Neuer im Team

Ein herzliches Willkommen sieht anders aus: Ein paar Worte vom Geschäftsführer, nicht unbedingt vom Big Boss, und ein Blumenstrauss; das muss reichen. Was ist das für ein Unternehmen, in dem du zur Führungsetage gehörst, aber behandelt wirst, als ob du der letzte Buchhalter bist?
Du darfst hier gar nichts verändern. Wenn dir etwas nicht gefällt, musst du es erst beim Big Boss beantragen und rechtfertigen … hm, kann ich verstehen. Und überhaupt: Da könnte ja jeder kommen, das haben wir noch nie so gemacht, und das hat sich seit Jahrhunderten schon bewährt.
Dann kommt noch das schärfste Argument: Veränderungen brüskieren die Ehrenamtlichen, auch dann, wenn sie mit den Veränderungen in keinster Weise in ihrer Mitarbeit gestört werden. Ein konstruktives Miteinander anzumahnen und dieses an sich selbst zu praktizieren, sind zwei verschiedene Dinge.
Gefühle sind irrelevant. Alles muss allein vom Verstand regiert werden. Diese Versuchung führt nicht nur in die Irre, sondern auch zu einem sehr frostigen Klima. Wie sich der Neue fühlt wird weder beleuchtet noch in irgend einer Weise verstanden. Entgegenkommen nur auf Konfrontationskurs.
Es bleibt nur die Hoffnung, dass irgendwann mal alles anders wird. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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6 Jahre „Nacht des Herrn“

Die Zeit flieht wie ein Schatten. Heute erinnert mich wordpress, dass ich mich vor 6 Jahren registriert habe. Genau genommen am 3. März 2011 habe ich meinen allererster Artikel veröffentlicht: „Was gibt’s Neues?

In dem Posting erkläre ich mein Anliegen, in der sog. Blogozese einen Kontrapunkt setzen zu wollen. Das kommt auch in vielen Artikeln zum Ausdruck. Am 11. Juni 2012 Habe ich das auch noch einmal explizit in einem Artikel gepostet: „Katholische Blogs und mehr …“ In der letzten Zeit mehren sich jedoch die Gedanken zur Politik, vor allem der Weltpolitik. Religion schwebt nicht im luftleeren Raum, die Entwicklung in der Welt – zurück zu Kleinstaaterei und Despotentum – macht mir große Sorgen. Auch wenn viele meinen, sie leben (hier in Deutschland/ Europa) ziemlich sicher, rechnen sie nicht damit, dass auch Demokratien Kriege führen können, und sich die Sicherheit schnell verflüchtigen kann.

Die Blogozese an sich hat mit dem Pontifikat Papst Franziskus‘ an Bedeutung verloren. Die Lichtgestalt der Blogozese war Papst Benedikt XVI., der durch sein Pontifikat den Traditionalisten große Hoffnungen gemacht hat. Die Blogozese hat nie große Bedeutung in der kath. Kirche Deutschlands erlangt, weil sie als diffuses Sprachrohr der Fundamentalisten ein Sammelbecken ziemlich eigen- und einzigartiger Gedankenakrobaten war, denen es nicht gelungen ist, eine allgemein interessierende Plattform zu schaffen, die zu einem sinnvollen Diskurs angeregt hätte. Das war auch nie Sinn und Ziel der Blogozese geschweige denn ihrer Bloggertreffen. Statt dessen wurden die Ansichten „modernistischer“ Theologen, Priester und Gläubige in unregelmäßigen Abständen karikiert und verteufelt. Nach althergebrachter (mittelalterlicher) kirchlicher Tradition. Die meisten der bedeutendsten Blogger der Blogozese schreiben auch heute noch, aber faktisch existiert die Blogozese nicht mehr, siehe auch: „Aufbruch und Niedergang der Blogozese“ – ein Schwanengesang auf dieses Phänomen der Bloggerszene.

Der Titel meines ersten Postings stammt übrigens aus der stereotypen Eröffnungssequenz der NDR-Radio-Comedy „Frühstück bei Stefanie„.

Traditionalistisch – Fundamentalistisch

Lange hatte ich folgenden Artikel im Köcher. Jetzt aber, wo alle Welt von den Leuten schwätzt, die sich funfamentalistischen Strömungen des Islam anschließen und sich radikalisieren – wobei die Frage bleibt, ob der IS überhaupt muslimisch ist – habe ich mir gedacht, kannst du ja auch mal über die Tradis/ Fundis in der Römisch-Katholischen Kirche palabern. Nach all der Zeit (zuletzt revidiert 18.11.2011) findet man sogar noch alle Links, auf die der Post verweist.

Wer hätte das gedacht: Gott versteht nur Latein. Ich wusste es immer. Alles andere ist „Geschwätz mit dem Nachbarn“. Wenn ich also in Deutsch zu Gott bete, dann versteht er mich gar nicht. Jetzt wird mir so manches klar: Wir brauchen die Messe des extraordinären Ritus, weil wir als muttersprachlich deutsche Katholiken gar nicht von Gott verstanden werden und deshalb in Form des Latein vor sich hermurmelnden Priesters einen Fürsprecher brauchen. Er ist ja als einzig wahrer und verständiger geweihter Christ in der Lage oder besser gesagt von Gott dazu auserwählt, meine Gebete zu transformieren.

Wem hält hier der Priester die Hostie entgegen und warum?

Manche Leute schnipseln sich die Videos so zurecht, wie sie es für ihre Propaganda brauchen. Siehe auch: Katholische Konterrevolution. Wirklich furchtbar ist das. Dabei heißt es doch: Du sollst nicht lügen. Ich frage mich, welches Kirchenbild hier vermittelt werden soll? Und die einzig brauchbare Antwort, die mir auch jeder normale Mensch geben wird, ist: Die Kirche steckt doch noch im Mittelalter. Fragen der Neuzeit werden als irrelevant und böse abgestempelt. DIALOG wird mit DIABOLOS gleichgesetzt. Der Weltsicht der Moderne und Postmoderne wird ein Katechismus entgegengehalten, der eine meterdicke Staubschicht aufweist.

Hier noch zwei Artikel, die ich für besonders durch den Wind halte: Kontinuität oder Bruch sowie Was heißt „die neue Messe anerkennen“. Und dabei muss ich der Ausdruckskraft meiner Meinung Einhalt gebieten. Nur soviel: In welcher Welt lebt der Verfasser? Gestern oder vorvorgestern? Ach nein, er meint die Piusbrüder! Das ist ja schon klar, dass die nicht in dieser Welt leben. Der Kosmos dieser Vereinigung dreht sich nur um das Eucharistieverständnis der Missa Tridentina.

Ich versteh‘ die Fundis nicht. Sie geben sich so kämpferisch für ein Kirchenbild, das in einer Zeit entstanden ist, in der die Welt am Abgrund stand: Nepotismus und Simonie waren in der Kirche an der Tagesordnung. Gegen diese und andere Missstände in der Kirche galt es eine klare Linie zu vertreten. Das hat das Tridentinische Konzil auch geschafft. Auch in der Priesterausbildung. Aber die Zeiten haben sich geändert. Heute stehen ganz andere Probleme auf der Tagesordnung, auf die die Traditionalisten keine verständliche und befriedigende Antwort haben.

[Hier doch eine Nebenbemerkung in der Revision: Die Welt steht auch heute an einem Abgrund. Auch der ist hausgemacht; betrifft aber weder den religiösen Diskurs noch innerkirchliche Missstände, sondern einen eher handfest existenziellen: der viel zu wenig beachtete Klimawandel mit all seinen leider nur all zu wahren Katastrophen- und Horrorszenarien.]

Abgrenzend von ihnen möchte ich mich als konservativ im positiven Sinne betrachten. Traditionell eingestellt – nämlich den Traditionen der Kirche insbesondere des II. Vatikanums mich verpflichtet fühlend. Dabei sehe ich das Konzil als kontinuierlich in der Reihe der Konzilien stehend an. Es gibt keinen Bruch in der Kirche, jedenfalls nicht durch das Konzil. Die Brüche in der Kirche sind anderer Natur. Das II. Vatikanum hat versucht Antworten zu finden auf die Erfordernisse der Zeit. Weil aber fundamentalistische Kräfte eine Weiterentwicklung der Ideen des Konzils verhindern, verlieren katholische Christen hier in Europa immer mehr an Ansehen. Atheistische „Bewegungen“ werden zunehmend radikaler und der Glaube scheint nicht nur in der römisch-katholischen Kirche zu verdunsten.

Nebenbei: Ich kann es nur als Satire auffassen, wenn Fundamentalisten in ihren Blogs darauf verweisen, dass sie zu den Aussagen des II. Vatikanums stehen würden. Irgendwie kann ich aber schlecht darüber lachen. Aber wahrscheinlich ist das so ein Fundi-Insider-Witz, haha. Tatsächlich entfernen sich viele Katholiken von den Lehrmeinungen des II. Vatikanischen Konzils. Statt dessen gehen sie einen Schritt zurück. Aus Angst vor den Unsicherheiten der Moderne und Postmoderne skandieren sie die Ausführungsbestimmungen des Tridentinischen Konzils, die in der Folge in entscheidender Weise zu Kirchenspaltungen beigetragen haben. Mangelnde Dialogbereitschaft war schon damals der Knackpunkt gewesen. Wäre es zu einem echten Disput zwischen Papst, Luther und Theologen gekommen, so sähe die katholische Welt heute anders aus. Warum soll die Kirche sich nicht weiterentwickeln? Weil das Tridentinum das Non-Plus-Ultra ist?

Viele Fundamentalisten meinen, sie hätten die Wahrheit für sich gepachtet. Da sind die Leute, die Handzettel verteilen gegen die Handkommunion. Wer jemals einen solchen Wisch gelesen hat, kann verstehen, weshalb die Fundamentalisten sich so oft folgender Wörter bedienen: Hölle, Teufel, Linke Theologen (was immer das sein mag – lach mir einen Ast, die Leute, die so etwas schreiben, wissen gar nichts vom real-existiert-habenden Sozialismus in der DDR, pah, und schimpfen auf alle, die „modernistische“ Äußerungen von sich geben – was immer das jetzt schon wieder sein mag) und häretisch und schismatisch. Seien wir mal ehrlich, wer verwendet diese Wörter heute noch im alltäglichen Sprachgebrauch. Die stereotype Antwort darauf kenn‘ ich schon: Deshalb sind sie nicht weniger wahr. „Quid est veritas?“ – Gott ist Wahrheit! Und ob Gott die Rubriken der Extraordinären Messe so gut kennt, wie manche Priester/ Laien oder ob er das Kirchenrecht so genau studiert hat, wage ich zu bezweifeln.

Naja, so viel dazu …

Albertus Magnus: Religion und Wissenschaft

Am 15. November gedenkt der katholische Heiligenkalender des Hl. Bischofs und Kirchenlehrers Albertus Magnus. Er wird insbesondere von Theologiestudenten gefeiert. Albert der Große ist Patron der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt. Daher wird sein Tag seit langem schon besonders durch Gottesdienst und Festakademie und studentischen Aktionen besonders begangen. Die neue Homepage der Fakultät verschweigt uns allerdings dieses Fest auf den ersten Blick. Man muss schon sehr genau hinsehen. Erst unter dem Link „Nächste Veranstaltungen“ erlangt man nähere Informationen.

Albertus Magnus war nicht nur ein hervorragender Theologe, sondern auch Naturwissenschaftler. Als „doctor universalis“ steht er dafür, dass Glaube und Wissenschaft durchaus zusammen gehen können. Zeitlebens blieb er ein frommer Mensch und eifriger Beter. Er sollte auch heute ein Vorbild eines jeden Wissenschaftlers sein auf der Suche nach Wahrheit und Klarheit.

Fröhliche Weihnachten

Allen Lesern meines Blogs wünsche ich ein fröhliches und friedvolles Weihnachtsfest,
auch all jenen, die keinen Grund zur Freude sehen.

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Jede Lok steht still

… wenn dein Gewerkschaftsboss nicht verhandeln will.

Heute streiken die Lokführer schon wieder. Obwohl ich – Gott sei Dank – nicht auf die Deutsche Bahn angewiesen bin, gilt mein aufrichtiges Mitleid allen Bahnkunden, die sich im Nirvana der Zugverbindungen verlieren. Ich habe das auch schon erlebt, als ich 2007 aus dem Urlaub nichts ahnend mitten im Schüler- und Pendlerchaos in Rosenheim gestrandet bin. Damals hatte ich wirklich Angst, nicht weiter zu kommen. Es war auch das letzte Mal, dass ich mit der Bahn in den Urlaub gefahren bin.

Und Verlieren ist das richtige Stichwort. Ich habe überhaupt kein Verständnis für die mangelnde Verhandlungsbereitschaft der GdL. Warum setzen sie sich nicht an den Verhandlungstisch? Angebote und Verhandlungsbereitschaft der DB sind da!!! Aber wer ist dieser Weselsky, Chef der GdL? Die ARD hat vor wenigen Minuten einen Audiobeitrag im Internet veröffentlicht: „Im ständigen Angriffsmodus„.

Interessant finde ich auch den Beitrag, der die ganze Geschichte aus dem Blickwinkel eines jungen Lokführers zeigt. Dabei fiel mir der Begriff „Eisenbahnerfamilie“ auf. Zwei Begriffe – eigentlich –  in einem, die romantisch belegt sind mit Werten, die jeden von uns wichtig sind: Heimat, Familie, Freunde, Freizeit und nicht zu letzt Freiheit, nicht nur Reisefreiheit, für die wir uns vor 25 Jahren stark gemacht haben.

Und noch eines wird mir bei der „Eisenbahnerfamilie“ klar: Die Forderung der GdL jegliches Zugpersonal vertreten zu wollen, liegt nicht nur in diesem Wertekosmos sondern auch in der Behauptung Weselskys begründet, der befürchtet, dass diese Kampagne von der Deutschen Bahn gesteuert werde. Die spiele auf Zeit – weil in Berlin an einem Gesetzentwurf gearbeitet wird, der die Tarifeinheit neu regelt. Das Arbeitsministerium will, dass in den Betrieben der Tarifvertrag der größten Gewerkschaft gilt – so jedenfalls die Sichtweise der GdL, die wohl auch mit einigen Ansichten von Journalisten konform geht.

Endlich da – des Desasters letzter Streich?

Orgelbuch-StammteilEs soll im September ab der zweiten Woche ausgeliefert werden – das lang vermisste und seit über einem Jahr überfällige „Orgelbuch zum Stammteil“, so das Deutsche Liturgische Institut. Eine äußerst schwache Leistung war ja schon die Teileinführung des Gotteslobes zum 1. Advent 2013, wohlgemerkt ohne Orgelbuch. In manchen Bistümern ist das Gotteslob ja erst zum Sommer eingeführt worden, wenn überhaupt … 😉 Manch einer wird sich denken: Wir überspringen die Einführung dieses Gotteslobes und warten gleich auf die Neuauflage.

Einmal werden wir noch wach …

Konklave - weisser RauchDie fast zweijährige Vakanz des Erfurter Bischofstuhles ist zu Ende. Wie heute bekannt wurde, hat Erfurt einen Neuen. Reporter vom MDR verkünden sogar, dass es ein Nicht-Thüringer ist – o Wunder 😉

Aber diese Geheimniskrämerei: Wie die Presseagentur des Bistums mitteilt, wird das Domkapitel morgen nach dem Mittagsgebet den Namen preisgeben und somit die Sache offiziell machen. Wenn man das mal mit der Papstwahl in Rom vergleichen würde, so hieße das: Das Konklave hat sich auf einen neuen Papst geeinigt, aber wir warten noch 24 Stunden, bis der Neue sich dem Volk zeigt. Habemus …  ??? Irrsinn …

Blockbustaz

Wer hat schon gegen „Blockbustaz“ (42048 Stimmen) in der Abstimmung eine Chance? Der Tod mit seiner Sitcom „Jetzt ist Sense“ (8495 Stimmen) konnte sich leider nicht durchsetzen. Aber man kann sich beide Piloten anschauen:

Blockbustaz hier

Jetzt ist Sense hier

und last and least auch den dritten Beitrag: Alibi Agentur hier

Infos zur Aktion auf ZDFneo: Der Tod und die Sitcom.

Der Tod und die Sitcom

Da wollte ich heute mal wieder gemütlich in meinen verlinkten blogs lesen und da stolper ich gerade über einen Beitrag im Bestatterweblog: Jetzt ist Sense. Na, klar, denke ich, was sonst soll auf einem Bestatterweblog auch stehen als ein Artikel über den Sensenmann. Aber wenn man weiterliest, erlebt man eine Überraschung.

ZDFneo –  wer guckt das schon – bringt Ende August (also in knapp 4 Tagen und 3 Stunden) eine Sitcom heraus, die zwei Haupthelden hat: einen Schlüsseldienstfuzzi Andi und seinen besten Freund, den Tod. Ja, den Sensenmann, der allerdings nicht mehr mit Kapuzenkutte, Knochenhand und Sense daherkommt sondern im Anzug und einfach stoisch seine Arbeit macht. Bei Andi hat er noch einen gut, weil er den aus dummen Zufall und Schusseligkeit hat leben lassen. Jetzt wird er sein bester Freund, hat endlich mal jemanden zum ratschen und folgt ihm seitdem überall nach. Andi ist der einzige, der den Tod sehen kann, was ihn selbst verständlicherweise nervt, denn seine Umgebung hält ihn zunehmend für verrückt.

Interessanter Plot. Erinnert mich ein bisschen an: Die Geschichte vom Brandner Kasper. Wobei ich ja die Version mit Bulli Herbig ganz toll finde. Hier noch die entsprechende Seite von ZDF-neo: Jetzt ist Sense. Das Verrückte dabei ist jedoch: Diese Sendung ist nur ein Pilot, der erst zur Serie wird, wenn er die Abstimmung gewinnt. Also fleißig voten – für den Tod. Denn Sterben müssen wir doch alle, oder?

Du kommst hier nit rein

Wo gehste … in Kino … Ne, nix mit „Quo vadis“, „Noah“ hab‘ ich mir gestern mit einem guten Freund angetan. Und das ist noch das Positivste daran, ich meine den guten Freund, der auch ein wenig konsterniert den Kinosaal nach über 2 Stunden verlassen hat. Wikipedia schreibt: „Der Film basiert auf der biblischen Geschichte von Noah, seiner Arche …“ Das „Basieren“ ist hier mehr als ein „Sich anlehnen“ zu verstehen. Nach dem Schema: Kaffekochen für Schwachmatiker: Man nehme eine Bohne und lasse den Schatten bei Sonnenschein in kochendes Wasser fallen. Aber Vorsicht nicht im prallen Sonnenschein sondern doch lieber im Halbschatten.

Der Regisseur und Drehbuchschmierfink Darren Aronofsky (schuf auch den pseudo-wissenschaftlichen Sci-fi-Thriller „π“) tischt den Fantasy-verwöhnten und wenig bibelfesten Zuschauern einen gewaltschwangeren, allzu wunderträchtigen und vegie-esoterischen Mix auf, der aus Bibel, Apokryphen (z.B. das Jubiläenbuch, das Henochbuch, die Apokalypse des Adam u.a.), mystischer jüdischer Literatur, z.B. der Tanach des Schlomo ben Jizchak, einem bedeutenden Rabbiner des 11. und frühen 12. Jahrhunderts, und Sintfluterzählungen anderer Religionen seine Quellen speist.

Das Gesamtbild ist aber so verzeichnet, dass die Kritik von Rüdiger Suchsland noch sehr milde ausfällt: Es sei ein christlich-fundamentalistisches Fantasy-Stück, das an ein Werbefilmchen für Intelligent Design erinnere, ein „esoterischer Erweckungsschmarrn“. Die ganze Kritik findet sich im Artikel: „Wer sündigt, hat den Tod verdient!“ Letztendlich hat’s dann doch jemand von den Sündern und Fleischfressern (das ist ein unmittelbarer Zusammenhang in dem Film), den Nachfahren Kains, in die Arche geschafft und den Ham verführt – kein fundamentum in der Bibel und auch nicht anderswo …

Evangelikale Kreise beklagen nicht zu Unrecht den mangelnden biblischen Bezug. Islamische Zensoren verbieten die Ausstrahlung in manchen islamisch geprägten Ländern, weil der Film nicht dem Koran entspricht. Fazit: Die Einzigen, die es wohl freuen wird, sind die Vegetarier. Das sind nämlich die Guten: „Wir sammeln nur, was wir brauchen“ und die Pseudo-Endzeitmystiker und Zivilisations- und Kulturpessimisten (also die wahren „Grünen“ und Greenpeace-Aktivisten): „Vor uns liegen Städte. Davon halten wir uns fern“. Das ist auch mein Ratschlag: Macht lieber einen schönen Osterspaziergang und spart euch das Geld für einen anderen Kinofilm.

Das neue Gotteslob ist da

Juh-hu, wie ich mich freue 😦 Nach dem (noch nicht ausgestandenen) scheinbar endlosen Desaster mit der Einführung des neuen Kirchengesangbuches „Gotteslob“ kommt es heute¹ in unsere Gemeinden des Bistums Erfurt. Mehr oder weniger feierlich wird es eingeführt. Ich plädiere ja dafür, dass in diesem Fall weniger mehr ist. Kein großes Brimbamborium. Es ist einfach da und wird ab heute¹ benutzt. Über die Benutzerfreundlichkeit möchte ich vorab dennoch schon einiges loswerden.

neues GotteslobIch habe das Buch ja schon seit einigen Wochen zur Ansicht und jetzt seit einigen Tagen auch die für meine Augen notwendige Seniorenausgabe. Der Schriftsatz ist – um es positiv zu sagen – gewöhnungsbedürtig. Die für die neue Ausgabe extra entwickelte Schrift soll auch in dunklen Kirchen gut lesbar sein. Naja. Einzelne Seiten sind schlichtweg Papierverschwendung. Man hätte sich lieber ein Beispiel am neuen evangelischen Gesangbuch nehmen sollen. Das ist übersichtlicher; es hat mehr Lieder; überhaupt ist es ein Gesangbuch. Das neue Gotteslob verfolgt jedoch ein anderes Konzept: Nicht nur Gesang- und Gebetsbuch will es sein, sondern auch ein Liturgiebuch und ein Hausbuch. Die Bischöfe schreiben zur Einführung:

„Neu hinzugekommen sind gottesdienstliche Formen wie Tagzeitenliturgien, Wort-Gottes-Feiern und häusliche Andachten.“

Naja, die Tagzeiten sind nicht ganz neu: Laudes, Vesper und Komplet waren auch schon im alten Gotteslob. Im übrigen dort so sortiert, dass man sie unter den Zeiten im Jahreskreis finden konnte. Jetzt sind sie alle hintereinander geklatscht, nein, nicht nach den Psalmen sondern erst ab Nr. 613 bis Nr. 667. Hinzugekommen und wirklich neu ist eine Eigenfeier in Form eines Morgenlobs, Abendlobs oder Nachtgebet. Zu diesen Gebetsformen gab es schon einmal eine Buchreihe. Diese werden aber genau so wenig  gepflegt wie die normalen Tagzeitenliturgien (außer an Kathedral- oder Hauptkirchen).

GotteslobengelDanach kommt ein klitzekleiner Beitrag zu den Wort-Gottes-Feiern. Das zeigt auch, wer am neuen Gotteslob mitgestrickt hat … die Lateinfraktion. Unter der kuriosen Rubrik „Woche“ findet sich der „Sonntag“ unter der Nr. 103 und dann geht es gleich mit den „Messgesängen“ weiter, beginnend mit „Lateinische Ordinarien“ 18 Seiten und dann 9 Seiten „Deutsche Ordinarien“.

Ab Nr. 672 findet sich das Puzzlespiel „Andachten“. Erst der Eröffnungsteil Nr. 673 – eine Seite!!!, keine Alternativen; dann zur Aussetzung Nr. 674 – eine Seite!!!, keine Alternativen; dann die Andachten, die sich am Leben Jesu orientieren usw. jeweils zwei Seiten!!! und schlussendlich der „Abschluss“ Nr. 681 ohne und Nr. 682 mit eucharistischem Segen. Daran schließt sich die Kreuzwegandacht an – was soll ich noch sagen, aber ich muss mich wiederholen: Papierverschwendung!!! Dann folgt der Regionalteil, über den ich noch gesondert nachdenken muss. Erst einmal so viel: Man hat unter anderem versucht, aus dem Stammteil verbannten Hits Asyl zu gewähren.

Fazit: Wir werden uns daran gewöhnen müssen. Das Einheitsprinzip ist und bleibt immer die Crux. Vor allem dann, wenn es heißt, der Vielfalt gerecht werden zu wollen.

„In diesem Sinne wünschen wir dem neuen Gotteslob eine gute Aufnahme – uns allen aber viel Freude damit und Gottes Segen!“

Erfurt, den 30. März 2014       Für das Bistum Erfurt:               Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, Diözesanadministrator

¹ Sorry, gestern war so ein schöner Tag, dass ich diesen Artikel erst am Montag fertiggestellt habe.