Politik und Religion

Als Jugendlicher habe ich mich eher als unpolitischen Menschen gesehen. Ich war nie in einer Partei; und außer in der FDJ auch keiner anderen gleichartigen Vereinigung. Aber ich war schon immer Pazifist.

Da liegt dann wohl auch der Knackpunkt, weshalb ich über die Jahre zu der allgemein anerkannten Überzeugung gelangt bin, dass es keine unpolitischischen Menschen geben kann. Jeder und jede hat so seine Vorstellungen, wie die Welt ist und wie sie seiner Meinung nach sein sollte. Ich muss keiner Partei angehören, ich muss in keinem Parlament tätig sein. Allein wie ich mein Leben gestalte, macht mich zu einem sozialen Wesen und zu einem Politiker.

Letztendlich ist jeder Mensch, der am Stammtisch oder in der Familie seine Meinung kundtut ein politisches Wesen. Auch jeder, der dem gerade so beliebten Populismus anheim fällt (was ja am Stammtisch besonders gut geht).

Da sind dann auch die Medien, die die politischen Meinungen anheizen. Die klassischen Medien, die gerne von den Populisten als Lügenpresse beschimpft werden: Radio, Zeitung, Zeitschriften und Fernsehen. Und auf der anderen Seite das Internet mit seinen sozialen Medien: Facebook, Instagram, Twitter und WhatsApp (u.ä.), um nur die wichtigsten zu nennen, nicht zu vergessen das Darknet, aus dem die anderen Sozialmedia mit Fakenews und Schlimmeren beliefert werden. Fakenews verbreiten, scheint eh eine neue Sportart geworden zu sein. Dabei hilfreich: das Gewissen nicht zu haben oder ausschalten zu können, was heutzutage schon von Kindesbeinen an, v.a. in der Schule, trainiert wird. Auch bemühte Journalisten springen auf den populistischen Zug auf oder tappen in so manche Falle, weil sie zu oberflächlich recherchieren.

Kann ich als Christ politisch sein? Durchaus, denn Jesus hat sich schon damals zu brisanten gesellschaftlichen und religiösen Fragen geäußert, Stellung bezogen und von den Leuten gefordert. Nicht jeder muss dabei ein parteipolitisches Amt antreten. Es reicht, wenn sich jeder eine klar nachvollziehbare Meinung bildet und diese aus seinem erwachsenen und mündigen christlichen Glauben auch gegenüber der Welt (Arbeitskollegen, Familie, Schulkameraden etc.) vertritt. Dazu ist es immanent notwendig, den Glauben zu stärken und sich auch eine dezidierte religiöse Meinung zu bilden. Die Trennung von Kirche und Staat – an deren Notwendigkeit zum Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft keiner rütteln möchte – hat leider zu irrigen Meinungen geführt, dass z.B. Religion Privatsache sei und Christen keine Politik machen sollten. Leider hat zu der letztgenannten Meinung auch die CDU/CSU aktiv beigetragen, v.a. im areligiösen Osten der Republik.

Advertisements

Where’s the revolution?

Ihr wurdet kleingehalten
Ihr wurdet herumgeschubst
Ihr wurdet angelogen
Ihr wurdet mit Wahrheiten gestopft
Wer trifft eure Entscheidungen?
Ihr oder eure Religion,
Eure Regierung, eure Länder?
Ihr patriotischen Junkies!

Wo ist die Revolution?
Los, Leute,
Ihr enttäuscht mich!
Wo ist die Revolution?
Los, Leute,
Ihr enttäuscht mich!

Schon viel zu lange
Haben sie auf euch gepisst
Eure Rechte missbraucht
Eure Ansichten abgelehnt
Sie manipulieren und drohen
Mit dem Schrecken als Waffe
Ängstigen euch, bis ihr betäubt seid
Zermürben euch, bis ihr auf ihrer Seite seid.

Wo ist die Revolution?
Los, Leute,
Ihr enttäuscht mich!
Wo ist die Revolution?
Los, Leute,
Ihr enttäuscht mich!

Der Zug kommt
Der Zug kommt
Der Zug kommt
Der Zug kommt
Also steigt ein!
Steigt ein!
Steigt ein!
Steigt ein!
Der Motor brummt
Der Motor brummt
Der Motor brummt
Der Motor brummt
Also steigt ein!
Steigt ein!
Steigt ein!
Steigt ein!

Wo ist die Revolution?
Los, Leute,
Ihr enttäuscht mich!
Wo ist die Revolution?
Los, Leute,
Ihr enttäuscht mich!

Traditionalistisch – Fundamentalistisch

Lange hatte ich folgenden Artikel im Köcher. Jetzt aber, wo alle Welt von den Leuten schwätzt, die sich funfamentalistischen Strömungen des Islam anschließen und sich radikalisieren – wobei die Frage bleibt, ob der IS überhaupt muslimisch ist – habe ich mir gedacht, kannst du ja auch mal über die Tradis/ Fundis in der Römisch-Katholischen Kirche palabern. Nach all der Zeit (zuletzt revidiert 18.11.2011) findet man sogar noch alle Links, auf die der Post verweist.

Wer hätte das gedacht: Gott versteht nur Latein. Ich wusste es immer. Alles andere ist „Geschwätz mit dem Nachbarn“. Wenn ich also in Deutsch zu Gott bete, dann versteht er mich gar nicht. Jetzt wird mir so manches klar: Wir brauchen die Messe des extraordinären Ritus, weil wir als muttersprachlich deutsche Katholiken gar nicht von Gott verstanden werden und deshalb in Form des Latein vor sich hermurmelnden Priesters einen Fürsprecher brauchen. Er ist ja als einzig wahrer und verständiger geweihter Christ in der Lage oder besser gesagt von Gott dazu auserwählt, meine Gebete zu transformieren.

Wem hält hier der Priester die Hostie entgegen und warum?

Manche Leute schnipseln sich die Videos so zurecht, wie sie es für ihre Propaganda brauchen. Siehe auch: Katholische Konterrevolution. Wirklich furchtbar ist das. Dabei heißt es doch: Du sollst nicht lügen. Ich frage mich, welches Kirchenbild hier vermittelt werden soll? Und die einzig brauchbare Antwort, die mir auch jeder normale Mensch geben wird, ist: Die Kirche steckt doch noch im Mittelalter. Fragen der Neuzeit werden als irrelevant und böse abgestempelt. DIALOG wird mit DIABOLOS gleichgesetzt. Der Weltsicht der Moderne und Postmoderne wird ein Katechismus entgegengehalten, der eine meterdicke Staubschicht aufweist.

Hier noch zwei Artikel, die ich für besonders durch den Wind halte: Kontinuität oder Bruch sowie Was heißt „die neue Messe anerkennen“. Und dabei muss ich der Ausdruckskraft meiner Meinung Einhalt gebieten. Nur soviel: In welcher Welt lebt der Verfasser? Gestern oder vorvorgestern? Ach nein, er meint die Piusbrüder! Das ist ja schon klar, dass die nicht in dieser Welt leben. Der Kosmos dieser Vereinigung dreht sich nur um das Eucharistieverständnis der Missa Tridentina.

Ich versteh‘ die Fundis nicht. Sie geben sich so kämpferisch für ein Kirchenbild, das in einer Zeit entstanden ist, in der die Welt am Abgrund stand: Nepotismus und Simonie waren in der Kirche an der Tagesordnung. Gegen diese und andere Missstände in der Kirche galt es eine klare Linie zu vertreten. Das hat das Tridentinische Konzil auch geschafft. Auch in der Priesterausbildung. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute stehen ganz andere Probleme auf der Tagesordnung, auf die die Traditionalisten keine verständliche und befriedigende Antwort haben.

[Hier doch eine Nebenbemerkung in der Revision: Die Welt steht auch heute an einem Abgrund. Auch der ist hausgemacht; betrifft aber weder den religiösen Diskurs noch innerkirchliche Missstände, sondern einen eher handfest existenziellen: der viel zu wenig beachtete Klimawandel mit all seinen leider nur all zu wahren Katastrophen- und Horrorszenarien.]

Abgrenzend von ihnen möchte ich mich als konservativ im positiven Sinne betrachten. Traditionell eingestellt – nämlich den Traditionen der Kirche insbesondere des II. Vatikanums mich verpflichtet fühlend. Dabei sehe ich das Konzil als kontinuierlich in der Reihe der Konzilien stehend an. Es gibt keinen Bruch in der Kirche, jedenfalls nicht durch das Konzil. Die Brüche in der Kirche sind anderer Natur. Das II. Vatikanum hat versucht Antworten zu finden auf die Erfordernisse der Zeit. Weil aber fundamentalistische Kräfte eine Weiterentwicklung der Ideen des Konzils verhindern, verlieren katholische Christen hier in Europa immer mehr an Ansehen. Atheistische „Bewegungen“ werden zunehmend radikaler und der Glaube scheint nicht nur in der römisch-katholischen Kirche zu verdunsten.

Nebenbei: Ich kann es nur als Satire auffassen, wenn Fundamentalisten in ihren Blogs darauf verweisen, dass sie zu den Aussagen des II. Vatikanums stehen würden. Irgendwie kann ich aber schlecht darüber lachen. Aber wahrscheinlich ist das so ein Fundi-Insider-Witz, haha. Tatsächlich entfernen sich viele Katholiken von den Lehrmeinungen des II. Vatikanischen Konzils. Statt dessen gehen sie einen Schritt zurück. Aus Angst vor den Unsicherheiten der Moderne und Postmoderne skandieren sie die Ausführungsbestimmungen des Tridentinischen Konzils, die in der Folge in entscheidender Weise zu Kirchenspaltungen beigetragen haben. Mangelnde Dialogbereitschaft war schon damals der Knackpunkt gewesen. Wäre es zu einem echten Disput zwischen Papst, Luther und Theologen gekommen, so sähe die katholische Welt heute anders aus. Warum soll die Kirche sich nicht weiterentwickeln? Weil das Tridentinum das Non-Plus-Ultra ist?

Viele Fundamentalisten meinen, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet. Da sind die Leute, die Handzettel verteilen gegen die Handkommunion. Wer jemals einen solchen Wisch gelesen hat, kann verstehen, weshalb die Fundamentalisten sich so oft folgender Wörter bedienen: Hölle, Teufel, Linke Theologen (was immer das sein mag – lach mir einen Ast, die Leute, die so etwas schreiben, wissen gar nichts vom real-existiert-habenden Sozialismus in der DDR, pah, und schimpfen auf alle, die „modernistische“ Äußerungen von sich geben – was immer das jetzt schon wieder sein mag) und häretisch und schismatisch. Seien wir mal ehrlich, wer verwendet diese Wörter heute noch im alltäglichen Sprachgebrauch. Die stereotype Antwort darauf kenn‘ ich schon: Deshalb sind sie nicht weniger wahr. „Quid est veritas?“ – Gott ist Wahrheit! Und ob Gott die Rubriken der Extraordinären Messe so gut kennt, wie manche Priester/ Laien oder ob er das Kirchenrecht so genau studiert hat, wage ich zu bezweifeln.

Naja, so viel dazu …

Zeit

„Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fragenden erklären, weiß ich’s nicht.“

– Augustinus, Confessiones lib. 11;

Der goldene Käfig

Helge Schneider, ein begnadeter (Jazz-)Musiker und oftmals unterschätzter, schrulliger Kabarettist (heute sagt man wohl: Comedian) hat ein kleines Lied zu einem Thema geschrieben, welches mir in der letzten Zeit durch den Kopf geht. Im Artikel „De-Eskalation“ habe ich ihn schon einmal erwähnt, den Goldenen Käfig. Auch den Artikel habe ich eigentlich mit vielen Hinterkopfgedanken geschrieben.

Der Goldene Käfig … was ist das eigentlich für ein Bild? In einem goldenen Käfig sitzen. Ein Käfig steht immer für Enge, Unfreiheit und Gefangenschaft. Derjenige, der sich in einem Käfig befindet, ist festgesetzt und unfrei gemacht, durch wen auch immer, vielleicht auch durch eigene Schuld. Gold ist hier Sinnbild für Luxus, Reichtum. Somit meint diese Redewendung ursprünglich: sich trotz Reichtums in Unfreiheit befinden, als Mitglied der wohlhabenden Gesellschaftsschicht eine eingeschränkte persönliche Freiheit besitzen.

Ich möchte das Bild etwas ausweiten. Den goldenen Käfig sehe ich hier als eine Art Realitätbeschönigung. Alles ist Gold, was nur irgendwie glänzt und alles, was nicht glänzt und zum Himmel stinkt, wird vergoldet. Den goldenen Käfig habe ich mir geschaffen oder von anderen Menschen für mich (allein) anfertigen lassen, um der „bösen“ Welt zu entfliehen in eine gewollte oder zwangsläufige Abhängigkeit, die ich mir einbilde, kontrollieren zu können. Ein Ausbruch aus diesem Käfig? Ist er denn überhaupt gewollt? Hieße das nicht, sich dem harten Wind der realen Welt zu stellen, meinen Schatz aufzugeben? Meinen goldenen Schatz, den mir die Neider rauben wollen. Mein Schatz, der mir gehört, mir allein …

„Der goldene Käfig, er ist sehr schön. Doch innen drin ist kaum Platz um spazieren zu gehen. Doch draußen in der Welt sind die Menschen. Ohne mich, ich bin im goldnenen Käfig versteckt. Der goldene Käfig, ich hab ihn noch niemals gewollt. Er umgiebt mich seit über 40 Jahren. Niemals werd ich die Hoffnung aufgeben, einmal frei gelassen zu werden! Bamboleo, Bambolea, lalalala. Bamboleo, Bambolea, lalalala … Der goldene Käfig, er ist aber auch gut. Das Essen ist lecker und im Ofen ist Glut. Der goldene Käfig, ich hab ihn nicht gewollt. Doch er ist da, so lang der Rubel rollt! Bamboleo, Bamboleo, Bamboleo, Bamboleo, Bamboleo.“

Happy auch im neuen Jahr!

Es ist schon ein verrückter Song: „Happy“ von Pharrell Williams. Am 11.3.2014 schrieb ich im Artikel „Wie are happy?!“ von weltweit ca. 518 Videos aus 76 Ländern. Heute zählen die Experten aus Los Angeles ca. 1950 Videos aus 153 Ländern. In Thüringen scheinen die Leute nicht so happy zu sein. Kann ich auch ein Stück weit verstehen. Dennoch habe ich ein schönes Video gefunden, das einige Regionen Thüringens abdeckt.

Mit diesem Video möchte ich allen Lesern dieses Blogs ein frohes und gesundes neues Jahr wünschen. Bleibt happy oder werdet es so schnell wie möglich 😉

Give peace a chance

In Bachmichels Haus habe ich heute einen schönen Beitrag gefunden. Der Weihnachtsfriede ist oft ein Mythos, der in vielen Ländern der Welt jeglicher Realität entbehrt aber sehnlichst herbeigewünscht wird. Nehmt euch ein paar Minuten Zeit in diesen hektischen Tagen und schaut euch in dem Video an, wie Menschen versuchen, den Frieden in ihrem Land durch einfache menschliche Zuwendung zu schaffen, ohne Waffen, mit der einfachen Botschaft: „If Christmas can come to the jungle, you can come home. Demobilize.“ Als erste Maßnahme stellten die Friendensaktivisten Weihnachtsbäume in den Jungle, weil sie merkten, dass an Weihnachten die Zahl der Guerillakämpfer am größten war, die den Kampf verlassen haben.

Sonntag der Weltmission

Mission – sicher auch ein Wort, das heute nicht mehr so politisch korrekt ist. Es ist behaftet mit Begriffen wie: Zwangstaufen, Kolonisierung und dem „finsteren Mittelalter“. Es weckt Assoziationen von Überlegenheit, Stärke und Macht (meist auch politisch), Gewalt und Tod (den Ungläubigen). Wenn wir als Christen heute auf die islamischen Terroristen schauen, dürfen wir nicht vergessen, dass es Jahrhunderte gab, in denen die Christen in den Heiligen Krieg gezogen sind, weil sie sich als Mehrheit verpflichtet sahen – auch mit Gewalt – den Glauben an Jesus Christus in die Welt zu verbreiten. Dass damit auch handfeste politische Interessen verbunden waren und die Motivation dominierten, lässt sich nicht verleugnen. Mancher politische Schachzug wurde in dieser Weise göttlich legitimiert.

Mission stammt vom lateinischen Begriff missio und bedeutet Sendung. Als Christen haben wir von unserem Religionsgründer den Auftrag, die Frohe Botschaft (das Evangelium vom Reich Gottes) und somit den christlichen Glauben zu verbreiten. Biblisch geht das auf eine Textstelle im Matthäusevangelium zurück:

„Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,16-20)

Obgleich es ein allgemeiner Auftrag aller Getauften ist, wird die konkrete Missionstätigkeit an Organisationen übergeben. Diese Missionstätigkeit unterscheidet sich jedoch wesentlich von der landläufigen und zumal von Atheisten verbreiteten „Finsteren-Mittelalter-Theorie“. Organisationen wie das katholische Hilfswerk Missio versuchen den Christen Unterstützung für ihr Leben zukommen zu lassen und wiederum andere Organisationen (auch Ordensgemeinschaften) zu fördern, die ein christliches Miteinander fördern, das auch ein friedliches Zusammenleben verschiedener Religionen ermöglichen soll. In diesem Jahr stellt Missio Pakistan exemplarisch in den Fokus.

Drei Dinge

Drei Dinge sind es, auf denen die Welt beruht:
Das Gesetz,
der Gottesdienst,
die Werke der Nächstenliebe.

Aus dem Talmud

Ain al-Arab

… oder besser bekannt als Kobane oder Kobani. Die ganze Welt schaut auf diese Stadt. Oder anders: Die Welt schaut dem Angriff des IS auf diese Stadt (relativ passiv) zu. Aber was ist an dieser Stadt so besonders? Die Stadt wurde von ca. 54.000 Menschen (2007) – über die Hälfte von ihnen waren Kurden – bewohnt. Araber und Turkmenen bildeten den anderen Teil der Bevölkerung. Im Verlaufe des innersyrischen Konflikts und massiver Binnenflucht ist die Einwohnerzahl bis Mitte 2014 auf über 100.000 gestiegen.

Die Stadt zählt nicht zu den älteren Städten der Region. Die Geschichte der Stadt begann 1912 als kleine Bahnstation mit dem Bau der Bagdadbahn. Seit dem Aufstand gegen die Regierung Assad und dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges fanden auch in Ain al-Arab Kämpfe statt. Wegen ihrer Grenzlage und dem reichlichen Trinkwasser ist die Stadt strategisch wichtig. Seit Anfang 2014 ist Ain al-Arab Zentrum eines der drei selbstverwalteten Kantone Rojavas. Diese Kantone stehen unter der Kontrolle der kurdischen Partiya Yekitîya Demokrat (PYD) und ihrer Verbündeten.

Die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) versuchte ein Jahr lang, die Stadt einzunehmen, scheiterte aber immer wieder an den Volksverteidigungseinheiten (YPG). Mitte September 2014 traten die Terrormilizen zu einer Großoffensive an, ab 28. September 2014 begann der Angriff auf das Stadtgebiet.

Die Schlacht um Kobane war für die internationale Allianz von untergeordneter strategischer Bedeutung. Bis zum Beginn des Häuserkampfes in Kobane waren nur sporadische Luftschläge gegen IS-Stellungen zu verzeichnen. Durch den erbitterten Widerstand der Verteidiger, erfuhr die Schlacht jedoch politische und moralische Bedeutung und die Luftschläge wurden sowohl in erhöhter Anzahl als auch Effektivität gegen Stellungen der Angreifer in und um Kobane geführt.

Sollte der IS trotz zahlenmäßiger und waffentechnischer Überlegenheit nicht die Stadt erobern können, so würden die Terrormilizen den Nimbus der Unbesiegbarkeit verlieren. Falls jedoch die Allianz aus Kurden und ihren Unterstützern dem IS unterliegt, könnte es eine Bestätigung sein, dass das Bündnis brüchig und zu wenig fundamentiert ist. Letzteres ist das meiner Meinung nach wahrscheinlichere Szenarium.

(Quelle: u.a. Wikipedia)

Endlich da – des Desasters letzter Streich?

Orgelbuch-StammteilEs soll im September ab der zweiten Woche ausgeliefert werden – das lang vermisste und seit über einem Jahr überfällige „Orgelbuch zum Stammteil“, so das Deutsche Liturgische Institut. Eine äußerst schwache Leistung war ja schon die Teileinführung des Gotteslobes zum 1. Advent 2013, wohlgemerkt ohne Orgelbuch. In manchen Bistümern ist das Gotteslob ja erst zum Sommer eingeführt worden, wenn überhaupt … 😉 Manch einer wird sich denken: Wir überspringen die Einführung dieses Gotteslobes und warten gleich auf die Neuauflage.

Nikodemus kam in der Nacht – ein Kreuz mit dem Kreuz

Die Nacht, die Zeit der Finsternis, die Zeit des Bösen, des Sinistren, die Zeit in der Jesus mit dem Pharisäer Nikodemus über Kernfragen des Glaubens spricht. Hierzu habe ich im Artikel „Nikodemusgespräche“ und im Beitrag „Licht und Leben“ schon einige Gedanken verbreitet. Heute ist mir Joh 3,13-17 erneut in die Hände gefallen, ein Ausschnitt des Gespräches mit Nikodemus. Es ist die Perikope, die uns zum Fest Kreuzerhöhung (14. September) zugemutet wird.

“ Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn.
Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der (an ihn) glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.“

Das Kreuz – das Zeichen, mit dem sich die Christen seit Jahrhunderten identifizieren. Ein Zeichen der Schande – ein Zeichen der Erlösung und des Heils. Ein Zeichen, das verehrt wird, weil Jesus aus Liebe zu den Menschen daran den menschlichen Tod erlitten hat und deshalb zum Heiland/ Messias/ Erlöser und Retter der ganzen Schöpfung geworden ist. Ein Zeichen das verboten und verworfen wird, auch und besonders in unserer a(nti)-religiösen Gesellschaft.

KreuzHülfensberg2Radikale Atheisten (und darunter sind mehr und mehr ehemalige Christen) fordern ja schon lange die Abschaffung dieses Zeichens, nicht ganz zu Unrecht. Im Namen des Kreuzes wurden schon viele Kriege geführt, wurde statt Erlösung Schwert und Tod gebracht.

Das man etwas missbrauchen kann, was eigentlich Gutes bewirken soll, ist aber keine christliche „Erfindung“. Auch im Namen der Freiheit und Wissenschaft wurden schon Erfindungen dazu missbraucht, ganze Städte in Sekunden dem Erdboden gleich zu machen und Tausende einem sicheren, schleichenden Tod zu überliefern. Römer, Griechen und Perser kann man in unseren Tagen wieder im Kino sehen, wie sie alles niedermetzeln, was ihnen in den Weg läuft. Dazu werden noch die alten Götter der damaligen Welt mit ins Spiel gebracht.

Aber sollte man ernsthaft die Abschaffung des Kreuzes – wenn auch nur in der politischen Welt – erwägen, so müsste man im Zuge der Gleichbehandlung alle Symbole verbieten. Unsere Welt ist voller Symbole. Alles und jedes kann zum Symbol werden. Die Frage ist, was wir damit verbinden und was ein Menschen, der bewusst ein Symbol setzt, damit zum Ausdruck bringen will.

Es bleibt also immer ein Kreuz mit dem Kreuz. Lange haben die Christen sich gescheut das Kreuz als Symbol ihres Glaubens zu nehmen. Die früheste Kreuzesdarstellung ist ein Graffito aus dem zweiten Jahrhundert. Es zeigt einen Mann, der einen anderen Mann mit Eselskopf am Kreuz anbetet. Darunter steht „Alexamenos betet seinen Gott an“.

Durch viele Jahrhunderte wurde das Kreuz ohne den Körper Christi dargestellt, oft mit Edelsteinen besetzt. Das älteste erhaltene monumentale Kruzifix, so nennt man Kreuzesdarstellungen mit dem Körper Jesu, stammt aus dem 10. Jahrhundert.

Für mich ist das Kreuz ein Symbol für die Bedrohungen, denen ich gegenüberstehe, die ich oftmals nicht persönlich abwenden kann; ein Symbol für alle Grausamkeit, die Menschen einander antun können und gegenwärtig antun in der Ukraine, im Irak, in Syrien, in Afrika – oft unter Missbrauch des Namens und der Botschaft Gottes.

Immer wenn ich auf das Kreuz in unserer Kirche schaue, bete ich, dass ich trotz allem Leid, dem ich ohnmächtig gegenüberstehe, mein Vertrauen in einen guten und barmherzigen Schöpfergott nicht verliere. Von ihm erbitte ich die Kraft, auf Hass eben nicht mit Hass zu antworten, die Spirale des Bösen zu durchbrechen. Und eben – bildhaft gesprochen – Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden. Ihm überlasse ich das Gericht über alle Gewalttäter, die menschliche Gerichte nicht erreichen. Von ihm erhoffe ich mir neues Leben, wo das Leben in der uns bekannten Form am Ende ist.

In diesem Sinne ist es heilsam und gut, wenn ich dem Zeichen des Kreuzes begegne: im religiösen Leben, in der Kunst, im öffentlichen Raum. Allen, die daran Anstoß nehmen, wünsche ich, dass sie Menschen treffen, die ihnen erzählen können, was es ihnen bedeutet und welche Hoffnung sie damit verbinden.