Eis essen und Eisheilige

Wie gehört das zusammen? Weiß ich auch nicht. Aber innerhalb weniger Tage konnte man sich sowohl einen Sonnenbrand einfangen, als auch an Unterkühlung eingehen. Das Wetter ist aus den Fugen und die raschen Temperaturwechsel spiegeln auch meinen Kreislauf wieder.

Heute gedenkt die Kirche des Heiligen Mamertus, jenes Bischofs aus Vienne, der sich mit dem Papst Hilarius angelegt hat. Dieser wollte die Bistümer 450 n.Chr. in Südfrankreich neu ordnen. Mamertus aber passte das wohl nicht und setze in St-Dié eigenständig einen Bischof ein. Dafür gab’s denn auch eine strenge Rüge vom Papst. Sein eigentlicher Verdienst aber sind die drei Bittgänge (-prozessionen) vor Christi Himmelfahrt. Zahlreiche Feurbrünste und Naturkatastrophen müssen zu seiner Zeit seine Heimat heimgesucht haben. Zur Abwendung derselben ließ er entsprechende Gebete und Litaneien anfertigen, die in sich in ganz Gallien und Spanien verbreiteten. Diese Tradition wird in einigen Eichsfelddörfern mit abnehmender Beteiligung auch heute noch gepflegt. Eine Bauernregel sagt: „Der heilige Mamerz hat von Eis ein Herz.“ Davon ist heute nicht viel zu spüren. Mein Temperaturfühler hat sich bei 27,4 °C festgestellt.

Viel bekannter in unseren Breiten ist der Heilige Pankratius, der gemeinhin als erster Eisheiliger geführt wird. Über ihn ist nicht viel bekannt, nur dass er als Jugendlicher aus einer reichen römischen Familie stammend verwaist ist und sein geerbtes Vermögen für verfolgte Christen eingesetzt hat. Unter Kaiser Diokletian sollte er seinem Glauben abschwören. Er blieb standhaft und wurde 14-jährig enthauptet und den Hunden zum Fraß vorgeworfen. Unter Lebensgefahr wurde sein Leichnam geborgen und in den Katakomben an der Via Aurelia beigesetzt. Pankratius wird als Patron der Erstkommunionkinder geführt. Bauernweisheit: „Pankrazi, Servazi, Bonifazi sind drei frostige Bazi, und am Schluss fehlt nie die kalte Sophie.“

Der Heilige Servatius stammt der Legende nach aus Armenien und wurde der erste Bischof in Tongern (heute in Belgien). Er nahm wohl an verschiedenen (Ökumenischen) Konzilien des 4. Jh. teil und gilt als Hauptgegner des Arianismus. 350 n. Chr. war er in einer Gesandtschaft zum Kaiser Konstantin. Legenden erzählen, er sei mit einem Holzschuh erschlagen worden. Andere Berichte gehen davon aus, dass er zum Sterben nach Maastricht ging, wo er auch beigesetzt werden wollte und auch wurde. Sein Grab entwickelte sich seit dem 5.Jh. durch das ganze Mittelalter hindurch zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. „Nach Servaz findet der Frost keinen Platz“, sagen die Bauern.

Bonifatius von Tarsus ist nicht zu verwecheln mit dem Apostel der Deutschen. Über ihn wissen wir eigentlich nur legendenhafte Erzählungen. Er soll als Nicht-Christ die Christenverfolgung unter Kaiser Galerius um 300 n.Chr. miterlebt haben, änderte sein lotterhaftes Leben und ließ sich taufen. Weil er sich zum Christentum bekannte, musste er in siedendem Pech sterben.

Die gemeinhin bekannte „Kalte“ Sophie wird als Sophia von Rom in den Heiligenlegenden geführt. Eigentlich ist von ihr nur der Tod halbwegs bezeugt. Als junge Frau fiel sie wohl der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian um 300 n.Chr. zum Opfer. Bauern machen sie zur „Kalten“ in zahlreichen Sprüchen: Die kalt‘ Sophie, die bringt zum Schluss, ganz gern noch einen Regenguss.

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