Amoklauf und Vergessen

Wieder ist in den USA ein schrecklicher und unerklärlicher Massenmord passiert. Wie so oft wird es jedoch wie folgt ablaufen: Trauer und Unverständnis bis zur Aufdeckung eines erklärbaren Tatmotives; Diskussion über die Waffengesetze in den USA bis zum nächsten hirnrissigen und -losen Tweet des Pres. Trump; vergebliche Bemühungen der Demokraten, die von der Waffenlobby und den Republikanern zunichte gemacht werden, Scheingefechte über die Sicherheit in Hotels u.ä., so dass im Endeffekt die Diskussion in spätestens 10 Tagen aus der Medienöffentlichkeit verschwindet und damit gestorben ist … bis zum nächsten Amoklauf.

Siehe auch: Amoklauf in Erfurt Das in diesem Beitrag angegebene Video funktioniert nicht mehr. Empfehlenswert ist daher eine neuere Reportage vom Bayrischen Rundfunk:

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Albertus Magnus: Religion und Wissenschaft

Am 15. November gedenkt der katholische Heiligenkalender des Hl. Bischofs und Kirchenlehrers Albertus Magnus. Er wird insbesondere von Theologiestudenten gefeiert. Albert der Große ist Patron der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Daher wird sein Tag seit langem schon besonders durch Gottesdienst und Festakademie und studentischen Aktionen besonders begangen. Die neue Homepage der Fakultät verschweigt uns allerdings dieses Fest auf den ersten Blick. Man muss schon sehr genau hinsehen. Erst unter dem Link „Nächste Veranstaltungen“ erlangt man nähere Informationen.

Albertus Magnus war nicht nur ein hervorragender Theologe, sondern auch Naturwissenschaftler. Als „doctor universalis“ steht er dafür, dass Glaube und Wissenschaft durchaus zusammen gehen können. Zeitlebens blieb er ein frommer Mensch und eifriger Beter. Er sollte auch heute ein Vorbild eines jeden Wissenschaftlers sein auf der Suche nach Wahrheit und Klarheit.

Endlich da – des Desasters letzter Streich?

Orgelbuch-StammteilEs soll im September ab der zweiten Woche ausgeliefert werden – das lang vermisste und seit über einem Jahr überfällige „Orgelbuch zum Stammteil“, so das Deutsche Liturgische Institut. Eine äußerst schwache Leistung war ja schon die Teileinführung des Gotteslobes zum 1. Advent 2013, wohlgemerkt ohne Orgelbuch. In manchen Bistümern ist das Gotteslob ja erst zum Sommer eingeführt worden, wenn überhaupt … 😉 Manch einer wird sich denken: Wir überspringen die Einführung dieses Gotteslobes und warten gleich auf die Neuauflage.

And the winner is …

Ulrich_NeymeyrDer neue Bischof des Bistums Erfurt heisst Ulrich Neymeyr.

Nachdem die Gerüchteküche den Namen schon gestern dem MDR und der TLZ geflüstert hat, ist es nun öffentlich. Schade nur, dass der Terminplan des „Neuen“ die Teilnahme an der am Sonntag stattfindenden traditionellen Herbstwallfahrt nach Erfurt nicht zulässt. Das ist kein guter Start. Es wäre sicher schön, wenn Bischof Neymeyr sich seinen Schäfchen zeigen würde, die so lange für einen guten neuen Bischof beten mussten.

Hier noch einige Eckdaten, die das Presseamt des Bistums Erfurt zum neuen Bischof herausgibt:

„Weihbischof Neymeyr kam am 12. August 1957 in Worms zur Welt. Nach dem Abitur studierte er als Priesterkandidat des Bistums Mainz in Mainz und Münster Philosophie und Katholische Theologie und wurde am 12. Juni 1982 zum Priester geweiht. Nach zwei Kaplansjahren in Mainz wurde Neymeyr für ein Promotionsstudium freigestellt. 1987 erwarb er mit seiner Studie über „Die christlichen Lehrer im zweiten Jahrhundert: ihre Lehrtätigkeit, ihr Selbstverständnis und ihre Geschichte“ den Titel eines Doktors der Theologie. Noch im gleichen Jahr berief ihn Bischof Karl Lehmann als Subregens an das Mainzer Priesterseminar, wo er das Theologiestudium der Priesterkandidaten begleitete und in der Hausleitung mitarbeitete. 1993 kehrte Dr. Neymeyr in die Pfarrseelsorge zurück und leitete als Pfarrer eine Kirchengemeinde in der Opel-Stadt Rüsselsheim. Hier wirkte er auch in der Arbeiterpastoral und engagierte sich im christlich-islamischen Dialog. Im Jahr 2000 wechselte er als Pfarrer dreier Gemeinden nach Worms.

Am 20. Februar 2003 ernannte Papst Johannes Paul II. Pfarrer Dr. Ulrich Neymeyr zum Weihbischof in Mainz. Am 21. April 2003 empfing er im Mainzer Dom die Bischofsweihe. Der bischöfliche Wahlspruch stammt aus dem Römerbrief der Bibel: „Christus suscepit nos – Christus hat uns angenommen“ (Röm 15,7). Zu seinen Aufgaben als Weihbischof gehörten ausführliche Besuche in den Dekanaten des Bistums, um mit Haupt- und Ehrenamtlichen zu sprechen und mit ihnen die Möglichkeiten kirchlichen Lebens und Handelns vor Ort auszuloten. Seit Mai 2003 leitet Weihbischof Neymeyr außerdem als Bischofsvikar für die Jugend das Dezernat Jugendseelsorge im Bistum Mainz. Innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz ist er stellvertretender Vorsitzender der Jugendkommission und Mitglied der Publizistischen Kommission. Darüber hinaus ist er Vizepräsident der Gesellschaft für mittelrheinische Kirchengeschichte und Vorsitzender des Kuratoriums der Wilhelm Emmanuel von Ketteler-Stiftung.

Den meisten Thüringer Katholiken dürfte Weihbischof Neymeyr, der in seinem Heimatbistum als „Mann der Pastoral“ gilt, eher unbekannt sein. „Er hat Menschen gern“, sagt einer, der ihn näher kennt. Dazu passt, dass ihm in Gesellschaft und Kirche das harmonische Miteinander wichtig ist, dies aber nicht zu Lasten von Verschiedenheit und Pluralismus gehen soll. „In der Kirche trauen wir dem Heiligen Geist auch zu, dass er nicht nur Vielfalt und Verschiedenheit bewirkt, sondern auch die Harmonie dieser Unterschiede“, sagte der Weihbischof bei der Eröffnungssitzung des Hessischen Landtages im Januar dieses Jahres.

Thüringen und das Bistum Erfurt sind dem neuen Bischof nicht unvertraut. Seine Großeltern mütterlicherseits stammen aus Pößneck und Sonneberg, zogen aber später nach Mannheim. Der Besuch von Verwandten in Stadtilm führte den Gymnasiasten Neymeyr 1973 auch erstmals nach Erfurt. Hier sollte er später als Subregens und Weihbischof dienstlich noch einige Male zu Gast sein. Beim Deutschlandbesuch des Papstes 2011 zählte Neymeyr zu den Bischöfen, die Benedikt XVI. nach Erfurt und Etzelsbach begleiteten. Um die Situation der Thüringer Katholiken als kleiner Minderheit in einer weitgehend konfessionslosen Bevölkerung weiß der künftige Erfurter Bischof, aber es sind gänzlich andere Verhältnisse als in seinem Heimatbistum. Deswegen will er in seinem neuen Amt „erst einmal hören, sehen und lernen“.

Auch der Kreuzknappe weiß schon bescheid: Der „Neue“ für das Bistum Erfurt. Schön wird in dem Artikel auch auf unsere beondere Diaspora-Situation eingegangen. Da muss man nur noch ergänzen, dass ca. 70 Prozent der Bevölkerung Thüringens die Aufregung und Freude über einen neuen Bischof nicht in dieser Weise teilen, weil sie weder getauft sind noch einer anderen Religion angehören.

Beten wir für unseren neuen Bischof, dass er sich gut einbringt mit vielen neuen Ideen und frischem Wind, und dass Gott ihm die Kraft schenken möge, unserem Bistum außer der Strukturreform auch neuen Schwung und viele gute pastorale Impulse zu verleihen.

Gerüchteküche

Der MDR verkündete gestern und die TLZ druckt heute: Neuer Bischof von Erfurt wird aller Wahrscheinlichkeit nach Weihbischof Ulrich Neymeyr aus Mainz. Die beiden Landeshauptstädte verbindet auch viel. Es ist eine rund 1000-jährige gemeinsame Geschichte: Um 1000 wird der Erzbischof von Mainz auch weltlicher Herrscher über Erfurt. Das Erfurter Stadtwappen (silbernes Rad auf rotem Grund) erinnert an das Mainzer Doppelrad.

Offiziell müssen wir uns noch bis zum Mittagsgebet im Erfurter Dom gedulden. Aber irgendwer muss schon wieder gepetzt haben.

Einmal werden wir noch wach …

Konklave - weisser RauchDie fast zweijährige Vakanz des Erfurter Bischofstuhles ist zu Ende. Wie heute bekannt wurde, hat Erfurt einen Neuen. Reporter vom MDR verkünden sogar, dass es ein Nicht-Thüringer ist – o Wunder 😉

Aber diese Geheimniskrämerei: Wie die Presseagentur des Bistums mitteilt, wird das Domkapitel morgen nach dem Mittagsgebet den Namen preisgeben und somit die Sache offiziell machen. Wenn man das mal mit der Papstwahl in Rom vergleichen würde, so hieße das: Das Konklave hat sich auf einen neuen Papst geeinigt, aber wir warten noch 24 Stunden, bis der Neue sich dem Volk zeigt. Habemus …  ??? Irrsinn …

Das neue Gotteslob ist da

Juh-hu, wie ich mich freue 😦 Nach dem (noch nicht ausgestandenen) scheinbar endlosen Desaster mit der Einführung des neuen Kirchengesangbuches „Gotteslob“ kommt es heute¹ in unsere Gemeinden des Bistums Erfurt. Mehr oder weniger feierlich wird es eingeführt. Ich plädiere ja dafür, dass in diesem Fall weniger mehr ist. Kein großes Brimbamborium. Es ist einfach da und wird ab heute¹ benutzt. Über die Benutzerfreundlichkeit möchte ich vorab dennoch schon einiges loswerden.

neues GotteslobIch habe das Buch ja schon seit einigen Wochen zur Ansicht und jetzt seit einigen Tagen auch die für meine Augen notwendige Seniorenausgabe. Der Schriftsatz ist – um es positiv zu sagen – gewöhnungsbedürtig. Die für die neue Ausgabe extra entwickelte Schrift soll auch in dunklen Kirchen gut lesbar sein. Naja. Einzelne Seiten sind schlichtweg Papierverschwendung. Man hätte sich lieber ein Beispiel am neuen evangelischen Gesangbuch nehmen sollen. Das ist übersichtlicher; es hat mehr Lieder; überhaupt ist es ein Gesangbuch. Das neue Gotteslob verfolgt jedoch ein anderes Konzept: Nicht nur Gesang- und Gebetsbuch will es sein, sondern auch ein Liturgiebuch und ein Hausbuch. Die Bischöfe schreiben zur Einführung:

„Neu hinzugekommen sind gottesdienstliche Formen wie Tagzeitenliturgien, Wort-Gottes-Feiern und häusliche Andachten.“

Naja, die Tagzeiten sind nicht ganz neu: Laudes, Vesper und Komplet waren auch schon im alten Gotteslob. Im übrigen dort so sortiert, dass man sie unter den Zeiten im Jahreskreis finden konnte. Jetzt sind sie alle hintereinander geklatscht, nein, nicht nach den Psalmen sondern erst ab Nr. 613 bis Nr. 667. Hinzugekommen und wirklich neu ist eine Eigenfeier in Form eines Morgenlobs, Abendlobs oder Nachtgebet. Zu diesen Gebetsformen gab es schon einmal eine Buchreihe. Diese werden aber genau so wenig  gepflegt wie die normalen Tagzeitenliturgien (außer an Kathedral- oder Hauptkirchen).

GotteslobengelDanach kommt ein klitzekleiner Beitrag zu den Wort-Gottes-Feiern. Das zeigt auch, wer am neuen Gotteslob mitgestrickt hat … die Lateinfraktion. Unter der kuriosen Rubrik „Woche“ findet sich der „Sonntag“ unter der Nr. 103 und dann geht es gleich mit den „Messgesängen“ weiter, beginnend mit „Lateinische Ordinarien“ 18 Seiten und dann 9 Seiten „Deutsche Ordinarien“.

Ab Nr. 672 findet sich das Puzzlespiel „Andachten“. Erst der Eröffnungsteil Nr. 673 – eine Seite!!!, keine Alternativen; dann zur Aussetzung Nr. 674 – eine Seite!!!, keine Alternativen; dann die Andachten, die sich am Leben Jesu orientieren usw. jeweils zwei Seiten!!! und schlussendlich der „Abschluss“ Nr. 681 ohne und Nr. 682 mit eucharistischem Segen. Daran schließt sich die Kreuzwegandacht an – was soll ich noch sagen, aber ich muss mich wiederholen: Papierverschwendung!!! Dann folgt der Regionalteil, über den ich noch gesondert nachdenken muss. Erst einmal so viel: Man hat unter anderem versucht, aus dem Stammteil verbannten Hits Asyl zu gewähren.

Fazit: Wir werden uns daran gewöhnen müssen. Das Einheitsprinzip ist und bleibt immer die Crux. Vor allem dann, wenn es heißt, der Vielfalt gerecht werden zu wollen.

„In diesem Sinne wünschen wir dem neuen Gotteslob eine gute Aufnahme – uns allen aber viel Freude damit und Gottes Segen!“

Erfurt, den 30. März 2014       Für das Bistum Erfurt:               Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Diözesanadministrator

¹ Sorry, gestern war so ein schöner Tag, dass ich diesen Artikel erst am Montag fertiggestellt habe.

Macht es wie er

200px-Nikolaus_HungersnotWer? Na der Heilige Bischof Nikolaus! Oder glaubst du etwa, der Weihnachtsmann bringt die Geschenke?

In einem Nikolauslied heißt es: „Macht es wie er mit Herz und mit Hand, helft jedem, der in Not gerät zu Wasser und zu Land.“ Das ist auch meiner Meinung nach die Botschaft oder neudeutsch: „Message“, die uns der Heilige Nikolaus am heutigen Tag in der Adventszeit sagen will.

Weihnachten ist nicht ein Fest der Geschenke. Weihnachten ist ein ganz spezieller Geburtstag, an dem das Geburtstagskind gar keine Geschenke bekommt. Die Menschen freuen sich über die Geburt eines kleinen Kindes – Jesus, so sehr, dass sie sich gegenseitig beschenken. Und das optimale Geschenk ist dasjenige, welches mir am besten hilft, mein Leben zu gestalten. Vielen Menschen in der Welt geht es dabei nicht um Gestaltungshilfen sondern Hilfen, die nackte Existenz zu sichern; so ähnlich wie es Nikolaus in Myra während einer großen Hungersnot erlebte. Macht es wie er und denkt an die Menschen in Not hier in Thüringen, vor der eigenen Haustür, aber auch in der weiten Welt.

Mein Lieblingslied im alten Gesang- und Gebetsbuch „Gotteslob“

Aus dem einige Monate andauernden Bloggerschlaf erwacht, melde ich mich zurück und stolper sogleich wieder in Bachmichels Haus. Das habe ich ja immer gern gemacht, nur eben nicht in der letzten Zeit. Dort finde ich eine schöne Aktion, nämlich eine „Blogparade: Lieblingslied im alten Gotteslob/Gesangbuch„. In der Vergangenheit habe ich ja schon oft einige Gottesloblieder besprochen. Welches aber ist mein Favorit? Als Paul-Gerhardt-Fan muss ich eindeutig bekennen, dass es zwei Lieblingslieder sind: „O Haupt voll Blut und Wunden“ und „Ich steh an deiner Krippen hier“. Auf letzteres möchte ich in der Adventszeit noch ein wenig in betrachtender Weise näher eingehen. Hier aber schon mal der Text:

1. Ich steh an deiner Krippen hier,
o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir,
was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
Herz, Seel und Mut, nimm alles hin
und laß dir’s wohlgefallen.

2. Da ich noch nicht geboren war,
da bist du mir geboren
und hast mich dir zu eigen gar,
eh ich dich kannt, erkoren.
Eh ich durch deine Hand gemacht,
da hast du schon bei dir bedacht,
wie du mein wolltest werden.

3. Ich lag in tiefster Todesnacht,
du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht
Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht
des Glaubens in mir zugericht‘,
wie schön sind deine Strahlen!

4. Ich sehe dich mit Freuden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann,
bleib ich anbetend stehen.
O daß mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer,
daß ich dich möchte fassen!

Im Original hat das Lied 15 Strophen. Das Gotteslob beschränkt sich auf die 1.,3.,4. und 5. Strophe. Auch das Evangelische Gesangbuch von 1993 verwendet den behutsam revidierten Text. Es ist für mich auch mit der traditionellen Melodie unter der Nummer GL 141 eines der schönsten Weihnachtslieder. Staunend vor dem Wunder der Menschwerdung Gottes stehe ich an der Krippe, die der Heilige Franziskus für uns gebastelt hat. Am liebsten ist mir aber die Fassung von J.S. Bach, die der „Erfurter Bistumsanhang zum Gotteslob“ unter der Nummer 910 wiedergibt. Das ist wohl dem geschuldet, weil ich das Weihnachtsoratorium von Bach schon einige Male mitsingen durfte. Die Erfurter Ausgabe umfasst noch zusätzlich die Strophen 7 und 14 des Originals als 5. und 6. Strophe.

5. Wann oft mein Herz im Leibe weint
und keinen Trost kann finden,
rufst du mir zu: „Ich bin dein Freund,
ein Tilger deiner Sünden.
Was trauerst du, o Bruder mein?
Du sollst ja guter Dinge sein,
ich zahle deine Schulden.“

6. Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen:
daß ich dich möge für und für
in, bei und an mir tragen.
So laß mich doch dein Kripplein sein;
komm, komm und lege bei mir ein
dich und all deine Freuden.

Master of desaster – das neue katholische Gesangbuch

auslieferung_gotteslob_palette-224x300Lang erwartet, nicht gerade ersehnt. Ursprünglich sollte das neue „Gotteslob“ in allen deutschsprachigen Diözesen am 1. Advent 2013 nach einer über 10-jährigen Planungsphase eingeführt werden. Aufgrund der Verwendung einer dünneren Spezialpapiersorte, welche die Rückseite durchscheinen lässt, so dass die Vorderseite nur schwer bzw. gar nicht lesbar ist, haben die betroffenen Bistümer (u.a. auch alle Ostbistümer!!!) die Annahme der neuen „Gotteslöber“ verweigert und eine Retour mit dem Benno-Verlag und der renommierten Druckerei C.H.Beck ausgehandelt. Im Bistum Erfurt lautet die Information: Auslieferung 15. Kalenderwoche 2014. Das bedeutet also, dass das neue Gesangbuch nicht vor Ostern eingeführt werden kann. Nach den jetzigen Erfahrungen eher später.

Schade ist auch, dass kein Wort der Entschuldigung für diese Fehlplanung seitens der mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäuften und hochgelobten Druckerei zu finden ist, nicht einmal auf der eigenen Internetpräsenz, die vor Eigenlob nur so strotzt. Meiner Meinung ist das von vornherein die Crux gewesen: alles zentralistisch in die Hand eines Verlages und einer Druckerei zu legen. Das wurde beim alten Gotteslob nicht so gemacht. Und man ist gut damit gefahren. Das ganze Ausmaß der Einführungspleite: der aktuelle Stand zur Auslieferung der einzelnen Gotteslob-Ausgaben.

Das Desaster geht aber weiter: Das neue Schott-Kantorenbuch ist im Vergleich zum alten eine schlechte Arbeitsgrundlage geschweige denn ein fertiges Produkt. Davon zeugt schon das Layout. Linksbund statt Block. Leere Seitenflächen ohne Zwang (zum Selberfüllen???). Wo es geht, rate ich das alte Buch zu verwenden und eine wesentlich verbesserte Neuauflage abzuwarten. Das Münchner Kantorale wäre auch eine Alternative. Aber Finger weg vom neuen Schott-Kantorenbuch!!! Es sei denn man liebt Arbeitsgrundlagen, die manchmal auch wesentlich besser sein können.

Bischof wird verabschiedet

Knapp einen Monat nach seinem Rücktritt wird Bischof Joachim Wanke in Erfurt verabschiedet. Morgen Vormittag findet in der Brunnenkirche eine Gesamt-Pastoralkonferenz statt, in der der Bischof geehrt werden soll.

Am Nachmittag ist dann der große Festakt im Theater Erfurt, zu dem ca. 400 Gäste aus der katholischen und evangelischen Kirche und der jüdischen Landesgemeinde eingeladen sind. Den Festvortrag hält Professor Josef Pilvousek, Kirchenhistoriker an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Er würdigt die pastoralen Herausforderungen und Weichenstellungen in der Amtszeit von Bischof Wanke.

Die „Gloriosa“ darf natürlich im Reigen der Laudationes nicht schweigen; sie wird vor dem Pontifikalamt um 17.30 Uhr im Erfurter Dom zu hören sein. Die größte, frei schwingende, mittelalterliche Glocke der Welt läutet nur an hohen kirchlichen Feiertagen und zu besonderen Anlässen. Domradio Köln und katholisch.de übertragen den Gottesdienst im Internet via Livestream.

Ökumenische Friedensdekade 2012

Die Friedensdekade 2012 beginnt am St. Martinstag und endet am 21.11.2012, dem Buß- und Bettag. Das Motto lautet in diesem Jahr: „Mutig für Menschenwürde„.

Dabei wird der Finger in die Wunden gelegt: „Gier, Macht und Krieg“ (das Thema im letzten Jahr) sind keine christlichen Werte, obgleich es archaische Mechanismen sind, die wir Christen aufdecken sollten. Gegen diese Auswüchse der Unmenschlichkeit hat sich auch zu DDR-Zeiten der Konziliare Prozess „Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung“ ausgesprochen. Dazu gibt es außerhalb der Friedensdekade am 1.12.2012 eine Konferenz in Erfurt, Tagungsraum der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt (Andreasstraße 37a).

Es soll auch Rückblick gehalten werden auf den Prozess in den 1980-er Jahren. Doch nicht nur die historische Sicht soll geschärft und der Konziliare Prozess kritisch gewürdigt werden, vielmehr wird auch der Frage nachgegangen: Was blieb? Wurde nach der Wende 1989/90 alles wieder vergessen? Wo lassen sich die Grundüberzeugungen der Versammlung heute noch finden? Und sind sie überhaupt noch aktuell?

Zurück zur Friedensdekade: Material findet sich hier. Die Termine für Thüringen kann man hier nachlesen. Das sind auch sicher nicht alle. Am besten einfach mal bei der Gemeinde vor Ort Infos holen.

Grundsätzliches zur Friedensdekade habe ich ja schon im letzten Jahr geschrieben: Schwerter zu Pflugscharen.