Neuer im Team

Ein herzliches Willkommen sieht anders aus: Ein paar Worte vom Geschäftsführer, nicht unbedingt vom Big Boss, und ein Blumenstrauss; das muss reichen. Was ist das für ein Unternehmen, in dem du zur Führungsetage gehörst, aber behandelt wirst, als ob du der letzte Buchhalter bist?
Du darfst hier gar nichts verändern. Wenn dir etwas nicht gefällt, musst du es erst beim Big Boss beantragen und rechtfertigen … hm, kann ich verstehen. Und überhaupt: Da könnte ja jeder kommen, das haben wir noch nie so gemacht, und das hat sich seit Jahrhunderten schon bewährt.
Dann kommt noch das schärfste Argument: Veränderungen brüskieren die Ehrenamtlichen, auch dann, wenn sie mit den Veränderungen in keinster Weise in ihrer Mitarbeit gestört werden. Ein konstruktives Miteinander anzumahnen und dieses an sich selbst zu praktizieren, sind zwei verschiedene Dinge.
Gefühle sind irrelevant. Alles muss allein vom Verstand regiert werden. Diese Versuchung führt nicht nur in die Irre, sondern auch zu einem sehr frostigen Klima. Wie sich der Neue fühlt wird weder beleuchtet noch in irgend einer Weise verstanden. Entgegenkommen nur auf Konfrontationskurs.
Es bleibt nur die Hoffnung, dass irgendwann mal alles anders wird. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Staunen – Thaumazein

staunen2Kann man Staunen lernen? Manchmal wünschte ich mir, ich würde mehr über dieses und jenes staunen, einfach verwundert sein über etwas Unerwartetes, etwas Nichtalltägliches, welches plötzlich sich ohne Ankündigung in meinem Leben ereignet. Aber diese Momente werden je älter ich werde um so seltener. Gut das es da das Internet gibt. Da gibt es noch vieles, was mich manchmal noch zum Staunen bringt.

Kinder können das. Überraschung ist kein Fremdwort für sie. Neidvoll aber auch freudig beobachten Erwachsene diese Kinder an Weihnachten oder zum Geburtstag, wenn es Geschenke gibt. Manch einer eben nur in diesen Momenten.

Platon bezeichnet Thaumazein als Anfang aller Philosophie: „Das Staunen ist die Einstellung eines Mannes, der die Weisheit wahrhaft liebt, ja es gibt keinen anderen Anfang der Philosophie als diesen.“ (Platon, Theaitetos) In der Philosophie wird das Thaumazein als eine über die „bloße Meinung“ (doxa) hinausgehende erstaunliche, bisher unberücksichtigt gebliebende und wahrhaft neue Wahrheit (alétheia) angesehen. Das Staunen wird derart gewürdigt, dass es letztendlich das Streben nach Wissen befördert und somit der Anfang und Motor aller Wissenschaft ist.

Deshalb sollte man in der Schule eigentlich mehr das Staunen lernen. Statt dessen wird den Kindern versucht Mathematik, Geographie, Physik, Chemie, Biologie, Religion und mancherlei Sprachengedöns einzutrichtern, so dass schon Seneca entnervt ausrief: „Non vitae sed scholae discimus.“ (Nicht für das Leben sondern für die Schule lernen wir.) Wenn mich nicht alles täuscht, beklagt er den gleichen Mangel.

Worüber kann ich staunen: Über einen Specht, der mitten in der Stadt einen Baum anpickt. Über die unendliche Weite des Sternenhimmels. Über den Duft einer frisch gemähten Wiese in den Alpen. [Zugegeben: Allergiker würden letzeres anders beurteilen.] Über ein Bild, das ein Kind gemalt hat. Über … Ja manchmal staune ich über das Wunder des Lebens, wenn so ein kleiner Erdenbürger über das Taufbecken gehalten wird. Und das wiederum lässt mich staunen über das unverdiente Geschenk des Glaubens.

Worüber können sie noch staunen, liebe Gemeinde? Schreibt doch mal etwas in die Kommentare.