6 Jahre „Nacht des Herrn“

Die Zeit flieht wie ein Schatten. Heute erinnert mich wordpress, dass ich mich vor 6 Jahren registriert habe. Genau genommen am 3. März 2011 habe ich meinen allererster Artikel veröffentlicht: „Was gibt’s Neues?

In dem Posting erkläre ich mein Anliegen, in der sog. Blogozese einen Kontrapunkt setzen zu wollen. Das kommt auch in vielen Artikeln zum Ausdruck. Am 11. Juni 2012 Habe ich das auch noch einmal explizit in einem Artikel gepostet: „Katholische Blogs und mehr …“ In der letzten Zeit mehren sich jedoch die Gedanken zur Politik, vor allem der Weltpolitik. Religion schwebt nicht im luftleeren Raum, die Entwicklung in der Welt – zurück zu Kleinstaaterei und Despotentum – macht mir große Sorgen. Auch wenn viele meinen, sie leben (hier in Deutschland/ Europa) ziemlich sicher, rechnen sie nicht damit, dass auch Demokratien Kriege führen können, und sich die Sicherheit schnell verflüchtigen kann.

Die Blogozese an sich hat mit dem Pontifikat Papst Franziskus‘ an Bedeutung verloren. Die Lichtgestalt der Blogozese war Papst Benedikt XVI., der durch sein Pontifikat den Traditionalisten große Hoffnungen gemacht hat. Die Blogozese hat nie große Bedeutung in der kath. Kirche Deutschlands erlangt, weil sie als diffuses Sprachrohr der Fundamentalisten ein Sammelbecken ziemlich eigen- und einzigartiger Gedankenakrobaten war, denen es nicht gelungen ist, eine allgemein interessierende Plattform zu schaffen, die zu einem sinnvollen Diskurs angeregt hätte. Das war auch nie Sinn und Ziel der Blogozese geschweige denn ihrer Bloggertreffen. Statt dessen wurden die Ansichten „modernistischer“ Theologen, Priester und Gläubige in unregelmäßigen Abständen karikiert und verteufelt. Nach althergebrachter (mittelalterlicher) kirchlicher Tradition. Die meisten der bedeutendsten Blogger der Blogozese schreiben auch heute noch, aber faktisch existiert die Blogozese nicht mehr, siehe auch: „Aufbruch und Niedergang der Blogozese“ – ein Schwanengesang auf dieses Phänomen der Bloggerszene.

Der Titel meines ersten Postings stammt übrigens aus der stereotypen Eröffnungssequenz der NDR-Radio-Comedy „Frühstück bei Stefanie„.

Siri – oder der Verfechter des wahren Glaubens

Elsa bloggt unter der Rubrik: Wort des Tages

„Verheißung – „ernsthafte, feierliche Ankündigung von etwas Bedeutsamem“

Von hier.“

Das allein ist ja schon einen Brüller wert. Rättettää usw. …

Doch dann Siri als Kommentator:

„Der Schindluder, welchen der (zumindest kryptohäretische) Kardinal von München mit solche großen Worten treibt, ist unfassbar und spottet jeder Beschreibung. Und der Papst unterstützt dies alles. Mir fehlen die Worte. Wenn das Ehesakrament fällt, ist ALLES zusammengefallen. Dann hat der Antichrist in Rom die Macht übernommen.“

Liebe Traditionalisten, bleibt auf dem Teppich. Diese Äußerung zeugt von einem schwachen und kranken Geist. Und lässt mich stets an Jesu Worte denken: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Lk 23,34 Mich würde wirklich mal interessieren, was die Fundamentalisten zum heutigen Tagesevangelium (Mk 9,38-40) sagen würden. Aber apropos Dämonenaustreibung. Doch halt, dann hätten wir ja keine so lustigen Kommentare mehr von unserem iPhone-Deppen. Rättettä … Rums.

Nachtrag: Das darf man sich nicht entgehen lassen in der Zeit des Karnevals. Noch ein Kommentar von Siri:

„[…] Die EKD ist nicht mal mehr eine evangelikale Sekte, sondern eine pseudo-religiös drapierte Organisation der Linksgrünen. Wobei es natürlich zu diesem Papst als altem Befreiungstheologen passen würde, gerade solche Vereine mit seiner Zärtlichkeitsoffensive zu überziehen.“

Jetzt geht’s los

Mitten in der hohen Zeit des Karnevals schreibt Elsa in ihrem Nacht(b)revier einen Artikel über: „Das Ackermann Syndrom“ und verwirrt mich vollends. Eigentlich hatte ich nie gedacht, dass Traditionalisten gegen den Papst schreiben. Aber ist ja klar: Wenn der Franziskus heißt und den Benedikt vom Thron gestoßen hat, kann er ja nur von allen guten Geistern verlassen sein; und das muss er auch, wenn man dem Posting von Elsa Glauben schenken möchte. Von den blödsinnigen Beifallsbekundungen der Kommentatoren möchte ich erst einmal schweigen.

„Wer sich ein Bild über die katholische Kirche machen wollte und dabei ausschließlich auf Äußerungen des derzeit amtierenden Papstes angewiesen wäre, der könnte zu dem Schluss kommen, dass Jesus Christus Muslimen die Füße gewaschen hat, Priester im Beichstuhl mit glühenden Zangen parat sitzen und die Kinder von ledigen Müttern offenbar der ewigen Verdammnis anheim gefallen sind und deshalb nicht getauft werden dürfen. Es gibt noch mehr solcher befremdlichen Anwürfe ausgerechnet in einem Dokument, das sich „Evangelii Gaudium“ nennt. Hinzu kommt noch, dass sich Katholiken, die gerne in die außerordentliche Form der römischen Liturgie gehen, sich einer Art Dandytums schuldig machen, einem Modetrend folgen, den man brüderlich, barmherzig, taktvoll und mitfühlend begleiten muss (nein, es geht nicht um Homosexualität, es geht um die Alte Messe), der aber hoffentlich bald wieder irgendwie abebbt – oder so ähnlich.

Wer schon immer gewusst hat, dass Katholischsein irgendwie unsexy ist, der ist bei Franziskus goldrichtig, weshalb auch die einstmals abgefallenen Alm-Öhis im Münsteraner Flachland vor lauter Begeisterung schon anfangen, ihre Predigten mit italienischen Redenwendungen zu durchsetzen. Das alles wäre auch gar nicht weiter erwähnenswert, immerhin sind wir Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation mittlerweile durchaus gewohnt.“

Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Jesus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen, die überhaupt keine Kardinäle oder Priester waren sondern israelische Fischer, Zöllner und allesamt Sünder. Das ist „unsexy“. Auch und vor allem ist es „unsexy“, wenn man sich über die „italienischen Redenwendungen“ [Hervorhebung d. Red.] im „Münsteraner Flachland“ lustig macht, die die Fundamentalisten schon lange zuvor ständig im Munde geführt haben, nur eben nicht dieselben, nicht die Zitate von Papst Franziskus. Ich habe lange darauf gewartet, dass es zu einem Bruch mit Rom in der traditionalistischen Front kommt. Das scheint ja nun der Fall zu sein.

„Es ist durchaus okay, sich an die Brust zu schlagen, auch wenn es, entgegen der Drohkulisse des Franziskus, tatsächlich so aussieht, dass überhaupt gar niemand mehr beichten geht und in deutschen Landen alles und jeder die Sakramente empfangen kann, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist.“

„Drohkulisse“ !!! – einfach köstlich … selten so gelacht. Allerdings ist das, was Elsa im zweiten Teil des Satzes schreibt durchaus ein ernstes Thema und sollte in der Fastenzeit ausgiebig nicht nur in den Predigten thematisiert werden.

Doch nun noch einmal zum Thema: „Kirchenkritik aus den eigenen Reihen, sogar von Bischöfen und Kardinälen, im Lande der Reformation …“ Da fühle ich mich persönlich angepisst, denn ich lebe und arbeite für Christi Weinstock in einem Kernland der Reformation schon länger, als diese Elsa überhaupt katholisch ist.

Und ich kann es nur immer wieder betonen: Auch wenn die Evangelischen Kirchen ihr Reformationsjubiläum langfristig und ausgiebig feiern, ist das hier im Osten der Republik nur eine Marginalie bei 70 % Agnostikern und Atheisten. Hinzu kommen die Kirchenfernen Katholiken und Evangelischen, die bei Erhalt des Kirchenblättchens zu Ostern oder der Zeugen-Jehova-ähnlichen Klingelaktion des Katholikenblättchens „Tag des Hernn“ sofort und vehement ihren Austritt aus der Kirche erklären, auch wenn sich herausstellt, dass sie schon lange ausgetreten sind.

Nun noch einmal zu dem Kommentator „Siri“, der sich also nach einem Ansagedienst von Apple seinen Namen gibt. Dieser schreibt:

„Dieser Papst, der ganz offensichtlich gar keiner sein will, hat ja letztes Jahr in einer seiner sog. „Perlen“ das Gleichnis von den Schafen in besonders schräger Weise ausgelegt, indem er behauptete, heute sei es umgekehrt wie damals zur Zeit Jesu: Es sei nur noch ein Schaf daheim, und 99 seien verloren.“

SIRI mach die Augen auf, komm mal hier in den Osten, am besten für ein paar Monate und steig aus deinem Elfenbeinturm! Und vor allem: Lass dir von deinem iPhone nicht immer alles vorkauen!

„Die überfällige Deutung, dass dann aber auch der Hirte spiegelverkehrt sich verhalten muss, nämlich nicht den „verlorenen“ 99, sonderm dem einen daheimgebliebenen nachgehen (das wären heute die wenigen Konservativen, Romtreuen, die es noch gibt) – die ist diesem Feld-, Wald- und Wiesentheologen auf dem Stuhl Petri natürlich nicht eingefallen.“

Ach du heiliger Einfallspinsel. Es gibt schon viel zu viele, die sich nur um den eigenen Bauchnabel kümmern.

„Und Benedikt muss heute zur Sprachlosigikeit verdammt stundenlang im Petersdom dasitzen. Es ist zum K…“

Ja, das ist doch zum … Heulen (ich schmeiß mich weg, vor Lachen) …. Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug, doch Halt, da war noch was:

„Roma, Roma convertere ad Deum tuum.“

Für die Nichtlateiner unter uns Normalsündern … äh … -christen: „Jerusalem, Jerusalem, bekehre dich zum Herrn deinem Gott“;  den Klageliedern (des Jeremias) bspw. nach dem 1. Kapitel Vers 11 in den Karmetten zugeordnet. Findet sich aber nicht dort, zumindest nicht in der Vulgata. Geht aber wahrscheinlich auf Hos 14,2 aus: „Convertere, Israel, ad Dominum Deum tuum, quoniam corruisti in iniquitate tua.“ – „Kehr um, Israel, zum Herrn, deinem Gott! Denn du bist zu Fall gekommen durch deine Schuld.“ Das hat der Apple-Jünger sehr verschandelt auf Rom angewendet.

Und jetzt alle schunkeln … am Aschermittwoch da bin ich verloren … und dann noch einmal: Rättettä, rättettä … und Narrhalla Marsch. Und Auszug.

Rückzug bei Verkündigung

Wie ich soeben erfahren muss, sind in der deutschen Übersetzung des Apostolischen Schreibens des Papstes Franziskus „Evangelii Gaudium“ wohl einige Unstimmigkeiten  bei der Übersetzung aufgetreten, so dass dieses Schreiben „in die Druckerei“ zurückgerufen werden muss. Diesmal aber nicht wegen des allzu dünnen Papiers und hoffentlich auch nicht wegen der Übersetzungs- oder Deutungsproblematik des „pro multis“. Wahrscheinlich hatte es zu wenig Seiten. Die jetzt als pdf-Datei vorliegende Version hat jedenfalls 256 Seiten!!! Wobei mir noch nicht klar ist, welches Seitenformat? Das wird wohl die nächste Rückrufaktion klären.

Die Verkündigung des Evangeliums in der Welt von heute

71370320Der Papst schreibt zum Ende des Jahres des Glaubens an die Bischöfe, an die Geweihten und alle Christgläubigen ein Apostolisches Schreiben, keine Enzyklika aber ein Schriftstück, dass sein Programm sein könnte. Papst Franziskus schreibt: „Ich weiß sehr wohl, dass heute die Dokumente nicht dasselbe Interesse wecken wie zu anderen Zeiten und schnell vergessen werden. Trotzdem betone ich, dass das, was ich hier zu sagen beabsichtige, eine programmatische Bedeutung hat und wichtige Konsequenzen beinhaltet. Ich hoffe, dass alle Gemeinschaften dafür sorgen, die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um auf dem Weg einer pastoralen und missionarischen Neuausrichtung voranzuschreiten, der die Dinge nicht so belassen darf wie sie sind.“ Meiner Meinung ist es aber ein erster Ausdruck dessen, wovon der Papst träumt, wie er sich die Kirche von heute in einer Welt von heute vorstellt.

Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient.“ Papst Franziskus will deutlich machen, dass die kirchliche Erneuerung unaufschiebbar ist. Er will Traditionen durchleuchten und das Gute bewahren, mahnt aber zugleich Neuerungen an, die auf eine Einheit in Vielfalt hinauslaufen.

Einige Sätze haben Seltenheitswert, wenn sie überhaupt jemals in päpstlichen Dokumenten auftauchen: „Ich glaube auch nicht, dass man vom päpstlichen Lehramt eine endgültige oder vollständige Aussage zu allen Fragen erwarten muss, welche die Kirche und die Welt betreffen. Es ist nicht angebracht, dass der Papst die örtlichen Bischöfe in der Bewertung aller Problemkreise ersetzt, die in ihren Gebieten auftauchen. In diesem Sinn spüre ich die Notwendigkeit, in einer heilsamen „Dezentralisierung“ voranzuschreiten.“ Und das dürfte den ewig Traditionellen ein weiterer Dorn im Auge und keinesfalls eine „Freude“ sein, wie Herr Alipius in seinem bekannten Blog sarkastisch pastoral schlussfolgert: „JAAAAA! Gewonnen! Der Papst will sich künftig ÜBERALL und IMMER und AUS ALLEM heraushalten!“ Nicht nur die Kommentargeier sondern deren Meinung nach die Medien haben sich schon auf diese Stelle gestürzt.

Meine Nachrichtenqellen (dpa und AFP) beschäftigen sich differenzierter mit dem Schreiben: „Die Lehrschrift «Evangelii Gaudium» (Freude des Evangeliums) zum Abschluss des Jahres des Glaubens gilt als wegweisend und grundlegend für das Pontifikat von Franziskus. Er wendet sich damit an die Bischöfe und Priester, aber auch an alle Gläubigen. Das erste Dokument, das der Papst seit seinem Amtsantritt alleine verfasst hat, verdeutlicht eine Reihe seiner Haltungen zu heiklen Fragen.“ (dpa) Der Papst wagt sich auch an eine Kapitalismuskritik: „«In der Wurzel ungerecht» nennt er das aktuelle ökonomische System. Diese Form der Wirtschaft töte, denn in ihr herrsche das Gesetz des Stärkeren. Der Mensch sei nur noch als Konsument gefragt, und wer das nicht leisten könne, der werde nicht mehr bloß ausgebeutet, sondern ausgeschlossen, weggeworfen. Die Ausgeschlossenen seien nicht Ausgebeutete, sondern «Müll, Abfall». Die Welt lebe in einer neuen Tyrannei des «vergötterten Marktes».“ (dpa)

Euronews decken sich nicht mit der Meinung der Tradtionellen: „Auch Franziskus will keine Priesterinnen“. Und aus dem einfachen Schreiben, wird gleich ein „Apostolisches Lehrschreiben“, das texten auch dpa, AFP u.a. Und Euronews kommentieren: „Der Papst bemüht sich um Kontinuität zu seinem Vorgänger…“

Im Zentrum der Schrift steht die Verkündigung und zwar in Form der Homilie: „Der Prediger muss auch ein Ohr beim Volk haben, um herauszufinden, was für die Gläubigen zu hören notwendig ist.“ Klingt ein bisschen nach Luthers Forderung, dass man dem „Volk aufs Maul“ schauen müsse.

Die Kirche muss sich der Armen annehmen, als arme und demütige Gemeinschaft. „Klein aber stark in der Liebe Gottes wie der heilige Franziskus, sind wir als Christen alle berufen, uns der Schwäche des Volkes und der Welt, in der wir leben, anzunehmen.

Über das, was der Papst als „spirituelle Weltlichkeit“ bezeichnet, müssen wir in der kommenden Zeit gesondert nachdenken: „Die spirituelle Weltlichkeit, die sich hinter dem Anschein der Religiosität und sogar der Liebe zur Kirche verbirgt, besteht darin, anstatt die Ehre des Herrn die menschliche Ehre und das persönliche Wohlergehen zu suchen. Es ist das, was der Herr den Pharisäern vorwarf: »Wie könnt ihr zum Glauben kommen, wenn ihr eure Ehre voneinander empfangt, nicht aber die Ehre sucht, die von dem einen Gott kommt? « (Joh 5,44). Es handelt sich um eine subtile Art, » den eigenen Vorteil, nicht die Sache Jesu Christi « zu suchen (Phil 2,21). Sie nimmt viele Formen an, je nach dem Naturell des Menschen und der Lage, in die sie eindringt. Da sie an die Suche des Anscheins gebunden ist, geht sie nicht immer mit öffentlichen Sünden einher, und äußerlich erscheint alles korrekt. Doch wenn diese Mentalität auf die Kirche übergreifen würde, » wäre das unendlich viel verheerender als jede andere bloß moralische Weltlichkeit «. (Henry De Lubac, Méditation sur l’Église, Paris 1953. Éditions Montaigne, Lyon 1968, S.321.)

Wüste Spekulationen und Mea Culpa

BlitzeinschlagBlitz schlägt im Vatikan ein. Zeichen oder Fälschung? Benedikt entzaubert Papstamt. Papst macht den Weg frei für Neues. Ist das die Stunde für Afrika? Die Welt: wie ein Blitz aus heiterem Himmel fällt Trauer über die „ewige Stadt“. Dennoch war es ein geplantes Unternehmen. Und weiter titeln die Gazetten: Papst kannte keinen Karriereplan. Das macht diesen Schritt, so wohlüberlegt, auch so einzigartig.

Und noch etwas zum Aschermittwoch. Im letzten Satz seiner Rücktrittserklärung macht er etwas – nein, nicht Neues – aber Unerwartetes:

„Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“ (Hervorhebung Red.)

Das kann man leicht überlesen, wenn man den Artikel nicht bis zu Ende liest. Er tut es PP. Johannes Paul II. gleich und steigt damit nicht nur in meiner Hochachtung einige Stufen empor. Der „Unfehlbare“ bittet um Verzeihung!!! Auch für uns ein gutes Signal für die Fastenzeit, die Österliche Bußzeit, während dessen die Katholiken v.a. aber auch alle Christen aufgefordert sind, umzukehren und das Leben neu auszurichten auf das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi. Er ist der Heiland und Retter der Welt.

Darf der Papst das?

Was? Ach ja, zurücktreten! Definitiv ja, laut Kirchenrecht darf er auf sein Amt verzichten (Amtsverzicht (can. 332 § 2 CIC)). Und ebd. heißt es: „Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, daß der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, daß er von irgendwem angenommen wird.“ Der Papst ist letztlich der einzige, dessen Verzicht nicht von jemandem angenommen oder bestätigt werden muss.

Es ist sicher ein überraschender aber nicht absurder Schritt. Meiner Meinung nach ist es die richtige Entscheidung, gerade auch die richtige Entscheidung eines eher intelektuellen Papstes, der nach reiflicher Überlegung den Weg für einen (jüngeren?) Papst frei machen will, der sich mit den Problemen der heutigen Zeit innerhalb und außerhalb der Kirche in adäquater Weise besser beschäftigen kann. Papst Benedikt ist nun auch in einem Alter, in dem so mancher schon lange seinen Ruhestand genießt. So sollte  man ihm auch einige Zeit des Ruhestandes gönnen, auch wenn es ein erst einmal gewöhnungsbedürftiges Procedere ist.

Papst Benedikt XVI. legt sein Amt nieder

Benedikt XVI

Als erster Papst der Neuzeit legt Papst Benedikt XVI. aus gesundheitlichen Gründen am Ende des Monats sein Amt nieder. Die Medien schlafen auch am Rosenmontag nicht, auch wenn alle Welt die Umzüge in Mainz, Düsseldorf und Köln schauen will, bringt die ARD-Tagesschau schon Sondersendungen am laufenden Band.

Zur Mittagszeit hat der Papst eine eigene Erklärung auf Latein abgegeben. Mittlerweile liegt die Erklärung schon in Deutsch vor. Der Papst sagt u.a.:

„Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.“

Da kann ich nur hinzufügen: Der erste Papst, der das so erkennt, dass er einfach nicht mehr in der Lage ist – ohne nur auf seine Berater zu vertrauen – die Erfordernisse der Gegenwart anzupacken und Probleme, die anstehen, zu lösen. Hut ab, egal, was freche Mäuler sagen würden, er solle bis zur vollständigen Unfähigkeit und bis zum Tod weitermachen.

Nicht umsonst gibt es eine wissenschaftliche These, die sich das „Peter-Prinzip“ nennt. Die These behauptet, dass „in einer Hierarchie […] jeder Beschäftigte dazu [neigt], bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“ (Laurence J. Peter, Raymond Hull: Das Peter-Prinzip oder die Hierarchie der Unfähigen, Reinbek bei Hamburg 1972, Kapitel 1) Ich würde dem Autor nicht 100%-ig zustimmen, aus diesem Grund keine Karriere anzustreben. Vielleicht ist sich der Papst ja dieser These bewusst. Und das finde ich bewunderungswürdig. Und er sagt in seiner Erklärung weiter:

„Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.“

Bischof wird verabschiedet

Knapp einen Monat nach seinem Rücktritt wird Bischof Joachim Wanke in Erfurt verabschiedet. Morgen Vormittag findet in der Brunnenkirche eine Gesamt-Pastoralkonferenz statt, in der der Bischof geehrt werden soll.

Am Nachmittag ist dann der große Festakt im Theater Erfurt, zu dem ca. 400 Gäste aus der katholischen und evangelischen Kirche und der jüdischen Landesgemeinde eingeladen sind. Den Festvortrag hält Professor Josef Pilvousek, Kirchenhistoriker an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Er würdigt die pastoralen Herausforderungen und Weichenstellungen in der Amtszeit von Bischof Wanke.

Die „Gloriosa“ darf natürlich im Reigen der Laudationes nicht schweigen; sie wird vor dem Pontifikalamt um 17.30 Uhr im Erfurter Dom zu hören sein. Die größte, frei schwingende, mittelalterliche Glocke der Welt läutet nur an hohen kirchlichen Feiertagen und zu besonderen Anlässen. Domradio Köln und katholisch.de übertragen den Gottesdienst im Internet via Livestream.

Jahr des Glaubens

In einer Zeit, in der der Glaube an den dreieinen Gott der Christen zu verdunsten scheint, ruft Papst Benedict XVI. ein Jahr des Glaubens aus. Alle Menschen sind aufgerufen, den Glauben neu zu entdecken und zu vertiefen. Neuevangelisation nennt man das wohl heute. Volksmission ist der antiquierte Begriff dazu; in katholischen Gebieten vielleicht noch unter der Kurzbezeichnung „Mission“ bekannt.

Das Jahr des Glaubens ist festgesetzt auf den Beginn am 11.10.2012 und soll am 24.11.2013 enden. Vor 50 Jahren begann der Frühling in der Kirche. Die Fenster des Glaubens wurden weit geöffnet. Mir drängt sich oftmals das Bild auf: Die kühlen Herbsttemperaturen haben viele veranlasst diese Fenster wieder zu schließen. Vielleicht wird in diesem Jahr mal wieder ordentlich durchgelüftet.

Wäre es vermessen, sich zu wünschen, dieses Jahr würde auf unbestimmte Zeit verlängert. Frischer Schwung und neue Energie: Jungen Wein füllt man nicht in alte Schläuche.

Pressefreiheit und Gefährdung des öffentlichen Friedens

Die Pressefreiheit stellt zweifelsohne ein hohes Gut dar. In vielen Ländern ist sie auch heute noch nicht gewährleistet oder kann nur eingeschränkt verwirklicht werden. Dazu gehört neben Russland auch das bevölkerungsreichste Land der Erde: China. Was aber bedeutet Pressefreiheit in Ländern der „zivilisierten“ westlichen Welt?

Pressefreiheit meint das Recht von Presse, Funk und Fernsehen sowie anderen Medien (z.B. Internet) auf freie Ausübung ihrer Tätigkeit, vor allem das unzensierte Veröffentlichen von Informationen und Meinungen. Dabei soll die freie Meinungsbildung gewährleistet werden. Das Medienrecht regelt die entsprechenden Grundlagen, insbesondere das Presserecht.

Doch mir stellt sich schon seit langem die Frage: Gibt es eine Grenze? Ja, und diese Grenze überschreiten viele Journalisten, zumal jene, die sich nicht der Wahrheitsfindung und Freiheitsliebe verschrieben haben sondern der Hetze und Lüge, der Verbreitung der Unwahrheit und des Unfriedens. Oder all die vielen, die beides nicht bewusst reflektieren. Vielen ist es bekannt, das vielgerühmte Zitat Rosa Luxemburgs: „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden.“ Doch nur wenigen ist bekannt, dass zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte nicht nur die Pressefreiheit gehört und das Recht auf freie Meinungsäußerung sondern auch die freie Ausübung der Religion. Wir Christen haben uns ja schon so sehr an die Flut von Karikaturen gewöhnt, dass selbst der Vatikan seine Klage gegen ein deutsches Satireblättchen zurückgezogen hat.

Die Macht der Medien habe ich ja schon ein wenig reflektiert während des Medienhype‘ um die Absetzung des Bundespräsidenten Wulff.

Alipius schreibt einen bemerkenswerten Artikel, der meiner Meinung exemplarisch ist: „Gefährdung des öffentlichen Friedens„. Ganz eindeutig werden hier Fragen der künstlerischen Gestaltung („Was will der Künstler uns damit sagen?“) mit objektiven Aussagen, die sich aus eindeutigen Äußerungen und Darstellungen ergeben, verbunden und verquickt. Hat das noch etwas mit Pressefreiheit zu tun, was die Titanic da veröffentlicht?

Was will der Künstler uns damit sagen? Doch letztendlich nur das eine: Die Verdummung der Menschheit schreitet voran. Ich kann nur Jedem/Jeder raten: Bleibt kritisch. Fernsehen, Rundfunk und Presse und gerade das Internet verbreiten keine allgemein gültigen Wahrheiten; im Gegenteil, oftmals viel Machtgeplänkel, Meinungsmache und – um es mit einem Wort zu sagen: Schund. Hetze und Haß gegenüber Andersdenken gab es schon immer und nicht nur auf dem Schulhof. Oftmals kommen sie in einer künstlerischen Verpackung daher. „Das ist doch Kunst – da kann man nichts gegen sagen. Die Aussage des Künstlers bleibt uns verborgen.“ Vorsicht! Wehret den Anfängen! Auch ein Video bleibt ein Video und wird nicht exemt oder erhält irgend eine Immunität, auch wenn man es als Kunst hochstilisiert. Es sei denn, es hat einen Diplomatenpass 😉

Update 29.9.2012, 12:00 Uhr: Die ganze bittere Wahrheit über das Internet und seine Bewohner, Nerds und Trolle, Mobber und Schaumschläger, Hetzer und Schwätzer … könnt ihr bei Alipius nachlesen: Wie gefährlich ist das Internet? Natürlich mischt der Autor des Artikels – wie er freimütig bekennt – in dieser Suppe kräftig mit und würzt mit seinen Gewürzen tagtäglich neu.

Im letzten Absatz unterliegt er allerdings einer Täuschung: „So besteht die Gefahr, daß wir uns Generationen von Internet-Bürgern heranziehen, für die die reale Welt und das wirkliche Leben einfach zu groß sind und die auf diese erschreckende Größe auch außerhalb des Netzes auf die Art agieren, mit der sie im Netz erfolgreich sind. Und wer sagt, daß die verbale Gewalt da nicht in nullkommanix in körperliche Gewalt umschlagen kann?“ (Hervorhebung durch Red.) Das ist die berühmte Frage: Wer war zuerst da: das Ei oder die Henne. Ich denke, dass die Leute in der realen Welt schon lange so agieren. Diejenigen unter ihnen, die des Schreibens mächtig sind oder wissen, wie man das Handy bedienen muss, damit ein Video entsteht oder Fotos gemacht werden, mobben, betrügen, belügen, erpressen auch schon lange, nicht nur auf dem Schulhof. Jetzt haben sie einfach eine andere Plattform gefunden sich auszukotzen und ihren Schmutz weiter und weiter zu verbreiten. Natürlich hat das Ganze Potential auch für diejenigen, die noch in den Startlöchern stehen.

Der Papst in Westminster Abbey

Von Britten über Purcell zum Papst: Benedikt XVI. besuchte während seiner Apostolischen Reise nach Großbrittanien  (16.-19.9 2010) auch Westminster Abbey und nahm dort am 17. September an einem Evening Prayer (Vesper) teil. Nach dem Begrüßungszeremoniell durch Dekan Dr. John Hall und Erzbischof von Canterbury Dr. Rowan Williams feierte er in aller Bescheidenheit gemeinsam den Abendgottesdienst. Der Einzug wurde durch den Chor der Westminster Abbey gestaltet mit einem jener phantastischen Hymnen, die die Anglikanische Kirche sehr pflegen. Henry Purcell: „Christ is made the sure foundation“. Der Text stammt aus einem alten lateinischen Hymnus (7./8. Jahrhundert) und wurde ins Englische übersetzt von John Mason Neale.

Christ is made the sure foundation,
and the precious corner-stone,
who, the two walls underlying,
bound in each, binds both in one,
holy Sion’s help for ever,
and her confidence alone.

All that dedicated city,
dearly loved by God on high,
in exultant jubilation
pours perpetual melody,
God the One, in threefold glory,
singing everlastingly.

To this temple, where we call thee,
come, O Lord of hosts, today;
with thy wonted loving-kindness,
hear thy people as they pray;
and thy fullest benediction
shed within its walls for ay.

Here vouchsafe to all thy servants
gifts of grace by prayer to gain;
here to have and hold for ever,
those good things their prayers obtain,
and hereafter, in thy glory,
with thy blessèd ones to reign.

Laud and honour to the Father;
laud and honour to the Son,
laud and honour to the Spirit,
ever Three, and ever One,
One in love, and One in splendour,
while unending ages run. Amen.

GRUSSWORTE DES HEILIGEN VATERS AM SCHLUSS DES ABENDGEBETS

Liebe Freunde in Christus!

Ich danke dem Herrn für die Gelegenheit, Ihnen, den Vertretern der in Großbritannien ansässigen christlichen Konfessionen, in dieser großartigen, dem heiligen Petrus geweihten Abteikirche, zu begegnen. Ihre Architektur und Geschichte geben ein beredtes Zeugnis von unserem gemeinsamen Glaubenserbe. Hier werden wir wie von selbst daran erinnert, wie sehr der christliche Glaube die Einheit und die Kultur Europas und das Herz und den Geist des englischen Volkes geprägt hat. Hier wird uns zudem unausweichlich in Erinnerung gerufen, daß das, was wir in Christus miteinander teilen, größer ist, als das, was uns noch voneinander trennt.

Ich danke Seiner Gnaden dem Erzbischof von Canterbury für seine freundliche Begrüßung und dem Dekan und dem Kapitel dieser ehrwürdigen Abtei für die herzliche Aufnahme. Ich bin dem Herrn dankbar, daß er mir erlaubt, als Nachfolger des heiligen Petrus auf dem Bischofsstuhl von Rom diese Wallfahrt zum Grab des heiligen Eduard des Bekenners zu machen. König Eduard von England bleibt ein Modell christlichen Zeugnisses und ein Beispiel der wahren Größe, zu der der Herr seine Jünger aufruft, wie wir in den Schriftlesungen gerade gehört haben: die Größe der Demut und des Gehorsams, die auf Christi eigenem Beispiel gründen (vgl. Phil 2,6-8), die Größe der Treue, die nicht zögert, aus nicht endender Liebe zum göttlichen Meister und unverbrüchlicher Hoffnung auf seine Verheißungen das Geheimnis des Kreuzes auf sich zu nehmen (vgl. Mk 10,43-44).

Dieses Jahr begehen wir, wie allgemein bekannt, den hundersten Jahrestag der modernen ökumenischen Bewegung, an deren Anfang der Aufruf der Konferenz von Edinburgh zur christlichen Einheit als Vorbedingung für ein glaubwürdiges und überzeugendes Zeugnis für das Evangelium in unserer Zeit stand. Anläßlich dieses Jubiläums müssen wir Dank sagen für den bemerkenswerten Fortschritt auf dieses hohe Ziel hin, welcher durch den Einsatz engagierter Christen aller Konfessionen erreicht wurde. Zugleich sind wir uns jedoch bewußt, wieviel hier noch zu tun bleibt. In einer von zunehmender Wechselwirkung und Solidarität geprägten Welt sind wir herausgefordert, mit neuer Überzeugung unsere reale Versöhnung und Befreiung in Christus zu verkünden und die Wahrheit des Evangeliums als den Schlüssel zu einer authentischen und umfassenden menschlichen Entwicklung anzubieten. In einer Gesellschaft, die der christlichen Botschaft zunehmend gleichgültig oder sogar feindlich gegenübersteht, sind wir um so mehr in der Pflicht, freudig und überzeugend von der Hoffnung zu sprechen, die uns erfüllt (vgl. 1 Petr 3,15), und zu zeigen, daß der auferstandene Herr die Antwort auf die tiefsten Fragen und die geistigen Sehnsüchte der Menschen unserer Zeit ist.

Während der Prozession zum Altarraum zu Beginn dieses Gottesdienstes sang der Chor, daß Christus unser „sicheres Fundament“ ist. Er ist der Ewige Sohn Gottes, eines Wesens mit dem Vater, der – wie es im Glaubensbekenntnis heißt – „für uns Menschen und zu unserem Heil“ Fleisch angenommen hat. Er allein hat Worte ewigen Lebens. „In ihm hat“ – wie der Apostel lehrt – „alles Bestand. […] Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen“ (Kol 1,17.19).

Unser Einsatz für die Einheit der Christen hat keinen geringeren Ursprung als unseren Glauben an Christus, an diesen Christus, der von den Toten auferstanden ist und zur Rechten des Vaters sitzt, der wiederkommen wird in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten. Die Realität der Person Christi, sein Erlösungswerk und vor allem die historische Tatsache seiner Auferstehung sind der Inhalt des apostolischen Kerygmas und der Glaubensbekenntnisse, die vom Neuen Testament selbst an seine vollständige Weitergabe garantiert haben. Die Einheit der Kirche kann, in einem Wort, nie etwas anderes sein als Einheit im apostolischen Glauben, in dem Glauben, der jedem neuen Glied am Leib Christi im Taufritus anvertraut wird. Dieser Glaube vereint uns mit dem Herrn, gibt uns Anteil am Heiligen Geist und macht uns auch jetzt zu Teilhabern am Leben der heiligen Dreifaltigkeit, dem Modell der koinonia der Kirche hier auf Erden.

Liebe Freunde, wir sind uns alle der Herausforderungen, der Gnadengeschenke, der Enttäuschungen und der Zeichen der Hoffnung bewußt, die unseren ökumenischen Weg kennzeichnen. Heute abend legen wir all das im Vertrauen auf seine Vorsehung und die Kraft seiner Gnade in Gottes Hände. Wir wissen, daß die unter uns geschlossenen Freundschaften, der begonnene Dialog und die uns leitende Hoffnung uns auf unserem weiteren gemeinsamen Weg Kraft und Orientierung spenden werden. Zugleich müssen wir mit einem im Evangelium begründeten Realismus die Herausforderungen anerkennen, die uns erwarten, nicht nur auf dem Weg zur Einheit der Christen, sondern auch bei unserer Aufgabe, Christus in unserer Zeit zu verkünden. Die Treue zum Wort Gottes – denn dieses ist ja das wahre Wort – verlangt von uns einen Gehorsam, der uns gemeinsam zu einem tieferen Verständnis des Willens des Herrn führt, einen Gehorsam, der frei sein muß von intellektuellem Konformismus und bequemer Anpassung an den Zeitgeist. Dieses Wort der Ermutigung möchte ich Ihnen heute abend mitgeben, und ich tue das getreu meines Amtes als Bischof von Rom und Nachfolger des heiligen Petrus, der den Auftrag hat, in besonderer Weise für die Einheit der Herde Christi zu sorgen.

In dieser altehrwürdigen Klosterkirche versammelt, können wir uns das Beispiel eines großen Engländers und Kirchenmannes ins Gedächtnis rufen, den wir gemeinsam verehren: den heiligen Beda Venerabilis. Beim Anbruch eines neuen Zeitalters im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben verstand Beda sowohl die Bedeutung der Treue zum Wort Gottes, wie es in der apostolischen Tradition überliefert wurde, als auch die Notwendigkeit einer kreativen Offenheit für neue Entwicklungen und die Erfordernisse, das Evangelium in der jeweiligen Sprache und Kultur gut einzupflanzen.

Diese Nation und das Europa, zu deren Aufbau Beda und seine Zeitgenossen beigetragen haben, stehen wiederum an der Schwelle eines neuen Zeitalters. Das Beispiel des heiligen Beda sporne die Christen dieser Länder an, ihr gemeinsames Erbe wiederzuentdecken, zu festigen, was sie miteinander teilen, und sich weiter um ein Wachstum in ihrer Freundschaft zu bemühen. Der auferstandene Herr begleite unseren Einsatz, die Spaltungen der Vergangenheit zu überwinden und den gegenwärtigen Herausforderungen mit Hoffnung auf die Zukunft zu begegnen, die er in seiner Vorsehung für uns und unsere Welt bereithält. Amen.

(Quelle: Libreria Editrice Vaticana)