Fest der Auferstehung

Zur Osterzeit

Ostergedicht

Die ganze Welt, Herr Jesus Christ,
zur Osterzeit jetzt fröhlich ist.
Jetzt grünet, was nur grünen kann,
die Bäum` zu blühen fangen an.So singen jetzt die Vögel all.
Jetzt singt und klingt die Nachtigall.Der Sonnenschein jetzt kommt herein
und gibt der Welt ein` neuen Schein.

Die ganze Welt, Herr Jesus Christ,
zur Osterzeit jetzt fröhlich ist.

 

Friedrich Spee (1592 – 1635)

Happy auch im neuen Jahr!

Es ist schon ein verrückter Song: „Happy“ von Pharrell Williams. Am 11.3.2014 schrieb ich im Artikel „Wie are happy?!“ von weltweit ca. 518 Videos aus 76 Ländern. Heute zählen die Experten aus Los Angeles ca. 1950 Videos aus 153 Ländern. In Thüringen scheinen die Leute nicht so happy zu sein. Kann ich auch ein Stück weit verstehen. Dennoch habe ich ein schönes Video gefunden, das einige Regionen Thüringens abdeckt.

Mit diesem Video möchte ich allen Lesern dieses Blogs ein frohes und gesundes neues Jahr wünschen. Bleibt happy oder werdet es so schnell wie möglich 😉

Ostereier – was man mit ihnen machen kann

Sorbische Ostereier

Beim Kreuzknappen habe ich einen schönen Artikel entdeckt, der sich mit einem alten (?), zumindest wohl recht weit verbreiteten Spiel beschäftigt: Ostereiertitschen. Die Lösung fand ich sehr interessant, weil unerwartet. Die Maus weiß wie immer bescheid. Guckst du:

Revisited: O Haupt voll Blut und Wunden

Vor knapp zwei Jahren habe ich eine kleine Rezension über das wohl bekannteste und beliebteste Passionslied der heutigen Zeit geschrieben: O Haupt voll Blut und Wunden. Was soll ich sagen: Irgendwer von den Machern des neuen „Gotteslobes“ muss diesen Artikel gelesen haben. Im neuen GL Nr. 289:

Die zweite Strophe wird jetzt im Original wiedergegeben:

2.
Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht’t?

Als 5. Strophe fügt das neue im Vergleich zum alten „Gotteslob“ ein:

6. (Originalstrophe)
Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

Danach geht es wie im alten „Gotteslob“ mit den Strophen 8 bis 10 im Original weiter. Ja, das neue „Gotteslob“ wartet mit einigen interessanten Überraschungen auf, textlich wie auch melodiös. Da werd‘ ich wohl in nächster Zeit einige meiner Artikel visitieren müssen.

 

Du kommst hier nit rein

Wo gehste … in Kino … Ne, nix mit „Quo vadis“, „Noah“ hab‘ ich mir gestern mit einem guten Freund angetan. Und das ist noch das Positivste daran, ich meine den guten Freund, der auch ein wenig konsterniert den Kinosaal nach über 2 Stunden verlassen hat. Wikipedia schreibt: „Der Film basiert auf der biblischen Geschichte von Noah, seiner Arche …“ Das „Basieren“ ist hier mehr als ein „Sich anlehnen“ zu verstehen. Nach dem Schema: Kaffekochen für Schwachmatiker: Man nehme eine Bohne und lasse den Schatten bei Sonnenschein in kochendes Wasser fallen. Aber Vorsicht nicht im prallen Sonnenschein sondern doch lieber im Halbschatten.

Der Regisseur und Drehbuchschmierfink Darren Aronofsky (schuf auch den pseudo-wissenschaftlichen Sci-fi-Thriller „π“) tischt den Fantasy-verwöhnten und wenig bibelfesten Zuschauern einen gewaltschwangeren, allzu wunderträchtigen und vegie-esoterischen Mix auf, der aus Bibel, Apokryphen (z.B. das Jubiläenbuch, das Henochbuch, die Apokalypse des Adam u.a.), mystischer jüdischer Literatur, z.B. der Tanach des Schlomo ben Jizchak, einem bedeutenden Rabbiner des 11. und frühen 12. Jahrhunderts, und Sintfluterzählungen anderer Religionen seine Quellen speist.

Das Gesamtbild ist aber so verzeichnet, dass die Kritik von Rüdiger Suchsland noch sehr milde ausfällt: Es sei ein christlich-fundamentalistisches Fantasy-Stück, das an ein Werbefilmchen für Intelligent Design erinnere, ein „esoterischer Erweckungsschmarrn“. Die ganze Kritik findet sich im Artikel: „Wer sündigt, hat den Tod verdient!“ Letztendlich hat’s dann doch jemand von den Sündern und Fleischfressern (das ist ein unmittelbarer Zusammenhang in dem Film), den Nachfahren Kains, in die Arche geschafft und den Ham verführt – kein fundamentum in der Bibel und auch nicht anderswo …

Evangelikale Kreise beklagen nicht zu Unrecht den mangelnden biblischen Bezug. Islamische Zensoren verbieten die Ausstrahlung in manchen islamisch geprägten Ländern, weil der Film nicht dem Koran entspricht. Fazit: Die Einzigen, die es wohl freuen wird, sind die Vegetarier. Das sind nämlich die Guten: „Wir sammeln nur, was wir brauchen“ und die Pseudo-Endzeitmystiker und Zivilisations- und Kulturpessimisten (also die wahren „Grünen“ und Greenpeace-Aktivisten): „Vor uns liegen Städte. Davon halten wir uns fern“. Das ist auch mein Ratschlag: Macht lieber einen schönen Osterspaziergang und spart euch das Geld für einen anderen Kinofilm.

We are happy?!

Und noch ein viraler Hit. Nachdem ich ja schon auf den neuen Werbesong einer Supermarktkette aufmerksam gemacht habe, bin ich heute wieder in Bachmichels Haus fündig geworden: Happy in der Saarbrücken Edition. Die Aktion breitet sich aus wie ein Virus, weltweit!!!  So etwas bezeichnet man dann wohl als Pandemie. In diesem Fall ist sie zumal auch hochgradig ansteckend, wohl aber ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen. Die Symptome sind: plötzlich auftretender Tanz- und Bewegungsdrang, Heiterkeit und Lebenslust. Vorsicht, wenn man in Kontakt mit den weltweit auftauchenden „Happy People“ kommt. Die Nebenwirkungen können verheerend sein: OOOOOOOOOOOOOOOhr wurm Gefahr!!!!!! Hilft nix – einfach mitmachen.

Naja, in Thüringen scheint der Virus noch nicht angekommen zu sein. Aber in Sachsen. Guckst du:

Und wer glaubt, dass es im Norden immer nur dröge (trocken) zugeht, der kennt Flensburg noch nicht. Da können die nicht nur gutes Bier brauen:

Auch der internet-unterbelichtete Kontinent hat einige lustige Videos veröffentlicht, wie dieses aus Benin, mit crazy Making-of:

Und wer sich nicht satt sehen kann an einer der Versionen, die es bis heute in 518 Videos aus 76 verschiedenen Ländern gibt, kann sich die 24 Stunden Aktion reinziehen (Achtung Ladezeit!). Ob es dabei aber nicht doch zu gesundheitlichen Schäden kommen kann, lässt sich nicht absehen. Fragen sie ihre Mitmenschen.

Irgendwie passt diese Aktion gut zur Fastenzeit: Keine ewig nörgelnden Sauertöpfe sollen die Christen sein – erst recht nicht in der Österlichen Bußzeit – sondern happy people, die die Frohe Botschaft auch fröhlich unter die Leute bringen.

Nun freut euch doch endlich

christusnarrDer Eröffnungsvers des heutigen Adventssonntages (Gaudete) steht beim Apostel Paulus im Philipperbrief im 4. Kapitel: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.“ (Phil 4,4-5)

Wie jetzt, ich soll mich freuen, bei all den negativen Nachrichten, die mich tagtäglich erreichen! Nein, also beim besten Willen, da kann man sich doch nicht freuen bei all dem Leid und Elend, welches in der Welt herrscht: Menschen, die flüchten vor Natur-, Staats- und Milizengewalten, die Hab und Gut verlieren, die mit dem Tod konfrontiert werden, die auf der Straße frieren und von anderen Menschen behandelt werden, als wären sie Luft. Die Aufzählung lässt sich noch beliebig erweitern, aber wird dadurch nicht besser. Mir wird dadurch nicht besser und ich frage mich: Wie soll ich mich da freuen?

Und was höre ich in der Lesung vom Propheten Jesaja: „Macht die erschlafften Hände wieder stark und die wankenden Knie wieder fest! Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten.“ (Jes 35,3.4) Das befriedigt mich aber auch nicht: Ich soll also die Menschen auf die Rache Gottes vertrösten. Davon hat sicherlich Jesaja und haben die Israeliten geträumt, von einem starken Retter, der da kommt und alle Feinde hinwegfegt mit Feuer und Schwert.

Aber wer kommt stattdessen: Ein Reis aus Isais Wurzel, kein machtvoller König, wie es sich der Prophet erträumt. Sondern ein ohnmächtiger Gott, der Mensch wird und sich seiner Schöpfung ausliefert und vor seinem nahenden Tode vor Pilatus nur stammelnd bekennen kann: „Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ (Joh 18,37b)

Das macht mir diesen Jesus sympathisch. Im wahrsten Sinne des Wortes (sym-pathisch), weil er sich in unsere Not begibt, in die tiefsten Tiefen seiner Kreation. Auch wenn es mich in vielen Dingen nicht sonderlich tröstet, so kann ich doch darauf vertrauen, dass Gott auch im schwärzesten Dunkel dieser Welt ein Licht sein will. Eine kleine Freude in einer friedlosen und kalten Welt. Jesus hat die Welt erlöst und alles weitere in die Hände seiner Brüder und Schwestern gelegt. An uns liegt es, ob diese Welt so bleibt wie sie ist oder sich im Sinne Gottes verwandelt in einen Ort seiner Freude, die er denen verheißt, die an ihn glauben.

Österliche Gedanken

Wann geschieht Auferstehung? Ostern ist für mich immer ein Fest, an dem ich darüber nachdenke, wie Auferstehung sein kann. Nicht technisch, nicht wissenschaftlich fundiert, nein, ganz persönlich. Fester Bestandteil meines christlichen Glaubens ist der Glaube an den Auferstandenen. Das möchte ich einmal in unserer so buddhistisch durchtränkten und teilweise verwässerten Vorstellungswelt von dem Leben vor und nach dem Tod einmal sagen. Wer Christ sein will, glaubt nicht an die Wiedergeburt.  – btw.: Ich möchte nicht wiedergeboren werden in die Unvollendung, eine grausige Vorstellung. – Wer sich zum auferstandenen Jesus Christus zählen lässt, der bekennt auch seine eigene Auferstehung, als „neuer Mensch“. In der Epistel der Osternacht (Röm 6,3-11) hören wir:

„Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?
Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.
Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.
Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben.
Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
 Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott.
So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.“
In der Taufe sind wir neue Menschen geworden. Der alte Mensch ist mit Christus gestorben. Gleichzeitig aber tragen wir weiterhin Verwundungen vom „alten Menschen“ an uns – und das Evangelium vom Thomas, dem „Ungläubigen“, sagt mir: Das darf so sein! Ich bin nach der Umkehr – nach der Taufe, nach der Beichte, nach der Versöhnung – ein neuer Mensch; ich habe das neue Leben – aber es ist ein Leben, das nicht abgekoppelt ist von dem vorhergehenden.
Das ist das Entscheidende, wenn ich an eine leibliche Auferstehung glauben darf. Nicht der Vorgang, wie es möglich sei, dass der alte Leib zu neuem Leben aufersteht. Nein, es ist dieser Gedanke, dass Gott mein Leben ernst nimmt, dass er meine Leiden und Freuden auf dieser Welt verwandelt, aber nicht zerstört, sondern hinüberrettet in sein himmlisches Reich. In dieser Weise glauben wir auch an das Menschsein Jesu Christi, der zur Rechten des Vaters sitzt. In seiner Auferstehung ist Gott und Mensch in besonderer Weise verbunden. Der neue ewige Bund ist bei Gott eine Realität geworden, die nie mehr rückgängig gemacht werden kann. Halleluja.

Die Liebe Gottes im Herzen Jesu

Eine Frömmigkeit, die uns heute abgeht. Das Herz – reduziert auf das Organ oder allenfalls als Symbol für die Liebe. Letzteres trifft es natürlich bewusst oder eben unterbewusst. Heute feiert die Kirche das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu. Ich kann gar nicht genug darauf verweisen, was wir da feiern: Das Wesen Gottes – die Liebe -, das sichtbar uns nahe gekommen, Mensch geworden ist in Jesus Christus, leuchtet in der Welt durch das Leiden, Sterben und Auferstehen seines geliebten Sohnes Jesus.

Herzen aus Feuer brennen auf den Berggraten Tirols. Und dort ist es auch noch verankert, das Herz Jesu, dem sich die Tiroler geweiht haben. Aber nicht nur dort soll es verehrt werden. Denn Jesus ist für alle Menschen gestorben, nicht nur für ein Volk der Auserwählten. Sein Herz ist weit und durchdringt das Weltall bis in die dunkelsten Ecken der Seele.

Christus, gestern und heute

Anfang und Ende

Alpha und Omega

Sein ist die Zeit

und die Ewigkeit

Sein ist die Macht und die Herrlichkeit

In alle Ewigkeit. Amen.

Durch seine heiligen Wunden,

die leuchten in Herrlichkeit,

behüte uns

und bewahre uns

Christus, der Herr. Amen.

Mit diesen Worten wird die Osterkerze am Osterfeuer bereitet. Der Priester entzündet die Kerze am Feuer und spricht dabei:

Christus ist glorreich auferstanden vom Tod.
Sein Licht vertreibe das Dunkel der Herzen.

Somit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs aus nah und fern:

Fröhliche Ostern!

Христóсъ воскрéсе! – Воистину воскрéсе!
Christus ist auferstanden; er ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!

Wie finde ich das?

Es ist manchmal schon erheiternd, wie manche Blogs/ Blogger von Suchmaschinen und suchenden Menschen gefunden werden. Eigentlich wollte ich nie solche Dinge, wie auch Statistiken, veröffentlichen, aber heute habe ich einen Eintrag entdeckt mit dem Suchbegriff: „Anzeichen ob meine Katze plant dich zu töten“. Das ist dann schon sehr bedenkenswert, wie die Suchmaschine auf meinen Blog kommt. Und der Suchende fragt sich nicht etwa, welche Anzeichen darauf verweisen, dass seine Katze ihn selbst umbringen will sondern DICH, meinen geneigten Leser, oder meint er etwa MICH? Sehr mysteriös.

Daraufhin bin ich mal die Suchbegriffe der letzten Tage durchgegangen. „Was nicht in der Bibel steht“ soll man angeblich auf meinem Blog finden. Naja … „Der Duft des Papstes“ ist mir jedenfalls nicht bekannt. Ich bin auch nicht sein Deo-lieferant. „Lustige Priester“ kann man bei mir sicher auch nicht finden. Schließlich bin ich ja so humorlos und suche selbst nach einer Idee für das Osterlachen. „Martin Luther als Baby“ – wer will das bitteschön wissen? Pampashersteller, oder? „Agnostische Christen“ ist wahrscheinlich eine mir neue, unbekannte Sekte. Also, nichts desto mehr oder weniger: „Frohlocket ihr Chöre der Engel“ – aber nicht vor der Osternacht.

O Haupt voll Blut und Wunden

Es ist das Passionslied schlechthin. Paul Gerhardt (1607-1676) überträgt den lateinischen Hymnus Salve caput cruentatum“, der heute Arnulf von Löwen (1200–1250) zugeschrieben wird, 1656 im letzten Jahr seiner Amtszeit als Propst in Mittenwalde ins Deutsche. Lange Zeit hielt man Bernhard von Clairvaux (um 1090–1153) für den Verfasser dieses Gedichtes. Es ist Teil eines überlieferten Zyklus von sieben Meditationen zu den Gliedmaßen des Gekreuzigten, der im 17. Jahrhundert noch unter dem Titel Domini Bernhardi Oratio Rhythmica bekannt ist. Im Mittelalter ein sehr beliebtes Frömmigkeitsmotiv. Auch Buxtehudes „Membra Jesu Nostri“ liegt dieses Gedicht zugrunde.

Die Melodie war Gerhardt bekannt und lehnt sich an das Madrigal „Mein G’müt ist mir verwirret von Hans Leo Haßler (1564–1612) an. Die Melodie dieses 1601 herausgegebenen Liebesliedes fand schon 1613 Verwendung für die Vertonung des Sterbeliedes „Herzlich tut mich verlangen“. Johann Crüger, Organist und Freund Gerhardts, wird die Melodievereinfachung zugeschrieben.

Johann Sebastian Bach (1685–1750) verwendet in der Matthäuspassion (BWV 244) die ersten zwei der im Evangelischen Gesangsbuch (EG) unter der Nummer 85 abgedruckten Strophen, und in der Kantate „Sehet! Wir gehn hinauf gen Jerusalem“ (BWV 159) die sechste Strophe. Die Melodie erscheint außerdem in Bachs Weihnachtsoratorium zu Paul Gerhardts Text „Wie soll ich dich empfangen„, dem ersten Choral in Teil I (Nr. 5) und zu „Nun seid ihr wohl gerochen„, dem Schlusschor von Teil VI. Im Gotteslob (GL) finden wir unter der Nummer 179 sieben von zehn Strophen mit teilweise geändertem Text.

Wie schon erwähnt ist das Lied eines der schönsten Leidenslieder, die uns die Gesangbücher anbieten. Noch einiges dazu, was mir der Text bedeutet, was er mir sagt: Aus der tiefen mittelalterlichen Christusfrömmigkeit entstanden, die in den Leiden Christi seine Größe verehrte, zeigt das Lied seine wahre Menschheit. Es ist diese Diskrepanz zwischen innerer Größe und der äußeren Erniedrigung bis hin zum Tod. In ein schönes Gesicht blickt man gern. Wie von Strahlen umgeben kann uns manches Gesicht erscheinen. Und so wird das Antlitz Jesu auch oft dargestellt. Auf seinem Leidensweg aber ist sein Aussehen geprägt von den Zeichen der Grausamkeit und des Todes.

Schnell wird mir klar, dass Jesus auch für mich gelitten hat (siehe Strophe 4). Die Sünde, die eigene Schuld, wird heute mehr und mehr verdrängt. Es sind die Umstände, die Erziehung und die Gesellschaft und überhaupt immer die anderen. Wenn keine Ausrede mehr zieht, ist es eine psychische Erkrankung, deren Ursache man sich nicht erklären kann. Das eigene Versagen und die Stimme des Gewissens sind nur mehr Einredungen der katholischen Lehre. Viele Menschen meinen, die Sünde hat doch gar keinen Sitz im Leben mehr, es sei denn man ist Politiker und tut etwas, was man auch gerne machen würde oder bereits schon macht, aber Politikern oder generell anderen Menschen nicht gönnt.

Die Betrachtung aber geht weiter: Im Sterben Jesu, durch seinen Tod, zeigt sich die Liebe Gottes zu uns Sterblichen in der höchsten Vollendung. Das sollten wir uns immer bewusst machen, denn wir stehen in Christi Nachfolge. Wir sollen aus dieser Liebe heraus leben und letztlich auch so im Herrn sterben können. „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an. Ja, spricht der Geist, sie sollen ruhen von ihrer Mühsal; denn ihre Werke folgen ihnen nach.“ (LUT Offb 14,13)

1.
O Haupt voll Blut und Wunden,
Voll Schmerz und voller Hohn,
O Haupt, zum Spott gebunden
Mit einer Dornenkron’,
O Haupt, sonst schön gezieret
Mit höchster Ehr’ und Zier,
Jetzt aber hoch schimpfieret:
Gegrüßet sei’st du mir!

Hier nimmt das Gotteslob eine Korrektur vor. Um die Dopplung in den Zeilen 5 und 6 zu vermeiden, heißt es dort:
O Haupt, sonst schön gekrönet
mit höchster Ehr und Zier, …
Und damit der Reim nicht auf der Strecke bleibt:
… jetzt aber frech verhöhnet …

2.
Du edles Angesichte,
Davor sonst schrickt und scheut
Das große Weltgewichte,
Wie bist du so bespeit!
Wie bist du so erbleichet!
Wer hat dein Augenlicht,
Dem sonst kein Licht nicht gleichet,
So schändlich zugericht’t?

Hier macht das Gotteslob eine ziemlich harte Korrektur, die die ersten 4 Zeilen z.T. auch in ihrem Sinn entstellt:
Du edles Angesichte,
vor dem sonst alle Welt
erzittert im Gerichte,
wie bist du so entstellt …

3.
Die Farbe deiner Wangen,
Der roten Lippen Pracht
Ist hin und ganz vergangen;
Des blassen Todes Macht
Hat alles hingenommen,
Hat alles hingerafft,
Und daher bist du kommen
Von deines Leibes Kraft.

4.
Nun, was du, Herr, erduldet,
Ist alles meine Last;
Ich hab’ es selbst verschuldet,
Was du getragen hast.
Schau her, hier steh’ ich Armer,
Der Zorn verdienet hat;
Gib mir, o mein Erbarmer,
Den Anblick deiner Gnad’!

Hier auch wieder einige kleine Korrekturen:
Was du, Herr, hast erduldet,

ich, ich hab es verschuldet …

Die folgenden Strophen sind nicht in’s Gotteslob aufgenommen worden:

5.
Erkenne mich, mein Hüter,
Mein Hirte, nimm mich an!
Von dir, Quell aller Güter,
Ist mir viel Gut’s getan.
Dein Mund hat mich gelabet
Mit Milch und süßer Kost;
Dein Geist hat mich begabet
Mit mancher Himmelslust.

6.
Ich will hier bei dir stehen,
Verachte mich doch nicht!
Von dir will ich nicht gehen,
Wenn dir dein Herze bricht;
Wenn dein Haupt wird erblassen
Im letzten Todesstoß,
Alsdann will ich dich fassen
In meinen Arm und Schoß.

7.
Es dient zu meinen Freuden
Und kommt mir herzlich wohl,
Wenn ich in deinem Leiden,
Mein Heil, mich finden soll.
Ach, möcht’ ich, o mein Leben,
An deinem Kreuze hier
Mein Leben von mir geben,
Wie wohl geschähe mir!

Jetzt hält sich das Gotteslob an den weiteren Text:

8.
Ich danke dir von Herzen,
O Jesu, liebster Freund,
Für deines Todes Schmerzen,
Da du’s so gut gemeint.
Ach gib, daß ich mich halte
Zu dir und deiner Treu’
Und, wenn ich nun erkalte,
In dir mein Ende sei!

9.
Wenn ich einmal soll scheiden,
So scheide nicht von mir;
Wenn ich den Tod soll leiden,
So tritt du dann herfür;
Wenn mir am allerbängsten
Wird um das Herze sein,
So reiß mich aus den Ängsten
Kraft deiner Angst und Pein!

10.
Erscheine mir zum Schilde,
Zum Trost in meinem Tod,
Und lass mich sehn dein Bilde
In deiner Kreuzesnot!
Da will ich nach dir blicken,
Da will ich glaubensvoll
Dich fest an mein Herz drücken.
Wer so stirbt, der stirbt wohl.