ziemlich passend: Der Feind in den eigenen Reihen!!!

Und darum geht es: Sieben Wochen ohne große Worte. Die Idee, die dahinter steckt, ist auf den ersten Blick interessant und verlockend. Wenn man aber einen Funken Verstand hat, merkt man, dass dieses Ansinnen unchristlich, synkretistisch und spalterisch ist. Nicht nur die ersten Märtyrer drehen sich im Grabe um, auch Martin Luther würde gegen solchen Unsinn auf’s schärfste sein Wort von der Kanzel schallen lassen.

Und dem Geschäftsführer der Aktion Arnd Brummer würde er sicher eins auf’s Maul hauen. Und ihn achtkantig aus seiner Kirche werfen – eigenhändig! Der entblödet sich und schreibt in seinem Leitartikel zur diesjährigen Aktion: „Wir wünschen Ihnen dafür Entdeckergeist, Ketzermut und viel Freude an eigenen Denk-Abenteuern!“ [Hervorhebung d. Red.]

Die Formulierung: „Der Feind in den eigenen Reihen“ trifft irgendwie ins Schwarze. Ein anderer Kommentator schreibt: „Toll, was für eine großartige, hippe Idee mal wieder… -.- Wie nennt sich die Kirche denn wohl in diesen sieben „glorreichen“ Wochen? Evangelisch geht ja nicht mehr, denn „Evangelium“ ist ja sicher auch so ein viel zu kompliziertes Wort 😉 Vielleicht würde es „leer, aber trendy“ ganz gut treffen…?“

Wollen die Macher von „Sieben Wochen ohne große Worte“ die Leute für Christus gewinnen und seine Botschaft unter die Leute bringen? Oder die verbliebenen Christen aus der Kirche treiben? Es wäre sinnvoller in den Wochen der Fastenzeit über den Sinn derselben nachzudenken und den Leuten Inhalte in den altbekannten Gefäßen zu geben, denn es ist kein anderer Gott!!!

Der Vater, der den Sohn Jesus als Christus (Messias) und Heiland der Welt zu uns gesandt hat, um alle Menschen von der (Erb-)sünde zu befreien durch seinen Tod am Kreuz. Jesus, der auferstanden ist und den Menschen guten Willens mit und durch und im Vater den heiligen Geist geschickt hat, der im Menschen Wohnung genommen hat durch die Taufe und somit alle Heiligung Gottes vollendet. Die Kirche …. na ja …. zum Glück kann man nicht an die Kirche glauben.

Sehr schön passen auch die Worte von Paulus, die am 7. Sonntag im Jahreskreis (A) verlesen wurden:

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.
Keiner täusche sich selbst. Wenn einer unter euch meint, er sei weise in dieser Welt, dann werde er töricht, um weise zu werden.
Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit vor Gott. In der Schrift steht nämlich: Er fängt die Weisen in ihrer eigenen List. Und an einer anderen Stelle: Der Herr kennt die Gedanken der Weisen; er weiß, sie sind nichtig.
Daher soll sich niemand eines Menschen rühmen. Denn alles gehört euch; Paulus, Apollos, Kephas, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft: alles gehört euch; ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott.“ 1Kor 3,16-23

Und zum Schluss noch die Worte, die Ihr bösen, bösen Pfarrer/ -innen und/oder Pastoren/ -innen in den kommenden Wochen keinesfalls in euren Predigten in den Mund nehmen dürft, die ihr aber mit neuen Inhalten zu füllen habt, aber zackig und trendy:

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Und einpacken. Wenn wir diese Worte nicht mehr verwenden sollen in der Predigt (das ist doch das Zentrum des evangelischen Gottesdienstes), weil sie leere Worthülsen geworden zu sein scheinen und wir diese kostbaren Gefäße nicht füllen können, bleibt nur eines: Machen wir den Laden dicht und verkaufen die ohnehin leer gefegten Kirchen an die nächste islamische Gemeinde. Die freuen sich und machen dann das, was die Christen nicht mehr verstehen, weil sie zu verkopft sind: aktive Religionsausübung durch regelmäßiges Gebet (v.a. Lobpreis des Namens Gottes) und Auslegung der Heiligen Schrift (in diesem Fall: der Koran) durch Predigt und Tat.

Karneval in Thüringen

Karnevalsumzug in Wasungen

Wer hätte das gedacht: Im Kernland der Reformation gibt es eine Faschingshochburg. Nein, keine Angst, wir haben nicht die Landesgrenzen nach Köln hin ausgeweitet. Wasungen, mitten im Grünen Herzen Deutschlands. Und jetzt wird’s noch ganz verrückt. Diese 3.500 Leute große Stadt hat eine Karnevalsgeschichte, die bis 1524 zurückreicht (erste Erwähnung des Karnevals in Wasungen). Und es ist ein evangelischer (!!) Karneval (tädä .. rums).

Heute mag das ja nichts Besonderes sein, da es in Thüringen ja viele Karnevals- und auch Kirmesvereine gibt, die von den katholischen (!!) Ursprüngen gar nichts wissen, weil es rein weltliche Vereine sind, die keine Anbindung an irgendwelche kirchliche Traditionen haben. Im Eichsfeld jedoch ist es noch üblich die Kirmes (i.e. die Kirchweih) in der Kirche zu feiern. Und zumindest die Abordnung vom Karnevalsverein, die am Aschermittwoch wieder nüchtern ist, läßt sich dann ein Aschekreuz auf die Stirn drücken. Ein Zeichen der Buße und Umkehr in den kommenden Tagen der sog. Fastenzeit (Österlichen Bußzeit).

Karneval Wasungen Umzug

Diese Vorbereitungszeit auf Ostern ist auch der Grund, warum Katholiken den Karneval „erfunden“ haben. Eine Deutung des Wortes „Karneval“ lautet ja: „Fleisch [carne] lebe wohl“. Wohl ein Hinweis auch auf den Fleischverzicht in der Fastenzeit. Die Reformatoren wollten von diesem närrischen Treiben nichts wissen. So grenzt es schon an ein kleines Wunder, dass sich in Wasungen solch ein Spektakel über die Jahrhunderte erhalten hat. Nähere Infos unter der Homepage des Wasunger Carneval Club.

Ökumenische Friedensdekade 2012

Die Friedensdekade 2012 beginnt am St. Martinstag und endet am 21.11.2012, dem Buß- und Bettag. Das Motto lautet in diesem Jahr: „Mutig für Menschenwürde„.

Dabei wird der Finger in die Wunden gelegt: „Gier, Macht und Krieg“ (das Thema im letzten Jahr) sind keine christlichen Werte, obgleich es archaische Mechanismen sind, die wir Christen aufdecken sollten. Gegen diese Auswüchse der Unmenschlichkeit hat sich auch zu DDR-Zeiten der Konziliare Prozess „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ ausgesprochen. Dazu gibt es außerhalb der Friedensdekade am 1.12.2012 eine Konferenz in Erfurt, Tagungsraum der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt (Andreasstraße 37a).

Es soll auch Rückblick gehalten werden auf den Prozess in den 1980-er Jahren. Doch nicht nur die historische Sicht soll geschärft und der Konziliare Prozess kritisch gewürdigt werden, vielmehr wird auch der Frage nachgegangen: Was blieb? Wurde nach der Wende 1989/90 alles wieder vergessen? Wo lassen sich die Grundüberzeugungen der Versammlung heute noch finden? Und sind sie überhaupt noch aktuell?

Zurück zur Friedensdekade: Material findet sich hier. Die Termine für Thüringen kann man hier nachlesen. Das sind auch sicher nicht alle. Am besten einfach mal bei der Gemeinde vor Ort Infos holen.

Grundsätzliches zur Friedensdekade habe ich ja schon im letzten Jahr geschrieben: Schwerter zu Pflugscharen.

Beichte und Haarwuchs

Das folgende Foto soll auf facebook und in einigen katholischen Blogs die Runde machen. Tja, manchmal können einem sprichwörtlich „die Haare zu Berge stehen“. Vielleicht aber ist es einfach nur ein Punk, der sich mit einem katholischen Geistlichen unterhält oder ihm beichtet – auf Englisch – nehm‘ ich mal an.

Ein heißes Eisen: Geschiedene und die Römisch Katholische Kirche

Lange schon gärt die Problematik nicht nur unter dem gläubigen Volk sondern auch unter dem „Bodenpersonal Gottes“. Wer das Ganze mit dem traditionalistischen Verweis auf Mt 19,6: „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen “ abtut, wird Gott und den Menschen nicht gerecht. Ebenso handeln diejenigen, die meinen, die zur Zeit herrschende Scheidungspraxis sei ein Vorbild für alle Katholiken und damit machten es sich Geschiedene eben recht leicht in ihren wechselnden Partnerschaften. Die „Kirche“ müsse da rigoros und unmissverständlich in ihren rechtlichen Bestimmungen sein. (Was sie schon lange nicht mehr ist!!!)

Ich erlebe jedoch in der Praxis Menschen, die es sich durchaus nicht so einfach machen, die trotz aller Bemühungen aus den unterschiedlichsten Gründen in der Ehe scheitern. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Leiden: Ehepartner, die nach dem x-ten missglückten Versöhnungsversuch wegen der Kinder, der Verwandten, der Arbeitgeber, der Kirche o.ä. dennoch zusammen bleiben und sich verkrümmen und leiden auf die unterschiedlichste Art und Weise, meistens nicht auf den ersten Blick nach außen erkennbar. Dann kenne ich Menschen, die diese Verdrehungen und unnötigen Leiden nicht durchstehen können und wollen, die sich trennen. Wenn es nicht gut sein soll, dass der Mensch allein bleibt (nach Gen 2,18), dann kann es möglich sein, dass der Mensch auch nach einer Scheidung sich in Liebe an einen neuen Partner bindet.

Wie geht die Römisch Katholische Kirche mit dem möglichen und realen Scheitern um? Ist Scheitern im Leben generell ein Versagen? Muss ich unter der Schuld meines Partners mitleiden, wenn er z.B. Ehebruch begangen hat? Wenn sich mein Partner ohne meine Schuld von mir trennt, muss ich dann zeit meines Lebens alleine leben? Und und und … das ist nur ein kleiner Fragenkatalog, um die große Dimension dieses Problems aufzuzeigen. Von Kindern und anderen Dritten ganz zu schweigen. Die Traditionalisten kennen nur eine Antwort: Bei Versagen in diesen Dingen auf alle Fälle keinen neuen Partner. Wenn, dann gilt das ja  als Wiederheirat und führt den automatischen Ausschluss – zumindest von der Eucharistie – nach sich.

Und da kenne ich wiederum Menschen, denen ist das egal, die gehen dann nicht zur Kommunion, und leiden auch nicht darunter – was ich schon als bedenklich ansehe. Andere leiden sehr unter dem Ausschluss. Einige suchen sich Priester, die ihnen die Kommunion nicht verweigern (können). [Priester dürfen den Gläubigen die Kommunion nicht vorenthalten, es sei denn sie haben Kenntnis von kirchenrechlichen Ausschlüssen – und das weiss schon in manchen Fällen nicht einmal mehr der Kommunionhelfer.] Das Gewissen jedes einzelnen ist auf alle Fälle der entscheidende Motor in allen Belangen des christlichen Lebens.

Die östlichen Kirchen sind uns da schon um einiges voraus: Auch die Orthodoxe Kirche bekennt sich zu der einen sakramentalen Ehe. Sie ist von Gott gesegnet und hat somit dauerhaften Charakter. Eine zweite Ehe widerspricht dem christlichen Verständnis. Trotz der Bevorzugung der Nichtheirat toleriert sie nach einer Ehescheidung eine Zweit- bzw. Drittehe, wenn diese für bestimmte Menschen als die beste Lösung erscheint, um unnötige Leiden zu vermeiden. Es geht nicht darum, um für eine Zweitehe Werbung zu machen, sondern darum, Geschiedene und wiederverheiratete Geschiedene nicht auszuschließen. Die Scheidung wird verurteilt, nicht aber die Geschiedenen und Wiederverheirateten selbst.  Die „zweite Ehe“ unterscheidet sich wesentlich von der ersten Eheschließung. Wenn ein Partner wieder heiratet, wird er auf maximal 2 Jahre von der Eucharistie ausgeschlossen (bei Drittehe bis zu 5 Jahren). Dabei zeigt sich in der Praxis meist eine mildere Form. Es kommt ein besonderer Trauritus zur Anwendung, der den Buss-Charakter zum Ausdruck bringt im Bewusstsein von Sündhaftigkeit und Barmherzigkeit.

Ökumenischer Jugendkreuzweg 2011

Die hohe Zeit der Jugendkreuzwege ist vorbei. Schaut man sich das Material dieses Jahres an, dann weiß man auch warum. Die Texte in den Textheften schwer lesbar: kleine graue Buchstaben. Die Bilder – naja, über Kunst kann man sich (nicht) streiten. Von den Liedern und den Vorstellungen der Liedermacher (u.a. polyphones Kyrie) ist auch nichts zu erwarten. Bestenfalls kommen sie der oft verbreiteten Singfaulheit der Jugend entgegen und fördern diese sogar noch. Ohne Band und Schola geht da gar nichts.

Dennoch laden vielerorts die Gemeinden am heutigen Freitag vor Palmsonntag zum ökumenischen Kreuzweg der Jugend ein. Wir wollen uns darauf besinnen, was im Leben eines Christen wichtig ist. Dazu gehört die Mitfeier der Gottesdienste der Heiligen Woche und an Ostern. Der Jugendkreuzweg soll eine Möglichkeit sein, sich auf das Leiden und Sterben unseres Herrn einzulassen und zu bedenken, was Jesus auch für mich getan hat. Wenn ich das Kreuz ausblende, kann ich auch nicht Ostern feiern.

Sind auch wir blind?

Was soll diese Frage? Natürlich weiß der geneigte Leser oder Hörer des Johannesevangeliums, dass die Pharisäer bei Johannes nicht gut wegkommen, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Doch darüber, was die Bibelstelle exegetisch alles so enthält, sollst du, geneigte(r) Leser/in dieses Blogs, lieber ein gutes Handbuch zur Hand nehmen. Ich hingegen möchte meine „unrasierten Sonntagsgedanken“ dazu sagen, ob gelegen oder ungelegen.

Wenn ich auf die Gegenwart schaue, macht mich diese Erzählung in dreierlei Hinsicht nachdenklich.

In erster Linie geht es um das Erkennen des Menschensohnes, des Messias und Christus. Wir leben in einer Zeit, in der Spiritualität boomt und Religion wieder gefragt zu sein scheint, zumindest im Westen Deutschlands und anderswo in der Welt. Aber  der Glaube an Jesus Christus als Erlöser und Messias spielt  in unserer Kultur eine immer geringere Rolle. Was macht die Menschen blind für Christus? Gibt es etwas, was sie gewissermaßen blendet? Ist es „das real existierende Christentum“, das sie abhält, sich mit seinem Leben und mit seiner Botschaft zu befassen? Sind wir, die wir uns zum Christentum bekennen, mit den Eltern des Blindgeborenen zu vergleichen, die sich herumwinden und ängstlich hinter ihren Antworten verstecken? Sie haben nicht mehr zu sagen als: „Das wissen wir nicht“. Unsere Lebensweise macht nur wenige Menschen neugierig zu fragen: Von wem lassen die sich leiten?“ An wen glauben die Christen?

Ein Zweites frage ich mich: Wie weit behindert meine vorgefasste Weltanschauung ein unvoreingenommenes Wahrnehmen des Wirkens Gottes in dieser Welt? Jesus forderte einmal seine Zuhörer auf, „die Zeichen der Zeit“ zu deuten. In den vielen Versuchen, die Zeichen unserer gegenwärtigen Zeit zu deuten, fällt mir auf, wie viele Menschen einfach ihre gewohnten Denkmuster und verinnerlichten Dogmen anwenden und wie schnell sie zu Urteilen gelangen, die weder zu einer vertieften Sichtweise noch zu einer neuen Erkenntnis führen. Meistens treten wir auf der Stelle, wenn wir die sog. Zeichen der Zeit diskutieren. Weltanschauungen und Religionen im Besonderen neigen zur Dogmenbildung, eigene Sprach- und Verhaltensmuster. Nicht immer verhelfen echte und oft auch nur scheinbare Dogmen zu einer klareren Sicht. Vorgefasste Meinungen können das Aufbrechen alter und verkrusteter Sichtweisen verhindern und den Blick auf die Fakten trüben.

Die Diskussion um die Stellung der Frauen, um eine Neubewertung der Sexualität, um die Lebensform Zölibat, um den Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen werden in der kirchlichen Auseinandersetzung als nicht wirklich wichtig abgetan oder mit dem Hinweis auf die Tradition vom Tisch gewischt. Die Frage, ob in den Problemen, die wir als Kirche in all diesen Bereichen haben, uns nicht Gott selbst neue Wege zeigen will, wird von denen, die das letzte Wort zu haben scheinen, erst gar nicht zugelassen.

Eine dritte Beobachtung macht mich nicht weniger nachdenklich: Viele Menschen neigen dazu, negative Ereignisse sehr schnell dem Wirken Gottes zuzuschreiben. Wenn sie mit Krankheit, Schicksalsschlägen oder Katastrophen konfrontiert sind, fragen sie: „Wie kann Gott das zulassen?“ Oder sie sehen darin gar eine Strafmaßnahme Gottes. Wenn hingegen offensichtlich Positives zu verzeichnen ist, kommt ein mögliches Wirken Gottes nur selten in den Blick. Vereinfacht gesagt: Für die Krankheit ist Gott verantwortlich, die Gesundheit verdanken wir uns selbst oder den Ärzten.

Den Medien werfen wir gerne vor, dass sie mehr an schlechten Nachrichten interessiert seien als an guten. Dies gilt wohl mehr noch von uns, den Nutzern der Medien. Sind wir blind sind für das Gute und Positive in der Welt? Hängt das Schwinden von Glaube und Religion in der Öffentlichkeit vielleicht auch damit zusammen, dass wir das Wirken Gottes in der Welt nicht mehr wahrnehmen, bzw. Positives nicht mit ihm in Verbindung bringen? Können wir glauben, dass Gott auch heute noch am Werk ist? Können wir das Gute und Positive sehen oder stimmen wir ohne nachzudenken ein in die Chöre der apokalyptischen Schwarzmaler?

Müssen nicht auch wir wie die Pharisäer fragen: „Sind etwa auch wir blind?“ Oder müssten vielmehr nicht auch wir Jesus bitten: „Rabbuni, ich möchte wieder sehen können?“ Das wäre doch eine lohnenswerte Aufgabe für die vorösterliche Bußzeit.

Hilfe, ich habe eine Erscheinung

Wer heutzutage Visionen oder Erscheinungen hat, wird zum Psychater geschickt. Zur Zeit Jesu waren Prophetien und Visionen etwas, vor dem die Leute sich zwar auch fürchteten, aber, was sie zum Leben brauchten. Sie brauchten Leute, die ihnen zeigten: Hier ist der Weg. Hier geht’s lang. Du hast dich verlaufen, also kehr wieder um.

Heute sehnen wir uns nach solchen Visionen. Aber auf der anderen Seite wollen wir uns von keinem/-n bevormunden lassen und halten unsere eigenen Wege für die richtigen. Das ist zwar gut und schön, aber können wir wirklich sicher sein, den richtigen Weg zu beschreiten? Deshalb bedarf es von Zeit zu Zeit eines Korrektivs. Auf den Berg steigen und den Überblick bewahren. Rast machen und eine neue Standortbestimmung. Wo stehe ich auf meinem Lebensweg? Was war gut oder schlecht in meinem Leben? Wie soll es weitergehen?

Jesus hat seinen Jüngern auch eine solche Standortbestimmung gegeben, auf dem „Berg der Verklärung“. Seht, mein Leiden und Tod in Jerusalem ist nicht das Ende. Ich werde den Himmel erden und bei euch sein, auch wenn ihr mich nicht mehr sehen könnt. Das sagt uns Jesus zu, denn er weiß von Gott als einen Liebhaber des Lebens, eines jeden einzelnen von uns.

Der Baum der Erkenntnis

„…, dass der Baum … dazu verlockte, klug zu werden.“ Diese alte Geschichte. Was soll sie uns heute noch sagen?

Die Evangelikalen behaupten: Gott hat die Welt so geschaffen, wie es in der Bibel steht. Und da sei kein Jota falsch dran. Die aufgeklärten Menschen sagen: Das ist eh alles Humbug. Der Urknall und die Evolution werden in der Bibel nicht erwähnt. Die Bibel ist kein wissenschaftliches Buch. Richard Dawkins und Co. hauen kräftig in diese Kerbe mit der geballten Kraft der Wissenschaft. Und da müssen auch die Christen von heute sagen: Jawoll, so ist es. Die Naturwissenschaft kann die Bibel nicht gebrauchen. Wir aber sehen die Bibel als das Wort Gottes in Menschengewand.

Da haben sich damals Menschen hingesetzt und versucht die Entstehung der Welt aus ihrer Sicht zu erklären. Heute ist es unsere Aufgabe Gottes Wort in diesen Geschichten und Gleichnissen zu entdecken und wieder neu zum Leuchten zu bringen. Die Wahrheit hinter den Dingen ist es, die bleibt.

Es wird ja nicht nur von der Schlange unterstellt, dass Gott etwas oder alles verbieten würde. Gott will gar nicht teilen und will andere bevormunden und immer nur verbieten, so wie er es auch in den 10 Geboten ausgedrückt hat. Viele Menschen aber haben Gott als Geber kennen gelernt. Der Garten Eden ist von ihm. Den Menschen wird anvertraut, ihn zu bebauen und zu bewahren. Eine Vertrauensstellung schlechthin.

Das Verbot, von dem Baum der Erkenntnis zu essen, soll auch den Menschen davor schützen , den Garten verkommen zu lassen oder ihn zu zerstören – und sich gleich mit. Denn die Erkenntnis von gut und böse ist keine denkerische Möglichkeit, keine akademische Diskussion oder ein Spiel mit Alternativen. Die Erkenntnis von gut und böse setzt die Erfahrung voraus, durch eigene Schuld das Paradies, die Unschuld und die Freiheit zu verlieren. Das ist ein Thema, das so aktuell ist, wie die Erkenntnis, dass mit Wissenschaft und Fortschritt auch der Klimawandel einhergeht, den es jetzt mit Wissenschaft und Fortschritt gilt zu bekämpfen.

Die erste Frucht der Erkenntnis von gut und böse ist die Nacktheit. Erst sind es Schürze aus Feigenblätter, die schützen, später müssen es Waffen und Medienkampagnen sein. Freudianer (wie auch Eugen Drewermann) vergucken sich nur in die sexistischen Aspekte der Geschichte. Es steckt aber viel mehr hinter den Worten. Angesichts der Nacktheit, die aber nichts davon offenbart, was in den Köpfen vorgeht oder sich im Subtext verbirgt, suchen Menschen Schutz. Sie sichern sich gegen den anderen. Sie sind ständig auf Suche nach Motiven. Sie analysieren Sätze, aber auch, was nicht gesagt wurde. Sie trennen objektiv und subjektiv. Wägen Güter gegeneinander auf. Und beklagen, dass es keine Gerechtigkeit auf der Welt gibt.

Am Aschermittwoch ist alles vorbei

… nix da: jetzt lass ma es erst richtig krachen. Wir machen Ernst mit Umkehr und Buße, ein Leben nach dem Evangelium. Fastenzeit ist eigentlich der falsche Begriff in der heutigen Zeit. Denken viele Zeitgenossen doch nur an Heilfasten, an das Sich-Enthalten(-Müssen). Was Jesus dazu sagt kann man unter anderem bei Mt 6,16-20 nachlesen.

Mein Schatz (keine Geschichte von Tolkien): „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6,21). So sollen und dürfen wir auch am Aschermittwoch lachen und Späße machen, aber wir dürfen uns wieder bewußt machen, was es heißt, an Jesus Christus zu glauben. Die Österliche Bußzeit ist eine Zeit der Einübung der Christusnachfolge. 40 Tage lang kommt es also nicht darauf an, weniger zu essen, zu trinken oder zu rauchen oder sich sonst welcher Genüsse zu enthalten. Zuerst sollen wir unser Leben nach dem Leben des Herrn ausrichten.

Deshalb halte ich es für wichtiger: Kranke und Einsame zu besuchen, Trauernden Trost und Rat zu spenden und und und … miteinander und füreinander zu beten. Also auf, liebe Gemeinde, machen wir uns schick und besuchen wir den einen oder anderen, den wir schon lange nicht mehr besucht haben, versöhnen wir uns mit dem Nachbarn, auch über den Maschendrahtzaun hinweg, und reichen wir einander die Hand, auch im Gottesdienst, wo es ja vielen besonders schwer fällt. Der christlichen Kreativität sind nur die Grenzen gesetzt, die Christus setzt.